Martin Luther, Predigten über das 2. Buch Mose, Kapitel 16 (Juni 1525): „Zerstoßen und gering ist das Evangelium anzusehen, es wird von der Welt verachtet, gelästert und geschändet. Dennoch so hat das evangelische Wort, so wir predigen, so große Kraft, dass es selig macht; es hat eine göttliche Kraft bei sich. Solch Wort Gottes, so aus des Menschen Munde geredet wird und erschallt, das wird mit der Vernunft nicht empfangen, es hat keinen äußerlichen Schmuck noch Ansehen; noch bringt es mit sich den Sieg wider den Tod und Teufel, Hölle und Verdammnis, auch Vergebung der Sünden, und macht zu Gottes Kindern, zu Herren über Himmel und Erde.“

Predigten über das 2. Buch Mose, Kapitel 16

Von Martin Luther

Kap. 15,27. Und sie kamen in Elim, da waren zwölf Wasserbrunnen, und siebenzig Palmbäume, und lagerten sich daselbst an das Wasser etc.
Kap. 16,2.3. Und es murrte die ganze Gemeine der Kinder Israel wider Mose und Aaron, in der Wüste, und sprachen zu ihnen: Wollte Gott, wir wären in Ägyptenland gestorben, durch des Herrn Hand, da wir bei den Fleischtöpfen saßen, und hatten die Fülle Brot zu essen. Denn ihr habt uns darum ausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeine Hungers sterben lastet.

Wir haben den Text des 16. Kapitels im andern Buch Mose gehört, wie die Kinder von Israel von dem roten Meer zu der Wüste Sin gezogen sind, und wie sie erstlich in Elim gekommen, aber nicht lange allda geblieben, da sie denn gefunden haben zwölf Wasserbrunnen und siebzig Palmbäume. Von demselben Orte sind sie kommen in die Wüste Sin, da denn diese große Tat geschehen ist, so hernach folgt. Darnach sind sie gekommen in Raphidim, da hatte das Volk abermals nichts zu trinken; von dannen sind sie auf den Berg Sinai gekommen.

Nun wird allhier gemeldet, dass sie zwölf Brunnen gefunden haben, dass sie des Wassers, so Gott durch ein Mirakel ihnen gegeben hatte, mehr nicht bedurften; darnach haben sie auch siebenzig Palmbäume gefunden. Und kann wohl sein, dass sich durch sonderliche Gottes Schickung dies Brunnwasser also in zwölf unterschiedliche Quellen geteilt hat, damit das Volk Israel Masters genug haben möchte; wie Gott zuvor auch getan hatte.

Also versorgt Gott sie mit Speise und Trank, dass sie leibliche Nahrung haben müssen, im Exilio und in der Wüste zu trinken und zu essen finden; er bringt sie allhier gar an einen lustigen Ort, da sie sich wieder erquicken und erlustieren mögen. Palmen haben eine süße Frucht, die Datteln; davon haben sie gezehrt, gegessen und des Brunnwassers getrunken; vielleicht werden sie auch vom rohen Teige noch etwas übrig behalten haben. Dieweil sie nur fünfzehn Tagesreisen aus Ägypten zur Wüste Sin gezogen sind, so wird ohne Zweifel jedermann für sein Haus einen Scheffel oder zween Mehl zu Brode mit sich auf den Weg genommen, und etlicher- maßen auf Vorrat gedacht haben. Daraus haben auch wir zu lernen kürzlich, dass Gott unser Hirte und Pfleger sei, der uns weide, speise und genug gebe; wie der 23. Psalm, V. 1., solches auch lehrt.

Aber wenn das Mehl aus dem Sacke ist und kein Teig mehr vorhanden, dann regt sich der Abgott, Junker Bauch, und lässt sich merken, er könne unseres Herrn Gottes Verzug nicht auswarten. Denn dies Volk murrt wider Gott, dass sie nicht Brot zu essen haben, gleichwie sie droben murrten, da Wasser zu trinken mangelte. Es sind in der Wahrheit die Kinder von Israel gar ein böses Volk gewesen, die Gottes Mirakel und Guttat bald vergessen und ihres Berufs überdrüssig werden, verzweifeln an Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Mose und Aaron lästern sie, als die da wollten das Volk Hungers sterben lasten; ja, Gott selbst schänden [sie], als habe er sie durch Mose nicht lasten aus Ägypten führen. Darum urteile, was für ein Kräutlein dies Volk sei, wie sie zweifeln an Gottes Befehl, dass Moses sie aus Ägypten in das Land Canaan führen sollte, item, verzagen an Gottes Hülfe.

Und wir sind gleich der Art; solch gottlos Wesen sieht uns auch aus den Augen. Wenn nimmer Vorrat vorhanden ist, so hört unser Glaube auch auf. Sie sind nicht mehr denn fünfzehn Tagesreisen gegangen, da sagen sie: Moses hat es wohl ausgerichtet, wir können nicht zurück gehen, wir wollten denn Hungers sterben; auch können wir nicht weiter gehen, noch zur Seite, von wegen der Einöde und Wildnis ausbrechen; der Teufel hat uns in die Wüste geführt.

Nach der Vernunft haben sie Ursache genug wider Mose, dieweil sie nichts zu essen oder zu trinken haben. Denket ihr selbst, wenn du fünfzehn Tage und Nächte in der Wüste wärest und könntest nicht heraus, da gedächtest du selbst auch, dass du müsstest Hungers sterben. Diese Ursache haben sie gehabt, dass das ganze Volk murrt wider Mose, und spricht: Gib uns Speise, warum hast du uns lassen aus Ägypten ziehen, dass du uns, unsere Kinder und Vieh Hungers sterben ließest?

Welche spöttische, höhnische und lästerische Worte sind doch das? Es ist ein tiefer Unglaube, dass sie also zurückfallen, Gottes Wort und Verheißung fahren lassen, an die vorigen Wunderwerke und Hülfe Gottes nicht mehr gedenken; und wollen die Buben dennoch fromme Leute sein, dazu von Gott ungestraft sein, und wollen doch gleichwohl, dass alle Teufel Aaron und Mose wegführten. Denn sie sagen allhier: Der Herr weiß nichts drum. Sie sprechen: Dort, in Ägypten, wären wir selige Leute gewesen, aber allhier in der Wüste müssen wir Hungers sterben. Hundert Teufel haben uns hierhergebracht. Habt ihr uns darum ausgeführt, dass das ganze Volk Hungers sterbe?

Und nachdem sie alle miteinander also gemurrt und geredet haben wider Mose und Aaron, sollten den beiden billig die Hosen gestunken haben; aber sie stehen wie die Helden, ihr Herz ist voller Gottes, schlagen diese Lästerung aus, so sie müssen hören, nämlich, dass sie sagen: Ihr seid Gesellen, die ihr uns ausgeführt habt, und in dem gehandelt als die Bösewichter; sollte Gott solches euch geheißen haben? Da sind die Wunder alle hinweg, die sie zuvor gesehen und empfunden, ja, gerühmt und gelobt haben im vorigen Lobgesange, da sie gänzlich überzeugt und überwiesen gewesen sind, dass diese Ausführung aus Ägypten kein Menschenwerk oder Betrug sei. Wohlan, es geht nicht anders zu; wo der Abgott Bauch kommt, und der Magen beginnt zu platzen, da ist es alles weg. Eine edle, zarte Frucht ist der Mensch, wenn er ihm selbst gelassen wird.

