Salbung im Zeichen des Kreuzes Christi. Was ein chrisames Aschenkreuz der Aschenauflegung voraus hat: „Durch die Vermischung mit Olivenöl wird die Aschenbezeichnung zur Salbung im Zeichen des Kreuzes Christi und setzt damit einen deutlichen Christus-Akzent.“

Salbung im Zeichen des Kreuzes

Was ein chrisames Aschenkreuz der Aschenauflegung voraus hat

Beim Ritus der Aschenauflegung an Aschermittwoch wird in der römisch-katholischen Kirche die Asche – gewonnen aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres – mit Weihwasser besprengt. Im Gottesdienst wird sie mit den Worten „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst – Meménto homo, quia pulvis es, et in púlverem revertéris“ (vgl. Gen 3,19) auf das Haupt gestreut oder in Form eines Kreuzes auf die Stirn gezeichnet. Im Zentrum dieses Ritus steht die Erinnerung an die Vergänglichkeit des Menschen – in Anknüpfung an die Vertreibung der Stammeltern aus dem Garten Eden und die dort ausgesprochene Gerichtsbotschaft. Die Bezeichnung mit dem Aschenkreuz auf der Stirn war ursprünglich eine Ersatzhandlung für Frauen, da diese bis in die Neuzeit hinein mit bedecktem Haupt am Gottesdienst teilzunehmen hatten (vgl. 1. Kor 11,4–5a)[1].

Im Zuge der Reformation wurde die liturgische Aschenauflegung an Aschermittwoch in den protestantischen Kirchen abgeschafft[2]. Seit den 1980er-Jahren ist der Ritus jedoch – ausgehend von Kirchen im angloamerikanischen Sprachraum – wiederentdeckt und neu belebt worden, wenn auch in leicht veränderter Form: Häufig wird die Asche mit Olivenöl vermischt. Dies bewirkt zum einen eine dunklere Färbung, zum anderen haftet die Asche besser auf der Stirn. Im Horizont des Pascha-Mysteriums gewinnt diese Praxis jedoch eine vertiefte Bedeutung. Durch die Vermischung mit Olivenöl wird die Aschenbezeichnung zur Salbung im Zeichen des Kreuzes Christi und setzt damit einen deutlichen Christus-Akzent.

Einen biblischen Resonanzraum für das chrisame Aschenkreuz eröffnet die Erzählung von der Salbung Jesu in Bethanien (vgl. Mk 14,3–9). Von einer Frau wird Jesus auf sein bevorstehendes Begräbnis hin gesalbt. Die Salbung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit seinem Leiden und Sterben – und zugleich mit der Heilsverheißung des Kreuzgeschehens. Entsprechend weist auch die Salbung mit dem Aschenkreuz über sich hinaus: Sie ist Zeichen der eigenen Sterblichkeit verbunden mit der Christus-Hoffnung. Unser Lebensschicksal ist hineingenommen in den Tod Christi. Was uns Sündern am Ende unseres irdischen Lebens bevorsteht, ist in Christus bereits durchschritten und überwunden. „Keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden: dass er Herr sei über Tote und Lebende.“ (Römer 14,7-9)

[1] So hieß es noch im Codex Iuris Canonici in der Fassung von 1917: „Mulieres autem, capite cooperto et modeste vestitae, maxime cum ad mensam Dominicam accedunt.“ (Canon 1262 § 2 CIC/1917).

[2] Im Book of Common Prayer von 1552 wurde an Stelle der Aschenauflegung der Bußakt „A Commination against Sinners“ aufgeführt.

Hier der Text als pdf.

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