Martin Luther über die Rechtfertigungslehre in seiner Vorrede zur Promotionsdisputation von Palladius und Tilemann (1537): „Der Artikel der Rechtfertigung ist der Lehrer und Fürst, der Herr, Lenker und Richter über alle Arten von Lehren. Er bewahrt und regiert die gesamte kirchliche Lehre und richtet unser Gewissen vor Gott auf. Ohne diesen Artikel ist die Welt nichts als Tod und Finsternis.“

Vorrede zur Promotionsdisputation von Palladius und Tilemann (1537)

Von Martin Luther

Der Artikel der Rechtfertigung ist der Lehrer und Fürst, der Herr, Lenker und Richter über alle Arten von Lehren. Er bewahrt und regiert die gesamte kirchliche Lehre und richtet unser Gewissen vor Gott auf. Ohne diesen Artikel ist die Welt nichts als Tod und Finsternis. Denn es gibt keinen Irrtum, der so klein, so unsinnig und töricht wäre, dass er der menschlichen Vernunft nicht höchst angenehm erschiene und uns verführen könnte, wenn wir ohne die Erkenntnis und Betrachtung dieses Artikels sind.

Deshalb, weil die Welt so grob und stumpfsinnig ist, ist es notwendig, diesen Artikel sehr häufig zu behandeln und ihn bestens zu kennen. Besonders wenn wir den Kirchen raten wollen, brauchen wir keine Angst vor irgendetwas Schlechtem zu haben, wenn wir uns mit höchstem Fleiß und größter Sorgfalt dem Studium dieses Artikels widmen und viel Mühe darin investieren. Denn ein Geist, der durch diese sichere Erkenntnis gefestigt und gestärkt ist, kann in allen Gefahren standhaft bleiben.

Daher ist die Sache nicht gering und nicht nichtig, sondern von großer Bedeutung, insbesondere für diejenigen, die in der Schlachtlinie stehen und gegen den Teufel, die Sünde und den Tod kämpfen und die Kirchen lehren wollen. Wir empfehlen euch deshalb diese beiden Kandidaten zur Prüfung, damit festgestellt werde, ob sie würdig sind oder nicht, anderen voranzustehen und als Lehrer in den Kirchen eingesetzt zu werden.

Articulus iustificationis est magister et princeps, dominus, rector et iudex super omnia genera doctrinarum, qui conservat et gubernat omnem doctrinam ecclesiasticam et erigit conscientiam nostram coram Deo. Sine hoc articulo mundus est plane mors et tenebrae. Quia nullus est error tam parvus, tam ineptus et insulsus, qui non summe placeat rationi humanae et nos seducat, si sine cognitione et meditatione huius articuli sumus. Ideo quia mundus ita crassus est et haebes, necessarium est hunc articulum saepissime tractare et habere maxime cognitum. Praesertim si ecclesiis voluerimus consulere, nihil mali timebimus, si sic in articulo isto discendo plurimum operis ac diligentiae posuerimus, plurimum laboraverimus. Quia animus stabilitus et firmatus hac certa cognitione potest in omnibus periculis persistere. Ergo res non est parva et inanis, sed gravis, praesertim his, qui volunt, stare in acie et pugnare contra diabolum, peccatum et mortem, et docere ecclesias. Nos igitur offerimus vobis hos duos candidatos, ut examinentur scilicet videantur, dignine sint annon, qui praeficiantur aliis et doctores instituantur in ecclesiis.

Quelle: WA 39/I, 205,2-206,3.

Hier der Text als pdf.

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