Aber wir wollen es besser ausstreichen, aus dass wir sehen mögen, wer wir doch sind gegen Gott. Denn wir verfluchen, lästern, ja, verfolgen auch seine Boten und Knechte, und machen seine Wunder zu Schanden. Allhier fällt eine ganze Gemeinde dahin, bei sechsmal hunderttausend Mann, viel trefflicher, großer Leute. Josua, Caleb und andere gehen jetzt alle dahin mit dem Haufen und Obersten des Volks, und bleiben allein diese zween beständig, die halten noch Farbe und treten nicht zurück. Was wollen wir uns doch verwundern, dass jetzt etliche dahin vom Evangelio taumeln und purzeln, dieweil so viele Leute allhier dahinfallen, welche der Teufel alle frisst? Und das richtet allein die Bauchsorge aus, und bringt sie zu diesem gräulichen Abfall [Matth. 6, 25.].

Es ist ein wunderbarlich Ding um einen Christen, der da steht, wenn es nottut. Dennoch pflegt man solche Leute in der Welt nicht hoch zu achten und drängt sich nicht sehr um sie. Aber unsere Natur ist also geartet, wie Salomon [Sprüchw. 20, 14.] davon sagt: „Wenn man ein Ding hat, so ist es böse, und wird nicht geachtet und taugt nirgends zu, aber wenn es hinweg ist, so preiset man es denn.“ Also geht es auch: Wenn Gott genug gibt, so haben wir dennoch nicht satt und ist noch nirgend gut genug, gaffen immerdar vor sich auf den Mangel, und man verlässt die Fülle und Bescherung Gottes, so vorhanden ist, bis inan drum kommt. O! dann ist’s sehr gut gewesen.

Ich will es noch bester auslegen, aus dass es vernommen werde. Nimm vor dich einen Ehemann, und einen, der außerhalb der Ehe lebt; oder gleich einen armen und reichen Mann, von welchen das Sprichwort lautet: Gut macht Mut, Armut wehe tut. Wer Armut leidet im Ehestand, der sieht nicht, was es will mit ihm werden, und duldet die Armut mit Unwillen; alle seine Augen, Gedanken und Sinne sehen auf den Mangel; dass er aber nicht stirbt im Hunger, und einen sichern, fröhlichen Mut dazu hat, auch ohne Sorgen lebt, das gibt ihm Gott, und ist des Armen sonderlicher Vorteil, und Zuvoraus. Er bekümmert sich nicht, die-weil er weiß, man stiehlt ihm nichts, er kann mit Frieden schlafen; dagegen, dass er das Haus voll Kinder hat, das ist in seinen Augen nichts, der Güter rechnet er keines nicht [Ps. 128,3. ff. Ps. 127,3.4]. Wenn man dieses auf einer Wage wägen würde, so würdest du sehen, wie weit solche Güter alle Armut übertreffen. [Er] geht also dahin und braucht des Himmels und der Erde.

Aber dagegen ein Reicher, wenn er gleich viel Güter hat, so muss er auch viel Mäuler ernähren. Da muss er sorgen, dass ihm das Gut und Reichtum nicht gestohlen werde, und denkt immerdar, wie er am Gut wachse und zunehme; er hat nicht genug, sondern gedenkt immerdar: Ei, hätte ich noch das dazu. Also hat er nimmermehr einen sichern und fröhlichen Mut, das Gut macht ihm Unmut; zudem weder Ruhe noch Frieden. Wiederum, der Arme sieht nur des Reichen Gut an; aber er betrachtet nicht, dass er einen Vorteil habe vor ihm, wie kurz zuvor angezeigt, der dem Reichen gänzlich abgeht. Ursache, es heißt, wie Augustinus sagt: Divitias invenisti, requiem perdidisti [Reichtum hast du gefunden, die Ruhe hast du verloren].

Also fehlt jetzt den evangelischen Bauern auch nichts, allein, dass sie aufsehen, wie sie Zins und Geschoß, auch den Zehnten und andere Gerechtigkeit der Obrigkeit geben sollen, die daran nicht Unrecht tut, dass sie ihren Tribut fordert [Röm. 13,1. ff.]; da wenden sie allein die Augen her. Aber dagegen sehen sie nicht, dass ihre Äcker und Wiesen, Haus und Hof im guten Frieden ist; diese Sicherheit macht ihnen die Obrigkeit, sonst könnten sie nicht eine Stunde lang sicher schlafen in ihren Häusern. Diese Sicherheit und solch groß Gut sieht man nicht. Ein Trunk Brunnens schmeckt einem solchen bester, denn Gesottenes und Gebratenes: noch gaffet und sieht er sich um nach den großen Hansen, die auf schönen Hengsten daher traben und in güldenen Ketten prangen. Ach! gedenkt dieser Narr, wollte Gott, dass ich an seiner Stätte allda sitzen sollte! und muss ihm alles stinken, was in seinem Hause ist; sieht aber und weiß nicht, was für Beschwerung, Gefahr und Unlust diesem Stande anklebt und nachfolgt.

Also tut auch einer, der außerhalb dem Ehestände lebt; der hält sein Wesen für eitel Ungemach, und lässt sich dünken, der Ehestand sei nur ein Rosengarten, und sieht nicht den Vorteil, dass er nur den Bauch, oder Ein Maul habe zu versorgen. Wiederum, der im ehelichen Stande ist, der sieht auch nicht die Güter, die ihm gegeben sind, nämlich, dass der Mann und das Weib von Gott geschaffen und zusammen verordnet sind; item, dass sie Kinder haben und Güter ihnen beschert werden; dieser lässt ihm träumen, dass der ledige Stand ein Paradies sei.

Es sind die Güter und Gaben Gottes in einem jeglichen Stande zehnmal größer, denn der Schade und Mangel, so einer darinne fühlt. Wenn du des Nächsten Güter rechnetest mit deinem Mangel, und dagegen seinen Mangel mit deinen Gütern, so würdest du auch tun dasjenige, davon die Weisen geschrieben haben: Wenn es könnte sein, dass einer seine Güter und sein Unglück auf einen Haufen trüge, und austeilte zugleich, so würde ein jeglicher sagen: Lieber, gib mir deine Güter; und des Unglücks daneben nicht haben wollen.

Also hat der heidnische Poet Horatius gesagt, eben dies anzuzeigen, es laste ihm niemand an seinem Stande genügen: Optat ephippia bos piger, optat arare caballus, der Ochse wollte gerne ein Pferd sein, und das Pferd wollte gerne pflügen wie der Ochs etc., so es doch niemand bester machen noch anders ordnen sollte, denn wie es Gott gemacht hat.

Also wird es den Bauern auch gehen. Wenn es nicht wider Gott wäre, so wollte ich aus einem Zorn den aufrührerischen Bauern wünschen, dass sie nur Ein Jahr sollten Fürsten sein, Briefe lesen, Klage hören, Händel verrichten und entscheiden, Briefe schreiben, und anderes mehr tun, was in diesem Stande will ausgerichtet und beschickt sein; da würde einer desselbigen so bald müde werden, dass er spräche: Behalte dir deine geelen Sporen, silbern Schwert, güldene Ketten, sammtenen Rock, Spieß und Harnisch, schöne Rosse und behangene Wagen; ich will bleiben, der ich vorhin gewesen bin.

Also sind wir alle miteinander gesinnt, und unsere Brüder, die Kinder von Israel in der Wüste, gedenken nicht lange an das Manna oder Himmelbrot. Gleichwie sie in Ägypten auch nicht gedachten an das Fleisch und Brot, so sie überflüssig hatten, sondern sie heulen und schreien allein darüber, dass sie mit den Frondiensten und anderem beschwert und bedrängt waren. Sie haben nicht betrachtet ihr Gutes, so ihnen Gott gegeben hatte, sondern allein das Unglück und das Böse gesehen. Aber an diesem Orte, da sie aus dem Mangel gekommen sind, und das Gute erlangt, so laufen sie zurück. Also ist unser Auge ein Schalk, und kann ihm Gott selbst nicht recht tun.

