Abschiede entlassen Verluste
Mit Verlusten zurechtzukommen heißt sich zu verabschieden wissen. Ein Abschied ist eine bewusst ausgesprochene Trennung, in die die daran Beteiligten einstimmen, unabhängig davon, ob diese Trennung von Gegebenheiten selbst gewollt oder aber mitunter widerwillig hinzunehmen ist, ob sie vorübergehend oder endgültig zu sein scheint.
Wir nehmen wahr, dass das, was uns entgeht, nicht länger gegeben sein wird. Abschiede entlassen Verluste. Auch wenn sie schmerzlich ausgesprochen werden, machen sie Beteiligte frei, auch in der je eigenen Trauer. Sie entbinden einen, an Entschwundenem vergeblich festhalten zu wollen und ermöglichen damit Neues in den Blick zu nehmen und anzugreifen. Wer für einen Verlust keinen Abschied findet, bleibt als Verlierer zurück. Oder anders gesagt: Ohne Abschied bleibt uns nur der Verlust.
Um Verluste verabschieden zu können, dürfen diese nicht (länger) als die alles bestimmende Unwirklichkeit angesehen werden. Dazu sind sie in einem perspektiven Rahmen zu verstehen (framing): Verluste halten sich im Rahmen (bzw. fallen nicht aus dem Rahmen) – es ist eben nicht alles verloren. Fehlt ein solcher Rahmen, entfalten Verluste eine Sogwirkung, als würde uns alles Liebgewonnene staubsaugergleich in einem dunklen Nichts entschwinden.