Man muss sich auch solchen widerlichen Reden stellen: Reinhold Krauses antisemitische Sportpalastrede vom 13. November 1933, die damals in den evangelischen Kirchen und ihrer Presse einen Sturm der Entrüstung auslöste und zum Niedergang der nationalsozialistisch gesinnten Glaubensbewegung Deutsche Christen führte:
Rede
des Gauobmannes der
Glaubensbewegung „Deutsche
Christen“ in Groß-Berlin
Dr. [Reinhold] Krause
gehalten im Sportpalast am 13. November 1933
(nach doppeltem stenographischen Bericht)
[3] Deutsche Volksgenossen! In dem gewaltigen Erleben des gestrigen Tages ist eines offenbar geworden, was Feinde und Verräter als Schlimmstes befürchtet haben und was die sehnende Seele der alten und jungen Kämpfer für ein neues Deutschland inbrünstig erhoffte: die Deutschen sind ein Volk geworden. (Beifall.) Was einem Jahrtausend deutscher Geschichte nicht gelang, was auch Bismarck nicht erreichen konnte, das hat Gott durch die Kraft unseres Führers Adolf Hitler wahr werden lassen. Stolz und dankerfüllt sind unsere Herzen, daß wir dieses Volkwerden nicht nur miterleben, sondern als Kämpfer in langen Jahren der Schmach langsam mitgestalten konnten. „Ein Volk, ein Führer“, so leuchtete es von den Transparenten über den Straßen und aus den Gesichtern der Volksgenossen, und wir deutschen Christen hätten dazu noch schreiben mögen: ein Gott und eine Kirche! Aber der Weg dahin ist noch weit, und der Führer hat es immer wieder abgelehnt, Reformator zu sein. Heißt das für uns, diesen Weg überhaupt nicht gehen? Keineswegs! Steht da nicht gerade in diesen Tagen vor uns die Gestalt des Mannes von Wittenberg, nicht ein vollendeter Heiliger, dessen Werk man nur geschichtlich betrachten kann, sondern der lebendige Luther, der uns auf unserem Weg zum deutschen Gott und zur deutschen Kirche Führer sein will, der uns ein kostbares Vermächtnis hinterlassen hat: die Vollendung der deutschen Reformation im Dritten Reich! (Sehr starker Beifall.) Wenn die Nachfolger Martin Luthers in ihrer beschränkten Bekenntniskirchlichkeit nicht verstanden haben, daß sein Werk eine Aufgabe für seine Deutschen war, die er nicht lösen konnte, weil er noch kein deutsches Volk hatte, so wird uns in diesen Tagen der Volkwerdung des Reformators völkische Sendung Erlebnis. Nicht der Theologe Luther, noch weniger der Theologieprofessor, interessiert uns heute, Luther, der deutsche Volksprediger steht vor uns (Beifall), der aus tiefster Seele rufen konnte: „Für meine lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen“, der Gottesmann, der die abgrundtiefe Kluft, die die mittelalterliche Kirche zwischen Gott und dem deutschen Menschen aufgerissen hatte, zu schließen sich bemühte, indem [4] er zur schlichten Frohbotschaft Jesu zurückkehrt und das Kirchentum als Mittler zwischen Gott und Mensch rücksichtslos ausschaltet. Ausgehend von der deutschen Mystik Meister Eckeharts kommt Luther zum persönlichen inneren Gotterleben, kommt aus der Gottverlassenheit einer artfremden Möncherei zur Gottverbundenheit des nordischen Gottsuchers. Sein religiöser Kampf freilich war zunächst feine persönliche Angelegenheit. Aber wie Adolf Hitler war er nicht damit zufrieden, nur für sich den Weg in die Freiheit gefunden zu haben. Er mußte seinen deutschen Volksgenossen auch Führer werden, ein Befreier der deutschen Seele, der über alles geschriebene und gelehrte Wort hinaus, allein in dem Gewissen, in dem Gott in uns, die letzte Bindung sieht. Der deutsche Kämpfer Luther ist immer eingetreten für die Werte deutschen Volkstums in Sprache und Sitte, in Haus und Familie, in Dichtung und Musik. Das alles, meine Volksgenossen, war ihm genau wie die Natur Gottes Werk und Gottes Geschenk.