Ei, wollen wir denn gar nichts leiden? soll uns denn allhier nichts gebrechen? Im Himmel wird uns nichts mangeln noch gebrechen; in diesem Leben aber müssen wir (wir wollen oder wollen nicht) Gebrechen und Mangel mit unterhaben. Bist du arm, hast du kein Haus oder andere Güter, so hast du auch Gebrechen: warum gedenkst du aber nicht, du habest einen gesunden Leib, gesunde Augen und andere Sinne, du hast deine Stärke, Kinder und anderes? etc. Dagegen ist dein Gebrechen gar geringe und klein, den du daneben hast.

Aber man muss anheben zu lästern und zu schänden um eines kleinen und geringen Ge-brechens willen. Gleichwie allhier die lieben Söhnlein, die Kinder von Israel, auch tun; da sie satt sind und mit Fleisch und Brot erfüllt, fahren sie zu und verachten das Himmelsbrot, dar-um sie doch zuvor sehr zu Gott schrien. Viele sagen, Gott sei zornig, stäupe und schicke uns Krankheit zu; aber wir schweigen davon sein stille, dass wir es auch wohl verdienen. Er greife es an, wie er wolle, doch taugt es uns nirgendhin; sollte er denn nicht stäupen? Wenn wir Gott wären, wir hielten so lange nicht an uns, dass wir nicht flugs mit Keulen dreinschlügen; aber er ist viel zu geduldig. Da es gegenwärtig ist, was er uns gibt, so verachtet man es; wenn es hinwegkommt, so lobt man es, und will keineswegs erstlich bedenken, wie gut es sei. Weil einem Mann sein Weib noch lebt, so sieht er nicht, wozu sie ihm nütze sei; wenn sie aber stirbt, so gedenkt er: Ach Gott, hätte ich mein Weib noch!

Also, wenn die Sonne Einen Tag außen bliebe und nicht schiene, so würden wir alle betrübt werden; aber weil sie täglich sich einstellt, sind wir der Güter Gottes gewohnt, meinen nicht anders, denn gleich als müsste sie uns scheinen; weil sie nun immerdar scheint, o so danken wir unserm Herrn Gott auch nicht dafür. Da die Kinder von Israel in Ägypten gefangen und dienstbar waren, verlangte sie nach der Freiheit; und da sie nun die Freiheit haben, so verachten sie die Freiheit. Also geht es: Wie er Gott mit uns macht und kocht, so wollen wir es nicht anbeißen; noch trägt er es. Daher St. Paulus in den Geschichten der Apostel [Kap. 13, 18.] spricht: Gott habe ihre Weise und Sitten in der Wüste geduldet und getragen; und das ist auch wahrlich also, er kann wohl leiden und tragen [2 Mos. 34,6. Ps. 103,8.].

Eine solche schändliche Unart ist an uns, dass wir für die gegenwärtigen Gaben und Güter undankbar sind, und allein einen kleinen Gebrechen ansehen. Und ein jeder mag heimgehen und rechnen die Güter, die er habe, so wird er viel mehr Güter denn Mangel finden, und danke Gott dafür. Was willst du mehr haben, denn gesunden Leib? Item, deine Habe und Güter, und dass du schöne Kinder hast?

Aber wie sollen wir ihm helfen? Salomo sagt [Pred. 7, 15.]: In die malorum memor esto bonorum, et econtra: In die bonorum, memor sis malorum [am guten Tage sei guter Dinge, und den bösen Tag nimm auch für gut]. Geht dir es übel und fühlst das Böse, so kehre deine Augen zum Guten, und gedenke, wie gottesfürchtige Herzen tun, dass du die Augen abkehrest vom Unglück, und wendest sie über sich zu einem größeren Glücke. Also sollen sie sich trösten, sonst machen sie ihnen ihr Leben sauer, und richten mit dem Grämen lauter nichts aus.

Von St. Martino, einem Bürger zu Rom, liest man, da ihm alle seine Güter genommen sind, und er in das Exilium getrieben ward um des christlichen Glaubens willen, dass er gesagt habe: Ob man mir gleich alles nimmt, so haben sie mir doch Christum nicht weggenommen. Geht hinweg mein Weib und Kind, mein Gut, Haus und Hof, meine guten Freunde, meine Ehre, Würde und Herrlichkeit, so habe ich doch den Herrn Christum noch. Also sieht ein Christ mit seinen Augen noch mehr auf das gegenwärtige Glück und Gut, denn auf das Unglück und Übel, so einem begegnet.

Aber unsere Natur kann es nicht tun; sie tut, wie allhier diese elenden Leute tun. Dennoch stellt sich unser Herr Gott als ein Gott, der große Geduld habe, und es ihnen zugut könne halten, und spricht: Wohlan, ich will euch eure Lust büßen; wiewohl es unrecht ist, dass sich Gott neigen sollte nach dem Willen dieses Volks. Gott hat ihnen droben [Kap. 15, 26.] eine Vertröstung gegeben, sie sollten seiner Stimme gehorchen, so wollte er ihr Arzt sein; darum gibt er ihnen Himmelsbrot, ans dass sie nicht sollten Hungers sterben; aber sie gedenken hier an die Verheißung nicht. Nun versucht er das Allerletzte, ob sie ihm wollten gehorsam sein, dass sie sechs Tage sollen Manna eintragen, aber am Sabbathtage sollten sie in ihren Hütten bleiben und nicht heraus gehen, darum so gab Gott ihnen zwiefach Manna, für den sechsten und auch für den siebenten Tag. Ein feiner Haushalter ist Gott, er gibt das tägliche Brot, und gibt nicht mehr einem jeden, denn er essen kann.

Da heben sie wieder an zu glauben, und gedenken: Ei, ist dies nicht ein feiner Kornböden oder Kornkasten, dass alle Morgen die Luft und Wolken so viel Brods oder Manna gibt, als viel mir essen können? [Ps. 145,15.16.] Als der erste Abend kommt, da des Morgens das Manna gefallen, da war nichts mehr übrig; da werden ihrer viel gedacht haben, was werden wir den Morgen haben? Also haben sie gedacht: Herr, gib uns unser Brot heute, für das morgende sorgen mir nicht; wie er es denn auch damals beweiset hat.

Also versorgt uns Gott, auf dass er dem Bauche sein Wundern nehme. Denn der Bauch schlägt unserm Herrn Gott immerdar fein Wort und Wunder nieder; aber man muss einmal, nach der Lehre St. Pauli, den Bauch und Speise unter die Erde graben. Darum lebe man also, und steure i) sich auf die väterliche Treue Gottes, dass man ungewiss sei, was mau morgen eintragen möge. Und wenn auch dieser große Herr mit seinen Worten nicht soll gelten, o! so mag man dem Teufel glauben. Wie es die Erfahrung zeugt, dass ihrer, leider, allzuviel an Gott treulos und dem leidigen Teufel, nur des garstigen Wanstes halben, anhängig werden.

