Johannes Rehm, Arbeit als geistliche Übung – 12 Übungsschritte zu einem evangelischen Arbeitsethos: „Indem wir uns auch in der Arbeit als durch Jesus Christus mit unserem Schicksal versöhnte Menschen wahrnehmen lernen, welcher unsere Kollegen sowie die uns umgebenden Mitmenschen uns als Nächste ans Herz legt. Und indem wir insbesondere auf Gottes Segen in allem Arbeiten und Gestalten vertrauen sowie auf das gnädige Wirken des Heiligen Geistes, der uns selbst zu erneuern und der Vollendung in Gott ewigem Reich entgegenzuführen vermag, praktizieren wir unsere Arbeit als eine geistliche Übung.“

Arbeit als geistliche Übung – 12 Übungsschritte zu einem evangelischen Arbeitsethos1

Von Johannes Rehm

Hinführung

Arbeit und Spiritualität, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Möglicherweise haben die beiden Begriffe auf den ersten Blick nichts oder wenig gemeinsam. Schließlich handelt es sich um zwei Themen, mit denen sich gewöhnlich Assoziationen von sehr unterschiedlichen Lebenswelten verbinden. Alltag und Sonntag, Öffentlichkeit und Privatheit, Wirtschaftsleben und Frömmigkeitspraxis, das sind Gegensatzpaare, welche einem in diesem Zusammenhang gewöhnlich unmittelbar in den Sinn kommen und die signalisieren, dass Arbeit und Spiritualität in der Regel zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Interessen erledigt und ausgeübt werden.2

Die angezeigte Spannung wird aber gleichzeitig auch wieder dadurch überbrückt, dass es sich sowohl bei der Arbeit als auch bei der Spiritualität nicht um theoretische Abstraktionen, sondern um eine ausgeübte Praxis menschlichen Tuns handelt, die einen leiblichen und häufig auch gemeinschaftlichen Ausdruck findet. Arbeit und Spiritualität sind jedenfalls beide Begrifflichkeiten, denen schon einmal dies gemeinsam ist, dass sie bekanntlich sehr unterschiedlich inhaltlich gefüllt und im Sprachgebrauch verschieden verwendet werden können.

Nun machen sozialwissenschaftliche Untersuchungen seit einigen Jahren darauf aufmerksam, dass es bei einer beträchtlichen Anzahl von arbeitenden Menschen den ausgesprochenen Wunsch bzw. die empfundene Sehnsucht gibt, Arbeit und Spiritualität im Leben gerade nicht zu trennen, sondern aufeinander zu beziehen.3 Dieses nachgewiesene individuelle Bedürfnis Spiritualität im arbeitsweltlichen Kontext zum Ausdruck zu bringen, ist sicher in einem säkularen Umfeld nicht mehrheitlich vorauszusetzen, aber doch erstaunlicherweise in einem beträchtlichen Umfang bei vielen Menschen vorhanden.4 Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern besonders profiliert auch für die USA, wo der Begriff und die Programmatik einer „Workplace-Spirituality“5 zunehmend Beachtung findet.6 Die Workplace Spirituality7 verzichtet allerdings auf ein geistlich–konfessionelles Profil und ist für alle Religionen sowie auch für säkular lebende Menschen offen.8

In den folgenden Ausführungen soll diese aktuelle Suchbewegung nach einer Verbindung und wechselseitigen Durchdringung von Arbeit und Spiritualität aufgegriffen und praktisch-theologisch bearbeitet sowie auch eine entsprechende Praxisanleitung gewagt werden. Doch alles kommt zunächst darauf an, dass eine Spiritualität der Arbeit von einer geklärten inhaltlichen Basis her entwickelt wird. Diese wird für den evangelischen Glauben zuerst in der Bibel zu suchen und zu finden sein, welche von jeher dem Glauben, aber auch menschlichem Leben und Arbeiten Korrektur und Orientierung zu geben vermag.9

In 12 Übungsschritten möchte ich mich einem gelebten evangelischen Arbeitsethos annähern. Ich versuche zu beschreiben, was es bedeutet als Geschöpf Gottes zu arbeiten und mit anderen Mitgeschöpfen zusammenzuarbeiten. Den Übungsschritten ist jeweils ein Bibelwort leitwortartig vorangestellt. Häufig handelt es sich dabei um biblische Kernstellen, welche in der Sozialverkündigung der kirchlichen Industrie- und Sozialarbeit regelmäßig zitiert und ausgelegt werden.10 Im Folgenden verzichte ich in meinen Ausführungen weitgehend auf die Verwendung des Begriffs Spiritualität, weil dieser auch rein säkular und für nicht christliche Frömmigkeitspraxis verwendet wird und damit missverständlich geworden ist. Mir geht es vielmehr um ein geistliches Geschehen im Sinne des Evangeliums von Jesus Christus, welches ich als Frömmigkeit der Arbeit verstehe. Die folgenden 12 Übungsschritte sollen anleiten zu einer meditativen Aneignung eines evangelischen Arbeitsethos einschließlich einer Praxis des Gebets für die Früchte menschlicher Arbeit sowie für arbeitende Menschen. Die 12 Schritte wollen eine Einübung in eine durch den Glauben veränderte Haltung eines gelebten evangelischen Arbeitsethos ermöglichen und befördern, welches darum weiß, dass die Grundlagen aller Arbeit dem Schöpfer zu verdanken sind, und in Bezug auf die Wirkungen menschlichen Tätigseins auf seinen Segen vertraut.

Die derzeit festzustellende verstärkte Suche nach einer den beruflichen Bereich einschließenden Glaubens- und Frömmigkeitspraxis hängt auch mit der aktuell sich vollziehenden Transformation der Arbeitswelt durch die Digitalisierung zusammen, welche dabei ist, die Kultur menschlichen Arbeitens insgesamt nachhaltig zu verändern.11 Durch den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz sind es längst nicht mehr nur Menschen, die autonom arbeiten. Die Digitalisierung vereinfacht und beschleunigt Arbeitsprozesse, aber sie fordert arbeitende Menschen durch die notwendigen Lern- und Veränderungsprozesse auch heraus.12 Es bilden und finden sich unter Arbeitnehmenden digital affine Eliten von Fachkräften, welche am Arbeitsmarkt begehrt sind und die durch ihre in der Wirtschaft gesuchten Kompetenzen profitieren von den durch die Entwicklungen unter dem Label New Work entstehenden neuen Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten.13 Jedenfalls legt es sich nahe in solchen Zeiten des Umbruchs verstärkt nach Sinn und Ziel menschlichen Arbeitens zu fragen. Dabei stellt sich sofort die weitergehende Frage, ob die durch Digitalisierung zusätzlich beschleunigte Arbeitswelt noch Zeit und Raum lässt für einen am Arbeitsplatz gelebten Glauben? Oder ob nicht im Gegenteil beschleunigtes digitales Arbeiten gerade dringlich nach einem Ausgleich durch einen Ruhepol in einer gelebten Glaubenspraxis verlangt?

Doch die klassischen Institutionen der Vermittlung von ethischen Orientierungen und Glaubenstraditionen, im Fall von Deutschland die beiden großen Kirchen befinden sich in einer bisher nicht gekannten Krise des Mitgliederschwunds, einer Krise der öffentlichen Wahrnehmung und der moralischen Autorität. Wird ihnen noch zugetraut glaubwürdig die Weisheit und den Reichtum des jüdisch-christlichen Glaubens und seiner geistlichen Tradition authentisch und zeitgemäß weiterzugeben? Kirchensoziologische Forschungen zeigen nun inzwischen eindeutig, dass die gegenwärtige Relevanzkrise der Kirchen gleichzeitig paradoxerweise zu einer verbreiteten, vertieften Rückfrage nach der „Substanz“, also dem Wesen von Kirche einschließlich des Inhalts des christlichen Glaubens führt. Die Konjunktur von Spiritualität spricht für diese Sehnsucht vieler nach einem „substanziellen Christentum“ jenseits aktueller pragmatischer Strukturdebatten, die sich ihrerseits an gängigen Organisationslogiken orientieren. 14

Die folgenden Überlegungen setzen bei dieser Frage nach der Gegenwartsbedeutung der geistlichen Tradition christlichen Glaubens einschließlich der sie beinhaltenden sozialethischen Herausforderung an. Im Zentrum wird zunächst die Entfaltung eines evangelischen Arbeitsethos stehen, das zu einem guten und gelingenden Leben auch in einer Arbeitswelt 4.0 verhilft. Ein evangelisches Arbeitsethos verlangt aber aus sich selbst heraus danach gelebt, praktiziert und ausgeübt zu werden. Allerdings setzt die Ausübung eines Ethos gewöhnlich zunächst seine Einübung voraus. Deshalb soll im Folgenden in 12 Übungsschritten ein geistlicher Weg zur praktischen Einübung und Umsetzung im Sinne einer gelebten Frömmigkeit der Arbeit skizziert werden.15

Bevor Spiritualität zum Modethema wurde, hatte sich ungewöhnlich frühzeitig Manfred Seitz in der Praktischen Theologie seit den 60er Jahren praktisch und theoretisch wegweisend dem Themenkreis einer gelebten Frömmigkeit gewidmet.16 Seine einschlägigen Veröffentlichungen verdienen weiterhin Beachtung, weil sie auch für die gegenwärtigen Herausforderungen hilfreich sind. Legt man etwa den mir einleuchtenden Vorschlag von Manfred Seitz für eine Systematik einer „Evangelischen Aszetik“ zugrunde, dann wäre das Folgende schwerpunktmäßig den Gliederungspunkten 1.2. „Aszetik als Lehre vom gelebten Glauben“ und gleichzeitig ebenso III.1. „Das Zeugnis des Christen in der modernen Welt“ zuzuordnen.17

12 Übungsschritte

  1. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Ps 119, 105

Als Christ zu leben und zu arbeiten bedeutet zuallererst dies: Einzuüben hoffnungsfroh dem Lichtkegel des göttlichen Wortes auf allen Lebens- und Arbeitswegen zu folgen und sich davon für die alltägliche Arbeit Orientierung, Hilfe, Trost und Korrektur zu erwarten.