Aber Luther konnte diese völkische Sendung nicht vollenden. Seine befreiende Tat hatte das Gesetz des Volkstums zur Voraussetzung. Aber eben dieses war — wie im Mittelalter — auch jenen Tagen noch unbekannt. Schnell erstarb der Protestantismus als Bewegung, erstarrte in der sich bildenden lutherischen oder reformierten Kirchlichkeit. And da Luther kein Volk fand, hat er seine Kirche an die Fürstenmacht und den durch diese getragenen Staat gebunden. So wurde diese Kirche in jede Krisis des Staates hineingebunden, so wurde sie jedesmal mit hineingezogen, wenn der Staat in Verderben geriet, um mit der Zersetzung aller Gemeinschaft im liberalistischen Staate zu einer bloßen „Religionsgesellschaft“ herabzusinken. Der Marxismus aber hatte sich schon angeschickt, unter der Tarnkappe „Religion ist Privatsache“ jedes Gefühl der Gottgebundenheit im deutschen Volk mit Stumpf und Stiel auszurotten, bis auf den Tag, da Adolf Hitler kam und diesen Kehricht der Vereinzelung, Entseelung und Entartung hinwegfegte. (Starker Beifall.)
Der Sturm der nationalsozialistischen Revolution hat auch vor den Türen der Kirche nicht halt gemacht. Schon ist manches Morsche‘ auch in der Kirche Luthers gebrochen. Das werdende Volk will eine neue Kirche formen, und so rufen wir in diesen Tagen den Feuergeist [5] des Dr. Martinus, daß er uns helfe, sein Werk zu vollenden, zu schaffen: nicht eine lutherische, nicht eine reformierte, nicht eine uniierte, nicht eine synodale oder konsistoriale, nicht eine Bischofs- oder Generalsuperintendenten-Kirche, sondern diese eine gewaltige neue, alles Umfassende: die deutsche Volkskirche. (Sehr starker Beifall.)
Diese Aufgabe konnte erst gelöst werden, nachdem der Nationalsozialismus nicht mehr den Kampf um die Macht in Deutschland zu führen hatte, sondern um die Seele des deutschen Volkes. (Beifall.) Da diese Seele restlos dem neuen Staat gehört, so kann der Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staates auch vor der Kirche nicht halt machen (Beifall), vor der Kirche, die er nicht zertrümmern, sondern aus seinem Geist erneuern und neu gestalten will. Und dieser Geist ist Gottes Geist, wenn Adolf Hitler der gottgesandte Befreier und Erretter ist. Die neue Kirche kann niemals neben dem Staat, sondern nur in ihm wachsen, und für sie gelten restlos die gleichen Lebensgesetze. (Beifall.)
Noch immer stehen da abseits die Unbelehrbaren und die Halben, und wenn wir unseren Kampf um die äußere Macht in der Kirche auch abgeschlossen hinter uns liegen sehen, so liegt vor uns ein noch viel schwererer Kampf gegen diese Unbelehrbaren und gegen diese Halben. (Beifall.)
Als wir vor mehr als einem Jahr in den kirchenpolitischen Kampf zogen, da haben wir, meine Volksgenossen, ganz bewußt das Bekenntnismäßige in den Hintergrund treten lasten. Denn darüber wollen wir uns heute ganz klar sein, wenn wir von Anfang an den Streit um die Bekenntnisform entfesselt hätten, dann säßen wir heute nicht hier. (Sehr starker Beifall.)
