Conrad Daniel Kleinknechts Werbeschrift für die Indienmission der Dänisch-Halleschen Mission (1738)
Ein Wort demütiger Bitte für die unter der schwarzbraunen Schaf- und Lämmerherde der neu bekehrten Heiden in Ostindien, arme und dürftige Glieder Jesu Christi, aus herzlichem Mitleiden in Aufrichtigkeit geschrieben von C. D. Kleinknecht, Pastor Leipheimensis. Ulm, gedruckt bei Christian Ulrich Wagner, 1738.
Werter Freund,
Der dies wird lesen: Lass dich deine Lieb bewegen,
für die Not der armen Christen auch ein Scherflein beizulegen;
nicht zwar bei uns in Europa — dorten in Ostindien
sind die Brüder, die dies brauchen; da schick deinen Heller hin.
Braune Lämmer, schwarze Schafe, ausgegangen von den Heiden,
welche sind in Malabaren und nunmehro voller Freuden,
sind bekehrt zu Christi Herde, die Er in der Christenheit
hat gesammelt, die Er weidet hier in dieser Gnadenzeit;
preisen Gott, dass sie nun haben gute und gesunde Weide,
mit uns Gottes reine Lehre, Tauf und Nachtmahl; o der Freude!
Aber viele von denselben gehen bloß, sind ohne Brot,
hungern, weinen und beklagen diese ihre Leibesnot;
sonderlich sind sie betrübet, wann sie viel am Sonntag sehen,
voller Andacht zu dem Hause ihres Gottes freudig gehen;
sie hingegen ohne Kleider, ohne Speise, groß und klein,
seelenhungrig, doch nicht können bei der Herd versammelt sein.
Diese lieben schwarzen Schafe, die durchs Lammesblut schneeweiß worden
und mit dir, o Christenseele, nunmehr sind in einem Orden,
schaue an als deine Brüder, Schwestern; lass dir auch zu Herzen gehn
ihre Blöße, ihren Hunger, die vor dir so bittend stehn:
Liebste Brüder! Liebste Schwestern! Seht uns an, wir sind die Armen,
die in Gott zwar reich sind worden; wollt euch über uns erbarmen!
Werft uns was zu, zu bedecken unsre Blöße, gebt uns Brot,
dass wir auch am Sonntag können in dem Tempel dienen Gott.
Dieser Gott, der treue Vater, Herr des Himmels und der Erden,
wird dafür in allen Gnaden hier und dort Vergelter werden (Sir. 35,12–13).
Und wir selbst werden sagen: Der, die hat uns Guts getan;
Hirte Jesu! nimm sie alle und uns gnädig auf und an.
Aus herzlichem Mitleiden gegen diese schwarzen, aber durch des Lammes Blut Jesu Christi schneeweiß gemachten Lämmer und Schafe in Ostindien schrieb dieses in aller Aufrichtigkeit einer der geringsten Unterhirten im Schwabenland, welcher sich nicht schämet, dem Erz-Hirten Christo die kleinsten Lämmer und Schafe zu weiden.
Am Tage der Geburt des Heilandes aller Welt, den 25. Dez. Anno 1737.