Verena Pfenninger-Stadler, Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus (1931): „Prüfen wir also, wem wir dienen sollen und wessen Rechte wir fordern. Oft verdammen gerade die den Kampf um Rechte, die ihre eigenen Vorrechte nicht aufgeben wollen. Dann aber müssen wir fragen: Ist es nicht gerade aus dem Geist der Liebe heraus geboten, für die Unterdrückten und Entrechteten zu kämpfen? Worum geht es in der Frauenbewegung? Um das Erwachen der Frau zu größerer Selbständigkeit und Verantwortung. Wir kämpfen nicht nur um Rechte, sondern darum, unsere Gaben zum Wohl aller einzusetzen. So dürfen wir Rechte fordern, um rechten Dienst tun zu können.“

Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus Von Verena Pfenninger-Stadler Die Katholikin, die in Nr. 12 des Frauenblattes im … Mehr

Heino Falcke, Christus befreit – darum Kirche für andere (1972): „Christus bringt nicht eine religiöse Sonderfreiheit oder Seelenfreiheit. Er fasst die Knechtschaft des Menschen an der verborgenen Wurzel, denn er hat sie bis ins tiefste durchlitten. Er wurde nicht nur Bruder der Ausgestoßenen und Armen, Opfer politischer, religiöser, gesellschaftlicher Unterdrückung. Er hing für uns am Kreuz in der tiefsten Knechtschaft der Schuld und des Todes. Aus dieser Knechtschaft, die kein Mensch wenden kann, ist Gott für uns und mit uns aufgebrochen, als er den Gekreuzigten auferweckte. Dieser Auszug führt zum Reich der Freiheit, das mit den Mächten der Sünde und des Todes alle Knechtschaft der Welt zerbrechen will. Noch sind wir auf dem Weg, noch trägt die Freiheit Christi Kreuzesgestalt, aber aus der Kraft einer großen Hoffnung. Sie greift über alle menschlichen Freiheitsbewegungen hinaus, aber gerade so greift sie in sie ein, richtet Zeichen der Befreiung auf und gibt eine Zuversicht, die nicht resignieren muss.“

Christus befreit – darum Kirche für andere (1972) Von Heino Falcke Heino Falckes Hauptreferat bei der BEK-Synode vom 30. Juni … Mehr

Hayo Gerdes über Emanuel Hirsch (1966): „Innerhalb der jüngsten Theologiegeschichte steht Hirsch mit fast seinem gesamten vielverzweigten Lebenswerk im wesentlichen als Außenseiter und Randgestalt da. Zwar ist sein gewissermaßen unterirdischer Einfluß in vielen von seinem Gesamtentwurf ablösbaren Einzelfragen sehr stark; jedoch dürfte die eigentliche Wirkung Hirschs auf die Theologie — es sei denn, dass die evangelische Theologie sich selbst aufgibt — noch bevorstehen.“

Emanuel Hirsch Von Hayo Gerdes Emanuel Hirsch, geboren am 14. Juni 1888 in Bentwisch, Kreis Westpriegnitz. Theologiestudium in Berlin (bei … Mehr

Lothar Kreyssigs Gespräche im Reichsjustizministerium im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Aktion T4 im Jahr 1940: „Ich brachte dann die Sprache darauf, inwieweit eine solche Anordnung Recht schaffe oder Recht außer Kraft setze. Um meinem Entsetzen über die Auffassung, der ich begegnete, Ausdruck zu geben, wählte ich ein krasses Beispiel: wenn § 1 des bürgerlichen Gesetzbuches die Rechtsfähigkeit des Menschen feststellt, indem der Beginn beschrieben wird, so könnte der gegenwärtige Staat in seiner weltanschaulichen Ausrichtung darauf verfallen, auszusprechen, dass Juden nicht rechtsfähig seien. Dann wären sie Objekt der Rechtsordnung wie einstmals die Sklaven, wäre das rechtsverbindlich? Hier griff von Dohnanyi in das Gespräch ein und erklärte dies in verweisendem Ton als ein undiskutables Beispiel. Das nötigte mich zu der unverhohlenen Erklärung, dass ich die mir vorgelegte Weisung Hitlers, ihre Echtheit unterstellt, nicht als rechtsverbindlich ansehen könne. Der Minister erwiderte, wenn ich nicht anerkennen könne, daß der erklärte Wille des Führers Recht schaffe, so könne er mir in dieser Sache nichts weiteres erklären.“

Bericht über Begegnungen im Reichsjustizministerium im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Aktion T4 im Jahr 1940 Von Lothar Kreyssig Lothar Kreyssig … Mehr