Und so war es der rechte Weg, wenn wir in unseren Richtlinien die Richtung angaben, aber kein neues Dogma schufen. Wir haben die Richtung zum Marschieren für diese neue Kirche. Und da liegt in diesem alten Programm so Manches, was auch gerade jetzt emporleuchtet und uns die Fackel sein kann auf dem Wege in diese neue Kirche. Ich denke nur an dies Beides, das in diese Kirche getragen werden soll: eine heldische Frömmigkeit aus dem Geiste Luthers und. ein artgemäßes Christentum.
[6] Diese Kirche harrt nun ihrer Vollendung, harrt ihrer Verwirklichung in der Reichskirche. Wir wissen alle, die wir in der Nähe gestanden haben, welche Schwierigkeiten, welche Geburtswehen sich bei dieser Werbung der Reichskirche abspielten, wie der parlamentarisch-legale Weg, den man nun einmal beschritten hatte, ein unendlich mühsamer war, und wie die Ansätze zu ihrer schnelleren Beseitigung, die schon einmal da waren, als der Staat im Sommer eingriff, nun dadurch wieder verkümmerten. Wir wissen heute, daß diese Reichskirche erst am Ansang ihrer Aufgabe steht, daß sie noch nicht damit die Hauptsache erfüllt hat, daß wir einen Reichsbischof haben und eine Reichskirchenverwaltung, sondern daß sie setzt erst einmal klar und deutlich den Weg weisen muß, wohin die innere Gestaltung der Kirche zu gehen hat. (Sehr richtig.) Wir wissen aber auch, daß diese Reichskirche niemals für uns evangelische Christen eine letzte dogmatische Bindung herausstellen kann, sondern daß sie nur der große Raum, die große Organisation und die Einrichtung sein kann, die nun die großen Richtlinien gibt. Wir wissen auch, daß auch ihre Verfassung ihre Schwächen hat. Es ist vorhin hier schon davon gesprochen worden, von den Bedenken, die man draußen im Volke hat vor einer neuen Kirchenverfassung. Noch sind die Richtlinien nicht in der Öffentlichkeit, aber ich möchte hier im Namen unserer Berliner Bewegung ganz deutlich das eine der Reichskirche gegenüber zum Ausdruck bringen: wir können keine Pastorenkirche gebrauchen. (Sehr starker Beifall.) Wir können nur, eine Kirche haben, in der nach wie vor das alte Wort gilt: die Kirche baut sich aus der Gemeinde auf. (Sehr starker Beifall.) Und in dieser Gemeinde steht der Pfarrer, da ist er Mitkämpfer, da ist er Mitstreiter. Befehlsgewalt in der Kirche können wir nicht anerkennen. (Beifall.)
So zeigen sich nicht nur im kleinen, sondern auch im großen die Schwierigkeiten dieser Reichskirche. Sodann taucht hier und da der Gedanke auf, daß man eine solche Befehlsgewalt ans dem evangelischen Grundsatz heraus überhaupt bezweifelt. Das darf ich aber wohl sagen: am meisten Unruhe aber hat die erste Verlautbarung der Reichskirche bei uns erweckt: der Friedenserlaß des Herrn Reichsbischofs. (Sehr richtig.) Er hat bei uns Deutschen Christen eine maßlose Unsicherheit und bei unseren Gegnern einen Triumph hervorgerufen (Sehr richtig! Starker Beifall), einen Triumph, meine Volks-[7]genossen, der darin zum Ausdruck kommt, daß diese Leute nun wieder Oberwasser haben (Sehr richtig!), und daß sie glauben, wenn man ihnen Frieden anbietet, dann könnten sie mit Kampf antworten. So schreibt ihre Zeitung, die „Junge Kirche“: „Unser defensiver kirchenpolitischer Kampf muß darum gehen, daß das Berufsbeamtengesetz, einschließlich des Arierparagraphen, das die Generalsynode beschloßen hat, nicht zur Ausführung kommt.“ Das ist der Dank für das Friedensangebot. (Zuruf: Wir brauchen keine weißen Juden!) Wir brauchen überhaupt keine Juden in der Kirche. (Starker Beifall.)
