Da bezieht sich Nerses IV. Schnorhali (1102-1173), herausragender armenischer Theologe und Dichter seiner Zeit, mit seiner typologische Auslegung der Geschichte vom barmherzigen Samariter „Jesus der Sohn (Hisous Vorti)“ auf die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium:
Jesus der Sohn (Hisous Vorti)
Von Nerses IV. Schnorhali
Von Salem, unserem Paradies,
mit Adam, dem Sündigen,
stieg ich herab ins Tiefland von Jericho,
in die Hände von Dieben zu fallen,
die mich vom Licht wegrissen
und meine Seele mit Wunden,
wie sie die Sünde schlägt, füllten
und sich davon machten,
mich nicht etwa nur halbtot liegen ließen,
sondern bei dieser Begegnung ganz töteten.
Den sah der Levit — Moses,
auch Aaron, dieser Priester des Alten Bundes,
nicht anders das Haus des Erzvaters
und die Propheten des alten Gesetzes.
Sie sahen ihn mit seinen Wunden von unerträglichen Schmerzen,
mit klaffenden Wunden
und liefen vorbei mit ihren Arzneien,
die doch nichts als leere Worte waren
unfähig zu heilen.
Quelle: Friedrich Heyer (Hrsg.), Kirche Armeniens. Eine Volkskirche zwischen Ost und West, Stuttgart: Evangelisches Verlagswerk, 1978, S. 62.