Evangelische Glaubenspraxis ist von jeher am biblischen Wort orientiert.18 Dies unterscheidet deshalb evangelische Aszetik von allgemeiner Spiritualität, welche sehr unterschiedliche Ausprägungen und Begründungen haben kann. Anhand von Martin Luthers Anleitungsschriften zum geistlichen Leben entfaltet Klaus Raschzok, was die Übung von reformatorischer Frömmigkeitspraxis beinhaltet. Der regelmäßige Umgang eines Christen mit der Bibel ist dafür grundlegend. Raschzok zeigt auf, dass Luther aus dem Psalm 119 drei zusammenhängende Einzelregeln geistlichen Lebens ableitet: „Oratio (Gebet), meditatio (Meditation) und tentatio (Anfechtung) bilden das Grundgerüst schriftbezogener Frömmigkeit.“19 Für den Protestantismus insgesamt ist bis heute der Verweis und die Bezugnahme auf zentrale biblische Kernstellen prägend. „In Luthers Anleitungsschriften zum geistlichen Leben zeichnen sich Konturen einer biblischen Einzelspruchfrömmigkeit auf.“20 Für eine lebensnahe Frömmigkeit ist Luthers Glaubenserfahrung von aktueller Bedeutsamkeit. „Die entscheidende Bedeutung der Modellvorstellung der Heiligen Schrift als Wahrnehmungsinstrument einer lebensnahen Frömmigkeit besteht darin, dass diese an den biblischen Text als äußeres Wort gebunden ist.“21

Der Gesprächsbeitrag von Klaus Raschzok verdient eingehende Beachtung, da er sehr konkret bewährte Erfahrungen einer geistlichen Schriftauslegung schildert. Diese könnten auch für Gruppierungen christlicher Arbeitnehmender und Unternehmer hilfreich und förderlich sein. Schließlich gilt: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ 2. Tim 3, 16

In den letzten Jahren waren insbesondere „Christen in der Automobilindustrie“ sowie der „Arbeitskreis evangelischer Unternehmer“ mit Bibelgesprächsrunden am Arbeitsplatz oder nach Arbeitsschluss aktiv. Für sehr viele arbeitende Menschen ist die tägliche Meditation der Herrnhuter Losungen ihre bewährte und langjährig geübte Praxis der Bibellese. Seit einigen Jahren ist eine verstärkte Aufmerksamkeit für den Themenkreis Spiritualität bzw. geistliches Leben bei den arbeitsweltlichen Diensten der Kirchen festzustellen.22

  1. Dann geht der Mensch hinaus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den Abend. Ps 104, 23

Geschöpfe Gottes entsprechen der Bestimmung des Schöpfers, indem sie ein tätiges und arbeitsames Leben führen. In der Gegenwart unterscheiden wir hauptamtliche Erwerbsarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und private Aktivitäten, die wir alle Arbeit nennen. Arbeiten ist von jeher menschliche Lebensform und gehört zum guten und gelingenden Leben dazu. Eine Aufgabe der christlichen Gemeinde und ihrer Mitglieder ist von daher die regelmäßige Übung von Fürbitte für arbeitende Menschen und ihre Nöte.

Die Arbeit ist selbstverständlicher Ausdruck der Geschöpflichkeit des Menschen. Arbeit ist im Leben von Menschen noch viel mehr als Erwerbsarbeit. Diese ist fraglos für die meisten Menschen von grundlegend sozialer und existentieller Bedeutung. Hans Günter Ulrich schreibt: „Ein Mensch muss durch seine Arbeit für sein Leben und für das Leben derer, die ihm anvertraut sind, sorgen können und die Arbeit als zugehörig zu seiner menschlichen Lebensform erfahren.“23

Aber es geht noch um mehr als die so bedeutsame Erwerbsarbeit, wie Torsten Meireis herausstellt: „Vielmehr geht es um das gute Leben und zwar eines, das sein Profil durch die Muße des Hörens auf Gott gewinnt. Die solcher Muße entsprechende Tätigkeit dient weder der rastlosen Selbstbeschäftigung noch allein dem Erwerb und schließt auch den Genuss nicht aus, sondern sie zielt auf den Nächsten. Dieser ist niemand anderes als der oder die andere, wie Gott sie mir zeigt.“24

Ebenfalls im Gesamtzusammenhang menschlichen Lebens verortet die einschlägige EKD-Denkschrift von 2015 die menschliche Arbeit. „Der christliche Glaube in seiner evangelischen Ausprägung wertet die alltägliche Wirklichkeit als das exemplarische Begegnungsfeld von Gott und Mensch, in dem der Mensch Tag für Tag seinem Nächsten dient. Eine Engführung auf Erwerbs- oder gar Lohnarbeit ist dabei in keiner Weise impliziert, wie beispielhaft Luthers Hochschätzung der Familien- und Reproduktionsarbeit zeigt. Insofern bezeichnet der Beruf alle Formen menschlicher Tätigkeit, sofern sie zur Befriedigung von Bedürfnissen im Dienst des Menschen geschehen.“ 25

Die vornehmste geistliche Aufgabe für die christliche Gemeinde ist in diesem Zusammenhang die Fürbitte für arbeitende Menschen. Friedrich Mildenberger zeigt die solidarische Dimension der Fürbitte auf. „Rechte Fürbitte schließt ihre eigene Zukunft zusammen mit der Zukunft derer, für die sie einsteht.“26 Die Fürbitte weist über die als bedrängend oder bedrückend erfahrene Situation hinaus. „Die Fürbitte nimmt in die Hoffnung mit. Indem sie dabei den eschatologischen Horizont ausmisst, gewinnt sie zugleich den Raum für die nahen Dinge, die der Fürbitte bedürfen.“27

Die Fürbitte für alle Menschen, was arbeitende Mitmenschen selbstverständlich miteinschließt, ist auch eine Aufgabe für das persönliche tägliche Gebet des einzelnen Christen, die verdient wahr- und ernstgenommen zu werden.

  1. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. 1. Mose 3, 19

Geschöpfe kommen der Beauftragung des Schöpfers zum tätigen Leben nach im Wissen darum, dass Arbeit die begrenzte Lebenszeit verbraucht und nicht selten die Gesundheit verschleißt sowie der Vergänglichkeit alles Geschaffenem unterliegt. Trotzdem ist Arbeit gleichzeitig existentielle Notwendigkeit und deshalb ein allgemeines Menschenrecht. Arbeitslosigkeit darf nicht sein.

Arbeit ist nicht zu idealisieren, sondern auch in seiner Gefährlichkeit und Abgründigkeit für arbeitende Menschen wahrzunehmen. Die Menschheit hat eine schwierige Geschichte mit der Arbeit, die leider noch nicht zu Ende ist. Darauf verweist eindrücklich Dorothee Sölle. “Die vorindustrielle Tradition hat immer wieder ein altes Bild für diese Form der Selbstzerstörung des Menschen in und durch Arbeit benutzt; es ist die Tretmühle, in der Menschen dem Produktionszwang und dem mechanischen Zeitablauf der Arbeit unterworfen sind. Die Tretmühle sinnloser Schufterei war für Jahrhunderte ein treffendes Bild für menschliche Arbeit als Fluch.“28

Das ändert aber nichts an der Bedeutsamkeit von Arbeit für den Menschen. Günter Brakelmann spricht deshalb von einem theologisch begründeten Mandat zur Arbeit: „Diese soziale Pflicht zur Arbeit impliziert das individuelle Recht auf Arbeit.“29

Ähnlich argumentiert Friedhelm Hengsbach S.J., der auf die Verankerung des Rechts auf Arbeit in Länderverfassungen und in der europäischen Sozialcharta verweist. „Deshalb liegt es nahe, das soziale Grundrecht auf Arbeit in den Verfassungsrang zu erheben und als objektive Rechtsnorm auszugestalten.“30

Der bayerische Sozialpfarrer Werner Schanz verwies in seinen öffentlichen Verlautbarungen regelmäßig darauf, dass in der Bibel die menschliche Arbeit dem 1. Gebot zugeordnet ist. „Arbeit wird verstanden als Auftrag Gottes an die Menschen, gemeinsam und gleichberechtigt die Erde zu bebauen und zu bewahren, um sich von den Früchten der Arbeit zu ernähren. Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Darum muss der Mensch seine Würde nicht erst erarbeiten, aber zu seiner Würde gehört das Recht auf Arbeit, dass jeder nach seinen Fähigkeiten arbeiten kann und darf. Arbeitslosigkeit widerspricht dem Auftrag Gottes.“31

Christlicher Glaube erschöpft sich nicht in reiner Innerlichkeit, sondern fordert und fördert die hilfreiche Zuwendung zum Mitmenschen, der als Nächster angesehen und erlebt wird. Dies gilt auch für den Lebensbereich Arbeit. Von daher bildet die Arbeitslosenhilfe eine unverzichtbare und selbstverständliche sozialdiakonische Ausübung christlichen Glaubens, denn diese ist Hilfe zur Selbsthilfe.

  1. Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und das Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 2. Mose 3, 7

Entfremdete Arbeit, die nicht dem arbeitenden Menschen dient, ist nicht im Sinne des Schöpfers. Es gilt die Sichtweise des Herrn der Schöpfung sich anzueignen und das Elend ausgebeuteter Mitgeschöpfe wahrzunehmen, auf ihre Bedrängnis zu hören und ihr Leiden zu erkennen. Arbeit darf auch nicht verherrlicht werden, da sie immer wieder zu Ausbeutung von Menschen und nicht selten zu Selbstausbeutung führt. Deshalb übt christliche Kirche öffentliche Fürsprache für unter Ungerechtigkeit leidende Mitmenschen.

Arbeit, welche keine erfüllende Tätigkeit ist, sondern lediglich ausschließlich zur Bestreitung des Lebensunterhalts geschieht und dem arbeitenden Menschen kein Verhältnis zum Produkt seiner Arbeit ermöglicht, nennt Karl Marx im 19. Jahrhundert entfremdete Arbeit im Sinne von Zwangsarbeit. „Die entfremdete Arbeit kehrt das Verhältnis dahin um, dass der Mensch, eben weil er ein bewusstes Wesen ist, seine Lebenstätigkeit, sein Wesen nur zu einem Mittel für seine Existenz macht.“32

Dabei handelt es sich nicht um eine rein historische Problematik, sondern um eine aktuelle grundsätzliche theologische und ethische Herausforderung, wie Dorothee Sölle nachdrücklich konstatiert. „Entfremdung verneint die Bestimmung des Menschen. Einem Menschen die Möglichkeit zu lebensnotwendiger und erfüllter Arbeit zu nehmen heißt, ihm seine Gottesebenbildlichkeit zu bestreiten.“33

Weil es bei entfremdeter Arbeit um einen theologisch-ethischen Skandal geht, ist die christliche Gemeinde und mit ihr jeder Christenmensch aufgefordert zur parteilichen Fürsprache für Menschen in prekären, unwürdigen und entfremdeten Arbeitsverhältnissen im Sinne der biblischen Weisung: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ Spr 31, 8f.

