Über die Freude und Schönheit der Theologie
Von Karl Barth
Es darf hier gewiß einmal hingewiesen werden auf die Tatsache, daß die Theologie als ganze, in ihren Teilen und in deren Zusammenhang, in ihrem Inhalt und in ihrer Methode, abgesehen von allem Anderen, wenn ihre Aufgabe nur richtig gesehen und angegriffen. wird, eine eigentümlich schöne Wissenschaft, man darf ruhig sagen: unter allen Wissenschaften auch die schönste ist. Es bedeutet immer Barbarei, wenn jemandem die Wissenschaft unlustig ist oder wird. Welche Überbarbarei wäre aber dazu nötig, daß einem die Theologie unlustig werden oder sein könnte? Man kann nur gerne, mit Freuden Theologe sein oder man ist es im Grund gar nicht. Grämliche Gesichter, verdrießliche Gedanken und langweilige Redensarten können gerade in dieser Wissenschaft unmöglich geduldet werden. Gott bewahre uns vor dem, was die katholische Kirche als eine der sieben Mönchssünden aufzählt: vor dem taedium an den großen geistlichen Wahrheiten, mit denen es die Theologie zu tun hat! Aber wir müssen wohl wissen, daß Gott allein uns davor bewahren kann!
Quelle: Karl Barth, Kirchliche Dogmatik II / 1, Zollikon-Zürich: Evangelischer Verlag, 1945, § 31, S. 740.