Wilhelm Vischer, „Der im Himmel Thronende lacht“ (1966): „Es gab sogar und gibt vielleicht noch Kirchen, in denen das Lachen des im Himmel Thronenden in hellem Ostergelächter widerhallt. Das ist das Lachen des Glaubens. Und wie die Auferweckung Jesu nur eine Spielart der ugaritischen oder sonst einer Naturmythologie wäre, wenn Jesus nicht wirklich ein Mensch gewesen wäre, als solcher gelebt, gelitten und die ganze Bitterkeit des Todes geschmeckt hätte und in der Erde begraben worden wäre, so ist auch der Osterglaube nur echt, wenn er am Leiden Jesu teilnimmt. Darum gilt den Jüngern Jesu immer noch: ‚Selig seid ihr, die ihr jetzt weinet; denn ihr werdet lachen.‘ Weinend sind sie selig durch den gewissen Trost, dass der im Himmel Thronende lacht.“

„Der im Himmel Thronende lacht“

Von Wilhelm Vischer

Diese Aussage des zweiten Psalms stößt an die Grenze der weiten biblischen Möglichkeit, mit menschlichen Begriffen zu verkündigen, „daß Gott nicht bloß gebietet und Gehorsam fordert, sondern auch bewegt und betroffen wird; daß er die Welt erlebt und nicht ein­druckslos regiert. Er nimmt alles, was in der Geschichte vorgeht, in­nerlich empfindend auf. Die Geschehnisse und Handlungen erregen in ihm Freude oder Leid, Wohlgefallen oder Mißfallen. Er urteilt also nicht bloß sachlich-objektiv, von den Tatsachen ausgehend, ob sie gut oder böse, falsch oder richtig seien, sondern reagiert auch persönlich subjektiv, also von sich aus auf ihren Wert oder Unwert.“[1]

In der ganzen Bibel kommt das Lachen Gottes nur dreimal vor und alle dreimal nur in den Psalmen (2, 4; 37, 13; 59, 9).

Der Aufbau und die Ausdrücke des zweiten Psalms sind dramatisch und lassen darauf schließen, daß er für das Kultdrama im Tempel zu Jerusalem gebraucht wurde[2]. Wir können und dürfen wohl darin einen Einfluß kanaanäischer Religion erkennen. Denn in Israels nächster geographischer und religiöser Nachbarschaft, nämlich in Phönikien spielt in den mythologischen und kultischen Texten von Ras Schamra-Ugarit das Lachen eine Rolle. Da ist es der aus dem Alten Testament wohlbekannte Gott El, der im Augenblick, wo sich im Kultdrama die Wendung vom Tod zum Wiederaufleben Alijan Baals ankündigt, „abläßt vom Ernst und lacht“ (Gordon: Ugaritic Handbook, Text 49, III, 16). Ein andermal ist es die Klage der Geschöpfe in schwerer Not, die den Göttervater zum Lachen und zu einem listigen Eingreifen reizt:

„El lacht im Herzen
und kichert in der Leber“ (Text 75,12 u. 13).

Ähnlicher Erregung entspringt das Lachen seiner leidenschaftlich für den Sieg des Lebens kämpfenden Tochter Anat, wenn das Aqht-Gedicht (2 Aqht VI, 41) sagt: Beleidigt durch Aqht

„lachte Anat und plante in ihrem Herzen“.

Charles Virolleaud[3] bezeichnet Anat als die dominierende Gestalt der kanaanäischen Mythologie. „Sie ist die Seele des Alls. Sie vernichtet, wenn es sein muß, ganze Völkerschaften. Sie tut das keineswegs aus Bosheit oder Mutwillen. Anat geht einfach graden­wegs auf ihr Ziel zu, nämlich das Heil der Welt zu sichern“. Ihr Kult im heiligen Land ist bezeugt durch die Ortsnamen Bet-Anat (Jos. 19, 38) und Anatot (Jer. 1, 1), vielleicht auch Bet-Anot (Jos. 15,59), sowie durch den aus den Amama-Briefen bekannten Per­sonennamen Anati (EA 170,43). Dieses Lachen steigert sich zum höchsten Grad, wenn die Göttin „Wonne fühlt beim Eintauchen ihrer Knie in das Blut der Helden und ausruft:

„Anat metzelt und freut sich,
sie läßt schwellen ihre Leber,
des Lachens voll wird ihr Herz,
der Freude (wird voll) die Leber Anats“ (cnt II, 24—27).

