Wort an die Gemeinden in den Gliedkirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR wider die Einführung des obligatorischen Wehrunterrichts an den Schulen vom 14. Juni 1978: „Die Kon­ferenz bedauert, dass die kirchlichen Be­denken nicht berücksichtigt wurden, und hat die Regierung noch einmal um eine Überprüfung gebeten. Die Konferenz be­fürchtet, dass durch die Einführung von ob­ligatorischem Wehrunterricht die Erzie­hung zum Frieden im Bewusstsein gerade von Jugendlichen ernsten Schaden leidet und die Glaubwürdigkeit der Friedenspoli­tik der DDR in Frage gestellt wird.“

Wort an die Gemeinden in den Gliedkirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR wider die Einführung des obligatorischen Wehrunterrichts an den Schulen vom 14. Juni 1978

Unserer Welt zum Frieden zu helfen, ha­ben Christen und Kirchen in zunehmen­dem Maße als ihre Aufgabe erkannt. Die Versöhnung, die Gott gegen alle Feind­schaft der Menschen gesetzt hat, ist der Grund unseres Lebens. Davon Zeugnis zu geben, sind wir allen Menschen schuldig. Um dieses Auftrages willen arbeiten wir als Gemeinde Jesu Christi mit, wo Span­nungen abgebaut werden, Vertrauen ge­fördert und Sicherheit zwischen den Völ­kern verstärkt werden kann.

In unseren Kirchen haben sich wegen der Einführung des Wehrunterrichts in den Schulen viele besorgte Stimmen zu Wort gemeldet. Der Vorstand der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen hat sei­nerseits diese Besorgnisse aufgenommen und die Regierung gebeten, das Fach Wehrerziehung nicht einzuführen. Er hat eine ausführliche mündliche Information über die Einführung dieses Lehrfaches in den 9. und 10. Klassen erhalten. Die Kon­ferenz bedauert, daß die kirchlichen Be­denken nicht berücksichtigt wurden, und hat die Regierung noch einmal um eine Überprüfung gebeten. Die Konferenz be­fürchtet, daß durch die Einführung von ob­ligatorischem Wehrunterricht die Erzie­hung zum Frieden im Bewußtsein gerade von Jugendlichen ernsten Schaden leidet und die Glaubwürdigkeit der Friedenspoli­tik der DDR in Frage gestellt wird.

Angesichts dieser Situation kommt der Er­ziehung zum Frieden in unseren Gemein­den und Familien eine besondere Bedeu­tung zu. Wir haben uns zu mühen,

  • daß wir der Gesinnung des Friedens und der Versöhnung Raum schaffen,
  • daß von uns Vertrauen und Offenheit spürbar praktiziert werden,
  • daß bei Lösung von Konflikten nicht die Macht das letzte Wort behält.

Die Eltern und Mitarbeiter in unseren Ge­meinden tragen eine besondere Verant­wortung für die Erziehung zum Frieden. Wie das geschieht, müssen wir gemeinsam lernen und dabei einander helfen. Eine er­ste Orientierungshilfe wird den Gemein­den gleichzeitig zugestellt.

Die Gewissen vieler sind belastet durch die Entscheidungen, die sie zu treffen ha­ben. Den Angefochtenen möchten wir sa­gen, daß wir sie mit unserer Fürbitte und der uns möglichen Hilfe begleiten werden.

Berlin, den 14. Juni 1978

Die Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen

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