Jan Twardowski, Lerne, dich zu wundern (Naucz się dziwić): „Und denk – wie seltsam ist es doch, / dass Gott sich auf Kinderjahre eingelassen hat, / eine Mutter, einen Esel, Bethlehem // so viele Geheimnisse, Dogmen, / Judas, Märtyrerinnen, Blumen, / und immer neue Bekehrungen – // dass man, ohne ein einziges Gebet zu sprechen, / einfach an Ihn glauben kann / aus lauter, großer Verwunderung“

Lerne, dich zu wundern (Naucz się dziwić)

Lerne, dich in der Kirche zu wundern,
dass die heiligste Hostie so klein ist,
dass sie in die Hände passen würde
des kleinsten Mädchens im weißen Kleid

und doch fällt eine Menge vor ihr nieder,
beginnt zu weinen, zu beichten –

dass Jungen mit von Beeren schwarz gefärbten Zungen –
zum Ärger ihrer Großmütter halbnackt hereinstürmen –
an der angelehnten Kirchentür verstummen
wie Krähen,
weil die Kirche sie mit ihrer Würde überrascht.

Und denk – wie seltsam ist es doch,
dass Gott sich auf Kinderjahre eingelassen hat,
eine Mutter, einen Esel, Bethlehem

so viele Geheimnisse, Dogmen,
Judas, Märtyrerinnen, Blumen,
und immer neue Bekehrungen –

dass man, ohne ein einziges Gebet zu sprechen,
einfach an Ihn glauben kann
aus lauter, großer Verwunderung

Jan Twardowski

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