Vorrede zu Julius Menius, Der Wiedertäufer Lehre (1530)
Von Martin Luther
Unser Herr Jesus Christus hat in Matthäus 18[, 7] klar genug verkündigt, dass seine liebe Kirche immer Rotten und Sekten leiden müsse, da er spricht: „Es müssen Ärgernisse kommen, aber wehe dem Menschen, durch den die Ärgernisse kommen.“ So hat auch der heilige Paulus in 1. Korinther 11, 19 gesagt: „Es müssen Rotten oder Ketzerei sein, auf dass die Bewährten offenbar werden.“ Und in 2. Petrus 2[, 1]: „Es werden aber unter euch falsche Lehrer sein, wie auch unter jenen falsche Propheten waren.“ So ist es von Anfang der Christenheit, auch zur Apostelzeit, bis heute mit der Tat vollkommen geschehen und wird bis ans Ende der Welt geschehen. Denn Christus ist ein König und Herr, darum muss er auch streiten und kriegen. Er streitet aber geistlich mit der Wahrheit wider die Lügen; so wehrt sich die Lüge und will nicht unterliegen. So gehen denn die Rotten an und erhebt sich solcher Lärm und Rumor in der Christenheit.
Derhalben soll sich niemand wundern noch entsetzen, ob er Rotten Geister und Ketzer unter den Christen aufkommen sieht und so gräulich poltern wider die Wahrheit. Bist du ein Christ und glaubst an Christus und seine Apostel, so musst du ja das auch glauben und erwarten, da sie sagen: Es müssen Rotten und Ärgernisse kommen. Und solch ihr Wort für keine Lügen oder lose leichtfertige Rede halten, sondern dass sie von redlichen, großen, gewaltigen Sachen reden, wie Gottes Wort zu reden gebührt. Und du musst dir das nicht seltsam sein lassen, wenn sie kommen, sondern dich daran gewöhnen, dass du sagen kannst: „Wohlan, lasst hergehen und kommen, was da kommt, ich hab’s längst wohl gewusst, dass Rotten kommen müssen. Sind es diese nicht, so müssen es andere sein. Lassen diese ab, so fangen andere an.“ Willst du das liebe Evangelium haben, so musst du die höllischen Pforten und den Teufel auch haben, damit du das selbige Evangelium nicht [Joh. 14, 27] mit Liebe noch Frieden hast, wie Christus spricht: „Ich gebe euch meinen Frieden, nicht wie die Welt gibt.“
Und in Summa, der Teufel ist ein polterndes und rumpelndes Wesen. Poltern und rumpeln kann er nicht lassen. Bis hierher hat er gepoltert in Häusern, in Kirchen, auf dem Felde, in den Wäldern und hat damit einen Seelenmarkt gestiftet, hat sich für Menschen Seelen viel geboten und verkauft, wodurch die Messe und alle christlichen Werke ins Fegefeuer, ja in die Hölle geschleift und aller Welt Güter in faulfressige Löcher gesteckt, ja in den Klöstern und Stiften Kloaken und heimliche Gemache versenkt. Nun aber ist dieser Seelenmarkt ihm niedergelegt, richtet er ein neues Poltern und ein anderes Gerumpel an, durch die Rotten Geister. Darum, wie man sich vor den polternden Geistern in den Häusern jetzt nicht mehr fürchtet, so sollten wir uns auch vor seinem Poltern in den Rotten nicht mehr entsetzen. Es muss doch gepoltert und gerumpelt sein, solange die Welt steht.
Aber es muss uns doch alles zum Guten kommen und nicht einerlei Nutzen schaffen. Erstens, dass wir dadurch geübt werden, das Wort Gottes desto fleißiger zu handeln und zu halten und damit je länger, je gewisser in der Wahrheit werden. Denn wo solche Rotten nicht wären, würde der Teufel uns so aufwecken, dass wir zu faul werden, schlafen und schnarchen uns zu Tode. Würden auch beide, Glauben und Wort, bei uns verdunkeln und verrosten, bis es gar alles verderbe. Aber nun sind solche Rotten unser Schleifstein und Polierer, die wetzen und schleifen unseren Glauben und Lehre, dass sie gleich und rein wie ein Spiegel glänzen. Sie lernen auch darüber den Teufel und seine Gedanken kennen und werden ruhig und geschickt, gegen ihn zu streiten. Welches alles bliebe, wo wir Ruhe hätten vor den Rotten.