Ausdruck einer friedlicheren Regung des Gemütes ist es, wenn der Göttervater beim Anblick seiner Gemahlin

„den Ernst aufgibt und lacht,
seinen Fuß am Schemel zurecht rückt
und seine Finger tanzen läßt“ (Text 51, IV, 27—30).

Desgleichen, wenn seine Tochter, weil der Vater einen Prachttem­pel für Baal bewilligt hat,

„sich freut und mit ihren Füßen hüpft,
so daß die Erde dröhnt.
Es lacht die Jungfrau Anat,
erhebt ihre Stimme und ruft:
‚Vernehme, Baal, eine frohe Botschaft,
(bsr = hebr. bsora = griech. εύαγγέλιον, Jes. 40, 9)
eine frohe Botschaft bring ich dir!‘ “ (Text 51, V, 82—89).

Ebenso, wenn Danel, da ihm ein Sohn versprochen ist,

„abläßt vom Ernst und lacht,
seinen Fuß auf den Schemel setzt,
seine Stimme erhebt und spricht:
Nun will ich mich setzen und ausruhen,
und es wird sich beruhigen die Seele in meiner Brust.
Denn ein Sohn wird mir geboren werden wie meinen Brüdern,
ein Sproß wie meinen Genossen“ (2 Aqht II, 10—15).

Dieses Lachen reiner Freude und freundschaftlicher Zuwendung der Gottheit hat im Alten Testament keine Parallele, es sei denn, der kultisch wichtige Ausdruck, daß „der HERR sein Angesicht leuchten läßt gegen die Seinen“ (Num. 6, 25), bedeute sein „Zu-Lachen“, was sich durch die Stelle im Hiobbuch (29, 24) stützen ließe, wo Hiob, zwar nur von seinem und nicht von Gottes Angesicht, aber doch mit gleichem Wortgebrauch, sagt:

„Ich lachte ihnen zu,
und sie trübten das Licht meines Angesichts nicht.“

Aber es bleibt dabei, daß das Leuchten von Gottes Angesicht trotz­dem nicht „Lachen“ genannt wird, wohl deshalb, weil zwar bei den Menschen im Alten Testament das Lachen auch der Ausdruck reiner Freude und ein freundliches Zulächeln sein kann, aber doch über­wiegend durch die überraschende Wahrnehmung von etwas Lächer­lichen, weil Ungereimten, Widersinnigen und Unmöglichen ausge­löst wird und somit ein Auslachen des Andern und ein Verspotten ist.

Von dieser Art ist nun auch das Lachen der Götter in der Haupt­reihe der angeführten Texte der ugaritischen Kultlieder und eben­so in den drei Psalmen des Alten Testaments, verbindet doch Ps. 2, 4 das Lachen eng mit dem Spott:

„Der im Himmel Thronende lacht,
der Allherr spottet ihrer.“

In seiner himmelhohen Überlegenheit empfindet er den Aufruhr der Erdenkönige, das Ratschlagen der Fürsten gegen ihn und seinen Gesalbten als ein dermaßen unmögliches Unterfangen, daß er über sie lachen muß.

Hinter seinem Lachen bricht sein Zorn aus. Er erinnert die Aufrüh­rer an den Rechtsspruch, mit dem er seinen König auf seinem heili­gen Berg eingesetzt und als seinen Sohn adoptiert hat:

„Mein Sohn bist du,
Ich selber habe heute dich gezeugt.
Heische von mir, so gebe
Ich die Völker dir zum Erbgut
und die Enden der Erde zum Eigentum.
Du magst sie mit eisernem Stab zerschlagen,
wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen.“

Er stellt den auf der Erde Regierenden sein Ultimatum. Wenn sie sich Ihm nicht in Furcht unterwerfen und seine Füße mit Zittern küssen, dann wird sein brennender Zorn sie verzehren.

