Zur Ethik und Durchführung eines Abistreichs

Der Abistreich ist eine Aktion vormaliger Schülerinnen und Schüler (Abiturienten), die nicht länger der schulischen Disziplinargewalt unterstehen. Der Streich suspendiert symbolisch die schulische Disziplin bzw. Hierarchie zur Freude der verbleibenden Schüler­innen und Schülern, indem Schulleitung wie auch dem Lehrerkollegium „subversive“ Dinge und Handlungen zugemutet werden. So lässt sich der Abitur-Streich mit Narrenaktionen am Gumpigen (schmutzigen) Donnerstag – Stürmen des Rathauses, Abschnei­den der Krawatten der Vorgesetzten – vergleichen – mit einem gravierenden Unterschied, dass der Abistreich nämlich keinem festen Ritual folgt und darin riskant ist.

Was der Abistreich nicht ist:

  1. persönliche Rachemaßnahme oder Vergeltung gegenüber Schulleitung oder einzelnen Lehrern
  2. „Freinacht“ für Sachbeschädigung, Vandalismus und Verunglimpfungen

Für die ethisch vertretbare Durchführung eines Abistreiches (wider die Schulordnung!) ist Folgendes zu beachten:

  1. Es dürfen keine Sachbeschädigungen vorgenommen werden. Das heißt die Wiederher­stellung des ursprünglichen Zustands darf keine Reparaturarbeiten erfordern. Tem­poräre Verunreinigungen sind so zu halten, dass dem schulischen Personal, insbeson­dere Hausmeisterinnen und Reinigungskräften keine Überstunden zugemutet werden. Dies bedarf vorab einer entsprechenden technischen Klärung durch sachkun­dige Personen.
  2. Sprachliche Äußerungen und symbolische Aktionen, die auf konkrete Personen zielen (und witzig sein wollen), dürfen nicht die betreffenden Personen beleidigen oder ver­un­glimpfen. Es empfiehlt sich für Abiturienten, ihre Planungen schulneutralen und urteilsfähigen Personen vorzustellen, um eine Einschätzung zu erhalten, wie der geplante Streich falsch ankommen könnte.
  3. Abistreiche können mitunter „gehackt“ werden, indem schulfremde Personen oder aber andere Ex-Schüler die Nacht davor zum Anlass nehmen, Sachbeschädigungen oder verbale „Abrechnungen“ vorzunehmen. Derartige Aktionen fallen unweigerlich auf die „streichverantwortlichen“ Abiturienten zurück. Es ist daher angebracht, dass Abiturienten, von denen die Durchführung eines Abistreichs erwartet wird, in der Nacht und am Morgen vor dem Streich persön­lich einen Wachdienst für das Schulge­bäude organisieren und damit sicher­stellen, dass nur ihre geplante Aktion zum Zuge kommen kann.

Ein Abistreich hat nicht nett und harmlos zu sein. Er darf Zumutungen und Herausforde­rungen enthalten, die uns alle daran erinnern sollen, dass Menschen, die sich an einer Schule in definierten Rollenverhältnissen begegnen, letztendlich in ihrer je eigenen Würde einander ebenbürtig sind und keiner von uns das letzte Wort über einen anderen Menschen hat.

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