Hilde Domin, Haus ohne Fenster: „Der Trost, / der keine Fenster findet und keine Türen / und hinein will, / trägt erbittert das Reisig zusammen.“

Haus ohne Fenster (1959)

Der Schmerz sargt uns ein
in einem Haus ohne Fenster.
Die Sonne, die die Blumen öffnet,
zeigt seine Kanten
nur deutlicher.
Es ist ein Würfel aus Schweigen
in der Nacht.

Der Trost,
der keine Fenster findet und keine Türen
und hinein will,
trägt erbittert das Reisig zusammen.
Er will ein Wunder erzwingen
und zündet es an,
das Haus aus Schmerz.

Hilde Domin

Quelle: Hilde Domin, Abel steh auf. Gedichte, Prosa, Theorie, hrsg. v. Gerhard Mahr
Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2008, S. 21.

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