Drei Städte
Von Hertha Nathorff
Wenn ich träume: LAUPHEIM
Dann ist das Kinderland, Jugendland;
Schwabenerde, duftend und süß, würzig und schwer.
Und eine alte, traute Volksweise: Rosenstock, Holderblüt…
Und wenn ich denke: BERLIN
Dann ist das Herzensland,
Großstadtluft, wirbelnder Wind
Frauenlieb, Mutterglück, Erfüllung. Erfolg im Beruf
Brausende, rauschende, tönende Melodie
Beethoven ist es und Mozart zugleich.
Und wenn ich dann spüre: NEW YORK,
Dann ist das Völkergemisch
Hasten und Jagen in Wetter und Sturm
— Kummer und Not —
Und manchmal sich lösend im Stimmengewirr
Melodien in Dur und in Moll.
Gershwin ist es und Sousa und Jitterbug —
Hertha Nathorff, Stimmen der Stille, S. 34.
AN MEINEN MANN
HEIMAT – wo?
Das neue Land – ob es mir wirklich Heimat ist?
Ich frag’s mich oft. Und ob mein Herz
Nicht doch so Mancherlei vermißt.
Ich frage mich. Und lausch‘ in mich hinein
Und kann mir selber keine Antwort geben.
War Heimat dort? Ist Heimat hier?
Ich weiß es nicht. Und weiß nur dies:
Ein tiefer Riß geht durch mein Herz,
Geht durch mein ganzes wirres Leben.
Und weiß noch mehr wo immer ich auch weilen mag –
Nicht Land, nicht Heim gibt meinem Herzen Ruh.
Nur eine einzige Heimstatt hab ich noch,
Darin ich wurzle. – Das bist – DU.
(Hertha Nathorff 1966)