Der Vergleich dieses Psalms mit den erwähnten Stellen in den uga­ritischen Kultliedern zeigt, daß die nahe Verwandtschaft nicht nur in dem gemeinsamen Wort s-chq = lachen besteht. Hier wie dort bricht die Gottheit in Lachen aus über die unmögliche Möglichkeit, sie könnte durch eine Notlage oder einen Angriff in Verlegenheit ge­raten. Hier wie dort verkündet die Gottheit lachend den Plan, wie sie ihre Überlegenheit beweisen werde, und zwar, wenn es sein muß, durch vernichtendes Dreinschlagen.

Nun sind freilich die Unterschiede nicht zu übersehen. Der Gott El thront nicht im Himmel; nach den erhaltenen Kultliedern hat er sei­nen Wohnsitz auf der Erde, allerdings weit entfernt von den Gegen­den, in denen Menschen wohnen, in einem Land, wo die Ströme in den Ozean münden. Immerhin ist er der Schöpfer des Weltalls und überdies der Vater der ganzen Götterfamilie. Aber eben in Hinsicht auf dieses Letztere unterscheidet sich der Gott des zweiten Psalms dadurch, daß er allein Gott ist. So hat er denn auch seine überle­gene Hoheit nicht gegen Götter oder Halbgötter zu beweisen, son­dern gegen Könige und Fürsten auf der Erde, die sich gegen Ihn und seinen Gesalbten auflehnen. Er übt seine Königsherrschaft aus durch einen Menschen auf der Erde, den er als seinen Sohn adoptiert hat:

„Ich aber,
Ich habe meinen König eingesetzt
auf Zion, meinem heiligen Berge.“

Gerade dadurch wird nun aber der Psalm problematisch und setzt er sich einer Kritik aus, die das Lachen des im Himmel Thronenden belächelt. H.-J. Kraus in Exkurs 1 zu Ps. 2 schreibt: „Die Kom­mentatoren erklären beinahe übereinstimmend, daß die Vorstellung von einer Weltherrschaft des judäischen Königs, wie sie auch in Ps. 18,44—48; 72,8—11; 89,26 ausgesagt wird, zu der geschichtlichen Wirklichkeit in stärkstem Widerspruch stehe, und daß selbst David kein Weltreich regiert habe (Gunkel).“

Wenn auch das Urteil über David insofern nicht ganz richtig ist, als das Reich Davids und Salomos im 10. Jahrhundert vor Christus im­merhin der einzige Machtstaat im Vorderen Orient war, so waren doch das Gebiet und die Macht ihrer späteren Nachfolger so gering, daß ihr Anspruch auf Weltherrschaft geradezu lächerlich wirken mag.

Merkwürdig bleibt jedoch die Tatsache, daß das kleine Volk, das der im Himmel Thronende zum Zeugen seines universalen Königreichs auf der Erde bestimmt hat, trotz seiner Kleinheit in den verschiede­nen Phasen der Weltgeschichte eine unübersehbar auffallende und aufreizende Rolle gespielt hat und noch spielt. Wir mögen zur Er­klärung dieser Tatsache auf den und jenen Faktor, wie z. B. die stra­tegische Lage des heiligen Landes und (im Altertum) der Festung Jerusalem hinweisen, und werden schließlich doch zugeben müssen, daß der einzig zureichende Grund in der göttlichen Erwählung liegt, durch die der allein Hohe „das erwählt hat, was schwach ist vor der Welt, auf daß er zu Schanden mache, was stark ist“.

Dieses Paradox äußert sich im Lachen des im Himmel Thronenden, mag aber auch die Großen und Kleinen auf der Erde zum Lachen reizen.

Im Anspruch Jesu von Nazareth, der Sohn Davids, der Gesalbte des HERRN, der Mensch gewordene Sohn des im Himmel Thronen­den zu sein, ist der Widerspruch vollendet. Das Gelächter der Men­schen wird hörbar im Spott, den die an seinem Prozeß und seiner Hinrichtung Beteiligten in verschiedener Weise, je nach ihrem Stand und ihrer Bildung mit ihm treiben.