V. 4-8. Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinaus gehen und sammeln täglich, was es bedarf, dass ich es versuche, ob es in meinem Gesetze wandele, oder nicht; des sechsten Tages aber sollen sie sich schicken, dass sie zwiefältig eintragen über das sie täglich sammeln. Moses und Aaron sprachen zu allen Kindern Israel: Am Abend sollt ihr innewerden, dass euch der Herr aus Ägyptenland gesühnt hat, und des Morgens werdet ihr des Herrn Herrlichkeit sehen. Tenn er hat euer Murren gehört. Was sind wir, dass ihr wider uns murret? Weiter sprach Mose: Der Herr wird euch am Abend Fleisch zu essen geben, und am Morgen Brot die Fülle, darum, dass der Herr euer Murren gehöret hat, dass ihr wider ihn gemurret habt. Denn was sind wir? Euer Murren ist nicht wider uns, sondern wider den Herrn.

Hier antworten Moses und Aaron auf die Lästerung der Israeliten, da sie sprechen: Ach, dass wir in Ägypten durch Gottes Hand gestorben mären; damit sie so viel wollen zu verstehen geben: Dort haben mir einen gnädigen Gott gehabt, der Teufel hat euch zu uns geführt; und sagen: Nun, ihr lästert Gott und murret wider denselben; morgen sollt ihr ein Wunderwerk sehen, damit je Gott zu preisen und herrlich zu halten sei. Wir wollen es euch hiermit angezeigt haben, ihr sollt es fühlen und greisen, auch erfahren, dass es Gott tun werde, und dabei gewahr werden, dass nicht wir, sondern er euch ans Ägypten geführt habe; denn sonst sollte morgen kein Wunder noch Mirakel kommen; Gott wird aber seine Ehre damit retten und beweisen.

Mit dem tollen Pöbel soll man nach solcher Gnade und Barmherzigkeit handeln. Es ist wohl sticherlich, und sie hätten lieber etwas Besseres denn das, nämlich, wenn sie sagte» und ihnen mit zu heuchelten: Meinet ihr, dass wir die Leute sind, die euch konnten ausführen aus Ägypten, und bitten, ihr wollet euch an uns nicht rächen? Aber sie haben sich so wohl und recht entschuldigt. Das hat Moses gesagt und Aaron besohlen, ihnen in das Angesicht zu reden, auch andern zu verkündigen, aus dass sie es unter das Volk brächten. Aaron nimmt es auch aus Moses Munde, dass er es unerschrocken vortrage, und sage ihnen eben die Meinung, wider wen sie gemurrt und gegrunzt haben.

V. 9. Und Mose sprach zu Aaron: Sage der ganzen Gemeinde der Kinder Israel: Kommet herbei vor den Herrn, denn er hat euer Murren gehöret.

Zum Herrn kommen ist, wenn man sich versammelt und Gottes Wort hört; denn wo sein Wort ist, da ist auch der Herr. Es ist damals noch nicht der Tempel gewesen. Dies sein Amt richtet Aaron redlich aus. Er straft sie erstlich, und bringt sie in Erkenntnis der Sünde, dass sie wider Gott gemurrt haben, und seine vorigen Mirakel alle in den Wind geschlagen. Nun geht die Predigt an, und mitten in der Predigt wandten sie sich um zur Wüste; denn er hat diese Predigt nicht in Einem Tage ausgerichtet. Und dieses ist unter der Predigt des Aaron geschehen, dass Gott sich sonderlich sehen lässt in einer Wolke, er scheint, dass man seiner gewahr wird in einer Wolke, aus welcher Moses allein diese Stimme gehört hat, und nicht andere Leute. Das heißt, die Leute können tragen. Und wie er gepredigt hat, also geht es auch; aber er ließ das Wort vorhergehen, wie er denn pflegt zu tun, und darnach das Werk hernach folgen. Durch diese Predigt sind sie abermals bekehrt, und hat Moses und Aaron große Mühe und Arbeit mit ihnen gehabt, damit, dass sie ihren Glauben ausrichteten und stärkten. Darum so tut Gott auch dies Mirakel.

Was man Wachteln heiße, darüber streiten noch unter sich die Lehrer: eines Teils meinen, es seien Rebhühner, andere, es seien Brachvögel; aber gewiss ist es, dass es Fleisch gewesen sei. Über ein Jahr hernach hat Gott fast dergleichen Mirakel getan, wie man liest 4 Mos. 11, 31. 34., da denn angezeigt wird, wie hoch sie geflogen sind in der Luft, nämlich, dass man sie mit den Händen hat greifen mögen, und man keines Netzes dazu bedurft habe. Dass aber derselbige Ort in der Wüste Lustgräber genannt ward, geschah darum, dieweil man daselbst begrub das lüsterne Volk. Nun darf man nicht gedenken, dass es einerlei Geschichte oder Historien seien, sondern es sind zwo Historien. Denn allhier haben sie auch Manna oder Himmelsbrot mit dem Fleische; dort haben sie allein Fleisch. Aber also kam diese Speise fein mit Haufen, dass alles voll lag; dass man ja nicht lange es durfte zusammenraffen und auffassen, so lag es alles fein beieinander.

Manna ist fast gewesen wie Koriande; wiewohl Koriande ist noch ein kleiner Gekörn, gleichwie bei uns Reis oder Hirsen; allein Manna ist weißer und runder gewesen, und schmeckte wie Honig mit Semmel vermengt und durchzogen, hat einen feinen, süßen, lieblichen Schmack gehabt. Dasselbige Brot oder Speise wird Manna genannt, sein schön und klar, wie ein weißgekorntes Mehl.

V. 13-15. Und am Morgen lag der Tau um die Gezelte her, und als der Tau gefallen war, siehe, da lag etwas in der Wüste dünne und klein, wie der Reif auf dem Lande ist. Und da es die Kinder von Israel sahen, sprachen sie untereinander: Das ist Man, denn sie wussten nicht, was es war.

Sie sprechen: Es ist etwas; denn es ist ein neu Wunderwerk gewesen, darum so hat es keinen Namen, dieweil es noch ist eine neue Speise gewesen. Man heißt aus hebräisch, Barschaft, Geschenk oder Gabe. Als sollten sie sagen: Es ist Gottes Gabe, welche Gott unter uns austeilt. Gleich als wenn wir ein fremd, unbekannt Ding bekämen, das doch gut und scheinbarlich wäre, und mir hießen es Manna. Wir Deutschen heißen es aus dem 6. Kapitel Johannis, V. 31., Himmelsbrot, aber sie haben es Gottes Gabe genannt.

Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat.

Als sollte er sagen: Da habt ihr es: Gott hält seine Zusage; nun esset und sättiget euch davon.

V. 19. 20. Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon über bis morgen. Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon über bis morgen. Ta wuchsen Würmer drinnen und ward stinkend. Und Mose ward zornig auf sie.

Das ist ja gar hoch versucht und Gott ein Ziel gesteckt, da sie Gott gleich getappt, gegriffen und gefühlt haben, und er hat sich lassen sehen in einer Wolke. Das ist wahrlich Gott versuchen, welches er doch hart verboten hat, dass man nicht soll sagen: Gib mir es also, oder auf diese Stunde; dass ich Gott eine Person, Ort, Weise und Raum vorstellte, durch welche, wo, wann, und wie er mir helfen solle; sondern ich soll es ihm heimstellen, und allein bitten um die Notdurft; das sie denn allhier nicht getan haben.

Also haben wir von einem großen Mirakel gehört, so Gott mit dem Manna getan hat, damit er die Kinder von Israel vierzig Jahre gespeist, und täglich neu Manna gegeben, und nicht mehr gereicht hat, denn sie haben aufessen können. Das dünkt uns eine schlechte Tat sein; aber es ist ein großes Werk gewesen. Wie denn solche Wohltat Gottes, mit dem Manna, allenthalben in der heiligen Schrift gerühmt wird.

