Soll man Kirchensteuern zahlen? Zur Tempelsteuer in Matthäus 17,24-27: „Zum anderen entscheidet sich Jesus dennoch dafür, die Tempelsteuer zu zahlen – nicht aus Anerkennung ihrer Legitimität, sondern ausdrücklich, um keinen Anstoß zu erregen. Gerade in dieser Konzession wird jedoch seine Distanz zur religiösen Steuerpraxis deutlich. Denn das geforderte Geld soll weder aus dem eigenen Geldbeutel noch aus den eigenen Einkünften stammen, sondern ist dem Maul eines Fisches zu entnehmen. Die Steuerschuld wird mit etwas beglichen, das weder Jesus noch Petrus zuvor besessen oder erwirtschaftet haben.“

Soll man Kirchensteuern zahlen? Zur Tempelsteuer in Matthäus 17,24-27

Im Evangelium nach Matthäus wird Petrus in Kapernaum von Steuereintreibern mit der Frage konfrontiert, ob Jesus die Doppeldrachme als religiöse Tempelsteuer entrichte, wie sie in der Tora (Ex 30,13) vorgeschrieben ist. Petrus bejaht dies, doch seine Antwort wird durch Jesu eigene Worte relativiert und zugleich korrigiert:

Was denkst du, Simon? Von wem nehmen die Könige der Erde Zölle oder Steuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden? Als er aber sagte: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin zum See, wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den fasse und öffne sein Maul; so wirst du einen Stater (= vier Drachmen) finden; den nimm und gib ihnen für dich und mich.“ (Mt 17,24-27)

Mit dieser Antwort bringt Jesus zweierlei zum Ausdruck. Zum einen erscheint die Tempelsteuer als fragwürdige Zwangsabgabe, die das Verhältnis zwischen Steuererhebenden und Steuerpflichtigen entfremdet. Tributpflichtig sind nur die „Fremden“, die sich der Herrschaft eines Königs gezwungenermaßen unterordnen müssen. Die Söhne und Töchter hingegen sind frei. Übertragen auf das Reich Gottes bedeutet dies: Gegenüber den Kindern Gottes darf es keinen rechtlichen Anspruch auf eine Steuer geben. Ansonsten wäre ihnen ihre Freiheit genommen.

Zum anderen entscheidet sich Jesus dennoch dafür, die Tempelsteuer zu zahlen – nicht aus Anerkennung ihrer Legitimität, sondern ausdrücklich, um keinen Anstoß zu erregen. Gerade in dieser Konzession wird jedoch seine Distanz zur religiösen Steuerpraxis deutlich. Denn das geforderte Geld soll weder aus dem eigenen Geldbeutel noch aus den eigenen Einkünften stammen, sondern dem Maul eines gefangenen Fisches entnommen werden. Die Steuerschuld ist also mit etwas zu begleichen, das weder Jesus noch Petrus zuvor besessen oder erwirtschaftet haben.

Jesu Anweisung zur „fischigen“ Tempelsteuer wirft ein bezeichnendes Licht auf die Kirchensteuer der Gegenwart. Auch sie ist eine Zwangsabgabe, die kaum mit der Logik des Reiches Gottes vereinbar scheint, da sie Christen zu tributpflichtigen Subjekten einer institutionellen Fremdordnung macht. Für die Kinder Gottes gilt hingegen das Prinzip der Freiwilligkeit des Gebens. Und doch zahlen getaufte Christen weiterhin eine aus evangelischer Perspektive problematische Kirchensteuer – wiederum, um keinen Anstoß zu erregen.

Die Frage bleibt jedoch bestehen: Wo findet sich heute der Fisch mit dem Geldstück?

Hier mein Text als pdf.

2 Kommentare

  1. Dieser Vergleich ist voll von Anachronismen! Aber wer sich die Texte so hinbiegt, wie er will, der findet auch das darin, was er will…
    Im Übrigen ist die Kirchensteuer wohl keine Zwangsabgabe, die man nicht durch Austritt vermeiden kann. Aber sie hat auch ihren Nutzen und der ist m.E. sehr hoch, so schützt sie die Pfarrer vor einer Abhängigkeit von Spendern u.ä. (das Mittelalter lässt grüßen) und die Gemeindegliedern vor dem Druck der zum Eintreiben nötiger Spenden manchen Orts (im freikirchlichen Raum, nicht überall dort) aufgebaut wird (wenn das Geld im Kasten klingt…, das kann man heute auch netter, aber ähnlich drückend formulieren).

  2. Und das soll eine Anmerkung zur christlichen Lehre sein, Herr Teufel, naja… Eines möchte ich noch „zur christlichen Lehre“ loswerden: es gibt „die“ christliche Lehre vor dem Eschaton nicht, aber ihre Sicht oder Vorstellung davon. Und diese Vorstellung christlicher Lehre, die sie haben schließt anscheinend diesen merkwürdigen Text ein.

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