Wo aber findet das Lachen Gottes im Evangelium seinen Ausdruck? Man hat oft und gern hervorgehoben, daß Jesus nie gelacht, wohl aber geweint und gezürnt hat. Tatsächlich erwähnt das Evangelium nirgends ein Lachen Jesu. Und doch ist es kaum denkbar, daß er niemals lachte. Es würde seiner Menschlichkeit ein wesentlicher Zug fehlen. Wenn in der Weihnacht der Neugeborene noch zu klein war, um dem Jubel der himmlischen Heerscharen, den er entzündete, „mit lächelnder Gebärde“ (Max von Schenkendorf) zu antworten, so galt doch bald auch ihm das „Incipe, parve puer, risu cognoscere ma­trem“ (Vergil, Ecl. IV 61). Und es ist schwer vorstellbar, daß er die Seligpreisungen und die Gleichnisse vom Freudenfest des Reiches Gottes nicht mit strahlendem Angesicht und fröhlichen Mundes ver­kündigt und am Zöllnermahl nicht gelacht hätte

Wir verstehen jedoch, weshalb nie berichtet wird, Jesus habe ge­lacht, und weshalb in der ganzen Bibel zwar viel von Freude aber nur höchst selten von Lachen die Rede ist, wenn wir bedenken, was Baudelaire in seiner Abhandlung „De l’essence du rire“ ge­schrieben hat: „Man muß die Freude wohl unterscheiden vom La­chen. Die Freude besteht durch sich selbst, sie hat aber verschiedene Äußerungen. Manchmal ist sie fast unsichtbar, in anderen Fällen drückt sie sich durch Weinen aus. Das Lachen hingegen ist nur ein Ausdruck, ein Symptom, eine Diagnose. Symptom von was? Das ist die Frage. Die Freude ist einfach. Das Lachen ist Ausdruck eines zwiespältigen oder widersprechenden Gefühls. Eben deshalb ist es ein unfreiwilliger Krampf, vergleichbar dem Niesen, und gereizt durch den Anblick der Schwäche eines Andern … Das Lachen ist das Leibgedinge der Narren… Das Lachen ist satanisch, es ist also tief menschlich.“

Die Bibel sagt allerdings nie, der Satan lache. Aber an den meisten Stellen, wo sie ein Lachen erwähnt, ist es spöttisch oder närrisch. So ist es wohl begreiflich, daß sie nie von Jesus, und nur an der äußer­sten Grenze von Gott sagt, er habe gelacht.

In seinem Roman „Les portes de la foret“ (Paris 1964) weist der jüdische Dichter Elie Wiesel dem Lachen die entscheidende Rolle zu. So wenn der mystisch-messianische Held, der sich vor der Vernichtung der ungarischen Juden in einem Wald versteckt hat, von deutschen Soldaten aufgestöbert wird.

„In einem Augenblick umzingelte ihn die Meute der Hunde und warf ihn zu Boden. Die Soldaten wiesen die Bestien zurück und befahlen dem Gefangenen aufzustehen und die Arme händehoch zu halten. Er verstand ihre Sprache nicht. Ein Soldat hielt es für gut, sie ihn durch einen Kol­benstoß in den Bauch zu lehren. Gavriel verstand jetzt, stellte sich auf die Beine, maß den Soldaten mit festem Blick, dann faßte er die wild schnaubenden Bluthunde ins Auge. Gavriel runzelte die Stirn, ein leises Zittern lief durch seine Schultern. Vor den verblüfften Soldaten und Hunden brach er in ein gewaltiges Lachen aus.“

Ein junger Jude, der aus seinem Versteck durch den Spalt des Fel­sens diese Szene beobachtet hat und dank dem Lachen seines Schutz­engels den Häschern entgangen ist, findet dann seine Zuflucht bei der alten christlichen Magd, die während seiner Kindheit im Hause sei­ner Eltern gedient hat.