Und Gott hat es erstlich darum getan, dass er seine Herrlichkeit wider die Ungläubigen und Lästerer wollte sehen lassen, dass er allein der rechte Gott wäre. Wie denn Moses sagt: „Am Abend sollet ihr innewerden, dass euch der Herr aus Ägyptenland geführt habe, und des Morgens werdet ihr des Herrn Herrlichkeit sehen“ etc., und also beweisen, dass aus Gottes Befehl und Geheiß Moses und Aaron die Kinder von Israel hätten aus Ägypten geführt. Darnach so hat Gott auch damit wollen anzeigen, dass er seine Gläubigen, so in ihrem Berufe wandeln, speisen und ernähren wolle; wie denn im 5. Buch Mose am 8. Kapitel, V. 3.16., gesagt wird: „Gott hat dir Manna gegeben, da du, noch deine Väter nicht wussten, was es für eine Speise war, auf dass er dir anzeigte, dass der Mensch nicht allein von dem Brode lebe, sondern von einem jeglichen Wort, so aus dem Munde Gottes gehet.“ Denn Gott könne die Seinen auch ernähren, wo gleich kein Brot ist; als allhier in der Wüste, da weder Acker, Korn, Mühle, Brot, Bäcker noch anderer Vorrat war; dennoch, ehe sie sollen Hungers sterben, so muss ihnen vom Himmel Manna gegeben werden. Gleichwie Elias, zur Zeit der Teuerung in Israel, am Bache Krith [1 Kön. 17,5. 6.] auch wunderlich ernährt und gespeist war. Und diese Verheißung gibt auch der Herr Christus [Matth. 6,33.], so man „erstlich sucht das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, alsdann solle das andere alles uns zufallen“. Es sagt auch der 37. Psalm, V. 25.: „Ich bin jung gewesen, und alt worden; ich habe aber nie gesehen den Gerechten verlassen, noch seinen Samen nach Brot gehen.“

Aber dies Mirakel mit dem Manna hat bei ihnen wenig geholfen; dieweil das Manna täglich gefallen, so ist es bei ihnen gar gemein worden, und haben es nicht geachtet. Gleich als dass uns jetzt die Sonne täglich aufgeht, welches denn auch ein großes Wunderwerk ist, dass sie nicht Einen Tag, oder zween Tage, sondern viel Monden, ja, alle Jahre so scheint; aber es ist jetzt, also in die Gewohnheit gekommen, dass wir gedenken, es könne nicht anders sein. Dergleichen ist uns auch kein Wunder, dass jährlich Wein und Korn wächst. Es sollte billig Gott, wie mit diesen, also auch mit andern täglichen Mirakeln, unsern Glauben ermuntern; denn, dass ans der Erde ein Weizenkorn oder anderlei Gewächs kommen soll, ist so ein groß Mirakel, als wenn Gott aus dem Himmel das Manna auf diesen heutigen Tag noch gäbe; aber es hat nicht das Ansehen, so macht es das Gewöhnliche verächtlich.

So haben sie nun für eine jede Person oder Haupt des Tages einen Gomer gesammelt. Wie viel dess gewesen sei, weiß man nicht eigentlich; denn das Pfund, die Ellen und Maß verändern sich; wo man nur über zwei oder drei Meilen kommt, bald stimmen sie nicht mehr überein. Gleichwie der Scheffel, die Sprache, die Sitten, und äußerliche Zeremonien miteinander auch in der Welt ungleich sind. Denn so manch Land, so manche Sitten und manches Maß ist. Der Gomer ist so groß gewesen, dass darein gegangen ist, als viel sie haben auf Einen Tag essen können. Nun ist es gleichwohl ein sonderliches Mirakel gewesen, dass der Kleine nicht mehr denn der Große, und der Große nicht mehr denn der Kleine hat verzehren mögen; einer hat so viel empfangen, als der andere, der dritte oder vierte eben also.

Es kann auch also verstanden werden, dass ein jeder mit Hausen zugetragen hat; der eine Hand voll, jener eine Schüssel, der einen Hut voll, und haben es hernach zu Hause ausgeteilt durch dies gemeine Gemäß. Darnach ist einer gekommen, der wenig gebracht, der kriegt auch aus dem Gomer, so viel als ein anderer, dass er genug hatte; gleichwie der Text auch also lautet. Es kann einerlei Verstand sein, dass sie es durch dies gemeine Maß ausgemessen haben. Item, es kann auch also sein, dass ein jeder viel oder wenig gesammelt habe, und wenn er heimgekommen ist, so hat er nicht mehr noch weniger bekommendes hat mit dem Messen zugetroffen.

Man spürt auch beineben diesem, so jetzt vom Austeilen gesagt ist, dass sie sind geizig gewesen und nicht zu erfüllen, und haben Gott nicht vertrauet, dass er ihnen Brot geben würde, in dein, dass sie, wider das Verbot Gottes, über das gesetzte Maß bei sich brachten. Aus welcher Übermaß Würmer worden sind, auf dass Gottes Wort erfüllt würde. Und darob, dass es sonst auch mit ihnen nicht fortging, musste die edle Speise verderben. Es ist ein großes Heer und ein großer Haufe Volks gewesen, darum haben sie auf den Abend alles rein aufgegessen. Da hat denn Gott des Morgens abermal ihrer so viel zu speisen gehabt. Es ist von der Hitze des Tags nicht zerschmolzen, inan hat es gebacken, gekocht und gebraten, und sind nicht zufrieden damit, dass es geschmeckt hat als Semmelmehl, und wie ein jeder selbst gewollt, sondern sie haben auch anderes draus machen und suchen dürfen.

Zu dem ist ihnen dies ein Mirakel gewesen, dass sie am sechsten Tage zween Gomer gefunden; darum gingen sie hinein und fragten Mose, und sprachen: Wie meinst du es, dass wir des Tages nur Einen Gomer sammeln sollen, oder es würden Würmer draus wachsen; haben wir doch heute zwei Gomer? Was antwortet er darauf?

V. 22-24. Alle Obersten der Gemeine kamen hinein und verkündigten es Mose. Und er sprach zu ihnen: Das ist es, das der Herr gesagt hat: Morgen ist der Sabbath der heiligen Ruhe des Herrn; was ihr backen wollt, das backet, und was ihr kochen wollt, das kochet; was aber übrig ist, das lasset bleiben, dass es behalten werde bis morgen. Und sie ließen es bleiben bis morgen, wie Moses geboten hatte; da ward es nicht stinkend, und war auch kein Wurm drinne.

Wer hielt es da, dass es nicht verdarb? Gott hat es also geboten, da hat er sein Wort drüber gegeben, er erhielt es auch, dass [es] nicht madig würde noch stinkend. Aus diesem siehst du, dass der Sabbath gewesen sei, ehe denn das Gesetz Mose gekommen ist, und ist auch wohl von der Welt Anfang her gewesen [1 Mos. 2,2.], sonderlich dass die Frommen, die den wahrhaftigen Gottesdienst gehabt, an diesem Tage zusammen gekommen sind, und Gott angerufen haben; davon ist seit der Zeit her derselbige Tag genannt worden der Sabbath, und ist ein geheiligter Tag gewesen, abgesondert von andern Tagen, auf dass allda Menschen und Vieh ruhten. Ader darnach ist aus dem Himmel dieses Gebot durch Mose öffentlich gegeben, dass sie am siebenten Tage ruhen, und mit Arbeiten und anderem Unheiligen inne halten sollten.

