Bericht über den Bauernkrieg um das Kloster Wettenhausen: „Am Montag nach dem ‚Weißen Sonntag‘ (6. März) trafen die Bauern erneut zusammen. Sie versammelten alle benachbarten Dorfbewohner, wählten Anführer und Räte und gründeten eine Bruderschaft. Jedes Haus musste zwei Gulden beitragen. Sie luden auch benachbarte Herren ein, ihrer Bruderschaft beizutreten, aber keiner folgte dem Ruf. Daraufhin ordneten sie an, dass fortan alle Pfarrer ausschließlich das Evangelium predigen sollten – andernfalls würden sie abgesetzt oder bestraft.“

Bericht über den Bauernkrieg um das Kloster Wettenhausen

1. Notiz von Christoph Franck, Regular-Kanoniker von Wettenhausen und Vikar der Pfarrei Höselhurst, Zeitzeuge des Aufstands:

Um die Faschingszeit (Ende Februar) wurden die Bauern in der Gegend um Wettenhausen aufrührerisch. Am „schmalzigen Samstag“ (25. Februar) versammelten sie sich in Ettenbeuren und entsandten 22 Männer ins Kloster, um mit dem dortigen Propst, Ulrich Hieber, zu verhandeln. Sie forderten ihn auf, einige ihrer Anliegen anzuerkennen und Missstände zu beseitigen. Der Propst bot an, sich entweder gütlich oder vor Gericht mit ihnen auseinanderzusetzen, doch die Bauern lehnten dies ab – mit Ausnahme derer aus Wattenweiler und einiger weniger aus Höselhurst, die sich einer friedlichen Lösung nicht verschlossen.

Am Montag nach dem „Weißen Sonntag“ (6. März) trafen die Bauern erneut zusammen. Sie versammelten alle benachbarten Dorfbewohner, wählten Anführer und Räte und gründeten eine Bruderschaft. Jedes Haus musste zwei Gulden beitragen. Sie luden auch benachbarte Herren ein, ihrer Bruderschaft beizutreten, aber keiner folgte dem Ruf. Daraufhin ordneten sie an, dass fortan alle Pfarrer ausschließlich das Evangelium predigen sollten – andernfalls würden sie abgesetzt oder bestraft.

Der damalige Pfarrer in Höselhurst war Christoph Franck. Wegen der Unruhen im Land konnte er vier Wochen lang nachts nicht mehr im Pfarrhof übernachten, da er Übergriffe der aufständischen Bauern fürchtete.

Am 4. April (St.-Ambrosius-Tag) wurden die Bauern in der Schlacht bei Leipheim von den Truppen des Schwäbischen Bundes besiegt. Jeder, der zuvor zwei Gulden gezahlt hatte, musste nun sechs Gulden abgeben. Im Jahr 1530 wurde erneut eine Abgabe erhoben: Jedes Gehöft musste einen halben Gulden zahlen.

2. Bericht eines Mönchs aus Wettenhausen aus dem 17. Jahrhundert:

Im Jahr 1525 erhoben sich unsere Untertanen, infiziert von der lutherischen Lehre. Sie verließen Haus und Hof, versammelten sich in Ettenbeuren und entsandten am „schmalzigen Samstag“ (25. Februar) 22 Männer ins Kloster, um ihre Forderungen vorzubringen. Der Propst wollte sich auf eine gütliche oder rechtliche Lösung einlassen, doch die Bauern wiesen dies strikt zurück – mit Ausnahme derer aus Wattenweiler und Höselhurst.

Am Montag nach „Invocavit“ (6. März) versammelten sich die Bauern aus allen Dörfern diesseits und jenseits der Donau in Ettenbeuren. Sie wählten Anführer und Räte und gründeten eine Bruderschaft, wobei jedes Haus zwei Gulden zahlen musste. Acht Tage blieben sie dort auf dem Marktplatz und schlossen sich mit den Bauern aus Leipheim und ihrem lutherischen Pfarrer zusammen.

Am 12. März („Reminiscere“) marschierten sie von Ettenbeuren nach Leipheim. Ihre Zahl wuchs durch immer mehr Bauern. Sie plünderten das Schloss Bühl und das Schloss Kleinenköz, die den Patriziern von Günzburg (die mit Ulm verbunden waren) gehörten. Danach überfielen sie das Kloster Roggenburg mit extremer Gewalt, plünderten es vollständig aus und entweihten sogar das Ziborium im Sakrarium.

Am 2. April fielen aufständische Bürger und Bauern aus Jettingen in das Kloster Wetten­hausen ein, leerten die Keller und Getreidespeicher und verwüsteten die wertvolle Bibliothek. Vier Wochen lang wagte es kein Pfarrer in der Umgebung, auf die Kanzel zu steigen.

Am Dienstag nach dem Sonntag „Judica“ (4. April) zogen sie gemeinsam nach Leipheim. Doch dort wurden sie von den Truppen des Schwäbischen Bundes vernichtend geschlagen. Viele flohen in die Donau und ertranken.

Nachwort

Unter dem Titel „Annales sive Chronologia Imperialis Collegii in Wettenhausen“ verfasste ein Mönch des Augustinerstifts Wettenhausen eine umfangreiche lateinische Chronik über die Geschichte des Klosters. Sein eher unkritisches Werk besteht aus neun Foliobänden. Die ersten beiden Bände befinden sich heute im Reichsarchiv München, die übrigen – die die Zeit ab 1600 behandeln – in der Kreisbibliothek Augsburg.

Im ersten Teil des zweiten Bandes beschreibt der Chronist die Geschichte des Bauernkriegs um Wettenhausen. Er nutzte dabei Werke wie Jacob Merk, Chronica Constantia (1627), Crusius, Annales Suevici (Band 3, Buch 10, Kapitel 14) sowie Clemens Sender, Historia de ortu et progressu haeresum in Germania. Besonders wertvoll ist seine wortgetreue Aufnahme der beiden Berichte über den Bauernkrieg in Wettenhausen:

  • Der erste stammt von Christoph Franck, der 1525 Vikar in Höselhurst war und die Ereignisse unmittelbar miterlebte.
  • Der zweite Bericht wurde von einem Mönch des Klosters Wettenhausen im 17. Jahrhundert verfasst.

Beide Berichte finden sich im Original im zweiten Band, Teil 1, auf den Seiten 188 bis 190.

Quelle: Franz Ludwig Baumann, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben, 1876, S. 241-245.

Hier der Text als pdf.

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