Arbeit ist ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor, deshalb wird im Wirtschaftsleben fast zwangsläufig immer wieder versucht werden sich die Arbeitskraft von Menschen möglichst billig nutzbar zu machen.34 Die Versuchung ist groß, so den Gewinn bei der Wertschöpfung für die Arbeitgeberseite zu maximieren. Dies ist um der betroffenen Menschen willen nicht hinnehmbar, sondern erfordert die öffentliche Fürsprache von Gemeindemitgliedern und Kirchenvertretern in Gottesdiensten, durch öffentliche Verlautbarungen und in den Organen kirchlicher Publizistik. Solche hier geforderte öffentliche Fürsprache ist als Sprachform eindeutig vom Gebet zu unterscheiden, das in diesem inhaltlichen Zusammenhang ebenfalls seine Zeit und seinen Ort hat.

  1. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. 1. Mose 2, 2f.

Biblische Rede von der menschlichen Arbeit gründet im Schöpferhandeln Gottes, der selbst sein Werk durch einen Tag der Ruhe unterbricht. Ein gesunder Wechsel von Arbeit und Ruhe im menschlichen Leben entspricht von daher dem Rhythmus der Schöpfung, welchem Segen verheißen ist. Deshalb üben Christen die Sonntagsheiligung ein und praktizieren Feiertagsruhe.35

Das biblische Gebot der Feiertagsruhe verbindet Juden und Christen. Der Rabbiner Abraham Joshua Heschel etwa weiß um die Schwierigkeit der Ruhe von der Arbeit. „Arbeit ist eine Fertigkeit, vollkommene Ruhe ist eine Kunst.“36 Um diese Kunst zu erlernen und einzuüben ist die Rückbesinnung auf den Sabbat hilfreich. “Die Bedeutung des Sabbat ist, die Zeit zu feiern und nicht den Raum. Sechs Tage der Woche leben wir unter der Tyrannei der Dinge des Raumes; am Sabbat versuchen wir, uns einzustimmen auf die Heiligung der Zeit. An diesem Tag sind wir aufgerufen, Anteil zu nehmen an dem, was ewig ist in der Zeit, uns vom Geschaffenen dem Geheimnis der Schöpfung selbst zuzuwenden, von der Welt der Schöpfung zur Schöpfung der Welt.“37

Das christologische Verständnis des Sonntags als „Fest des Anfangs“ rückt Jürgen Moltmann ins Zentrum seines Verständnisses des Feiertags. „Die christliche Kirche hat demgegenüber den wöchentlichen Festtag vom siebten auf den ersten Tag der Woche verlegt. Das hat einen tiefen symbolischen Sinn: Sie feiert das Fest der Auferstehung Christi am `achten Tag`, wie es in der Alten Kirche hieß, also am Tag nach dem jüdischen Sabbat. Der jüdische Sabbat geht in den christlichen Sonntag über: Aus der Ruhe kommt der Auferstehungsjubel, aus dem Ende der neue Anfang. Auch der christliche Sonntag ist ein Fest der Schöpfung: Es ist die mit Christi Auferweckung beginnende Neuschöpfung aller Dinge. Es ist jene Vollendung, auf die die Schöpfung von Anfang an hinweist.“38

Der katholische Betriebsseelsorger Manfred Böhm sieht im Schutz des arbeitsfreien Sonntags ein genuin ökumenisches Anliegen: „Die Ökumene ist dann kein trennendes, sondern ein verbindendes Ereignis, wenn nicht die Plausibilitäten und Feinheiten der jeweiligen kirchlichen Identität, sondern die Belange und Bedürfnisse der Menschen, seien sie religiös oder nicht religiös, in den Mittelpunkt gerückt werden und das kirchliche Handeln bestimmen. Gerade im Absehen von den eigenen kirchlichen Interessen finden die Kirchen zu ihrer Bestimmung, nämlich Zeichen und Werkzeug des Heiles Gottes für diese Welt zu sein.“39

Der Sonntag ist für den christlichen Glauben von identitätsstiftender Bedeutung.40 Für evangelische Christen ist er der Tag des Sonntagsgottesdienstes der um Wort und Sakrament versammelten Gemeinde Jesu Christi. Für praktizierende Katholiken ist er der Tag der sonntäglichen Eucharistiefeier, der häufig als Gemeindemesse mitgefeiert wird. Für arbeitende Menschen in Deutschland geht es, unabhängig von ihrer vorhandenen oder nicht vorhandenen Kirchenzugehörigkeit, um den durch das Grundgesetz geschützten arbeitsfreien Sonntag, der in der beschleunigten Arbeitswelt um der Menschlichkeit willen so dringend gebraucht wird. Seit 2006 bemüht sich eine von Gewerkschaften und Kirchen bzw. von deren Mitgliedern durch die Kampagne „Allianz für den freien Sonntag“ das gemeinsame Interesse des arbeitsfreien Sonntags und den Sonntagsschutz insgesamt, trotz unterschiedlicher inhaltlicher Grundlagen, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen sowie durch Beschreiten des Rechtswegs bei Rechtsverletzungen zu stärken. Dies wird langfristig nur überzeugend gelingen, wenn die geistlichen sowie die rechtlichen Grundlagen in dialogischer Weise in die öffentliche Debatte mit eingebracht werden. Die Kirchen stehen bei diesem Thema und bei anderen Anliegen vor der Herausforderung ihre eigene Kampagnenfähigkeit weiterentwickeln zu müssen, wenn sie in der Zivilgesellschaft weiter gehört werden und Einfluss nehmen wollen. Die Problematik des arbeitsfreien Sonntags ist mit der Einhaltung des geltenden Rechts noch nicht in jeder Hinsicht geklärt. Es stellen sich vielmehr Fragen nach einer zeitgemäßen Sonntagskultur sowie in einer multikulturellen Gesellschaft die Herausforderungen durch die unterschiedlichen Feiertagstraditionen der Religionen.

  1. Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht. Jer 22, 13

Menschliche Erwerbsarbeit ist einen gerechten Lohn wert, denn die faire und auskömmliche Bezahlung bildet die Voraussetzung dafür, dass Menschen durch ehrliche Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Christen haben im Blick, dass dies seit biblischen Zeiten keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer wieder aufs Neue eingeklagt und häufig erkämpft werden muss. Deshalb stehen sie an der Seite von Menschen, die ihre Rechte einfordern.

Arbeit beinhaltet unmittelbar Fragen der Gerechtigkeit, was schon immer der Fall war. Franz Segbers verweist in diesem Zusammenhang auf die biblische Sozialgeschichte. „Biblische Gerechtigkeit ist nicht subjektlos, sie legt sich als eine Parteinahme aus. Die freigekommenen und aus ägyptischen Verhältnissen befreiten Sklaven schufen sich eine Sozial- und Wirtschaftsordnung, die einen Rückfall in ägyptische Verhältnisse mit erneuter Versklavung und Unterdrückung abwehren und die der Menschenwürde, insbesondere auch der arbeitenden Menschen, rechtlich und ökonomisch Gestalt geben wollte. Errungene Freiheit galt es zu bewahren.“41

In der Gegenwart sind die Herausforderungen andere geworden. Sie stellen sich aber auch in einer digitalen Arbeitswelt erneut. Denn auf die Fortentwicklung von Arbeitseinkommen wirkt sich der aktuelle Wandel unmittelbar aus. „Problematisch ist die unterschiedliche Entwicklung von Kapital- und Arbeitseinkommen ebenso wie die gestiegene Einkommensungleichheit. Entscheidend ist, Teilhabe an Erwerbsarbeit zu ermöglichen (gerechte Teilhabe) und Armut wirksam zu bekämpfen (gerechter Lohn).“42

In modernen Gesellschaften müssten Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit für alle Menschen aufeinander bezogen sein, was die Denkschrift zur Armut in Deutschland theologisch eindrücklich begründete. „Das christliche Verständnis von Teilhabe gründet in der den Menschen geschenkten Teilhabe an der Wirklichkeit Gottes.“43

Zu einem Verständnis und einer Praxis von Arbeit als geistlicher Übung gehört die differenzierte und empathische Wahrnehmung von mangelnder Verteilungsgerechtigkeit durch Christen notwendig hinzu. Biblische Maßstäbe einer gerechten Anteilgabe an den Gütern der Schöpfung sowie biblische Erzählungen vom guten und gelingenden Leben können in hilfreich orientierender Weise von engagierten Einzelnen sowie von den Kirchen gemeinsam öffentlich ins Gespräch gebracht werden, um einen bibelfremden Gegensatz von geistlich und politisch von vorneherein zu vermeiden.

  1. Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Pred 3, 9-11

Die Unterscheidung von Gottes Werk und menschlichem Beitrag ist der Vernunft des Menschen entzogen. Die Erfahrung von Vergeblichkeit menschlicher Arbeit gehört seit biblischen Zeiten zum Arbeitsleben hinzu und bleibt eine Anfechtung. Alles menschliche Bemühen ist vorläufig und weist über sich hinaus auf seine Vollendung in Gottes Ewigkeit.

In der jüdisch-christlichen Glaubenstradition ist das Bekenntnis zu dem selbst arbeitenden und in der Welt wirkmächtig wirtschaftenden Gott die gemeinsame Voraussetzung für alle Rede von der Arbeit des Menschen. „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Ps 127, 144

Ins Spätmittelalter reicht die grundlegende Lebensregel zurück, welche historisch nur teilweise zurecht, mit dem Benediktinerorden verbunden wird. Ora, labora (et studia), Deus adest sine mora („Bete, arbeite (und studiere), Gott ist da (oder Gott hilft) ohne Verzug“).45 Ökumenisches Bekenntnis ist es insofern doch von jeher, dass menschliches Arbeiten und Wirtschaften in Gottes Gegenwart geschieht. Dem entspricht der gleichzeitige und wechselseitige Bezug von Beten und Arbeiten sowie dem Lesen der Heiligen Schrift. Alles das garantiert nicht den Erfolg menschlicher Bemühungen.

Die evangelische Glaubenstradition wird nicht müde zu betonen, dass dieses Gelingen des Segens Gottes bedarf. „Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun und Werk in deinem Willen ruhn, von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das geht und steht auf rechten, guten Wegen.“ (Paul Gerhardt)46

Arbeit wird zur geistlichen Übung, indem ich jederzeit mit der verborgenen Gegenwart Gottes in meinem Leben und bei meinem Arbeiten rechne. Beten ist Ausdruck des Glaubens an den wirkmächtig in dieser Welt und damit auch an mir handelnden dreieinigen Gott. Das Wissen darum, dass es des Segens Gottes bedarf, um erfolgreich lebensdienlich zu arbeiten, verhilft zu einer weisheitlichen Lebens- und Arbeitsweise und bewahrt vor einer sich selbst überhebenden Arbeitswut.