Wir sehen ganz klar die Gefahr, die im Augenblick die Durchführung des Führergedankens in unseren Gemeinden, das heißt die unbedingte Unterordnung der Gemeinde unter den geschäftsführenden Pfarrer, bedeuten würde. Man kann uns nicht — das möchte ich hier ganz deutlich erklären — Menschen als Führer aufzwingen, die wir innerlich ablehnen müssen (Sehr starker Beifall), weil wir weder zu ihrem Nationalsozialismus noch zu ihrem deutschen Glauben das rechte Zutrauen haben. Evangelische Freiheit hat ihren letzten Grund in der Freiheit des Gewissens. Das ist, meine Volksgenossen, nicht ein Rückfall in den Liberalismus, denn wir fühlen uns, wir nationalsozialistischen Kämpfer, gebunden an unser Volk und gebunden an unseren Führer. (Starker Beifall.) Und wenn es ums Regieren geht: wir brauchen nur ein Regiment, das Regiment Adolf Hitlers und seiner Ratgeber. (Sehr starker Beifall.) Wir brauchen nur eine Jugenderziehung, eine Jugenderziehung im Geiste Adolf Hitlers. (Beifall.) Und das Wichtigste: wir brauchen fetzt eine Mission: das ist die, unsere deutschen Menschen restlos bis in ihre Seele zu deutschen Nationalsozialisten umzuschmelzen. (Sehr starker Beifall.) Unser Kamps geht um nichts weiter als um das seelische Erwachen unseres Volkes. Unsere Religion ist die Ehre der Nation im Sinne eines kämpfenden heldischen Christentums.
Die Führer der Deutschen Christen in den hohen Kirchenämtern werden sich da entscheiden müssen, ob sie mit uns durch diesen Kampf gehen — und das hoffe ich —, oder ob sie sich durch ihre Ämter hemmen lassen wollen. Die Luft da oben in den Konsistorien scheint doch manchmal noch (alle anwesenden Herren will ich ausnehmen) — (Heiterkeit) — so Bazillen von der alten Zeit her zu haben. (Sehr [8] gut! Starker Beifall.) Wenn man uns jetzt damit kommt, das ginge alles nicht so schnell, dann steckt da wieder der alte Amtsschimmel seinen Kopf heraus (Heiterkeit), und es ginge vielleicht manches etwas schneller, wenn man sich über die Bedenken Hinwegsetzen könnte, und wenn man fühlen würde: es ist tatsächlich fünf Minuten vor 24. Es ist tatsächlich jetzt eine solche Krisis, in der wir in dieser Zeit des Neuwerdens um die Gestaltung der Kirche stehen, daß wir nur eins gebrauchen können: unbedingte Zielklarheit und unbedingtes Durchgreifen. (Sehr starker Beifall.) Es wird — und darin stimme ich mit unserem Reichsleiter durchaus überein — manchmal in der Kampfzeit notwendig werden, die Bewegung von dem Kirchenregiment durchaus abzufetzen und zu trennen. Und ich sage denen, die immer wieder mit diesbezüglichen Vorwürfen kommen: unsere Bewegung ist kein Pastorenverein, dessen Mitglieder, nachdem sie einmal Bischöfe, Pröpste und Konsistorialräte geworden sind, ihre Kämpferaufgabe vergessen haben, im Gegenteil, sie werden alle in unserm Kampfe ihren Mann stehen!
