„Machen wir also unsere Seele zum Himmel!“ (Johannes Chrysostomus)

Das ist nicht alles dogmatisch (im lutherischen Sinne) korrekt, was Johannes Chrysostomus in seinen Homilien zum Hebräerbrief (16,3) in Sachen Seelenhimmel schreibt. So passt es wohl eher ins christliche Poesiealbum:

Man sagt, Gott sei im Himmel. Warum? Nicht als ob er örtlich dort eingeschlossen wäre, bewahre! Noch auch, als ob er der Erde seine Gegenwart entzogen hätte, sondern wegen des liebevollen Verhältnisses, in dem er zu den En­geln steht. Wenn auch wir Gott nahestehen, so sind wir im Himmel. Denn was kann mir am Himmel liegen, wenn ich den Herrn des Him­mels schaue, wenn ich selbst der Him­mel geworden bin? »Ich und mein Vater«, heißt es, »wer­den zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.« [Joh 14,23] Machen wir also unsere Seele zum Himmel! Der Himmel ist von Natur aus heiter, und auch bei Un­wetter wird er nicht schwarz; denn er selbst verändert nicht sein Aussehen, sondern die ihn überziehenden Wol­ken verbergen ihn. Der Himmel besitzt die Sonne, auch wir haben die Sonne der Gerechtigkeit.

Ich habe gesagt, wir könnten wie der Himmel werden, und ich gewahre, dass wir vor dem Himmel sogar einen Vorzug haben können. Wieso? Da wir den Herrn der Sonne ha­ben. Der Himmel ist allseitig rein und unbefleckt und än­dert sich weder bei Unwetter noch bei Nacht. Darum soll uns das auch weder in Trübsalen noch bei den Versuchun­gen des Teufels begeg­nen, sondern wir wollen unbefleckt und rein bleiben! Der Himmel ist hoch und weit von der Erde entfernt: So wollen auch wir uns von der Erde ent­fernen und zu jener Höhe empor­streben. Und wie ent­rücken wir uns der Erde? Wenn wir an das Himmlische denken. Der Himmel ist höher als Regen und Sturm und wird davon nicht erfasst: das gleiche vermögen auch wir zu leisten, wenn wir nur wollen. Der Himmel scheint von ihnen getroffen zu werden, aber das ist nicht der Fall: so wollen auch wir von Leiden frei bleiben, selbst wenn wir von ihnen erfasst zu sein scheinen. Denn wie im Winter viele seine Schönheit nicht erkennen, sondern meinen, er ändere sich — die Gelehrten aber wissen, dass nichts der­gleichen mit ihm geschieht —, so wähnen auch viele, in den Trübsalen geschehe ein Wechsel mit uns und die Trübsal ergreife unser Herz selbst; die Wissenden aber sind über­zeugt, dass sie uns nicht erfasst habe.

Werden wir also selbst ein Himmel! Steigen wir zu jener Höhe auf, dann werden wir sehen, dass sich die Menschen von den Ameisen nicht unterscheiden. Wir werden dort die Armen und Reichen nicht mehr auseinander erkennen; ja, wenn jemand ein Feldherr oder König wäre, wir wer­den ihn dort weder als König noch als Privatmann erken­nen. Wir werden nicht wissen, was Gold oder Silber, was ein seidener oder purpurner Mantel ist. Wir werden alles wie Fliegen ansehen, wenn wir in jener Höhe sind. Dort ist kein Lärm, kein Aufruhr, kein Geschrei. »Doch wie kann«, sagt man, »wer auf dieser Erde wandelt, auf jene Höhe erhoben werden?« Ich will das nicht einfach durch Worte ausdrücken: Ich werde dir jene, die zu dieser Höhe gelangt sind, selber zeigen. Wer sind diese? Paulus und seine Anhänger, meine ich, die auf der Erde wandelnd im Himmel weilten. Was sage ich im Himmel? Über den Himmel waren sie erhaben und auch über den andern Himmel: bis zu Gott selbst stiegen sie empor. »Denn wer«, heißt es, »wird uns scheiden von der Liebe Christi? Trüb­sal, Angst, Hunger, Blöße, Gefahr, Verfolgung, Schwert? « … Damit ich dir aber zeige, dass er über den Himmel erha­ben war, so höre ihn selber sprechen: »Ich bin überzeugt, dass weder Leben noch Tod, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Starkes noch Hohes noch Niederes noch sonst etwas Er­schaffenes uns zu scheiden vermag von der Liebe Christi.« [Röm 8,38 f.]

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