Karl May, Hiob (fragmentarisches Gedicht, 1902/1908): „Und dann trete ich vor dich hin / und fordere mich von dir, / mich, mein Leben, meinen Glauben, mein Glück, / alles, alles, was du mir gibst, / um es mir wieder zu nehmen.“

Hiob (fragmentarisches Gedicht)

Von Karl May

Schlage mich! Peinige mich!
Aber ich komme!
Ich komme hinauf zu dir
langsam, stetig.
Jede Stunde meiner Qual sende ich dir empor,
jede Stunde der Verzweiflung.
So komm ich:
Stück für Stück, nach und nach.
Aber wenn mein letzter Schrei zu dir gestiegen ist,
dann bin ich ganz bei dir, ganz, ganz!
Dann werde ich ganz versammelt sein, ganz, ganz.
Und dann trete ich vor dich hin
und fordere mich von dir,
mich, mein Leben, meinen Glauben, mein Glück,
alles, alles, was du mir gibst,
um es mir wieder zu nehmen.
Dein Geben war Schein, nur Trug und List,
dein Nehmen aber war Wirklichkeit.
Dann ringe ich mit dir, ich, ich! Mit dir!

Quelle: Christoph F. Lorenz, Karl Mays Gedichtfragment „Hiob“, in: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG) Nr. 59 (1984), S. 10.

Und hier der modernisierte Neusatz aus: Karl May, Abdahn Effendi. Reiseerzählungen und Texte aus dem Spätwerk, Bamberg–Radebeul: Karl-May-Verlag 2000, S. 407:

HIOB

„Schlage mich! Peinige mich!
Aber ich komme!
Ich komme hinauf zu dir
langsam, stetig.
Jede Stunde meiner Qual sende ich dir empor,
Jede Stunde der Verzweiflung,
So komm ich:
Stück für Stück, nach und nach.
Aber wenn mein letzter Schrei zu dir gestiegen ist,
dann bin ich ganz bei dir, ganz, ganz!
Dann werde ich ganz versammelt sein, ganz, ganz.
Und dann trete ich vor dich hin
und fordere mich von dir,
Mich, mein Leben, meinen Glauben, mein Glück,
Alles, alles, was du mir gibst,
um es mir wieder zu nehmen.
Dein Geben war Schein, nur Trug und List.
Dein Nehmen aber war Wirklichkeit.
Dann ringe ich mit dir, ich, ich! Mit dir!“

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