Dem evangelischen Volk war es nicht um eine neue Verfassung in der Kirche zu tun und nicht um neue Kirchenämter, sondern um die Vollendung der völkischen Sendung Martin Luthers in einer zweiten deutschen Reformation, deren Ergebnis nicht eine autoritäre Pastorenkirche mit bekenntnismäßigen Bindungen, sondern nur eine deutsche Volkskirche sein kann, die Raum läßt für die ganze Weite eines artgemäßen Gotterlebens und die auch in ihrer äußeren Form so kerndeutsch gebaut ist, wie das im Dritten Reich selbstverständlich ist. (Sehr starker Beifall.)
Kann das unsere Reichskirche, kann das unsere Landeskirche erfüllen? Nur dann, meine evangelischen Volksgenossen, wenn sie auf jede Vergewaltigung des religiösen Lebens Verzicht leistet, wenn sie von jedem „Christentum auf Kommando“ absieht. Der Strom der in die Kirche Zurückkehrenden muß erst gewonnen werden. Dazu ist Heimatgefühl notwendig, und der erste Schritt zu diesem Heimischwerden ist Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst und im Bekenntnismäßigen, Befreiung vom Alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten. Mit Recht hat man dieses Buch als eines der fragwürdigsten Bücher [9] der Weltgeschichte bezeichnet. Es geht nicht an, daß Pastoren der Deutschen Christen erklären: wir stehen nach wie vor auf dem Boden des Alten Testaments, und auf der anderen Seite steht in den Richtlinien: „artgemäßes Christentum“. Uns schließt das andere praktisch aus.
Hier stand vor einer Woche ein Mann, der bayerische Kulturminister Hans Schemm, und sagte: „Für die Kunst gilt das Eine, bleibe im Lande deiner eigenen deutschen Seele!“, und: „Geistige Verödung tritt ein, wenn Kunst und Volk sich entfremden.“ Meine Volksgenossen, dieser Satz gilt hundertmal mehr, wenn Religion und Volk sich entfremden. Wenn wir heute den Geist Martin Luthers beschwören, dann wollen wir Luthers Stellung zum Alten Testament und zu den Juden nicht unterschlagen, wenn er schreibt: „Darum lasse man Mose der Juden Sachsenspiegel sein und uns Heiden unverworren damit! Das Gesetz Moses geht allein die Jüden an. Das Alte Testament ist nicht aus Gottes Gnade, sondern stammt aus Menschenwerk.“ Die Juden aber sind nicht Gottes Volk. (Starker Beifall.)
Wenn wir Nationalsozialisten uns schämen, eine Krawatte vom Juden zu kaufen, dann mußten wir uns erst recht schämen, irgendetwas, das zu unserer Seele spricht, das innerste Religiöse vom Juden anzunehmen. (Anhaltender Beifall.)
Hierher gehört auch, daß unsere Kirche keine Menschen judenblütiger Art mehr in ihren Reihen aufnehmen darf. Wir haben nicht nur die Judenmission bekämpft, sondern wir haben immer wieder betont: judenblütige Menschen gehören nicht in die deutsche Volkskirche (starker Beifall), weder auf die Kanzel, noch unter die Kanzel. Und wo sie auf den Kanzeln stehen, haben sie so schnell wie möglich zu verschwinden. (Bravorufe, Beifall.)
