1 Selig zu preisen der Mann,
der nicht nach dem Rat der Frevler geht,
sich auf den Weg der Sünder nicht stellt,
am Sitze der Spötter nicht sitzt!
2 Nein, seine Lust hat er an der Weisung des Herrn,
seine Weisung besinnt er Tag und Nacht,
3 und er ist wie ein Baum,
gepflanzt an Wassergraben,
der seine Frucht bringt, je zur Zeit,
des Laub nicht welkt.
Und all sein Schaffen gerät ihm gut.
4 Nicht so der Frevler!
Nein, wie Spreu sind sie,
die Wind verweht.
5 Drum halten die Frevler nicht stand im Gericht,
Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten.
6 Denn wahrnimmt der Herr den Weg der Gerechten,
der Weg der Frevler geht nirgendwohin.
Worin besteht das Glück dieses Mannes? Ein altes Mißverständnis hört in diesem Psalm den Pharisäer, den Geist ichgläubiger Gesetzesfrömmigkeit. Indessen: Als Glück wird gepriesen: das Leben in der „Lehre“ JHWHs. Und die besteht nicht nur in der „Lehre“, nicht nur in der Kundgabe des Gotteswillens im „Gesetz“. Sie umfaßt auch die Kunde von den Taten Gottes in der Geschichte Israels. Beides, Gottes Wollen und sein Werk, bezeugen die Heiligen Schriften und es ist eine „Lust“, in ihnen der Wirklichkeit Gottes inne zu werden. Dazu kommt das andere Glück – nicht unbedingt als Folge oder gar Lohn des in sich selbst schon beglückenden Seins in der Lehre – das Sein wie ein immergrünender und fruchtender Baum – das volle gesegnete Leben.
Der Psalm ist nicht der pharisäisch-legalistische Vorspruch des Psalters. Sein Motivwort ist „Glück“: „O glücklich Leben des Mannes“.
Quelle: Fridolin Stier, Mit Psalmen beten, hrsg. von Eleonore Beck, Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, 2001, S. 16.