  1. Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Mt 9, 37f.

Die Arbeitswelt war schon immer die Lebenswelt von Menschen. Deshalb bildete sie auch den Erfahrungshintergrund für Jesu Verkündigung. In den Gleichnissen Jesu ist die Arbeitswelt der rechte Ort und die Arbeitszeit die rechte Zeit des nahe herbeigekommenen Gottesreiches.

Die Verkündigung in arbeitsweltlichen Kontexten47 war in den beiden letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts das besondere Charisma des bayerischen Sozialpfarrers Werner Schanz, der aus seiner Erfahrung heraus feststellt: „Die Bibel enthält keine Betriebswirtschaftslehre, keine Wirtschaftsprogramme, aber in den Glaubenserfahrungen, die sie mitteilt, werden Kriterien und Perspektiven erkennbar, die für menschliches Leben und menschliches Wirtschaften auch heute noch aktuell und wegweisend sind.“ 48 Schanz weist immer wieder daraufhin, dass die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus nicht zufällig als Geschehen in einem arbeitsweltlichen Kontext erzählt wird. „Mit dieser Verkündigung der heilenden und befreienden Liebe Gottes unterbricht er Frauen und Männer bei ihrer Arbeit. Er setzt fort, was die Hirten auf dem Felde erlebten, als ihnen mitten in ihrer Nachtschicht das Licht aufging.“49

Obwohl es in der biblischen Überlieferung keinen unüberbrückbaren Gegensatz von geistlichem Geschehen und weltlicher Arbeit gibt, ist das in der kirchlichen Praxis noch ein Desiderat, wie Hanns Kerner feststellt: „Trotz des verstärkten Engagements auf verschiedenen Ebenen, der Arbeitswelt auch im gemeinschaftlichen gottesdienstlichen Gebet einen breiteren Raum zu erobern, muss nach wie vor festgehalten werden, dass dies in den letzten Jahrzehnten verstärkt, aber doch nur in Ansätzen gelungen ist. Themen aus der Arbeitswelt bleiben nach wie vor im gottesdienstlichen Gebet der Gemeinden unterrepräsentiert.“50

Warum kommt die Arbeitswelt in der Bibel so breit und in der heutigen kirchlichen Praxis so unzureichend vor? Diese Problemanzeige der Gefahr von Weltfremdheit mag damit zusammenhängen, dass kirchliches Leben und damit oft auch das Nachdenken über den christlichen Glauben als freiwillige Freizeitbeschäftigung jenseits des Arbeitslebens und eben meist nicht während der Arbeitszeit stattfindet. Glaube ist Privatsache und viele Menschen möchten in öffentlichen Zusammenhängen nicht darauf angesprochen werden. Arbeit als geistliche Übung respektiert die religiösen Persönlichkeitsrechte von Mitmenschen, aber ermöglicht die Entfaltung der orientierenden Kraft der christlichen Überlieferung für das Arbeiten praktizierender Christen durch biblische Lesung, durch Gebet und durch den Gedankenaustausch untereinander.

  1. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Röm 3, 28

Arbeit, insbesondere handwerkliche Arbeit, wird in der Bibel hochgeschätzt, aber auch nicht überschätzt. Ein Laborismus oder gar eine Selbsterlösung durch Arbeitsleistung ist ausgeschlossen. Allein im Glauben an den dreieinigen Gott ist ewiges Heil, was die Versöhnung in Jesus Christus grundlegend miteinschließt.

Die klassische kontroverstheologische Lehre von der Rechtfertigung des Sünders wirkt sich von jeher unmittelbar sowohl auf Spiritualität als auch auf Arbeitsethos aus. Denn die Arbeit wird gewöhnlich als Ausdruck der umfassenden Selbstwirksamkeit des Menschen empfunden. Können wir ausgerechnet für unser Heil wirklich gar nichts tun? Die Rechtfertigung des Menschen vor Gott ist nach traditionell evangelischem Verständnis hingegen in der Tat als alleiniges Wirken Gottes zu verstehen. Die ökumenische theologische Differenz zum Katholizismus, der traditionell mehr menschliche Mitwirkungsmöglichkeiten zu sehen scheint, hielt ungewöhnlich frühzeitig Hans Küng für überbrückbar. „Es gilt Gottes Alleswirksamkeit, aber aus Gottes Alleswirksamkeit folgt nicht Gottes Alleinwirksamkeit, sondern – und das ist das schönste Wunder von Gottes Alleswirksamkeit – die Mitwirkung des Menschen aus Gottes Wirksamkeit.“51

Jahrzehnte später sind die konfessionellen Differenzen bezüglich dieser Mitwirkung des Menschen, also der Heiligung, nicht vollständig überwunden. Eberhard Jüngel insistiert auf folgendes: „Die Exklusivpartikel allein durch Glauben ist deshalb die Pointe des Rechtfertigungsartikels, weil sie in positiver Weise zur Geltung bringt, wie der durch die drei anderen Exklusivpartikel allein Christus, allein aus Gnade, allein durch das Wort in einem präzisen Sinne aus dem Rechtfertigungsgeschehen ausgeschlossene Mensch nunmehr durch einen von ihm selbst zu vollziehenden Lebensakt positiv in das Geschehen seiner Rechtfertigung einbezogen wird als Glaubender und nur als Glaubender ist er von sich aus an seiner eigenen Rechtfertigung beteiligt.“52

Der Rechtfertigungsglaube beinhaltet die Selbstrelativierung menschlicher Alleswirksamkeit und Arbeitsleistung, die eben gerade nicht heilsvermittelnd ist. Es steht aber heute zu befürchten, dass die Rechtfertigungslehre außerhalb von Theologenkreisen weitgehend vergessen worden ist und ihre lebensverändernde Kraft auch bei kirchlich hochverbundenen evangelischen Christen nicht entfalten kann. Arbeit verstanden als geistliche Übung, übt in Verkündigung und Seelsorge ein, sich Gottes Alleinwirksamkeit gefallen zu lassen und aus dieser Gewissheit zu leben. Das eigene geistliche Leben kann nicht beanspruchen Voraussetzung bzw. Bedingung der Rechtfertigung zu sein. Dasselbe gilt für die menschliche Arbeit, welche, trotz aller biblischer Hochschätzung eines arbeitssamen und tätigen Lebens nicht heilsvermittelnd ist. Vielmehr führt der Glaube an die Rechtfertigung durch Gott notwendig und unmittelbar zu einem Leben mit und aus dem Evangelium, welches in Gebet und tätiger Nächstenliebe seinen lebenspraktischen Ausdruck findet.

  1. Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln und arbeiten nichts, sondern treiben unnütze Dinge. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen. 2. Thess 3, 10ff.

Die frühen Christen wurden bereits ernstlich ermahnt zu ehrlicher Arbeit, die ihre Würde hat. Denn die Hoffnung auf das Kommen von Gottes Reich entbindet nicht von der Verpflichtung durch Arbeit für sich selbst und die Seinen sowie für Mitgeschöpfe zu sorgen.

Anhand von drei charakteristischen Beispielen aus unterschiedlichen Epochen und gegensätzlichen Hintergründen der Kirchen- und Geistesgeschichte sei die Bedeutsamkeit menschlicher Arbeit veranschaulicht:

Diese Hochschätzung der menschlichen Arbeit hat im christlichen Glauben eine lange biblisch begründete Tradition. Besonders profiliert und nachhaltig wirksam kommt diese Haltung in der Regel des heiligen Benedikt zum Ausdruck. Unter den Werkzeugen der geistlichen Kunst wird auch aufgeführt, was für die Mönche gilt, nämlich „nicht faul sein“53. Stattdessen sollen sie u.a.: „Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut.“54 Bei der Ordnung für Handarbeit und Lesung heißt es gleich eingangs: „Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Zeiten mit Handwerk, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.“55

Karl Barth trägt im 20. Jahrhundert grundlegend zu einer Erneuerung auch der theologischen Arbeitsethik bei. In der Spannung von Evangelium und Gesetz hebt er in seiner Ethik die Sozialität und die Grenzen von Arbeit besonders nachdrücklich hervor. „Arbeit ist ein soziales, ein geselliges, ein kameradschaftliches Werk. Recht arbeiten kann man im Grunde nur, wenn man sich in die Hände arbeitet. Und nährendes Brot, durch die Arbeit zu erwerben, kann wieder nur das mit dem Mitarbeiter gebrochene und geteilte Brot sein…Gott fordert wohl, dass der Mensch arbeite; er fordert aber auch, dass er ruhe, dass es in seinem Leben auch einen Raum gebe, wo er frei ist für ihn und eben damit auch frei für sich selber und vor der Übergewalt, die seine Arbeit, der Blick auf ihren Ertrag, ihre Zwecke, ihre Sachlichkeit über ihn gewinnen könnte.“56

Die Philosophin Hannah Arendt kontrastiert eine der Heldentaten des Herkules, nämlich die Reinigung des Augiasstalls, mit den sich täglich wiederholenden und oft eintönigen Arbeiten. „Von solchen Heldentaten ist allerdings faktisch in dem täglichen Kleinkampf, den der menschliche Körper um die Erhaltung und Reinhaltung der Welt zu führen hat, wenig zu spüren; die Ausdauer, dessen es bedarf, um jeden Tag von neuem aufzuräumen, was der gestrige Tag an Unrat gebracht hat, ist nicht Mut, und es ist nicht Gefahr, was diese Anstrengung so mühevoll macht, sondern ihre endlose Wiederholung. Die `Arbeiten` des Herkules haben mit allen Heldentaten gemein, dass sie einmalig sind; leider hat nur der Augiasstall die wunderbare Eigenschaft, sauber zu bleiben, wenn er einmal gesäubert ist.“57

Arbeit als geistliche Übung beinhaltet auch die Beförderung der realistischen Einsicht, dass in allen menschlichen Gemeinschaften belastende und lästige Aufgaben anfallen, die fair unter allen Gemeinschaftsmitgliedern aufzuteilen und anteilig gemeinschaftlich zu bewältigen sind. Nachdem Arbeit meist ein gemeinschaftliches Tun ist, verlangt eine gelebte Frömmigkeit der Arbeit nach angemessenen Formen gemeinschaftlichen Glaubens. Dabei ist selbstverständlich zu berücksichtigen und produktiv zu nutzen, dass das Gemeinschaftsprojekt Arbeit in einer multikulturellen Gesellschaft zu bewerkstelligen ist. In diese gemeinschaftliche Unternehmung sind Menschen von sehr unterschiedlichen kulturellen und damit auch religiösen Hintergründen zu integrieren.