Es wird aber auch notwendig sein, daß unsere Landeskirche sich damit beschäftigt, daß alle offenbar entstellten und abergläubischen Berichte des Neuen Testaments entfernt werden, und daß ein grundsätzlicher Verzicht auf die ganze Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners Paulus ausgesprochen wird, der eine Verfälschung jener Botschaft begangen hat, dieser schlichten Frohbotschaft: [10] „Liebe deinen Nächsten als dich selbst“, halte diesen Nächsten als deinen Bruder und Gott als deinen Vater. Es ist schon richtig, daß die ganze Entwicklungsreihe der dialektischen Theologie von Paulus bis Barth aus unserem Gottvater eine Denksportaufgabe gemacht hat. Die Theologie hat Gott und Mensch immer zu trennen gesucht, immer wieder versucht, ihre eigene Existenzberechtigung durch den mit der Erbsünde belasteten, gefallenen und darum von der Kirche zu rettenden Menschen zu beweisen. Wir kennen keine Trennung Gott—Mensch, wenn der Mensch sich nicht durch seinen Willen von Gott löst. Das hat der Heiland in seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn uns ganz klar gezeigt. Wenn wir weggehen vom Vater, dann erst sind wir gefallen, und wenn wir den Willen und den Entschluß in uns haben: ich will heimkehren zu meinem Vater, dann sind wir gerettet. Kant hat durchaus recht: der Mensch hat für sich aufzukommen, keiner kann ihm Sünden abnehmen. Und es ist unnationalsozialistisch, wenn man sich an einen Heilsegoismus klammert, wo doch der Nationalsozialismus sagt: „Du Einzelner, bist nichts, dein Volk ist alles, nicht um deine Seligkeit geht es, sondern um die deines Volkes.“ Die reine Jesuslehre muß wieder die Grundlage der Kirche bilden. Wenn wir aus den Evangelien das herausnehmen, was zu unseren deutschen Herzen spricht, dann tritt das Wesentliche der Jesuslehre klar und leuchtend zutage, das sich — und darauf dürfen wir stolz sein — restlos deckt mit den Forderungen des Nationalsozialismus. Denken wir nur — um ein Beispiel herauszugreifen — an die Geschichte von der Speisung der Fünftausend, die für jüdische Geschichtsschreiber ein Wunder bedeutet, weil sie nicht begreifen können, daß durch das Gebot „Liebe deinen Nächsten“ alles im Menschen gelöst und freigemacht wird, was göttlich in ihm ist, und daß dadurch Kräfte erwachsen, die in ihrer Auswirkung ans Wunderbare grenzen. Wenn der Nationalsozialismus fordert: „Wenn jeder gibt, wird jeder etwas haben“, so erleben wir in unseren Tagen auch das Wunder der Speisung von 5, 10 000, 100 000, ja von Millionen, scheinbar aus dem Nichts. (Sehr starker Beifall.)
Wir müssen fordern: Rückkehr zu einem heldischen Jesus, dessen Leben für uns vorbildliche Bedeutung besitzt, und dessen Tod das Siegel auf dieses Leben ist, das der Beschluß eines heldischen und kämpferischen Lebens für die ihm von seinem Vater übertragene Auf-[11]gabe ist. Wir müssen uns daher auch hüten vor der übertriebenen Herausstellung des Gekreuzigten. Wir können als Führer keinen in der Ferne thronenden Gott gebrauchen, sondern nur den furchtlosen Kämpfer. Führer braucht unsere Kirche, einen Führer hat sie in unserem Heiland, Führer braucht sie in denen, die uns hier führen müssen, keine Vorsitzenden — auch das ist ein Wort, das hier vor Wochen fiel —, keine Besitzenden, sondern einen, der selbst sich arm fühlt, und der aus dieser Not heraus Führer sein kann zu Gott. Heldenehrung muß Gottesehrung werden. Heilige Stätten müssen erwachsen in unserem Lande. Unsere heiligen, blutgedüngten Stätten müssen uns mehr sein als ferne Stätten in Palästina, weil die Opfer des deutschen Freiheitskampfes mit ihrem Blut diesen Heimatboden getränkt haben. Darum wollen wir hier Gott loben, hier uns mit unserem Gott verbunden fühlen. (Beifall.) Und darum wollen wir als Kinder Gottes keine Knechtslehre. Das ist etwas, was mir immer von unseren alten Kämpfern in der Partei ans Herz gelegt worden ist: nicht knechtische Menschen, sondern stolze Menschen wollen wir haben, die sich dem Göttlichen verbunden und verpflichtet fühlen. Und wenn der Führer sagt: der Mensch braucht das Vertrauen zu sich selbst, dann wollen wir das aufnehmen in dem Sinne, daß wir, wenn wir als Gotteskinder uns verpflichtet fühlen dem Vater und unserem Volk, den rechten Gottesdienst tun.