Zuletzt wollten sie es zu viel machen, da stäupt er auch unter sie, wie ihr denn hören werdet; darum so mussten sie den Gomer auch behalten bis auf ihre Nachkommen [V. 33.]. Die Juden ziehen diese Tat an Johannis am sechsten Kapitel, V. 31., des Herrn Christi Wort damit zu verlegen, und rühmen: „Unsere Väter haben Manna gegessen in der Wüste, das vom Himmel kam.“ Darauf antwortet Christus meisterlich, und spricht, V. 32.: „Moses hat es euch nicht gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel.“ Und sagt weiter, V. 49. 50.: „Sie sind alle gestorben, die es gegessen haben; wer aber dieses isst, der stirbt nicht.“

Also hört ihr sonst mehrmal: Alle Gottes Gaben und Wunder, wenn sie nicht gefasst sind mit oder in dem Worte Gottes, so helfen sie nichts. Das Wasser in der Taufe, wenn nicht Gottes Wort dabei wäre, ist nichts. Also, wenn bei dem Manna nicht Gottes Wort wäre, so hätte es die Kraft nicht. Das ist es nun, das der Herr Christus in vorhergehenden Worten meint: Es haben’s ihrer viel gegessen, und sind gleichwohl gestorben, denn sie haben diesen Anhang des Worts nicht mitgegessen, darum find sie auch nicht erhalten. Dergleichen sind auch alle Kreaturen Gottes; wenn sie ohne Gottes Wort empfangen werden, so ist kein Leben, keine Macht noch Kraft in ihnen, sondern es ist ein leibliches Ding.

Allegorie des Manna

So hat nun Gott durch das Manna wollen bedeuten das rechte Manna, welches er, Christus, selbst ist; wie er denn im Texte Johannis [Kap. 6, 50. 58.] es also deutet und spricht: „Dies ist das Brot“, und zeigt auf das große Manna, ans sich selbst; als sollte er sagen: Da werdet ihr finden, was das Manna sei, das eure Väter gegessen haben.

Ihr wisst aber, wie und welcher Gestalt Christus das Brot sei. Man muss ihn nicht also essen, wie es die Juden verstanden, da sie sagten [Joh. 6,52.]: „Wie kann dieser uns sein Fleisch geben?“ Denn sie meinten, sie mussten ihn mit den Zähnen zerreißen, und mit dem Munde trinken. Aber wie er eine geistliche Speise ist, also isst man ihn auch geistlich. Essen ist allhier glauben; mit dem Glauben muss man die Speise empfangen, dass Christi Fleisch für uns getötet, und sein Blut für uns vergossen ist. Christus will sagen: Wer da glaubt, dass ich vom Vater gesandt sei, dass ich mein Fleisch und Blut für euch, die ihr selig werden sollt, gebe, derselbige hat das rechte Manna, und wird nicht sterben. Denn das ist unser Glaube, dass, der da glaubt an Christum, gestorben für unsere Sünde, der soll selig werden; man muss glauben an Christum, gestorben und auserstanden von den Toten. Wer isst und trinkt Christi Blut, der hat das ewige Leben. Es sind andere Worte, aber es ist einerlei Meinung. Also bleibt es wahr, wer das geistliche Manna isst, der stirbt nicht. Eure Väter haben dies geistliche Manna nicht gegessen, das ist, an Christum nicht geglaubt, darum sind sie gestorben.

Diesen Text haben unsere Widersacher, die Sakramentschwärmer, zu ihrem Behelf genommen, und haben ihn fälschlich auf das Sakrament gedeutet. Wiewohl es wahr ist, dass Christi Blut und Fleisch allda gegenwärtig ist, so wird es auch mit dein Munde empfangen, leiblich isst und trinkt man es. Aber diesem Essen rechnet man nicht zu, dass es lebendig mache. Denn da gehen viele dazu, essen und trinken, und sterben doch, sie gehen dazu zur Strafe und zum Gerichte, welches denn von St. Paulo hart gestraft wird; derhalben so haben sie nicht das Leben. Und der Sequenz, den man singt am Tage corporis Christi: Manna datur patribus, ist nicht recht, es wird falsch also gesungen, und ist eine närrische Sequenz, sondern du sollst es auf den Glauben und auf das göttliche Wort ziehen. Das Wort wird mit dem Munde nicht empfangen und gegessen, wie das Sakrament des Altars, sondern das Wort wird mit dem Herzen ergriffen; wenn man glaubt, und wenn man es hinein in das Herz und Glauben zeucht, so ist es recht. So will nun der Herr Christus im Johanne sagen: Der Juden Manna hat mich, Christum, bedeutet.

Will man nun sagen: Wie kannst du das Brot sein, so man isst und trinkt? Also geschieht es, wenn man mich austeilt. Mit was Messer? Dass man durch den Mund und Zunge von Christo predige, und vermelde, dass er für uns sein Blut vergossen habe und gestorben sei; da lege ich dir Christum vor, nicht auf Tellern, sondern in das Herz lege ich dir sein Fleisch und Blut, das für dich gegeben ist. Das heißt in das Herz gelegt. Wenn du es also empfängst, isst und trinkst, das ist, wenn du es also glaubst, so bist du selig [Offenb. 19, 9.]. Das ist es, das der Herr Christus sagt: „Wer mein Fleisch isst, der wird nimmermehr sterben.“ Sonst geht es alles dahin. Kurzum, ihr seid alle verloren, wo ihr nicht mein Fleisch esst, das ist, mit dem Herzen mich esst und an mich glaubt, und ich euch durch das Wort vorgetragen werde.

Also habt ihr das rechte Manna, das Gott durch jenes bedeutet hat. Und kürzlich zu reden: Manna ist uns jetziger Zeit das Sakrament und das Evangelium, nämlich, diese Predigt, darinnen gehandelt wird, dass der Leib und das Blut Christi für uns gegeben sei zur Vergebung der Sünde. Darum, wenn du das Evangelium hörst, so regnet es Dianna, und da sammelst du Manna, das wird dir dann vom Himmel gegeben. Wenn du es nun nimmst, das ist, glaubst, so isst du auch, und bleibst ewig, gleichwie das Wort Gottes auch ewig bleibt.

So ist auch das Manna weiß gewesen, gleichwie ein Tau, wie ein Schnee oder Reif; das ist, das Evangelium ist nicht allein eine säuberliche, feine, reine Predigt, sondern auch eine liebliche, süße Predigt. Moses ist ein blutiger, roter Prediger, er führt rot im Schild, er ist ein scharfer, zorniger Prediger, er tötet einen Menschen; aber das Evangelium ist weiß, rein, und hat keinen Flecken, es hat die schönste Farbe, und ist dem Lichte am nächsten. Denn das Licht ist die allertröstlichste Farbe; aber Finsternis sind schrecklich. Gleichwie auch in Morgenländern Könige, Fürsten und große Herren haben pflegen weiße Kleider anzuziehen, und weiße Fächeln um die Hüte zu tragen. Weiß ist eine fröhliche Farbe, lieblich und tröstlich. Und ist die weiße Farbe die beste Farbe, von aller Schwärze abgesondert, neigt sich am nächsten zum Lichte.

Darum so geht sie nirgendshin, denn auf Christum, sie will nicht, dass man ihr etwas zueignen soll; das ist: Wer da predigt, dass dich Christus allein selig mache, der lässt das Manna weiß und bei seiner rechtschaffenen Farbe bleiben. Item, es ist das Evangelium also süß und lieblich, es verkündigt eitel Trost, Frieden und Vergebung der Sünde, so durch den Tod Christi uns widerfahren ist. Wie zu dem Gichtbrüchigen der Herr Christus [Matth. 9,2.] sagt: „Sei getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben“; item [Matth. 11, 28.]: „Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ etc.