Zum anderen wird auch das Wort selbst dadurch desto klarer und heller ans Licht gebracht für die Welt, dass viele die Wahrheit durch solchen Krieg erfahren oder je darin gestärkt werden, die sonst nicht dazu kämen. Denn es ist ein schädliches Ding um das Wort Gottes, darum gibt ihm Gott auch zu schaffen; hängt und hetzt daran sowohl der Teufel als die Welt, auf dass seine Macht und Tugend offenbar werde und die Lügen zu Schanden. Ob nun etliche dadurch verführt werden, ist auch recht und geschieht zur Strafe und Rache über die Gottlosen, stolzen Verächter und undankbaren Menschen, die unsere Lehre verfolgen, lästern oder verachten. Denn was fromme einfältige Herzen daneben verführt werden, da ist Hoffnung, dass sie wieder zu Recht kommen mögen. Die Stolzen aber und Klugen sollen darin verstockt sein, und ihrer Undankbarkeit und eigenen hoffärtigen Klugheit Lohn sollen sie also in sich selbst empfangen.
Solches alles wirst du hier in diesem feinen Buch reichlich finden, wie Gott unseren Glauben durch der Widerteufel faule, lahme Zoten übt und stärkt; wiederum auch, wie billig er ihren stolzen Dünkel und Undankbarkeit straft, dass sie verblendet und verstockt solch närrisch Ding reden und darum auch nicht gern an das Licht wollen, sondern ihr Gift im Dunkel bergen. Und wie wohl all ihre Lügen in diesem Buch klarlich und gewaltig überwunden sind, will ich doch auch ein wenig Anzeige tun, dass man greifen mag, der Teufel habe sie ausgesandt und mit eitel Lügen umgegangen, wie wohl es alles vorhin in diesem Buch begriffen ist.
Erstlich ist das ein gewisses Zeichen des Teufels, dass sie durch die Häuser so schleichen und laufen im Lande und nicht öffentlich auftreten, wie die Apostel getan haben und täglich alle ordentlichen Prediger tun. Sondern sie sind eitle Meuchelprediger, kommen auch in fremde Häuser und Orte, dahin sie niemand berufen noch von jemand gesandt sind, können auch solches Schleichen und Laufen keinen Grund noch Wahrzeichen bringen. Dies Stück feilet nicht und ist gewiss, dass sie vom Teufel kommen, wie Christus sagt in Johannes 10[, 8]: „Alle die vor mir kommen, sind Diebe und Mörder.“ So habe ich vorhin Psalm 82 vermahnt, sowohl Obrigkeit als Untertan, dass man solche Schleichler, Meuchellehrer und Winkelprediger schlecht nicht leiden solle, denn da ist kein Gott, sondern gewiss der Teufel selbst, es gleiße, wie es wolle.
Zum anderen ist ihre Lehre nichts anderes denn weltliche Güter, zeitliche, fleischliche und irdische Verheißungen, die der Pöbel gern hört, nämlich dass sie wie die Juden und Türken auf Erden ein Reich errichten, darin alle Gottlosen erschlagen und sie allein gute Tage haben sollen. Wer möchte das nicht? Das ist doch ja eine öffentliche greifliche Lüge, denn Christus hat den seinen nicht ein weltliches Reich, sondern ein himmlisches Reich bestellt und [Joh. 16, 33; Joh. 18, 36] spricht: „In der Welt werdet ihr Angst und Not haben.“ Jtem: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt,“ und heißt uns, diese Welt verleugnen und des Himmelreichs warten, sonst kämen die vorigen Heiligen und Märtyrer, Christus und alle Apostel übel dazu, dass sie solches weltlichen Reichs müssen empören. Darum ist dies Stück ein gewisses Zeichen, dass sie der Teufel reite.
