Von einem Betrüger lernen. Predigt über Lukas 16,1-8: „Wieder ganz unten als einfacher Außendienstler im Vertrieb anfangen, mit 50 Jahren fehlen die Kraft und die Vitalität dazu. Und überhaupt, wie steht er nun in seinem Freundeskreis dar. Kann er sich überhaupt noch auf dem Golfplatz blicken lassen?“

Andrey Mironov – Gleichnis vom ungerechten Haushalter (2012)

Von einem Betrüger lernen. Predigt über Lukas 16,1-8

Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. (Lukas 16,8)

Jahrelang hat der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens die Bilanzen ge­schönt, um die Unrentabilität des Unternehmens zu verbergen. Als doch Verdacht aufkommt, muss er Rechenschaft gegenüber den Kapitaleignern ablegen, die realen Zahlen kommen auf den Tisch. Man einigt sich: Fristlose Entlassung ohne Abfindung, dafür Verzicht auf ein Strafverfahren. Dem Unternehmen soll damit eine schlechte Presse erspart bleiben. Was tun, der entlassene Geschäftsführer wird nirgendwo eine vergleichbare Anstellung finden. Wieder ganz unten als einfacher Außendienstler im Vertrieb anfangen, mit 50 Jahren fehlen die Kraft und Vitalität dazu. Und überhaupt, wie steht er nun in seinem Freundeskreis dar? Kann er sich überhaupt noch auf dem Golfplatz blicken lassen? Im Nachdenken über die Ausweglosigkeit kommt ihm eine waghalsige Idee. Er ruft einen langjährigen Geschäftspartner an, bietet die­sem an, die Konditionen für ein millionenschweres Großprojekt rückwirkend zu dessen Guns­ten zu ändern. Der Inhalt des Vertrages ist nur ihnen beiden bekannt, nachträgliche Änderun­gen bleiben also unbemerkt. Beide werden sich handelseinig. Eine Million springt für den Geschäftspartner heraus, dafür erhält der abgehalfterte Geschäftsführer eine Anstellung als Prokurist. Diese Stellung ist ihm sicher, liegt ihr doch ein kriminelles Schweigekartell zugrun­de. Der Geschäftspartner wird sich hüten, ihn an die frische Luft zu setzen. Sonst lässt er ihn auffliegen. Zu verlieren hat der Geschäftsführer nichts mehr.

So könnte der Wirtschaftskrimi unter gegenwärtigen Bedingungen lauten, den Jesus seinen Jüngern erzählt hat. Anstößig ist und bleibt das Lob, daß der betrügerische Geschäftsführer bei Jesus findet. Wird da nicht die Unmoral in den Himmel gelobt? „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes“ sagt Jesus. Folglich hätten die Kinder des Lichtes von ihnen zu lernen. Aber was hat man als Christin oder Christ von einem gerissenen Materialisten zu lernen? Sein kriminelles Verhalten dürfte kein gutes Beispiel abgeben. Und dass er seinen teuren Lebensstil materiell abzusichern sucht, ist auch nicht unbedingt vorbildlich. Aber hinsichtlich seiner eigenen Lebensmöglichkeiten handelt dieser Geschäftsführer klug. Er weiß, worauf es ankommt. Er lässt das Unheil nicht einfach auf sich zukommen, sondern gewinnt in einer ausweglosen Situation durch entschlossenes und riskan­tes Handeln.

Ich lese dieses Gleichnis Jesu zunächst gegen eine falsche Schicksalsergebenheit, die sich in dem Satz ausspricht: „Da kann man nichts machen.“ Aber wie soll das gut gehen: ein persön­liches Unglück hinnehmen müssen, das einen selbst nicht leben lässt. So können die Katastro­phe eines Arbeitsplatzverlustes oder der Verlust eines Lebenspartners Menschen in der eige­nen Schwermut gefangen setzen. „Ich werde etwas tun“ sagt sich der betrügerische Geschäfts­führer und handelt. Manche Ausweglosigkeit lichtet sich mit den ersten eigenen Schritten, die ein Mensch unternimmt. So kann dann jenseits herkömmlicher Bahnen ein neuer Lebensweg mit neuen Aufgaben beginnen. Es ist da hilfreich, wenn bei einem persönlichen Unglück Freunde nicht nur Trost und Mitgefühl zeigen, sondern die eigenen Schritte wider die Resig­nation herausfordern: „Was gedenkst Du nun zu tun?“ Vielleicht ist dies die größte Lebens­kunst, das Unterscheidungsvermögen zwischen den Dingen im Leben, die sich aktiv ändern lassen, und den unabänderlichen Gegebenheiten, die hinzunehmen sind.

Im Hinblick auf die Lebenskunst erschließt sich ein zweiter Anstoß des Gleichnisses: Ein Betrüger sichert sich unverdientermaßen bei seinen Mitmenschen ein Dach überm Kopf und entkommt der Obdachlosigkeit. Auch wenn er entschlossen handelt, so hat er sich sein zu­künftiges Auskommen nicht verdient. In diesem Sinne ist unser Leben mit seiner irdischen und mit seiner himmlischen Seite von Gott gehalten, wir können es uns nicht selbst verschaf­fen. So findet die Seele unverdientermaßen ihre Heimat bei Gott, dem Schöpfer allen Lebens. Der Betrug bleibt uns dabei erspart, Gott sei Dank durch Jesus Christus.

Hier meine Predigt als pdf.

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