Lothar Kreyssigs Schreiben an Reichsjustizminister Franz Gürtner wider die nationalsozialistische ‚Euthanasie‘-Aktion T4 (1940): „Die Frage nach dem Sinn solchen Lebens rührt an die tiefsten Daseinsfragen überhaupt. Sie führt unmittelbar auf die Frage nach Gott. So ist auch meine Stellung zu ihr und – denke ich – vieler anderer Deutscher und deutscher Richter durch meinen christlichen Glauben bestimmt. Von dort her ist die »Vernichtung lebensunwerten Lebens« überhaupt ein schwerer Gewissensanstoß. Leben ist ein Geheimnis Gottes. Sein Sinn ist weder im Blick auf das Einzelwesen noch in dessen Bezogenheit auf die völkische Gemeinschaft zu begreifen. Wahr und weiterhelfend ist nur, was Gott uns darüber sagt. Es ist darum eine ungeheuerliche Empörung und Anmaßung des Menschen, Leben beenden zu dürfen, weil er mit seiner beschränkten Vernunft es nicht oder nicht mehr als sinnvoll begreift. Ebenso wie das Vorhandensein solchen hinfälligen Lebens ist es eine von Gott gegebene Tatsache, dass es allewege genug Menschen gegeben hat, die fähig waren, solches Leben zu lieben und zu betreuen, wie denn rechte Liebe ihre Größe und den Abglanz ihrer göttlichen Herkunft gerade dort hat, wo sie nicht nach Sinn und Wert fragt.“

Schreiben des Vormundschaftsrichters Dr. Lothar Kreyssig wider die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 an Reichsjustizminister Franz Gürtner[1] Brandenburg/Havel, 8. Juli 1940 An … Mehr

Johannes Hamel, Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955): „Macht Gottes Retterwillen nicht wieder klein und schäbig! Er hat die Leute im Zuchthaus in Naumburg ebenso lieb wie die, die sie verurteilt haben und bewachen! Er hat uns in der Kirche ebenso lieb wie alle übrigen Naumburger! Er hat die Russen lieb zusammen mit uns Deutschen, den Amerikanern, den Chinesen und alle übrigen Völker der Erde. Er hat die böse Schwiegermutter, wenn sie böse ist, ebenso in alle Ewigkeit lieb wie ihre Schwiegerkinder! Der Funktionär der Partei, den Kaufmann, den Arbeiter, den Volkspolizisten, den Kapitalisten – sie alle haben eine Würde, sie alle sind adlig: Gott ist für sie alle da als ihr guter und gnädiger Gott durch Jesus Christus, unsern Heiland.“

Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955) Von Johannes Hamel Liebe Brüder und Schwestern! Was würdet Ihr tun, wenn in diesem … Mehr

Johannes Hamel, Evangelische Christenheit unter der marxistisch-leninistischen Diktatur 1945–1989. Bewährung und Versagen: „Neben Bewährung stand vielfaches Versagen, wie bei den zwölf Jüngern Jesu, aber das entschuldigt uns nicht, im Gegenteil. An einem Versagen, das ich hier als Beispiel für vieles Versagen in solchen Sachen bringe, bin ich selbst schuldhaft beteiligt. Es spielte sich ab zwischen einem Bischof und einem Mitglied des Politbüros. Mitte der sechziger Jahre fanden etwa sechs bis acht Gespräche statt, zu denen beide Häupter jeweils fünf bis zehn Begleiter mitbrachten. Selbst die Tatsache dieser Gespräche, über drei Jahre hinaus haben sie sich erstreckt, kam auf entschiedene Bitte des Bischofs nicht in die Presse. Es wurde sehr offen geredet. Über die nun zu erzählende Begebenheit schäme ich mich, als wenn sie gestern passiert wäre.“

Evangelische Christenheit unter der marxistisch-leninistischen Diktatur 1945–1989. Bewährung und Versagen (1993) Von Johannes Hamel „Evangelische Christenheit unter der marxi­stisch-leninistischen Diktatur … Mehr

Eberhard Jüngel, Wege und Aporien der evangelischen Kirchen in der DDR (1993): „Eine Kooperation mit dem Staatssicherheitsdienst unter den Zielsetzungen des Staatssicherheitsdienstes konnte für eine theologisch verantwortungsbewusste Kirche unter keinen Umständen in Betracht kommen. Galt doch für den Staatssicherheitsdienst in gesteigertem Maße, was Georg Lukacs für die kommunistische Ethik generell behauptet hatte: nämlich, dass sie die Aner­kennung der Notwendigkeit, Böses zu tun, zur höchsten Pflicht mache, und dass die Erfüllung dieser Pflicht das größte Opfer sei, das die Revolution ihren Anhängern abverlange. Der Kirche konnte dergleichen nur als verwerflicher Aberglaube erscheinen. Dennoch ist es zu höchst problematischen, zum Teil auch verwerflichen Kontakten mit dem Staatssicherheitsdienst gekommen.“

Wege und Aporien der evangelischen Kirchen in der DDR (1993) Von Eberhard Jüngel Herr Landtagspräsident, Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, meine … Mehr

Friedrich Heer, Was mir half: „Ein Vulkan, der in mir brennt, und alle Brände meines Lebens, in den Formen von Verzweiflung, und in den Formen von Fruchttragen, unterhält, nährt, mich also als einen Brennen­den hält, erhält, verbrennt, versehrt, ernährt. Die Dornbusch-Situation also: Jeder Mensch ist ein bren­nender Dornbusch. Leider wissen das die meisten Menschen nicht, verbrennen also ihr Leben auf kleiner Sparflamme, ver­aschen sich in „Leistungen“, „Arbeiten“, Erfolgen und zuge­hörigen Mißerfolgen.“

Was mir half Von Friedrich Heer Ich fahre, Frühsommer 1980, in Wien mit der U-Bahn, meiner Wohnung zu. Eine alte … Mehr