Zum dritten, dass sie lehren, Christus werde die Gottlosen durchs Schwert umbringen und werde das Schwert solchen Bundesbrüdern befehlen. Da siehst du offenbar den mörderischen, aufrührerischen, rachsüchtigen Geist, dem der Atem nach dem Schwert stinkt. Und das noch viel feiner ist: Sie predigen sich selbst; sie wollen solche Gesellen sein, das Schwert zu führen, und dass sie doch die Lügen so geputzt haben, dass nicht sie selbst, sondern andere tun sollten, wie die Propheten von den künftigen Christen weissagen; so hätte es doch ein wenig Farbe. Aber diesen Gesellen sind ihre Nachbarn nicht wohl geraten, darum müssen sie sich selbst predigen und nicht Christus noch seine Werke, sondern was sie gern tun wollten und ihre mörderischen Werke. Wir wissen aber, dass Christus den seinen kein Schwert befohlen, sondern verboten hat, da er sagt: [Luk. 22, 26] „Ihr aber sollt nicht so sein oder tun.“ Solch Wort hat er nicht widerrufen, wird sich selbst auch nicht lügen strafen und wird die Gottlosen nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Atem oder Geist seines Mundes töten und durch die Erscheinung seiner Zukunft sie hinrichten. Darum ist dies aber mal ein gewisses, greifliches Zeichen, dass der leidige Teufel sei.
Zum vierten, siehe, wie fein sie von guten Werken lehren. Sie sprechen, sie geben ihre guten Werke um einen Groschen; damit wollen sie unser Affen sein und uns nachlehren, weil sie gehört haben, dass wir lehren, gute Werke machen nicht fromm, tilgen auch die Sünde nicht, versöhnen auch Gott nicht. Über solches tut hier der Teufel seinen zu Satz und verachtet die guten Werke so gar, dass er sie alle um einen Groschen verkaufen will. Da lobe ich Gott, meinen Herrn, dass der Teufel sich selbst in seiner Klugheit so schändlich muss beschmeißen und betören.
Wir lernen also, dass Gott versöhnen, fromm machen, Sünde tilgen, so hoch, groß, herrlich Werk sei, das allein Christus, Gottes Sohn, tun müsse, und sei eigentlich ein lauter, bloß, sonderlich Werk des einzigen rechten Gottes und seiner Gnade, da zu unserem Werk nichts sind noch vermögen. Aber dass darum gute Werke nichts sein oder einen Groschen wert sein sollten: Wer hat das ihnen gelehrt oder gehört? Ohne jetzt aus dem Lügenmaul des Teufels.
Ich wollte meiner Predigt eine, meiner Lektion eine, meiner Schrift eine, das Vaterunser eins, ja wie kleine Werke ich immer getan oder noch tue, nicht für der Welt Güter geben, ja ich achte es teurer als mein Leibesleben, das doch einem jeglichen lieber ist und sein soll, denn die ganze Welt. Denn ist es ein gutes Werk, so hat es Gott durch mich und in mir getan. Hat es Gott getan und ist Gottes Werk, was ist die ganze Welt gegen Gott und sein Werk? Ob ich nun wohl durch solch Werk nicht fromm werde (denn das muss zuvor geschehen durch Christi Blut und Gnade ohne Werk), dennoch ist es Gott zu Lob und Ehren geschehen, dem nächsten zum Nutzen und Heil, welcher keines Mannes mit der Welt gut bezahlen oder vergleichen kann. Und diese feinen Rotten nehmen einen Groschen dafür! Ah, wie fein hat sich der Teufel hier verborgen! Wer könnte ihn doch hier nicht greifen?
Wider den Glauben lehren sie ein weltliches Reich; wider die guten Werke lehren sie zeitlich Gut und Geld und halten sie geringer als einen Groschen; wider das Kreuz lehren sie Schwert und Rache. Ach, das müssen mir zarte und ja feine Christen sein! Darum ist der billig verdammt, der solche offenbare, greifliche Lügen und Lästerung des Teufels glaubt. Aber weiter wirst du in dem Buch selbst finden und sehen, wie Christus diesen Lügengeist angreift, stürzt und zu Schanden macht. Dem sei Lob und Dank in Ewigkeit, samt dem Vater und heiligen Geist, wahrhaftigem Gott und Herrn. Amen.