  1. Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. 1. Petr 4, 10

Geschöpfe leben als mit dem Heiligen Geist begabte aus dem Empfang vielfältiger Gnadengaben Gottes des Schöpfers, der sie zu wechselseitigem Dienst aneinander weist. Der Dank gegenüber dem Herrn der Schöpfung lässt Arbeit zum mitmenschlichen Dienst werden, zu dem Christen aufgefordert und ermächtigt bleiben. Dienst verdient eine erfüllende Tätigkeit genannt zu werden, welche auch dem Wohl des arbeitenden Menschen dient.

Dienst ist kein Modewort. Der Begriff weckt häufig bereits Aversionen und Fragen: Wie ist die selbstlose Zuwendung zum Nächsten als Dienst mit einem lohnabhängigen Arbeitsverhältnis zu vereinbaren? Trotz dieser berechtigten Frage lohnt auch heute die selbstkritische Auseinandersetzung mit dem bekannten und wirkmächtigen „Diakonissenspruch“ Wilhelm Löhes: „Was will ich? Dienen will ich. Wem will ich dienen? Dem Herrn in seinen Elenden und Armen. Und was ist mein Lohn? Ich diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe, mein Lohn ist, dass ich darf.“58

In Dietrich Bonhoeffers Schrift „Gemeinsames Leben“ kommt dem Begriff des „Dienstes“ und die damit gemeinte Haltung ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu. „Der erste Dienst, den einer dem andern in der Gemeinschaft schuldet, besteht darin, dass er ihn anhört. Wie die Liebe zu Gott damit beginnt, dass wir sein Wort hören, so ist es der Anfang der Liebe zum Bruder, dass wir lernen auf ihn zu hören. Es ist Gottes Liebe zu uns, dass er uns nicht nur sein Wort gibt, sondern uns auch sein Ohr leiht. So ist es sein Werk, das wir an unserem Bruder tun, wenn wir lernen, ihm zuzuhören.“59 Bonhoeffers programmatische Schrift aus der Zeit des Kirchenkampfs als Rektor eines Predigerseminars mit jungen Theologen konnte natürlich noch nicht heutige Betriebs- und Dienstgemeinschaften aus Frauen und Männern sowie von Menschen unterschiedlichster soziokultureller Herkunft im Blick haben.

Gerade an den verschiedenen Bedeutungsebenen des biblischen Begriffes Dienst in der christlichen Tradition wird deutlich, dass ein naiver Übertrag in die Gegenwart genauso wenig hilfreich für die heutige Arbeitsweltpraxis ist wie die Negierung seines Sinngehalts. Insofern besteht der kirchliche Auftrag doch in der Initiierung und Begleitung von Lernprozessen, welche der langjährige Industrie- und Sozialpfarrer Roland Pelikan als „Ethik lernen in der Arbeitswelt“ bezeichnet, die er als „Schöpferische Nachfolge“ verstehen lehrt.60 Seine Erfahrung ist: „Menschen in Arbeitswelt und betrieblicher Wirtschaft warten auf die Chance der Begegnung und des Dialogs zu ihren Fragen moralischen Handelns und der Ethik von und in Unternehmen.“61

Die bleibende Bedeutung des Begriffs Dienst einschließlich des dahinterstehenden Ethos ist darin zu erblicken, dass die hilfreiche Zuwendung an eine berufliche Aufgabe bzw. zu anderen Menschen sich nicht in der Vorstellung eines Tauschgeschäfts von Geld gegen Arbeit erschöpft. Die Rede vom Dienst hält fest, dass die Zuwendung zu anderen Menschen und die Hinwendung an eine Aufgabe sich der bedingungslosen und verschwenderischen Liebe Gottes verdankt, die nicht rechnet und nicht berechenbar ist. Arbeit als geistliche Übung wird den Vorgang des Arbeitens als geistig-leiblichen Einsatz zu Wertschöpfung und Weltgestaltung immer auch als Dienst am Nächsten verstehen und leben, an den Christen in Nächstenliebe gewiesen sind.

12.Ein jeder bleibe in der Berufung, in der er berufen wurde. 1. Kor 7, 20

Menschen der Hoffnung des Glaubens führen so ein tätiges Leben als Beauftragte des Schöpfers. In dieser gelebten Berufung verschränken sich aktives und geistliches Leben zugunsten der Erwartung von Gottes kommendem Reich. So wird Arbeit zum Beruf.

Durch Martin Luther erfuhren weltliche Berufe und alltägliche Arbeiten eine neue Wertschätzung in geistlicher Hinsicht: „Wir sollen mit fröhlichem Gewissen in unserem Berufe bleiben und wissen, dass durch solche Werke mehr ausgerichtet sei, als wenn jemand alle Klöster gestiftet und alle Orden gehalten hätte; und ob es gleich die allergeringste Hausarbeit ist.“62

Die Denkschrift der EKD „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“ aus dem Jahr 2015 verweist auf die Wertschätzung der Arbeit als Beruf durch die Reformation. „Der Beruf wird damit zum konkreten Ort der Verantwortungsübernahme für alle Christen.“ 63

Welche geistliche Haltung entspricht nun der Weltzugewandtheit des christlichen Glaubens? Der erste Prior von Taize Frere Roger Schutz widmet sich dieser Fragestellung in seinem wirkmächtigen Buch „Kampf und Kontemplation“64. Er wendet sich damit gegen eine falsche Innerlichkeit, welche den Willen Gottes verfehlt. „Gottes Wille ist das Engagement für die Menschen, die Opfer des Menschen sind.“65 Genauso entschieden, wie eine selbstgenügsame Innerlichkeit lehnt Roger Schutz extreme politische Positionen ab, welche nachtäglich gerechtfertigt werden mit der Berufung auf Christus. „Wie kann man im Kampf an der Seite der unterdrückten Menschen sein ganzes Leben einsetzen und das Risiko wagen, es um der Liebe willen zu verlieren, wenn man nicht unaufhörlich aus den christlichen Quellen schöpft und trinkt? Nur so kommt die Schöpferkraft Gottes im Menschen zur Wirkung. Wenn er sich auf ein inneres Abenteuer mit dem Auferstandenen einlässt, Schritt für Schritt, in einem brennenden Kampf für Gerechtigkeit, dann nimmt er teil am Marsch des Menschen und der Menschheit, die als Ziel die Befreiung von der Unterdrückung hat.“66

Arbeit als geistliche Übung beinhaltet die Gewissheit des arbeitenden Menschen nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag des Herrn der Schöpfung tätig und letztlich ihm verantwortlich zu sein. Jenseits eines falschen Gegensatzes von aktivem Tun und kontemplativen Leben lassen sich Christen bei ihrer Arbeit immer wieder heilsam unterbrechen, um hinzuhören auf Gottes Wort und um die anderen Mitarbeitenden, Kollegen, Vorgesetzten, Kunden usw. als Nächste im Sinne Jesu wahrzunehmen. Arbeit als geistliche Übung beinhaltet die reflektierte Offenheit für den in dieser Welt mitarbeitenden und unter uns wirksamen dreieinigen Gott.

Ertrag und Fortführung

Abschließend komme ich noch einmal zur Ausgangsfrage zurück, was es denn bedeute als Christ zu arbeiten. Ich möchte diese grundsätzliche Frage christlichen Lebens einer Beantwortung näherbringen, indem ich die Themenstellung dieses Vortrags bzw. dieses Aufsatzes noch einmal zusammenfassend aufgreife und an einigen Stellen ergänzend weiterführe.

Arbeit als geistliche Übung nimmt ihren Ausgang bei der Feier des Sonntagsgottesdienstes. Auch für evangelische Christen ist die Berücksichtigung der einschlägigen Mahnung der Regel Benedikts hilfreich und lebensförderlich: „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“67 Die alltägliche Arbeit, sei sie Erwerbsarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit oder private bzw. häusliche Aktivität wird geistlich begleitet, theologisch ausgerichtet und sozialethisch korrigiert durch die täglich gelesene, meditierte und ausgelegte heilige Schrift. Arbeitende Christen lassen sich im Hinblick auf ihr eigenes Tätigsein dabei die apostolische Mahnung gefallen: „Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ Röm 12, 1 Christen führen deshalb ein gottesdienstliches Leben, in welchem der vernünftige Gottesdienst in den alltäglichen Herausforderungen dieser Welt den letzten gefeierten Sonntagsgottesdienst mit dem nächsten Sonntagsgottesdienst verbindet.68 Gerhard Knoth sieht hier den „Beruf“ als Bindeglied. „Entsprechend verbindet der christliche `Beruf` Sonntags- und Alltagsgottesdienst.“69

Die allein oder gemeinsam gelesene Schrift drängt erfahrungsgemäß aus sich selbst heraus danach mit anderen geteilt und mitgeteilt zu werden. Insofern beinhaltet Arbeit, welche sich als geistliche Übung versteht und ausdrückt, Formen und Gelegenheiten von Sozialverkündigung am Arbeitsplatz sowie selbstverständlich Gespräche über Themen des Glaubens möglicherweise bei der Arbeit bzw. am Rande oder im Anschluss an die Arbeitszeit. Dies kann das persönliche oder seelsorgliche dialogische Gespräch unter bzw. mit Kollegen sowie Kolleginnen oder, Andachten und geistliche Impulse bei Teamsitzungen, aber auch öffentliche Ereignisse des Arbeitslebens betreffen.70 Evangelische Sozialverkündigung wird dabei immer die öffentliche parteiliche Fürsprache für notleidende Mitmenschen lokal und global miteinschließen, dann, wenn es an der Zeit ist.71 Die in einer arbeitsweltlichen Perspektive gelesene Schrift kann zur Wahrnehmung von Entsprechungen zwischen Evangelium und Erfahrungen in der Arbeitswelt führen.72 Rudolf Bohren akzentuiert die Bedeutung der Sprache für den Arbeitsvollzug. Er bezeichnet das Gebet als „Poesie der Arbeit“. Denn: „Indem eine Arbeit auf ihre Urform zurückgebracht, indem sie vor Gott zur Sprache gebracht wird, hört die Entfremdung der Arbeit auf, die Arbeit wird schön, indem sie für Gott getan wird.“73

Arbeit und Gebet haben gemeinsam, dass sie beide Lebensäußerungen sind, die zum geschöpflichen Leben einfach selbstverständlich dazugehören. Das Gebet vor Beginn des Arbeitstags, auf der Höhe eines Tages zur Mittagszeit, eventuell zum Klang von Glocken einer nahegelegenen Kirche, sowie am Abend eines möglicherweise langen Arbeitstages vermag die eigene Einstellung eines arbeitenden Menschen zu seiner Arbeit sowie zu seinem Arbeitsumfeld und seiner Kollegenschaft nachhaltig zu verändern und zu vertiefen. Es wird wohl kein bewusst gelebtes Arbeitsleben geben ohne die schlechten Erfahrungen des Scheiterns, des Übersehenwerdens, der Schuld und der Orientierungslosigkeit. Es gibt aber auch kein Arbeitsleben ohne die beglückende Erfahrung des Gelingens und des erfüllenden Tätigseins. Lob und Klage haben von jeher im gemeinschaftlichen Gebet sowie im Gebet des Einzelnen seinen Zufluchtsort gehabt. Die apostolische Mahnung beinhaltet eine bewährte Lebensregel guten und gelingenden Lebens. „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ 1. Thess 5, 16ff.