Darnach, so ist es gewesen wie Koriander, klein gestoßen, gleich als Hirse oder Reis; das ist, das Evangelium ist eine geringe, schlechte Predigt. Wie denn der Herr Christus selbst [Matth. 13, 31.] das Evangelium auch einem kleinen Senfkorn vergleicht. Also zerstoßen und gering ist das Evangelium anzusehen, es wird von der Welt verachtet, gelästert und geschändet. Dennoch so hat das evangelische Wort, so wir predigen, so große Kraft, dass es selig macht; es hat eine göttliche Kraft bei sich. Solch Wort Gottes, so aus des Menschen Munde geredet wird und erschallt, das wird mit der Vernunft nicht empfangen, es hat keinen äußerlichen Schmuck noch Ansehen; noch bringt es mit sich den Sieg wider den Tod und Teufel, Hölle und Verdammnis, auch Vergebung der Sünden, und macht zu Gottes Kindern, zu Herren über Himmel und Erde [Röm. 1,16. 2 Tim. 1, 8.10.]. Solche Gewalt haben wir im Worte Gottes, welches Wort doch ein schlechtes Ding ist; denn es ist um einen Augenblick zu tun, so ist es vorüber [Ps. 147, 15.]. Darum so ist es nicht ein ansehnlich oder prächtig Ding, es hat keinen Schein, und ist doch so kräftig.

Darnach so schmeckt es wie Honig und Semmel, das ist, es tröstet und erquickt die Seele. Andere haben allhier phantasiert, dass Honig und Semmel so wohl schmeckt, sei die Gottheit und Menschheit; die Gottheit muss erst in das Wort kommen, soll sie uns zu Nutzen gedeihen und schmecken. Aber sie fallen hinein mit dem vita contemplativa [mit dem beschaulichen Leben]; der Satan stürzt sie also herab. Es wird niemand die Gottheit schmecken, denn wie sie will geschmeckt sein, nämlich, dass sie in der Menschheit Christi betrachtet werde; und wenn du nicht also die Gottheit findest, so wirst du nimmermehr Ruhe haben. Darum lass sie immer anhin spekulieren und reden von der Beschaulichkeit, wie alles mit Gott buhle, und einen Vorschmack des ewigen Lebens gebe, und wie die geistlichen Seelen ein beschauliches Leben anfangen.

Aber lerne du mir Gott nicht also kennen, lass ihn sein, wie groß und mächtig er ist; aber hebe allhier an, und rühre ihn an, und sage erstlich: Ich weiß von keinem Gott, denn der für mich gegeben ist. Also wird dir seine Majestät süß sein, wenn du weißt/) du habest einen solchen Gott, der für dich gegeben sei, welcher Himmel und Erde in seiner Hand hat; dann wird dich keine Kreatur, noch diese seine Majestät nicht erschrecken. Denn dass er für dich gegeben ist, das ist seiner Barmherzigkeit und Liebe Schuld; allhier fasse ihn, und da ist er auch weich und süß [1 Mos. 32, 30. 5 Mos. 33, 2. 3. Joh. 20, 20.].

Sonst ist Gott zweierlei; als Gott für sich, da er ist ein Herr und Gott in seinem unbegreiflichen Wesen. Darnach ein Gott, der für dich gegeben ist, dass Gott ein Herr sei über dich und alle Menschen. Davon predigt Moses, und er will es auch von allen haben, dass man ihn für einen Herrn halten soll. Aber allhier fleucht jedermann vor diesem Gott; denn er ist gar zu herbe und schrecklich. Aber da ist es nun ein anderes Ding, wenn dir das Evangelium von demselbigen Gott predigt, und ihn dir recht vorbildet, und macht, dass du Lust und Freude an ihm habest; nämlich also, wenn es bezeugt und weist, wie er für dich gestorben und gegeben sei; da ist er süß und wie Honig.

Zum sechsten so ist das Manna nicht von Menschenhänden gemacht, noch aus der Erde gewachsen, sondern vom Himmel herabgekommen, gleichwie der Tau herabfällt. Dahin haben die Propheten gesehen, wenn sie von dem heiligen Evangelio geweissagt oder gepredigt haben. Denn es ist das Evangelium eine solche Predigt, die von keinem Menschen erdichtet ist, wie St. Petrus in seiner [zweiten] Epistel [Kap. 1,21.] auch sagt: „Keine Weissagung kommt aus menschlicher Wahl oder Andacht, sondern die Heiligen Gottes haben geredet, getrieben durch den Heiligen Geist.“ Item, der Herr Christus spricht [Matth. 10,20.]: „Ihr seid es nicht, die da reden, sondern der Geist meines Vaters, der in euch ist“ etc. Das Evangelium wird auch darum vom Himmel kommend genannt, denn die Vernunft versteht es nicht, sie weiß nicht, dass Gott seinen Sohn für mich gegeben, dass der Sohn in die Welt gesandt sei, und für mich Mensch ist worden und gestorben. Davon kann niemand predigen, niemand kann solche Lehre erfinden, sie komme denn von oben herab wunderbarlicher Weise, ohne Menschen Zutun [Joh. 3, 27.]. Das ist so viel gesagt: Das Evangelium ist eine himmlische Predigt, nicht ein menschliches Wort, man kann es auf dem Erdreich nicht finden. Darum so sind alle anderen Lehren erdichtet, falsch und Teufelslehren, denn sie kommen nicht vom Himmel.

Es kommt das Manna auch des Morgens, wenn die Sonne ausgeht; das ist, das Evangelium ist aufgegangen, und kommt zur Zeit der Gnaden, da die Christenheit anging, und die Sonne der Gerechtigkeit, das ist der Herr Christus, aufgegangen oder auferstanden ist. Denn nach des Herrn Christi Auferstehung und Himmelfahrt kommt der Heilige Geist, und fällt dieser Tau in die ganze Welt. Darum ist das Evangelium eine Speise, von Gott zubereitet ohne unser Zutun. Also haben wir auch Manna, die Himmelsspeise, so wohl zugerichtet und uns dargelegt wird. So hat er uns das Evangelium geschenkt, es ist unsere Gabe; wir haben nicht darum gebeten, noch darnach getrachtet, sondern es kommt aus lauter Gnaden, und offenbart sich uns.

Dass aber das Manna also aufgelesen wird, dass ein jeder so viel kriegt als der andere, und dass man es nach dem Maß Gomer mißt, das hat diese Bedeutung, dass ein Christ dem andern gleich ist, und keiner mehr oder weniger hat denn der andere, sie haben alle Einen Gott, Einen Christum, Eine Taufe, Geist und Glauben etc. [Eph. 4, 4-6.]. Das mag wohl sein, dass die Gomer ungleich gewesen sind, eines steinern, das andere hölzern, das dritte kupfern oder gläsern. Also haben auch unter uns etliche einen schwachen Glauben, die andern einen starken Glauben, mehr oder wenigem Unterricht vom Glauben, so ist doch solcher aller Christus. St. Petrus hat nicht einen bessern Christum, denn ich habe, und wie viel St. Petrus hat, also viel habe ich auch.

Nach dem Namen Christi soll sich keiner des andern schämen, noch besser denn der andere sich dünken lasten, denn der einige Christus ist für mich und dich gegeben. Ich habe ihn ja so viel gestanden, als ihn Maria, die Propheten und alle Heiligen gekostet haben; und dieweil ich an denselbigen glaube, so habe ich so viel an ihm, als ein anderer. Wir sind gleich, mein Maß hat so viel in sich, als jener; es ist gleich und so groß, als jener; obwohl, die da schwach sind in Widerwärtigkeit und in Anfechtung, ein Geringschätzigeres haben, und die Bekenner haben ein scheinbarlicher Maß, so sind sie doch, nach Christo zu rechnen, alle durchaus gleich, und haben einerlei Gut des Glaubens, das ist, sie haben den ganzen Christum. Dieses ist gar ein tröstliches Stück, dass, gegen Christo gerechnet, alle Heiligen und Gläubigen gleich sind.