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[Matth. 18, 7] Vnser Herr Jhesus Christus hat Matth. 18. klerlich gnug verkundigt, das seine liebe kirche jmer muesse Rotten und Secten leiden, da er spricht: ‘Es muessen ergernisse komen, Aber doch wehe dem menschen, durch welchen die ergernisse komen’, So [1. Kor. 11, 19] hat auch S. Paul 1. Corin. 11 gesagt: ‘Es muessen Rotten odder [2. Petri 2, 1] Ketzerey sein, auff das die bewereten offenbar werden’, Und 2. Pet. 2: ‘Es werden aber unter euch falsche lerer sein, wie unter jhenen auch falsche propheten waren, Wie denn solchs von anfang der Christenheit, auch zur Apostel zeit bis da her mit der that vollenkoemlich geschehen ist, Und bis an der welt ende geschehen wird. Denn Christus ist ein Koenig und Herr, darumb mus er auch streiten und kriegen, Er streitt aber geistlich mit der warheit widder die lugen, so weret sich die luegen und wil nicht unterligen, Also gehen denn die Rotten an, und hebt sich solcher lerm und rumor jnn der Christenheit.
Der halben sol niemand sich wundern noch entsetzen, ob er Rotten geister und ketzer unter den Christen sihet auff komen und so greulich poltern wider die warheit, Bistu ein Christ und gleubest Christo und seinen Aposteln, so mustu ja das auch gleuben und gewarten, da sie sagen: Es muessen Rotten und ergernis komen, Und solch jhr wort fur keine luegen odder lose leichtfertige rede halten, sondern das sie von redlichen, grossen, grewlichen sachen reden, wie Gottes wort zu reden gebuert, Und must dirs lassen nicht seltzam sein, wenn sie komen, sondern dich daran gewenen, das du koennest sagen: Wolan, las her gehen und komen, was da kompt, ich habs lengest wol gewust, das Rotten komen musten, Sind es diese nicht, so muessens andere sein, lassen diese ab, so fahen andere an. Wiltu das liebe Euangelion haben, so mustu die hellische pforten und teuffel auch haben, das du das selbige Euangelion nicht [Joh. 14, 27] mit liebe noch friden habest, wie Christus spricht: ‘Jch gebe euch meinen friden, Nicht wie die welt gibt.’
Und jnn Summa, der teuffel ist ein polter geist und rumpel geist1, poltern und rumpeln kan er nicht lassen, Bis her unter dem Bapst hat er gepoltert In heusern, jnn kirchen, auff dem felde, In den welden, und hat da mit einen seel marckt gestifft, hat sich fur menschen seelen veil geboten und verkaufft, da durch die Messe und alle Christliche werck jns fegfeur, ja jnn die helle geschleifft und aller welt gueter jnn faulfressige2 beuche gesteckt, ja jnn der kloester und stifft Cloacas und heimliche gemach versenckt, Nu aber solcher seelen marckt jhm nidder gelegt ist, richt er ein new gepolter und ein ander gerumpel an, durch die Rotten geister, Darumb wie man fur den polter geistern jnn heusern jtzt sich nicht mehr fuercht, also solten wir uns auch fur seinem poltern jnn den Rotten nicht mehr entsetzen, Es mus doch gepoltert und gerumpelt sein, so lange die wellt stehet.
Aber es mus uns doch alles zu gut komen und nicht einerley1 nutz schaffen. Erstlich, das wir da [Bl. A iij] durch geubt werden, das wort Gottes deste vleissiger zu handeln und halten und da mit jhe lenger jhe gewisser der warheit werden, Denn wo solche Rotten nicht weren, da durch uns der teuffel so auffwecket, wuerden wir zu faul, schlieffen und schnarckten uns zu tode, Wurden auch beide, glauben und wort, bey uns vertunckeln und verrosten, bis es gar alles verdoerbe, Aber nu sind solche Rotten unser schleiffstein und polirer, die wetzen und schleiffen unsern glauben und lere, das sie glw2 und rein wie ein spiegel glentzen, lernen auch dar uber den teuffel und seine gedancken kennen und werden rustig und geschickt gegen jhm zu streiten, Welchs alles nach bliebe, wo wir ruge hetten fur den Rotten.