Arbeit, von arbeitenden Menschen als geistliche Übung verstanden und praktiziert wird diese nicht tatenlos zusehen lassen, wenn Menschen in Armut und Not geraten durch Verlust ihres Arbeitsplatzes oder eine gesundheitliche Krise. Sozialdiakonische Hilfe ist deshalb selbstverständlicher Ausdruck geistlichen Lebens. Gerade in den schweren Zeiten, die zum menschlichen (Arbeits-) Leben unvermeidlich dazu gehören, erweist es sich, dass actio und contemplatio im christlichen Glauben keine Gegensätze bilden oder ein Nacheinander implizieren, sondern vielmehr eine dialektische Spannung beschreiben, die in diesem irdischen Leben unauflöslich ist. Actio und contemplatio sind gleichberechtigte und gleichgewichtige Ausdrucksformen des Christseins.74

Arbeit als geistliche Übung, insbesondere wenn es sich um Erwerbsarbeit handelt, übersieht nicht, dass die Arbeitswelt in der Regel hierarchisch strukturiert ist, was meist zu einem Machtungleichgewicht zwischen den arbeitenden Menschen führt. Dies führt zu Ohnmachtserfahrungen bei Arbeitnehmenden und häufig zu einer ungerechten Verteilung des Gewinns aus menschlicher Arbeit. Das Evangelium vom gnädigen Gott konterkariert heilsam menschliches Geltungs- und Gewinnstreben. Menschliche Strukturen und Rangordnungen können lediglich eine vorläufige, organisatorische und begrenzte Gültigkeit für sich beanspruchen. Sie sind höchstens von menschlichem Recht und eben nicht von göttlichem Recht für eine begrenzte Zeit gültig. Auch wenn sich mit dem Schlagwort New Work heute manche allzu utopischen Hoffnungen auf eine veränderte Arbeitswelt verbinden, so hat der Ökonom Steffen Fleßa recht mit seiner Einschätzung, dass die damit verbundene grundlegende Denkhaltung interessant und weiterführend ist: „Was auch immer eine Organisation tut – sie sollte die Bedürfnisse der Mitarbeiter in den Fokus stellen. Nur wenn die Mitarbeiter ihre kreativen Potentiale, ihre Hingabe und ihre Suche nach Lebenssinn in den Organisationen ausleben können, werden sie zu den Problemlösern, die die Organisationen heute im Angesicht von zunehmender Dynamik, Komplexität und Unsicherheit so dringend benötigen.“75

Arbeit verstanden und gelebt als geistliche Übung verändert Menschen, indem sie zwangsläufig zu einem erneuerten evangelischen Arbeitsethos führt. Sie bewirkt Umkehr. Bei der Frage nach dem Arbeitsethos geht es um die ethisch begründete und verantwortete geistliche Haltung, mit welcher Menschen, seien sie lohnabhängig Beschäftigte, Handwerker, unternehmerisch Tätige sowie ehrenamtlich Engagierte ihrer Arbeit nachgehen. Ein protestantisches Arbeitsethos hingegen, das einseitig die alltägliche Arbeitsleistung und den menschlichen Fleiß verherrlicht, verfehlt die Differenziertheit und Vielschichtigkeit der biblischen Rede von der Arbeit.76 Vielmehr hat Gott doch am Menschen in der Taufe bereits heilsam gehandelt, bevor dieser überhaupt selbst arbeitend und gestaltend in Gottes Schöpfung tätig wird. Insofern bedeutet ein evangelisches Arbeitsethos gegenüber dem früheren sogenannten protestantischen Arbeitsethos einen Paradigmenwechsel vom Gesetz zum Evangelium, vom Appell zum Zuspruch und zum Sonntag vom Werktag.

Arbeitsethos verdient dann als evangelisch bezeichnet zu werden, wenn es von der Rechtfertigung des Sünders durch den gnädigen Gott ausgeht. Denn das gnädige Handeln Gottes geht grundsätzlich allem menschlichen Handeln und Arbeiten voraus. Das ist umso bedeutsamer als die Welt der Arbeit nun wahrnehmbar keine sündlose Welt ist, sondern eine Welt, in welcher Menschen aneinander, an sich selbst und vor ihrem Schöpfer sowie an seiner Schöpfung durch ihr Tun und ihr Unterlassen schuldig werden und an erfahrener und erlittener Schuld oft schwer zu tragen haben.77 Eine Befreiung von diesen Schuld- und Unrechtszusammenhängen ist im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses und im Arbeitsleben aus eigener Kraft vielfach unmöglich, deshalb bedürfen Menschen des Zuspruchs des Evangeliums z.B. bei einem sonntäglichen Abendmahlsgottesdienst, wenn ihnen zugesagt wird: „Für dich gegeben zur Vergebung deiner Sünden.“ Konrad Müller weist in einer Rückbesinnung auf die für die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland grundlegende Freiburger Denkschrift auf die grundlegende Bedeutung der Sündenlehre hin. „Jene weltanschauliche Mitte und Mäßigung, jene politische Balance, die auf der Einsicht ruht, dass jegliche Ordnung, ja alles Menschliche der Macht des Bösen Zugriffsmöglichkeiten bietet, scheint mir im Zusammenwirken eines allzu optimistischen Geschichtsverständnis, das dem `Wesen´ des Menschen oder der Wirkkraft der Veränderung der `Umstände` allzu viel zutraut, mit einem letztlich vernunftwidrigen Erkenntnisoptimismus verloren zu gehen.“78

Jeder Arbeitstag kann durch anstehende Entscheidungen die Ernsthaftigkeit des Arbeitsethos eines arbeitenden Menschen auf die Probe stellen. Immer wieder gilt es die apostolische Mahnung zu beherzigen: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Röm 12, 2 Dieser geforderte Prüfprozess im beruflichen Alltag ist es, welcher ein evangelisches Arbeitsethos über eine reine Gesinnungsethik hinaus zu einer Verantwortungsethik gelebten Glaubens werden lässt.

Aus einem evangelischen Arbeitsethos heraus können Menschen hoffnungsfroh und beherzt eine neue Aufgabe in Angriff nehmen bzw. täglich aufs Neue einen Arbeitstag beginnen.79 Dieses Arbeitsethos stärkt arbeitenden Menschen den Rücken und lässt sie Durststrecken des Arbeitslebens durchhalten.80 Ein evangelisches Arbeitsethos beinhaltet aber auch das Wissen um das eigene Verwiesensein auf den Schöpfer sowie die Einsicht in die Begrenztheit auch des wohlmeinensten Bemühens.81 Alle menschliche Arbeit ist endlich und muss deshalb auch rechtzeitig ein Ende finden. Zum Arbeitsleben gehören in Gottes Namen und Auftrag Anfangen, Durchhalten und Aufhören.

Die dargelegten 12 Übungsschritte können als geistlicher Weg82 verstanden und meditiert werden, aber auch als Beichtspiegel dienen, anhand dessen man sich selbstkritisch hinterfragen und zu einer neuen Haltung finden kann. Sie dienen einer vertieften Wahrnehmung arbeitender Menschen und sollen ein gedeihliches Miteinander befördern. Könnte so nicht aus mühseliger Arbeit erfüllendes Tätigsein werden: Indem wir unsere Lebens- und Arbeitszeit sowie die für unser Arbeiten notwendigen Ressourcen, als uns von unserem Schöpfer geschenkte Gaben annehmen und gebrauchen? Indem wir uns auch in der Arbeit als durch Jesus Christus mit unserem Schicksal versöhnte Menschen wahrnehmen lernen, welcher unsere Kollegen sowie die uns umgebenden Mitmenschen uns als Nächste ans Herz legt. Und indem wir insbesondere auf Gottes Segen in allem Arbeiten und Gestalten vertrauen sowie auf das gnädige Wirken des Heiligen Geistes, der uns selbst zu erneuern und der Vollendung in Gott ewigem Reich entgegenzuführen vermag, praktizieren wir unsere Arbeit als eine geistliche Übung.

Mit der Rede von einem spezifisch evangelischen Arbeitsethos soll in ökumenischer Absicht der Beitrag des evangelischen Glaubens in ein Nachdenken über gute Arbeit und gelingendes Leben eingebracht werden. Dieses evangelische Arbeitsethos kann, wie gezeigt, auf eine „Wolke von Zeugen“ (Hebr. 12,1) aus der evangelischen Theologie verweisen. Im Sinne ökumenischen Lernens83 lohnt die bereichernde und unverzichtbare Auseinandersetzung mit der spirituellen Tradition der katholischen Kirche. Da in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Beheimatung zusammenarbeiten, stellt sich um des Betriebsfriedens willen regelmäßig oft sehr praktisch die Frage nach dem Arbeitsethos anderer Religionen. Dieses will respektvoll wahrgenommen und in geeigneter Weise dialogisch bearbeitet sein in einer Weise, welche die Unterschiedlichkeit religiöser Überzeugungen berücksichtigt und Gemeinsamkeiten ethisch reflektierten Handelns eröffnet.84

In einer Zeit eines erneuten fundamentalen Wandels der Arbeitswelt insbesondere durch die Digitalisierung und einer bisher nicht gekannten Relevanzkrise der Kirchen erscheint mir eine lebenspraktische und alltagstaugliche Beförderung und Pflege einer Frömmigkeit der Arbeit von größter seelsorglicher Bedeutung für arbeitende Menschen zu sein. Anselm Grün und Fidelis Ruppert betonen zurecht: „Die Arbeit, der Alltag ist nicht das Gottfremde, sondern ein geistlicher Ort, an dem wir Liebe, Geduld, Selbstlosigkeit, Ehrfurcht, Gehorsam und Offenheit Gott und den Menschen gegenüber einüben können.“85 Aufgrund der notwendigerweise politischen Strittigkeit erfährt der Themenbereich Arbeit innerkirchlich meist eine eher stiefmütterliche Behandlung. Eine Rückbesinnung auf die 2. These der Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen könnte hier erneut wegweisend sein und eine Umkehr befördern:

„Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben, durch ihn erfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.“86

Quelle: Theologische Beiträge, 55. Jg., Heft 5 (Oktober 2024), S. 333–356.

