Meine Stellungnahme zum geplanten Bau einer Moschee in Vöhringen

Ich bin von der Illertisser Zeitung bezüglich des Baus einer Moschee in Vöhringen/Iller um eine Stellungnahme gebeten worden. Hier die Originalfassung meines Textes:

Der geplante Bau einer Moschee bringt zum Ausdruck, dass türkischstämmige Menschen, die über mehrere Jahrzehnte in Vöhringen gelebt haben, hier bei uns heimisch geworden sind. Der Wunsch nach einem Neubau mit Minarett ist verständlich und politisch legitim. Die Öffentlichkeit eines solchen Gebäudes – die Koranschule eingeschlossen – stellt sicher, dass es eben kein Ort extremistischer Lehre werden kann. Hinterhoflösungen sind auf Dauer im Hinblick auf einen Islamismus viel eher gefährlich.

Weite Teile der Bevölkerung tun sich dennoch schwer mit der Vorstellung einer solchen Moschee. Eine fremdstämmige Gruppe mit eigenen religiösen Gebräuchen und Sprache im angestammten Lebensraum zu tolerieren, ist keine einfache Herausforderung. Die katholische Bevölkerung in Vöhringen hat sich schon einmal solch einer Herausforderung gestellt, als es um den Bau einer evangelischen Kirche vor mehr als 75 Jahren ging. Die Toleranzanforderungen gegenüber dem Islam sind freilich ungleich höher, sind doch zusätzlich eine andere Sprache und kulturelle Herkunft im Spiel.

Ängste gegenüber dem Islam sind möglicherweise durch eigene religiöse Sprach- bzw. Teilnahmslosigkeit mitverursacht. Wer in der Gemeinschaft mit anderen Christen darauf vertraut, dass Jesus Christus Herr über das eigene Leben ist, ist von eigenen Zukunftsängsten befreit. Dies erleichtert die Toleranz gegenüber einer fremden Religion. Insofern lässt der Bau einer Moschee Christen nach deren eigener Identität fragen. Ich wünsche mir, dass evangelische und katholische Christen in Vöhringen fähig sind, auch gegenüber Muslimen ihren Glauben an Jesus Christus zu bezeugen. Dann sehe ich für ein Zusammenleben keine unüberwindlichen Schwierigkeiten.

Jochen Teuffel

Der betreffende Artikel in der Illertisser Zeitung ist am 1. September erschienen.

2 Kommentare

  1. Intoleranz gibt es in religiôsen und nicht-religiôsen Gemeinschaften, vor allem wenn das Prinzip der Gleichberechtigung dem – ideologisch motivierten -Anspruch auf hôhere Wertigkeit weichen muss. Religiôse Führer verkaufen ihre Religion als „die beste“, politische Führer proklamieren einen „Kampf der Zivilisationen „ als Vorwand für imperialistische Kriege etc. Ein Leben ohne Feindbilder fällt uns schwer.

  2. „Dann sehe ich für ein Zusammenleben keine unüberwindlichen Schwierigkeiten.“ Das Zusammenleben findet ja schon statt, dank einer politischen Geschichte von dt.-türk. Anwerbeabkommen 1961 bis offene Grenzen seit September 15.

    Die Frage mit der Moschee ist eine andere: soll der Ruf „Es gibt keinen anderen Gott als Allah und Mohammed ist sein Prophet“ auch über Vöhringen erschallen? Das gehört zum Minarett zwingend dazu. Wer könnte weghören? Wer kann die theologische und politische Praxis des Islam in den 57 Mitgliedsländern der Kairoer Erklärung leugnen und deren praktische Konsequenzen für die Christen in diesen Ländern?

    Aus dem Allmachtsanspruch des Islam folgert zwingend, daß der Bau einer Moschee auch eine politische Frage ist. Wie würde ein Bischof in Irak, Armenien, der Türkei, des Irak, in Syrien oder Ägypten diese Stellungnahme schreiben? Was würde er Pfr. Teuffel und den Vöhringern empfehlen?

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