Zum andern, so wird auch das wort selbs da durch deste bas und heller an tag bracht fur der welt, das viel die warheit durch solchen krieg erfaren odder jhe drinnen gesterckt werden, die sonst nicht da zu kemen, Denn es ist ein schefftig3 ding umb das wort Gottes, darumb gibt jhm Gott auch zu schaffen, henget und hetzet dran beide, teuffel und die wellt, auff das seine macht und tuegent offenbar und die luegen zu schanden werde, Ob nu etliche da durch verfuret werden, ist auch recht, und geschicht zur straffe und rache uber die Gottlosen, stoltzen verechter und undanckbarn menschen, die unser lere verfolgen, lestern odder verachten, Denn was frumer einfeltiger hertzen daneben verfuret werden, da ist hoffnung, das sie widder zu recht komen muegen, Die stoltzen aber und kluglinge sollen drinnen verstockt, und jhrer undanckbarkeit und eigener hoffertigen klugheit lohn also jnn sich selbs empfahen.
Solchs alles wirstu hie jnn diesem feinen buch reichlich finden, wie Gott unsern glauben durch der Widderteuffer faule, lame zoten4 ubet und sterckt, Widderumb auch wie billich er jhren stoltzen duenckel und undanckbarkeit strafft, das sie verblendet und verstockt solch nerrisch ding reden und darumb auch nicht gern an das liecht wollen, sondern jhr gifft jm tunckel bergen. Und wie wol all jhr luegen jnn diesem buch klerlich und gewaltiglich sind uberwunden, wil ich doch auch ein wenig anzeigung thun, das man greiffen mag, der teuffel habe sie aus gesand, und mit eitel luegen umb gehen, wie wol es alles vorhin jnn diesem buch begriffen ist.
Erstlich ist das ein gewis zeichen des teuffels, das sie durch die heusser so schleichen und lauffen jm lande umb Und nicht offentlich aufftretten, wie die Apostel gethan und teglich alle ordenliche prediger thun, Sondern sind eitel meuchel prediger, komen auch jnn frembde heuser und ort, da hin sie niemand beruffen noch von jemand gesand sind, koennen auch solchs schleichens und lauffens keinen grund noch warzeichen1 bringen.2 Dis stueck feilet nicht [Joh. 10, 8] und ist gewis, das sie vom teuffel komen, wie Christus sagt Johan. 10: ‘Alle die vor mir komen, sind diebe und morder.’ So habe ich vor hin Psalm 823 vermanet beide, oberkeit und unterthan, das man solche schleicher, meuchel lerer und winckel prediger schlecht nicht leiden sol, Denn da ist kein Gott nicht, sondern gewis der teuffel selbs, Es gleisse, wie es wolle.
Zum andern ist jhr lere nichts anders denn [Bl. A iiij] welltliche guter, zeitliche, fleischliche und jrdissche verheissung, die der pobel gern hoeret, nemlich das sie wie die Juden und Turcken auff erden ein Reich ertichten, dar jnn alle Gottlosen erschlagen, und sie allein gute tage haben sollen. Wer moechte das nicht? Das ist doch ja eine offentliche greiffliche luegen, denn Christus hat den seinen nicht ein weltlich reich, sondern ein himlisch reich bestellet und [Joh. 16, 33, Joh. 18, 36] spricht: ‘Jnn der welt werdet jhr angst und not haben’, Jtem: ‘Mein reich ist nicht von dieser welt’, Und heisst uns diese wellt verleucken und des himel reichs warten, sonst kemen die vorigen heiligen und merterer, Christus und alle Apostel ubel da zu, das sie hetten solchs welltlichen reichs muessen emperen, Darumb ist dis stueck ein gewis zeichen, das sie der teuffel reite.
