Martin Luther über den guten Namen (Von den guten Werken): „Das ist der rechte Gebrauch eines guten Namens und unsrer Ehre, wenn Gott darüber gelobt wird, weil sie ändern zur Besserung dienen. Und wenn die Leute uns und nicht Gottes Tun in uns loben wollen, sollen wir es nicht dulden und uns mit allen Kräften wehren und davor fliehen wie vor der allerschwersten Sünde, dem Diebstahl an der göttlichen Ehre.“

Über den guten Namen (Von den guten Werken)

Von Martin Luther

Das ist freilich wahr: Wir müssen dennoch einen guten Namen und unsre Ehre haben. Und es soll sich jeder so verhalten, daß man nichts Übles von ihm sagen noch jemand an ihm Anstoß nehmen kann, wie Paulus sagt Römer 12, 17: »Wir sollen Fleiß daran wenden, daß wir Gutes tun, nicht nur vor Gott, sondern auch vor allen Menschen.« Und 2. Korinther 4, 2: »Wir verhalten uns so ehrlich, daß kein Mensch etwas anderes von uns wisse.« Aber hier muß große Mühe und Vorsicht walten, daß diese Ehre und der gute Name das Herz nicht aufblase und es Gefallen daran finde. Und hier gilt der Spruch Salomos: »Wie das Feuer im Ofen das Gold bewährt, so wird der Mensch durch den Mund dessen bewährt, der ihn lobt.« (Sprüche 27, 21) Nur wenige und ganz hochgeistliche Menschen dürften es sein, die unter Ehre und Lob einfach, gelassen und gleichmütig bleiben, so daß sie sich nichts darauf zugute halten, keinen Dünkel noch Gefallen daran bekommen, sondern ganz frei und unbeschwert bleiben, all ihre Ehre und ihren Namen Gott allein zuschreiben, ihm allein anbefehlen und davon nicht anders Gebrauch machen als Gott zur Ehre und dem Nächsten zur Besserung und gar nicht für sich selber, zum eigenen Nutzen oder Vorteil. So daß keiner seiner Ehre wegen vermessen werde oder sich überhebe, auch nicht über den alleruntüchtigsten und verachtetsten Menschen, der auf Erden sein mag. Sondern er soll sich erkennen als einen Knecht Gottes, der ihm die Ehre gegeben hat, um ihm und seinem Nächsten damit zu dienen, nicht anders, als hätte er ihm befohlen, etliche Gulden um seinetwillen den Armen auszuteilen. So sagt er Matthäus 5, 16: »Euer Licht soll leuchten vor den Menschen, auf daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der im Himmel ist, der Ehre würdigen.« Er spricht nicht, sie sollen euch der Ehre würdigen, sondern nur, eure Werke sollen ihnen zur Besserung dienen, damit sie dadurch Gottes Tun in euch und in ihnen selbst loben. Das ist der rechte Gebrauch eines guten Namens und unsrer Ehre, wenn Gott darüber gelobt wird, weil sie ändern zur Besserung dienen. Und wenn die Leute uns und nicht Gottes Tun in uns loben wollen, sollen wir es nicht dulden und uns mit allen Kräften wehren und davor fliehen wie vor der allerschwersten Sünde, dem Diebstahl an der göttlichen Ehre.

WA 6, 221,21-222,11.

Hier der Text als pdf.

Hinterlasse einen Kommentar