1 Bei diesem Aufsatz handelt es sich um die ergänzte und ausgearbeitete Fassung meines Vortrags, den ich auf Einladung der Kollegen Klaus Raschzok und Christian Eyselein am 11.12.2023 im Rahmen eines Seminars des Instituts für Evangelische Aszetik an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau gehalten habe.

2 Vgl. Johannes Rehm, „In Gottes Namen fang ich an…“ Arbeit als Berufung in: Peter Zimmerling (Hg.), Handbuch Evangelischer Spiritualität, Bd. 3, Göttingen 2020, S. 760ff.

3 Derzeit widmet sich ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Personalwirtschaft an der Universität Hamburg der Fragestellung „Spiritualität und Religiosität am Arbeitsplatz.“ Dorothea Alewell, Tobias Moll, Spiritualität am Arbeitsplatz – ein Thema auch für die Personalarbeit in Deutschland? In: Heike Surrey und Victor Tiberius (Hg.), Die Zukunft des Personalmanagements. Herausforderungen, Lösungsansätze und Gestaltungsoptionen, Zürich 2018, S. 33ff.

4 Dorothea Alewell und Tobias Moll, Religion, Religiosität und Spiritualität am Arbeitsplatz in deutschen Unternehmen, in: Dorothea Alewell und Wenzel Matiaske (Hg.), Standards Guter Arbeit. Disziplinäre Positionen und interdisziplinäre Perspektiven, Schriftenreihe Zentrum und Peripherie, Bd. 13, Baden – Baden 2019, S. 107ff.

5„Spiritual health leads people to experience consciousness at a deeper level, improves their intuitive skills, encourages teamwork, develops purposeful and compelling organizational vision, and boosts innovation.“ Richard D. White Jr., Drawing the Line. Religion and Spirituality in the Workplace, in: Robert A. Giacalone and Carole J. Jurkiewicz, Handbook of Workplace Spirituality and Organizational Performance, New York 20102, S. 185.

6 Prof. Dr. Manfred L. Pirner, Das Spirituelle an der Politik – Überlegungen aus Sicht einer Öffentlichen Theologie und Religionspädagokik, unveröffentlichte Keynote beim Symposion „Das Politische an der Spiritualität – das Spirituelle an der Politik.“ am 10.11.2023 in Nürnberg-St.Jobst.

7 „Two of the most central and defining features of life for many people are their religion and spirituality (RS) and their work.“ Peter C. Hill and Gary S. Smith, Coming to terms with spirituality and religion in the workplace, in: Robert A. Giacalone and Carole J. Jurkiewicz, Handbook of Workplace Spirituality and Organizational Performance, a.a.O., S. 171.

8 Vgl. Judi Neal, Inspiring Workplace Spirituality, United Kingdom; North America; Japan, 2024, Robert A. Giacalone and Carole J. Jurkiewicz, Handbook of Workplace Spirituality and Organizational Performance, a.a.O.

9 Vgl. Oswald Bayer, Was macht die Bibel zur Heiligen Schrift? Luthers Verständnis zur Schriftautorität, in: Michael Krug, Ruth Lödel, Johannes Rehm (Hrsg.), Beim Wort nehmen. Die Schrift als Zentrum für kirchliches Reden und Gestalten, FS Friedrich Mildenberger, Stuttgart 2004, S. 24ff.

10 Vgl. Konrad Müller, Johannes Rehm (Hrsg.), Arbeit als Gottesdienst? Wertschöpfung in christlicher Verkündigung, FS Roland Pelikan, Leipzig 2021; Traugott Jähnichen, Roland Pelikan, Sigrid Reihs, Johannes Rehm (Hg.), Priorität für die Arbeit. Profile kirchlicher Präsenz in der Arbeitswelt gestern und heute, FS Günter Brakelmann, Berlin 2021; Johannes Rehm, Hans G. Ulrich (Hrsg.), Menschenrecht auf Arbeit? Sozialethische Perspektiven, Stuttgart 2009.

11 Vgl. Robert Castel, Die Krise der Arbeit. Neue Unsicherheiten und die Zukunft des Individuums, Hamburg 2011; Heinrich Bedford-Strohm u.a. (Hg.), Arbeitswelten, Jahrbuch Sozialer Protestantismus, Bd. 5, Gütersloh 2011; Lisa Herzog, Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf, Berlin 2019.

12 Wenn auch die sich zunehmend einstellenden arbeitserleichternden Effekte der Digitalisierung sich längst nicht in allen Branchen und für alle Arbeitnehmenden auswirken. Die bisherige händische Arbeit ist teilweise unverzichtbar und wird gesamtgesellschaftlich weiterhin benötigt. Vgl. Roland Pelikan, Johannes Rehm (Hg.), Arbeit im Alltag 4.0 – Wie Digitalisierung ethisch zu lernen ist, Berlin 2018; Traugott Jähnichen, Freiheit digital? Ansätze einer evangelischen Digitalethik in der Perspektive der EKD Denkschrift von 2021, in: Hanns Kerner, Peter Lysy, Sabine Weingärtner (Hg.), Wort und Welt. Dimensionen gelebten Glaubens, FS Johannes Rehm, Leipzig 2023, S. 45ff.; vgl. Traugott Jähnichen/ Joachim Wiemeyer, Wirtschaftsethik 4.0. Der digitale Wandel als wirtschaftsethische Herausforderung, Stuttgart 2020.

13 Steffen Fleßa, New Work – frommer Wunsch oder Zukunftspotential?, Theologische Beiträge, 54. Jg. 2023 – 4, S. 199ff.; Swantje Allmers u.a., On the Way to New Work. Wenn Arbeit zu etwas wird, das Menschen stärkt, München 2022.

14 Gerhard Wegner konstatiert: „Es geht in der Tat darum, dass Menschen von diesem Glauben angezogen und in die Realität Gottes hineingezogen werden, dass sie diese Realität prinzipiell als passive erfahren, die sie an sich selbst erleiden und von der sie sich genötigt fühlen, sich in Liebe zu anderen zu verhalten – und eben genau diesen Prozess als die größte Form der Befreiung erleben, die sie bisher erfuhren.“ Gerhard Wegner, Substanzielles Christentum. Soziotheologische Erkundungen, Leipzig 2022, S. 30.

15 Die mir aufgegebene Thematik dieses Aufsatzes bewegt sich im Überschneidungsbereich von Praktischer Theologie mit theologischer Sozialethik und ist als Beitrag zur Forschungstätigkeit des Instituts für Evangelische Aszetik gedacht. Vgl. Christian Eyselein u.a. (Hg.), Evangelische Aszetik. Ein Programm macht Schule, Leipzig 2021.

16 Vgl. Manfred Seitz und Friedrich Thiele (Hrsg.) Wir beten. Gebete für Menschen von heute, Gladbeck 19788 (Erstauflage 1967); Manfred Seitz, Praxis des Glaubens. Gottesdienst, Seelsorge und Spiritualität, Göttingen 1978.

17 Manfred Seitz, Die Dauerreflexion über Spiritualität beenden! Entwurf einer Lehre vom christlichen Leben (Evangelische Aszetik), in: Christian Eyselein u.a. (Hg.), Evangelische Aszetik. Ein Programm macht Schule, a.a.O., S. 33.

18 Vgl. Michael Welker, Was ist Evangelische Spiritualität? In: Alexander Deeg, Markus Schmidt (Hg.), Spiritualität und Gemeinschaft. Zugänge zu geistlichem Leben in Beziehungen, Darmstadt 2023, S. 29ff.

19 Klaus Raschzok, Martin Luthers Anleitungsschriften zum geistlichen Leben als Übungsinstrumente einer lebensnahen bibeltextbezogenen Frömmigkeit, in: Hanns Kerner, Peter Lysy, Sabine Weingärtner (Hg.), Wort und Welt, a.a.O. S. 26.

20 Ebd. S. 27.

21 Ebd. S. 28.

22 Vgl. Nicole Beckmann u.a. (Hg.), 7 x 7 Morgenbriefing für Führungskräfte, Freiburg 2019.

23 Hans Günter Ulrich, Menschliche Arbeit und die Formen der Gerechtigkeit, in: Johannes Rehm, Hans G. Ulrich (Hg.), Menschenrecht auf Arbeit? Sozialethische Perspektiven, a.a.O., S. 132.

24 Torsten Meireis, Tätigkeit und Erfüllung. Protestantische Ethik im Umbruch der Arbeitsgesellschaft, Tübingen 2008, S. 537.

25 Kirchenamt der EKD (Hg.), Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt. Eine Denkschrift, Gütersloh 2015, S. 26; vgl. auch Harry Jablonowski, Art. Arbeit, in: Werner Heun u.a. (Hg.), Evangelisches Staatslexikon, Neuausgabe, Stuttgart 2006, Bd. 1, S. 67ff.

26 Friedrich Mildenberger, Das Gebet als Übung und Probe des Glaubens, Stuttgart 1968, S. 54.

27 Ebd. S. 63.

28 Dorothee Sölle, Lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, München 2001, S. 85.

29 Günter Brakelmann, Das Recht auf Arbeit. Eine Thesenreihe, in: Jürgen Moltmann (Hg.), Recht auf Arbeit, Sinn der Arbeit, München 1979, S. 13.

30 Friedhelm Hengsbach, ein Menschenrecht auf Arbeit? Orientierungen christlicher Gesellschaftsethik, in: Johannes Rehm, Hans G. Ulrich (Hg.), Menschenrecht auf Arbeit? Sozialethische Perspektiven, a.a.O., S. 184.,

31 Werner Schanz zitiert bei Johannes Rehm, Werner Schanz (1931-2020) – Sozialpfarrer und Kirchenreformer, ZBKG 91 (2022), S. 333.