Zum dritten, das sie leren, Christus werde die Gottlosen durchs schwerd umb bringen, und werde das schwert solchen bunds brudern befelhen, Da sihestu offenberlich den moerdisschen, aufrurisschen, rachgirigen geist, dem der odem nach dem schwert stinckt, Und das noch viel feiner ist, Sie predigen sich selbs, sie wollen solche gesellen sein, das schwert zu furen, Und das sie doch die luegen also hetten geputzt, das nicht sie selbs, sondern andere thun solten, wie die Propheten von den kunfftigen Christen weissagen, so hette es doch ein wenig farbe, Aber diesen gesellen sind jhre nachbar nicht wol geraten, drumb muessen sie sich selbs predigen und nicht Christum noch seine werck, sonder was sie gern thun wolten und jhre moerdissche werck, Wir wissen aber, das Christus den seinen kein schwert befolhen, sondern verboten hat, da er sagt: [Luk. 22, 26] ‘Jhr aber solt nicht so sein odder thun’, Solch wort hat er nicht widderruffen, wird sich selbs auch nicht luegen straffen, Und wird die Gottlosen nicht mit dem schwert, sondern mit dem odem odder geist seines mundes toedten und durch die erscheinung seiner zu kunfft sie hinrichten4, Dar umb ist dis aber mal ein gewis, greifflich zeichen, das der leidige teuffel sey.
Zum vierden, sihe, wie fein sie von guten wercken leren, Sprechen, sie geben jhre gute werck umb einen grosschen, da mit wollen sie unser affen sein und uns nach leren, weil sie gehoert haben, das wir leren, Gute werck machen nicht frum, tilgen auch die sunde nicht, versuenen auch Gott nicht, Uber solchs thut hie der teuffel seinen zu satz und veracht die guten werck so gar, das er sie alle umb einen grosschen verkeuffen wil, Da lobe ich Gott, meinen Herrn, das der teuffel sich selbs jnn seiner klugheit so schendlich mus beschmeissen1 und betoren.2 Wir leren also, das Gott versunen, frum machen, sunde tilgen, sey so hoch, gros, herrlich werck, das allein Christus Gottes Son thun muesse, und sey eigentlich ein lauter, blos, sonderlich werck des einigen rechten Gottes und seiner gnade, da zu unser werck nichts sind noch vermuegen. Aber das darumb gute werck solten nichts sein odder eines grosschen werd sein, Wer hat das jhre geleret odder gehoeret? on jtzt aus dem luegen maul des teuffels.
Jch wolt meiner predig eine, meiner lection eine, meiner schrifft eine, meiner Vater unser eins, ja wie kleine werck ich jmer gethan odder noch thue, nicht fur der3 [Bl. A5] wellt gueter geben, ja ich acht es theurer denn meins leibs leben, das doch einem jglichen lieber ist und sein sol denn die gantze wellt. Denn ists ein gut werck, so hats Gott durch mich und In mir gethan. Hatts Gott gethan und ist Gottes werck, Was ist die gantze wellt gegen Gott und sein werck? Ob ich nu wol durch solch werck nicht frum werden (denn das mus zu vor geschehen durch Christus blut und gnade on werck), dennoch ists Gott zu lob und ehren geschehen, dem nehesten zu nutz und heil, Welcher keines man mit der wellt gut bezalen odder vergleichen kan. Und diese feine Rotten nimpt einen grosschen da fur! Ah wie fein hat sich der teuffel hie verborgen! Wer kuendte jhn doch hie nicht greiffen? Widder den glauben leren sie ein welltlich reich, Widder die gute werck leren sie zeitlich gut und gelt und halten sie geringer denn einen grosschen, Widder das Creutz leren sie schwert und rache. Ach das muessen mir zarte und ja feine Christen sein, Darumb ist der billich verdampt, der solche offenberliche, greiffliche luegen und lesterung des teuffels gleubt. Aber weiter wirstu jnn dem buch selbs finden und sehen, wie Christus diesen luegen geist angreifft, stuertzt und zu scheitert, Dem sey lob und danck jnn ewigkeit, sampt dem Vater und heiligen geist, warhafftigem Gott und Herrn, Amen.
WA 30-II, S. 209-214.