Metapher
Von Janet Martin Soskice
Es ist fraglich, ob eine einzige Definition der Vielfalt sprachlicher Verwendungen gerecht werden könnte, die wir als Metapher bezeichnen. Als Arbeitsdefinition können wir sagen, dass eine Metapher ein rhetorisches Stilmittel ist, durch das wir in knapper Form von einer Sache in Begriffen sprechen, die Assoziationen zu einer anderen Sache wecken. Beispielsweise beschreibt Bildads Rede im Buch Hiob den gottlosen Menschen in botanischen Begriffen: „Er grünt vor der Sonne, / und seine Schösslinge breiten sich aus in seinem Garten. / Seine Wurzeln umschlingen den Steinhaufen, / er wohnt zwischen Felsen“ (Hiob 8,16–17).
Die Metapher gilt als die wichtigste unter den Tropen und wird oft von ihrem nahen Verwandten, dem Vergleich (simile), unterschieden. Anders als die Metapher verwendet der Vergleich ausdrücklich die Sprache der Gegenüberstellung (z. B. „sie lauern wie Vogelsteller, die auf Beute warten“, Jer 6,26). Semantisch jedoch haben gute Metaphern und Vergleiche viel gemeinsam, und keines von beiden kann einfach als Gegenüberstellung verstanden werden.
Moderne Studien haben gezeigt, dass die Auffassung, Metaphern seien bloß schmückendes Beiwerk, unzureichend ist; vielmehr wird etwas Neues ausgedrückt, das auf keine andere Weise gesagt werden könnte. Dies wird besonders bei komplexen poetischen Bildern deutlich. So vergleicht Philip Larkin, wenn er von Religion als
„jenem riesigen, mottenzerfressenen, musikalischen Brokat,
geschaffen um vorzutäuschen, wir sterben nie“ (Aubade)
spricht, die abgenutzte Religion nicht einfach nur mit altem Stoff.
Anders als Vergleiche haben Metaphern keine eindeutige grammatikalische Form, sondern werden durch semantische Überlegungen identifiziert. Theologen konzentrieren sich oft auf Metaphern des Typs „A ist B“ („Gott ist ein Fels“), doch nicht immer werden zwei solch explizite Subjekte genannt. Ebenso metaphorisch sind in ihrem Kontext Ausdrücke wie „zornige See“ oder eine „böse Faust“ (Jes 58,4).
Allerdings können viele eindrückliche Metaphern ein Modell nahelegen. Dies geschieht in der bereits zitierten Rede Bildads, wo der gottlose Mensch als invasive Pflanze dargestellt wird. Ist das Modell einmal etabliert, kann der Leser es weiterentwickeln. Aufgrund ihrer engen Verbindung mit Modellen spielen Metaphern eine wichtige Rolle bei der Strukturierung von Argumenten und Wahrnehmungen. Dies gilt ebenso für die Theologie wie für die Naturwissenschaften oder jeden anderen Bereich der Erkenntnis.
„Metaphorisch“ ist streng genommen nicht das Gegenteil von „wörtlich“; vielmehr ist die Metapher nur eine von vielen Formen nicht-wörtlicher Sprachverwendung (eine andere ist die Ironie, z. B. „Was für ein toller Schuss!“, wenn das Gegenteil gemeint ist). Vor allem sind metaphorische und wörtliche Aussagen keine unterschiedlichen Wahrheitsgrade; man spricht von einem „unter Strom stehenden“ Kabel, aber das, worauf man sich bezieht, ist durchaus real.
Der Kontext ist entscheidend für das Erkennen von Metaphern. „Saphirblaue Augen“ können in einem Zusammenhang – als Beschreibung der tiefblauen Augen eines Geliebten – metaphorisch sein, in einem anderen, etwa bei der Beschreibung einer Statue aus Edelsteinen, wörtlich gemeint sein. Ohne Kontext gibt es keine Möglichkeit, eine bestimmte Aussage als Metapher zu identifizieren oder sie richtig als solche zu interpretieren.
Fragen nach dem Adressatenkreis beeinflussen die Identifikation und Deutung von Metaphern. Einige biblische Metaphern haben komplexe Interpretationskontexte, die auf frühere Schichten bildhafter Sprache, einen inneren Kreis von Auslegern oder bestimmte soziale und politische Umstände verweisen (z. B. Offb 21,9). Hier führt die Interpretation von Metaphern zu weiterreichenden textuellen und kontextuellen Überlegungen.
Das gegenwärtige Interesse am Thema Metapher ist beträchtlich und breit gefächert. Studierende der Bibelauslegung werden an Werken von Philosophen, Linguisten und Literaturkritikern interessiert sein.
Literatur: Kent Bach und Robert M. Harnish, Linguistic Communication and Speech Acts, 1982; Christopher Butler, Interpretation, Deconstruction and Ideology, 1984; Andrew Ortony, Metaphor and Thought, 1979; Paul Ricoeur, The Rule of Metaphor, 1978; Janet Martin Soskice, Metaphor and Religious Language, 1985.
Quelle: R.J. Coggins/J.L. Houlden, The SCM Dictionary of Biblical Interpretation, 1990, S. 447.