So fordern wir das Zurückkehren zu diesem schlichten und einfachen kindlichen Glauben, wie ihn die Frohbotschaft Jesu verkündet, ohne alles Drum und Dran, was Menschen hinzugefügt haben. So wollen wir unseren Gottesdienst Dienst am Volk im täglichen Leben sein lassen, so wollen wir die Gottesfeier im Gotteshaus, in der Gemeinschaft halten, mit deutschem Wort und aus deutschem Geist. Wir wollen Lieder singen, die frei sind von allen Israelitismen. Wir wollen uns frei machen von der Sprache Kanaans und zur deutschen Muttersprache kommen, weil nur in der deutschen Muttersprache der Mensch am tiefsten das Beten, Loben und Danken zum Ausdruck bringen kann. (Starker Beifall.)
So kann die Reichskirche, so kann unsere Landeskirche die Aufgaben erfüllen, die wir von einer völkischen Kirche erwarten müssen. Und die Reichskirche wird sich zu erklären haben, wie sie zu diesen [12] Forderungen steht. Daraus wird sich ergeben, ob die kommende Kirche mit oder gegen das derzeitige Kirchenregiment geschaffen werden soll. Für die Glaubensbewegung kann die bestehende Kirche so lange nicht die Erfüllung bedeuten, als sie nicht durch Taten das Vertrauen des deutschen Volkes erwirbt. Solange bleibt die Glaubensbewegung nationalsozialistische Kampfgemeinschaft, auch wenn ihre führenden Männer Kirchenbeamte geworden sind! (Sehr gut! Starker Beifall.)
Wir wünschen den Frieden, wie Adolf Hitler den Frieden mit der Welt wünscht, so wollen wir den Frieden in unserem Volk, aber erst wenn unser Ziel erreicht ist, wenn das Ringen um die deutsche Seele den Abschluß gefunden hat in einer deutschen Volksreligion, die allen Menschen deutscher Art, um mit Lagarde, dem großen deutschen Gottesmann zu sprechen: „Heimatluft in der Fremde, Gewähr ewigen Lebens in der Zeit, unzerstörbare Gemeinschaft der Kinder Gottes mitten im Haß und der Eitelkeit, ein Leben auf du und du mit dem allmächtigen Schöpfer, Königsherrlichkeit und Herrschermacht gegenüber allem, was nicht göttlichen Geschlechtes ist“ geben soll.
Wenn Luther heute lebte, wir dürften sicher sein, daß er der Vorkämpfer dieser deutschen Volkskirche wäre. In der Volksgemeinschaft des Dritten Reiches wird die Glaubensgemeinschaft, das heißt die Gemeinschaft der sich mit Gott verbunden Fühlenden, unaufhaltsam wachsen.
Millionen deutscher Menschen strecken suchend ihre Arme aus nach einer deutschen Kirche, streben auf den verschiedensten Wegen doch alle zum gleichen Ziel. Da gilt es auch für uns, nicht Brücken abzubrechen, sondern Brücken zu schlagen, nicht pharisäerhaft in den anderen nur die Sünder zu sehen, sondern allem Suchen und allem Streben, soweit es nur wahrhaft deutschem Geist entspringt, die Tore der werdenden Volkskirche weit, weit zu öffnen.
Und wir werden erleben, wie eng sich dann die Verwandtschaft des nordischen deutschen Geistes mit dem heldischen Jesusgeist zeigt. Es wird dann offenbar werden, daß die Vollendung der Reformation Martin Luthers der endgültige Sieg des nordischen Geistes über orientalischen Materialismus bedeutet. Heil! (Lang anhaltender Beifall.)
Band 1 der Schriftenreihe der Glaubensbewegung Deutsche Volkskirche, Berlin 1933.