Birgitta von Schwedens Vision der Geburt Jesu am Weihnachtsfest des Jahres 1372: „Darauf setzte sie sich auf die Erde nieder, nahm ihren Sohn auf den Schoß, und ergriff mit ihren Fingern leise seine Nabelschnur, welche alsbald abgeschnitten ward, ohne dass Feuchtigkeit oder Blut herausfloss, und sodann begann sie das Kind sorgfältig einzuwickeln. Erst tat sie es in die leinenen und dann in die wollenen Tücher, und band die Beinchen und Ärmchen mit dem Wickelbande, das an die vier Enden des oberen wollenen Tuches angenäht war, zusammen. Nachher aber wickelte und band sie um das Köpfchen des Knäbleins jene beiden leinenen, hierzu bereit gehaltenen Tücher und nachdem das alles vollbracht worden, trat der Greis herein, warf sich auf die Erde nieder, beugte seine Knie, betete das Kind an und weinte vor Freuden.“

Birgitta von Schwedens Vision der Geburt Jesu am Weihnachtsfest des Jahres 1372

Gesicht, welches die Frau Brigitta in Bethlehem gehabt, wo die Jungfrau Maria ihr die ganze Art ihrer Geburt, und wie sie ihren glorwürdigen Sohn geboren, erzählt, was die Jungfrau der Frau Brigitta in Rom fünfzehn Jahre zuvor, ehe sie nach Bethlehem ging, wie im ersten Kapitel dieses letzten Buches zu sehen ist, versprochen hatte.

„Als ich an des Herrn Krippe zu Bethlehem war, sah ich eine Jungfrau; dieselbe war gesegneten Leibes, mit einem weißen Mantel und einem feinen Rocke bekleidet, durch welchen hindurch ich von außen ihr jungfräuliches Fleisch deutlich sah. Ihr Leib war voll und sehr stark, denn sie war im Begriffe, niederzukommen. Bei ihr befand sich ein gar ehrbarer Greis und beide hatten einen Ochsen und einen Esel bei sich. Als sie in die Höhle eingetreten waren, band der Greis den Ochsen und den Esel an die Krippe, ging hinaus und brachte der Jungfrau eine angezündete Kerze, befestigte dieselbe an der Wand und ging wieder hinaus, um nicht persönlich bei der Niederkunft gegenwärtig zu sein.

Nun zog die Jungfrau die Schuhe von ihren Füßen ab, tat den weißen Mantel ab, mit dem sie bedeckt war, entfernte den Schleier von ihrem Haupte, legte diese Gegenstände neben sich nieder und blieb nur im Unterkleid; ihre überaus schönen, wie goldenen Haare hingen ausgebreitet über ihre Schultern hinab. Darauf zog sie zwei leinene und zwei wollene, ganz reine und feine Tücher hervor, welche sie bei sich trug, um das neugeborene Kind damit einzuwickeln, ingleichen zwei andere kleine Linnentücher zum Bedecken und Verbinden seines Kopfes, und legte auch diese zum Gebrauche bei gelegener Zeit neben sich.

Nachdem alles auf diese Weise vorbereitet worden war, beugte die Jungfrau mit großer Ehrfurcht die Knie und begab sich ins Gebet; dabei hatte sie den Rücken an die Krippe gelehnt, das Gesicht aber gen Morgen nach dem Himmel aufgehoben. Mit emporgehobenen Händen, mit auf den Himmel gerichteten Augen war sie wie in der Betrachtung verzückt und trunken von göttlicher Süßigkeit.

Als sie nun so im Gebete war, sah ich das in ihrem Schoße ruhende Kind sich bewegen, und in einem Augenblicke, in einem Nu hatte sie ihren Sohn geboren, von welchem ein so großes, unaussprechliches Licht und Glanz ausging, dass die Sonne damit keinen Vergleich aushielt, noch weniger jene leuchtende Kerze, welche der Greis aufgesteckt hatte, weil jener göttliche Glanz den irdischen Schein der Kerze ganz vernichtet hatte. Es erfolgte auch die Art des Gebärens so jäh und so plötzlich, dass ich weder bemerken, noch unterscheiden konnte, wie es zuging, oder mit welchem Körperteile sie gebar; vielmehr sah ich sogleich das glorreiche Kind nackt und ganz leuchtend am Boden liegen. Sein Fleisch war ganz frei von jeglicher Makel und jeder Unreinlichkeit. Ich sah auch die Nachgeburt neben demselben liegen; sie war zusammengewickelt und gar glänzend. Auch Gesänge der Engel von wunderbarer Lieblichkeit und großer Süße vernahm ich.

Und alsbald zog sich der Leib der Jungfrau, welcher vor der Geburt sehr voll war, zusammen, und es erschien nun ihr Körper von wunderbarer Schönheit und gar zart. Sobald die Jungfrau bemerkte, dass sie geboren habe, beugte sie sogleich das Haupt, legte die Hände zusammen, betete mit großer Ehrbarkeit und voll Ehrfurcht den Knaben an, und sprach zu diesem: Willkommen, mein Gott, mein Herr und mein Sohn!

Nun weinte das Kind und zitterte gleichsam vor Kälte und von der Härte des Estrichs, auf welchem es lag. Es wälzte sich ein wenig, streckte die Glieder aus und verlangte nach Labung und dem Erweise mütterlicher Zärtlichkeit. Da nahm die Mutter das Kind auf den Arm, und drückte dasselbe gegen ihre Brust und erwärmte es mit großer Freude und unter zärtlichem, mütterlichem Mitleid an Wange und Brust.

Darauf setzte sie sich auf die Erde nieder, nahm ihren Sohn auf den Schoß, und ergriff mit ihren Fingern leise seine Nabelschnur, welche alsbald abgeschnitten ward, ohne dass Feuchtigkeit oder Blut herausfloss, und sodann begann sie das Kind sorgfältig einzuwickeln. Erst tat sie es in die leinenen und dann in die wollenen Tücher, und band die Beinchen und Ärmchen mit dem Wickelbande, das an die vier Enden des oberen wollenen Tuches angenäht war, zusammen. Nachher aber wickelte und band sie um das Köpfchen des Knäbleins jene beiden leinenen, hierzu bereit gehaltenen Tücher und nachdem das alles vollbracht worden, trat der Greis herein, warf sich auf die Erde nieder, beugte seine Knie, betete das Kind an und weinte vor Freuden.

Die Jungfrau erlitt bei der Geburt keinerlei Veränderung durch Verfärbung oder Schwachheit. Auch nahm an ihr die leibliche Kraft nicht ab, wie es bei anderen gebärenden Weibern zu geschehen pflegt; ausgenommen nur, dass der schwangere Leib den früheren Zustand annahm, worin er sich befand, ehe sie den Knaben empfing. Nun aber erhob sie sich, hielt den Knaben auf ihren Armen, und beide zugleich, nämlich sie selbst und Joseph, legten ihn in die Krippe, beugten ihre Knie und beteten ihn an.“

Quelle: Leben und Offenbarungen der heiligen Birgitta, Band 3: Offenbarungen III. Teil, neu bearbeitet, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Clarus, Regensburg: Manz, 21888, Buch 7, Kap. 21, S. 269-271.

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