Martin Luther über den Tanz (1525): „Der Glaube und die Liebe lassen sich nicht austanzen noch aussitzen, wenn du züchtig und mäßig darin bist. Die jungen Kinder tanzen ja ohne Sünde; das tue auch und werde ein Kind, so schadet dir der Tanz nicht.“

Über den Tanz

Von Martin Luther

Ob es denn Sünde ist, zur Hochzeit pfeifen und tanzen, zumal man sagt, daß vom Tanze viel Sünde komme? Ob bei den Juden Tänze gewesen sind, weiß ich nicht; aber weil es ebenso eine Landessitte ist wie Gäste zu laden, sich zu schmücken, zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein, weiß ich es nicht zu verdammen, außer das Übermaß, wenn es unzüchtig oder zuviel ist. Daß aber Sünden dabei geschehen, ist nicht des Tanzens Schuld allein; sintemal auch wohl bei Tisch und in der Kirche dergleichen geschieht. Gleichwie es nicht des Essens und Trinkens Schuld ist, wenn etliche zu Säuen darüber werden. Wo es aber züchtig zugehet, lasse ich der Hochzeit ihr Recht und Gebrauch und tanze du immerhin. Der Glaube und die Liebe lassen sich nicht austanzen noch aussitzen, wenn du züchtig und mäßig darin bist. Die jungen Kinder tanzen ja ohne Sünde; das tue auch und werde ein Kind, so schadet dir der Tanz nicht. Sonst, wenn Tanzen an sich eine Sünde wäre, dürfte man es den Kindern nicht erlauben.

Quelle: Martin Luther, Fastenpostille 1525. Evangelium auf den 2. Sonntag nach Epiphanias, Johannes 2,1-11 (WA 17-II, S. 64, Z. 16-28).

Hier der Text als pdf.

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