Das Paradies, der Überdruss und das Lebensglück: „Weder in dem dauerhaft Zuhandenen noch in dem erfolgreich Erstrebten findet der Mensch sein umfassendes Lebensglück. Was in der christlichen Lehre als (Glück-)Seligkeit (beatutido) verheißen wird, ist ein lebensvollendende Schau Gottes (visio Dei beatifica), von der ’selige‘ Menschen selbst eingenommen ist. Das Lebensglück entzieht sich damit eigener Bestimmung bzw. Wahl. Die Gottesschau lässt sich nur in paradoxer Weise als lebenserfüllend – Erfüllung, die keine Erfüllung ist – bezeichnen, da der Zustand einer ewigen Erfüllung den Vorgang einer Erfüllung unterbinden würde. Die visio Dei ist also ein Sehen, das sich nicht sattsehen kann.“

Das Paradies, der Überdruss und das Lebensglück

Paradiesische Zustände sollen das eigene Lebensglück bedingen. In der Paradieserzählung (Genesis 2-3) wird von HERR Gott für den Menschen der Garten Eden angepflanzt, in dem Baumfrüchte in Überfülle vorhanden sind. Durch die Schaffung der weiblichen Eva findet sich der Mensch in einer Lebensgemeinschaft wieder. Wie jedoch die Geschichte vom Sündenfall erzählt, scheint sich kein dauerhafter Glückszustand eingestellt zu haben. Wo der Versuchung durch die Schlange Folge geleistet wird, wird trotz göttlichen Verbots (oder gerade deswegen) ein Erkenntnisgewinn jenseits garantierter Lebensbedingungen angestrebt. Wenn alles zuhanden zu sein scheint, ergibt sich daraus keine dauerhafte Befriedigung. Vielmehr erwächst Überdruss. Ein noch nicht Dagewesenes, also eine Neuerung soll weiteres Lebensglück bringen.

Die Vertreibung aus dem Paradies (bzw. dem Garten Eden), die den Menschen in eine Mangelsituation mit aller Mühsal überführt (vgl. Genesis 3,16-19) eröffnet jedoch diesem die Möglichkeit, temporäres Glück des Erreichten bzw. selbst Erarbeiten zu finden, ohne dass es dabei zum einem umfassenden Lebenserfüllung kommt.

Weder in dem dauerhaft Zuhandenen noch in dem erfolgreich Erstrebten findet der Mensch sein umfassendes Lebensglück. Was in der christlichen Lehre als (Glück-)Seligkeit (beatutido) verheißen wird, ist ein lebensvollendende Schau Gottes (visio Dei beatifica), von der „selige“ Menschen selbst eingenommen ist. Das Lebensglück entzieht sich damit eigener Bestimmung bzw. Wahl. Die Gottesschau lässt sich nur in paradoxer Weise als lebenserfüllend – Erfüllung, die keine Erfüllung ist – bezeichnen, da der Zustand einer ewigen Erfüllung den Vorgang einer Erfüllung unterbinden würde. Die visio Dei ist also ein Sehen, das sich nicht sattsehen kann.

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