Über den Aufstand der Bauern (1525)
Von Philipp Bayrhammer OPraem (1718-1761)
Der ungläubige Thomas Müntzer war es, der den Bauern riet und sie überzeugte, den Pflug an den Nagel zu hängen und stattdessen das Schwert zu ergreifen. Wie viele, oh Schmerz, Übel der Aufruhr in unser Teutonenland gebracht hat, wird jedem, der die Bücher durchliest, klar vor Augen stehen.
Unsere trojanische Festung Roggenburg stand beinahe am Rande der Vernichtung, weil aufständische Bauern, die dem griechischen Glauben anhingen, das Kloster besetzten. Die Herren mussten überall ihr Heil in der Flucht suchen, während die Knechte uns beherrschten. Daher hielt es auch der Abt Jodocus für notwendig, sich zu verstecken, und entzog sich der Gefahr durch die Flucht. Nachdem der Abt geflohen war, fiel plötzlich die Bauernhorde ein und wütete auf schändliche Weise in den heiligen Stätten, wie es bei den Türken üblich ist. Sie verzehrten und raubten die Speisen und Getränke, was sie nicht mitnehmen konnten, zertrampelten sie. So nahmen sie allein über 1.500 Scheffel Weizen mit sich, schlachteten das Vieh, entweihten die Kirche, zerstörten die Altäre, plünderten das Heiligtum oder Tabernakel, brachen das Ziborium mit dem Leib Christi auf, raubten die Kelche und heiligen Gewänder, zerrissen und zerfetzten sie. Die Orgel wurde zertrümmert, die Bibliothek der besten Bücher beraubt. Zweifellos wäre Roggenburg in Flammen aufgegangen, hätte nicht ein beherzter Einheimischer das Feuer gelöscht, das ein unverschämter Mensch gelegt hatte. Kaum waren die ersten abgezogen, folgten andere, um das zu vollenden, was die Barbaren nicht geschafft hatten.
Die Frechheit dieser Menschen ging so weit, dass einer von ihnen, namens Jörg Ebner, ursprünglich aus Ingstetten, den Abtssitz einnahm und sich selbst zum Abt erklärte. Aber seine Herrschaft dauerte nur kurz, denn bald wurde er gefangen genommen, nach Bubesheim gebracht, und derjenige, der den Mitra-tragenden Kopf anstrebte, wurde enthauptet und war nicht länger ein „Kopf“. Ein anderer, namens Peter Sausenthaler, wurde in Ehingen zuerst am Galgen aufgehängt und dann enthauptet. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, auch wenn es nicht erfreulich ist, dass einer aus unserem religiösen Kreis, nämlich Georg Maaler, zu den Bauern überlief. Er wurde, auf welchem Weg auch immer, gefangen genommen und nach Ursberg gebracht, wo er im Gefängnis dahinvegetierte, wie aus den Briefen über seinen unglücklichen Tod hervorgeht. Daher ist es falsch, was die Chronik von Weißenhorn behauptet, dass Georg heimlich aus dem Gefängnis geflohen sei und sich der Lehre Luthers angeschlossen habe.
Schließlich, nachdem der Wahnsinn der wütenden Bauern unterdrückt worden war, kehrte Jodocus nach Hause zurück, um seine entweihte und völlig entstellte Braut wieder liebenswert zu machen. Doch der Tod unterbrach seine Arbeit und rief ihn in der Arbeit zur Ruhe am 21. Mai 1528.
Quelle: Philipp Bayrhammer, Historia imperialis canoniae Roggenburgensis sacri, candidi, et exempti ordinis praemonstatensis in Suevia ex documentis vetustissimis et authenticis deducta, atqua a primo fundationis suae anno qui fuit post Christum natum MCXXVI. usqua ad annum MDCCLIX. fideli calamo continuata, Ulm: Vogel, 1760, S. 81f.