32 Karl Marx, Frühe Schriften, Erster Band, Hg. Hans-Joachim Lieber, Darmstadt 19895, S. 567.

33 Dorothee Sölle, Lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, a.a.O., S. 105.

34 Johannes Rehm, Evangelische Wirtschaftsethik im Dialog – eine praktisch–theologische Perspektive, in: Arne Manzeschke (Hg.), Evangelische Wirtschaftsethik – wohin? Perspektiven und Positionen, Münster 2018, S. 179ff.

35 Vgl. Friedrich Heckmann, Arbeitszeit und Sonntagsruhe, Essen 1986; Uwe Becker, Sabbat und Sonntag. Plädoyer für eine sabbattheologisch begründete Zeitpolitik, Neukirchen-Vluyn 2006; Oswald Bayer, Von der Würde des Sonntags, in: ders., Freiheit als Antwort, Tübingen 1995, S. 47ff.

36 Abraham J. Heschel, Der Schabbat. Seine Bedeutung für den heutigen Menschen, Berlin 2001, S. 13.

37 Ebd. S. 9f.

38 Jürgen Moltmann, Ethik der Schöpfung, Gütersloh 2010, S. 260.

39 Manfred Böhm, Der Schutz des arbeitsfreien Sonntags – ein ökumenisches Anliegen, in: Hanns Kerner, Peter Lysy, Sabine Weingärtner (Hg.), Wort und Welt, a.a.O. S. 169.

40 Vgl. Hans G. Ulrich, Wie Geschöpfe leben. Konturen evangelischer Ethik, Münster 2005, S. 376ff.

41 Franz Segbers, „Erinnere dich daran, dass du selbst ein Sklave, eine Sklavin in Ägypten warst…“ (Dtn 5,15) Biblische Impulse für Humanität in der Arbeit, in: Johannes Rehm, Hans G. Ulrich (Hg.), Menschenrecht auf Arbeit? Sozialethische Perspektiven, a.a.O, S. 30; vgl. Franz Segbers, Die Hausordnung der Tora. Biblische Impulse für eine theologische Wirtschaftsethik, Luzern 20023.

42 Kirchenamt der EKD (Hg.), Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt. Eine Denkschrift, a.a.O., S. 51.

43 Kirchenamt der EKD (Hg.), Gerechte Teilhabe. Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität. Eine Denkschrift des Rates der EKD zur Armut in Deutschland, Gütersloh 2006, S. 11.

44 Hans G. Ulrich, „Sorget nicht…“ – Wirtschaften in Gottes Ökonomie. Unternehmensethik in theologischer Perspektive, in: Johannes Rehm, Joachim Twisselmann (Hg.), Wirtschaft um des Menschen willen. Stichworte für eine erneuerte Soziale Marktwirtschaft, Nürnberg 2010, S. 178ff.; Johannes Rehm, „Wo der Herr nicht das Haus baut…“ (Psalm 127) – mit der Bibel wirtschaften, in: Homiletische Monatshefte, Jg. 87, Heft 10 Juli 2012, S. 492ff.

45 Vgl. Michaela Pfeifer Art. Benediktsregel in: RGG 4, Bd. 1, S. 1298; Oliver J. Kaften OSB, Ora et labora – (k)ein benediktinisches Motto. Eine Spurensuche, in: Erbe und Auftrag, 90 (2014), S. 415ff.; Volker Leppin, Ruhen in Gott. Geschichte der christlichen Mystik, München 2021, S. 115ff.

46 EG 497, 1.

47 Vgl. hierzu: Konrad Müller und Johannes Rehm (Hg.), Arbeit als Gottesdienst? Wertschöpfung in christlicher Verkündigung, FS Roland Pelikan, a.a.O.

48 Werner Schanz zitiert bei: Ruth Lödel/ Johannes Rehm, „…auf der Suche nach Gottes verborgener Wirklichkeit“ – Verkündigung in arbeitsweltlichen Kontexten am Beispiel von Sozialpfarrer Werner Schanz, in: Traugott Jähnichen, Roland Pelikan, Sigrid Reihs, Johannes Rehm (Hg.), Priorität für die Arbeit. Profile kirchlicher Präsenz in der Arbeitswelt gestern und heute, FS Günter Brakelmann, a.a.O., S. 212.

49 Ebd. S. 219.

50 Hanns Kerner, Gebet und Arbeitswelt. Beobachtungen zu individuellen und gemeinschaftlichen Ausformungen, in: Hanns Kerner, Peter Lysy, Sabine Weingärtner (Hg.), Wort und Welt, a.a.O. S. 43.

51 Hans Küng, Rechtfertigung, Einsiedeln 1957, S. 258.

52 Eberhard Jüngel, Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens, Tübingen 1998, S. 200f.

53 Salzburger Äbtekonferenz (Hg.), Die Regel des heiligen Benedikt, Beuron 2006, RB 4, 38.

54 Ebd., RB 4, 49.

55 Ebd. RB 48, 1.

56 Karl Barth, Kirchliche Dogmatik III/4, Zürich 19693, S. 616 und 633.

57 Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben, München 20076, , S. 119.

58 Wilhelm Löhe, Gesammelte Werke, herausgegeben von Klaus Ganzert, Bd. 4, Neuendettelsau 1962, S. S. 614 mit 718.

59 Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, München 193915, S. 83.

60 Roland Pelikan, Ethik lernen in der Arbeitswelt. Perspektiven einer missionarischen Ethik am Beispiel des Industriepraktikums für Theologiestudierende der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Berlin 2009, S. 309ff.

61 Roland Pelikan, Ethik lernen am Beispiel von TheologInnen und PfarrerInnen in Unternehmen, in: Johannes Rehm, Sigrid Reihs (Hg.), Kirche und unternehmerisches Handeln. Neue Perspektiven der Dialogarbeit, Stuttgart 2010, S. 116.

62 WA 29, 566, 39-367,20.

63 Kirchenamt der EKD (Hg.), Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt. Eine Denkschrift, a.a.O., S. 24.; vgl. Ernst Wolf, Sozialethik. Theologische Grundfragen, Göttingen 19883, S. 196ff; Traugott Jähnichen, Wirtschaftsethik, in: Wolfgang Huber u.a. (Hg.), Handbuch der Evangelischen Ethik, München 2015, S. 387ff.

64 Frere Roger Prior von Taize, Kampf und Kontemplation. Auf der Suche nach Gemeinschaft mit allen, Freiburg 1974.

65 Ebd. S. 64.

66 Ebd. S. 64f.

67 RB 43, 3.

68 Vgl. Johannes Rehm, Römer 12, 1-2, in: Konrad Müller und Johannes Rehm (Hg.), Arbeit als Gottesdienst? Wertschöpfung in christlicher Verkündigung, FS Roland Pelikan, a.a.O., S. 53ff.; Johannes Rehm, Wirtschaftswunder. 52 Lichtblicke für den Arbeitsalltag, Leipzig 2021, S. 11ff..

69 Gerhard Knodt, Discretio. Drei Wege der Unterscheidung, in: Christian Eyselein u.a.(Hg.), Evangelische Aszetik. Ein Programm macht Schule, a.a.O., S. 79.

70 Vgl. hierzu: Konrad Müller und Johannes Rehm (Hg.), Arbeit als Gottesdienst? Wertschöpfung in christlicher Verkündigung, FS Roland Pelikan, a.a.O.

71 Vgl. Ruth Lödel/ Johannes Rehm, „…auf der Suche nach Gottes verborgener Wirklichkeit“ – Verkündigung in arbeitsweltlichen Kontexten am Beispiel von Sozialpfarrer Werner Schanz, in: Traugott Jähnichen, Roland Pelikan, Sigrid Reihs, Johannes Rehm (Hg.), Priorität für die Arbeit. Profile kirchlicher Präsenz in der Arbeitswelt gestern und heute, FS Günter Brakelmann, a.a.O., S. 211.

72 Roland Hacker/ Johannes Rehm (Hg.), Lebenskunst Handwerk. 16 mal in den Blick genommen, Leipzig 2023.

73 Rudolf Bohren, Das Gebet 2, edition bohren Bd. 4, Waltrop 2005, S. 40.

74 Mirjam Schambeck/ Elisabeth Wöhrle, Im Innern barfuß. Auf der Suche nach alltagstauglichem Beten, Franziskanische Akzente, Bd. 25, Würzburg 20202, S. 75ff.

75 Steffen Fleßa, a.a.O., S. 212; vgl. auch Richard David Precht, Freiheit für alle. Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten, München 2022.

76 Vgl. Torsten Meireis, Arbeit als Beruf – eine protestantische Perspektive, in: Arbeitswelten, Jahrbuch Sozialer Protestantismus, Bd. 5, Heinrich Bedford – Strohm u.a. (Hg.), a.a.O., S. 15ff; W.M. Sprondel, Art. Arbeitsethos in: Joachim Ritter Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 1, Darmstadt 1971, S. 489.

77 Hanns Kerner u.a. (Hg.), Versöhnung feiern. Praktisch-liturgische Hilfen, Nürnberg 1993.

78 Konrad Müller, Impulse zur Grundlegung einer christlichen Sozialethik, in: Hanns Kerner, Peter Lysy, Sabine Weingärtner (Hg.), Wort und Welt, a.a.O. S. 123.

79 EG 494, 1 In Gottes Namen fang ich an

80 EG 494, 2 Gott ist`s der das Vermögen schafft und EG 494, 4 Drum komm, Herr Jesu, stärke mich

81 EG 497, 1 Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun.

82 Vgl. Johannes Rehm, Arbeitswege, Nürnberg 2014.

83 Vgl. Johannes Rehm, Ökumenisches Lernen im 21. Jahrhundert. Eine Herausforderung für Gemeindepädagogik und Erwachsenenbildung, in: Uta Pohl-Patalong, Religiöse Bildung im Plural. Konzeptionen und Perspektiven, Schenefeld 2003, S. 171ff.

84 Vgl. Johannes Rehm, Weltethos und Arbeit – interreligiöse Diskussion über menschenwürdige Arbeit, in: Esther Kuhn-Luz (Hg.), Religion prägt Arbeit – prägt Arbeit Religion? Interreligiöses Gespräch über die Bedeutung von Arbeit, Bad Boll 2009, S. 14ff.

85 Anselm Grün/ Fidelis Ruppert, Bete und arbeite. Eine christliche Lebensregel, Münsterschwarzach 201510, S. 105; vgl. Christian Möller, Evangelische Spiritualität und Alltag, in: Peter Zimmerling (Hg.), Handbuch Evangelischer Spiritualität, Bd. 2, Göttingen 2018, S. 527ff.

86 EG Nr. 907.

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