„Im Rausch der Erschöpfung redete er auf sie ein, irgendwas irgendwie über irgend etwas, ringend gegen das Schwei­gen, wie ein Ertrinkender gegen die Macht ringt, die ihn bei Bewußt­sein hält. Das Vergangene wird gegenwärtig, das Ich wechselt die Per­son, alles kommt durcheinander. Die Wesen verlieren ihre Persön­lichkeit, die Dinge ihr Gewicht. Sein Ich weitet sich aus zur gesamten Menschheit, die irgend etwas irgend jemandem antut im Namen irgendeines Gesetzes. Sie ist trunken und erschöpft, die Menschheit. Sie tötet und ihr Blutdurst kennt kein Maß; sie tötet, weil das Dasein zu schwer lastet; sie hält es nicht mehr aus, sie erfindet eine Lüge, um sich hassen zu können, sie höhlt das Meer aus, um es mit Blut zu füllen, um sich darin zu ertränken — und sich so an Gott zu rächen, an dieser erträumten Gerechtigkeit, diesem Gipfel der Unge­rechtigkeit.
— Gütiger Jesus, murmelte Maria betend, gütiger Jesus.
— Laß ihn in Ruh, sagte Gregor fiebernd. Laß ihn doch in Ruh! Ihn auch hat man in eine Wolke verwandelt; auch er ist erschöpft. Er hat sich eines Tages töten lassen und seither nimmt die Töterei kein Ende.
— Gütiger Herr, sagte Maria entsetzt, gütiger Herr.
— Weißt du, daß Christus Jude war? Daß er sagte, er sei der Sohn Gottes? Daß er den Titel des Messias beanspruchte? Weißt du, warum er gekreuzigt worden ist? Ich will es dir sagen: Weil er nicht lachen gelernt hatte. Ja, Maria, das ist die Wahrheit, ich versichre es dir. Wenn er am Kreuz, statt den Vater, der ihn verlassen hatte, anzuflehen, gelacht hätte, dann hätte er den Sieg davon getragen über alle und über sich selbst.“

Nein Jesus hat nicht gelacht am Kreuz. Dennoch und gerade deshalb ist er der Siegesheld, der die Menschheit von der Sünde befreit und den Tod überwunden hat.

Mors et vita duello conflixere mirando:
Dux vitae mortuus regnat vivus (Wipo von Burgund).

Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß.
Ein Spott aus dem Tod ist worden (Luther).

So singt die Gemeinde, die aus dem Ostersieg „wie der Tau aus der Morgenröte geboren“ ist[4]. Es gab sogar und gibt vielleicht noch Kir­chen, in denen das Lachen des im Himmel Thronenden in hellem Ostergelächter widerhallt.

Das ist das Lachen des Glaubens. Und wie die Auferweckung Jesu nur eine Spielart der ugaritischen oder sonst einer Naturmythologie wäre, wenn Jesus nicht wirklich ein Mensch gewesen wäre, als sol­cher gelebt, gelitten und die ganze Bitterkeit des Todes geschmeckt hätte und in der Erde begraben worden wäre, so ist auch der Oster­glaube nur echt, wenn er am Leiden Jesu teilnimmt. Darum gilt den Jüngern Jesu immer noch: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weinet; denn ihr werdet lachen.“ Weinend sind sie selig durch den gewissen Trost, daß der im Himmel Thronende lacht. Ihr Weinen ist das „flere sub risu Dei“, wie Calvin es genannt hat. Sie sind gewiß:

„Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsere Zunge voll Jubels sein“ (Ps 126).

Quelle: Johann Jakob Stamm/Ernst Wolf (Hrsg.), Freude am Evangelium. Alfred de Quervain zum 70. Geburtstag am 28. September 1966, München: Chr. Kaiser, 1966, S. 129-135.


[1] Abraham Heschel, Die Prophetie. Krakau 1936, S. 131.

[2] S. Mowinckel, Religion und Kultus. Göttingen 1953, S. 73 ff.

[3] Legendes de Babylone et de Canaan (L’Orient illustre, Heft 1, S. 102).

[4] Ps. 110. Unüberhörbar stark klingen im Wortlaut auch dieses Zionsliedes vordavidisch- (ugaritisch-) kanaanäische Kultlieder an.

Hier der Text als pdf.

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