Dieses sollen wir wissen wider die Lumpenprediger, die uns einen Unterschied gemacht haben durch die Heiligen, und haben uns aus den Heiligen Abgötter gemacht. Ich rede aber allhier von den Christen, wo deren einer ist, ob er sich wohl allen unterwirft und gegen jedermann demütigt, so ist er doch vor Gott so groß als Petrus; ob er gleich nicht so große Gaben hat, und so viel gesammelt als andere, so hat er doch in dasselbige Maß gesammelt, und hat auch ein gleich Maß, als St. Petrus, das ist, eben denselbigen Christum; dämm so darf er sich nichts rühmen. Aber er mache nicht eine äußerliche Gleichheit draus, er ziehe es nicht in äußerliche Sachen. Denn darum heißt man nicht Christen.

Der Herr Christus hat im Evangelio einerlei Samen, welcher doch an viererlei ungleichen Orten wird ausgestreut. Also heißt alles Christen, und haben das Evangelium alle; aber das vierte Teil des Samens bleibt nur gut, und bringt seine Frucht. Solches Christenvolk habe ich nie auf Erden gesehen, noch erkannt; wenn man sich untereinander rotiert und selbst hoch hält, so ist es falsch. Es soll eine Stadt sich nicht nennen eine christliche Stadt, sie habe denn den rechten Beweis des Christentums. Darum so gib das vierte Teil heraus, oder das andere Teil, und rechne, so viel du willst; die Personen kann ich nicht zählen, aber dies kann ich sagen: Wo das Evangelium ist, daselbst sind Christen. Item, ich kann sagen: Inwendig sind sie alle gleich, auswendig aber sehr ungleich, da hat einer mehr, und der andere weniger gesammelt.

Aber was wollen wir zu dem Spruche St. Pauli sagen, 2 Kor. 3,13-15., da er dieses auf die Almosen und Wohltun zeucht, und mit wunderlichen Worten bettelt und vermahnt, dass man Armen, Dürftigen helfen soll? jedoch spricht er, man soll nicht geben, dass sie vollauf hätten, und andere darben und mangeln mussten. Wie denn faule Tropfen pflegen herauszunehmen, und lassen andere hineingeben; die lassen es sich viel kosten, jene wollen es mit Müßiggang und Faulenzen verschwenden. Nun dies sind seine Worte [2 Kor. 8, 13-15.]: „Nicht geschieht das der Meinung, dass die anderen Ruhe haben und ihr Trübsal, sondern dass es gleich sei. So diene euer Überfluss ihrem Mangel, diese teure Zeit lang, auf dass auch ihr Überschwang hernach diene eurem Mangel, und geschehe, das gleich ist. Wie geschrieben stehet: Wer viel sammelte, hatte nicht Überfluss, und der da wenig sammelte, hatte nicht Mangel.“ Wie reimt sich doch das daher auf das Almosen?

Antwort: Ein anderes ist es, Exempel führen, und ein anderes, geistliche Deutung machen. Das Exempel wird auf das Werk gezogen, und die Deutung geht auf den Glauben. Als: Christus ist für uns gestorben, und [hat] uns ein Exempel gegeben, dass wir hernacher auch sterben sollen; wenn ich denn sterbe, so tue ich, wie Christus getan hat. Dieses ist nicht eine Bedeutung, sondern ein Exempel und Nachfolge. Derhalben so soll man es auch ein Exempel, und nicht eine Allegorie heißen. So will nun St. Paulus so viel sagen, und sie unterrichten: Ich wollte es gerne also machen, dass es dem Exempel nach ginge, welches dort unter der Israeliter Zeit in der Wüste gewesen ist, als da, der wenig Manna aufliest, bekommt doch seinen Teil gleich sowohl, wie der, so viel gesammelt hat.

Also sollte es auch mit den zeitlichen Gütern zugehen. Ihr hobt der geistlichen Güter reichlich, und nicht weniger als jene; ihr habt das Evangelium von Gott, den reichen Schatz, der bei euch ausgeteilt. Darum so seid ihr von Gottes wegen nun schuldig, das Zeitliche andern mitzuteilen. Und nun ist es gleich, dass, wer da wenig hat, der hat so viel, als der da gar viel gesammelt; wer den geistlichen Schatz hat, der wird den andern gleich. Jetzt habt ihr nicht weniger denn ich, oder die andern Apostel, wiewohl wir es erst gehabt haben, und ihr habt es von uns empfangen. Darum, wer unter euch an der leiblichen Nahrung vermögend und reich ist, der teile aus denen, so notdürftig sind, oder [denen,] die euch das Geistliche mit- geteilt haben, die da predigen, und im Kampfe sind, und euren geistlichen Reichtum mehren, auf dass ihr reich werdet und krieget den Schatz; so gebet ihnen wiederum, und nähret sie, damit sie genießen eures zeitlichen Guts, wir ihr ihres geistlichen genießt und mit teilhaftig werdet.

Daher sagt er auch in der ersten Epistel zu den Korinthern Kap. 9, 11.: „Wenn sie das Geistliche euch aussäen, ist es ein Großes, wenn sie das Zeitliche wieder einernten?“ Sie speisen eure Seelen; ihr aber ernährt nur unsern Leib; wir dienen euch mit dem Schatz, dass wir das Evangelium euch predigen, darum sollt ihr auch Unterhaltung geben, und uns ernähren. Also trägt eines das andere. Darum so ist dies nicht eine Allegorie, sondern ein Exempel.

Nun sagt der Text weiter: Was überblieb, da wurden Würmer draus. Denn es war von Gott geboten, man sollte nichts aus den Morgen lassen überbleiben, gleichwie man an dem Osterlamme nichts musste lassen überbleiben. Nach der Historie ist es das, dass Gott den Unglauben nicht haben will, dass man ihm nicht vertraut noch glaubt; darum so straft er sie, dass alles, das übrig ist geblieben, ihnen nicht hat müssen zu Nutz oder zugute kommen. Das ist, der Unglaube macht es madig und stinkend, und dass es ein Gräuel wird; wie sie denn auch inwendig gewesen sind, ob sie wohl außerhalb dem Mauna vor ihren Augen sich fromm und heilig vor Gottes Augen dünken ließen; darum will er sie nicht lassen bleiben um des Unglaubens willen.

Es ist aber die geistliche Bedeutung, dass die Juden durch das alte Manna das Gesetz verstanden haben, dahin haben sie es deuten und ziehen wollen, das über einen Tag nicht währt. Sie haben den gestrigen Tag, wir den heutigen Tag; ihr Gesetz ist aus, das Evangelium ist nun aufgegangen; darum so wird nun das Gesetz stinkend und madig, es wird gräulich und verwerflich. Moses wird zornig über die Juden, das ist, das Gesetz verdammt sie; aber sie fragen nichts darnach. Also habt ihr die Historie von dem Manna.

Gepredigt am 6. und 11. Juni 1525.

WA 16, 287-314.

Quelle: Martin Luther, Sämmtliche Schriften, herausgegeben von Dr. Joh. Georg Walch, Band 3: Predigten über das erste Buch Mose und Auslegungen über die folgenden biblischen Bücher bis zu den Psalmen (excl.), St. Louis, 1894, Sp. 936-959.

Hier der Text als pdf.

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