Es deckt die düstre Erde
Dein nächtiges Gericht;
Verklungen ist das Werde,
Verlöscht das Angesicht.
Wie Nebel wogt die Seele
Bildlos von Rand zu Rand,
Drängt wirr aus Nacht und Fehle
Zu ihres Schöpfers Hand.
O wenn auf Deiner Erde
Dein ewges Bild erlischt,
Herr, sprich ein neues Werde,
Das Qual und Schuld verwischt!
Zertritt, zertritt die Lüge,
Der, was wir sind, zum Raub,
Und meißle Deine Züge
Aufs neue in den Staub!
Ein neues Antlits schmiede
Aus Wirbeln bängster Not!
Dein Schöptungssiegel Friede,
Drück’ es in Nacht und Tod!
Herr, sprich ein neues Werde,
Ein neues Werde Licht!
Die Nacht der alten Erde
Wisch’ uns vom Angesicht!
Margarete Susman
Quelle: Neue Wege. Beiträge zu Religion und Sozialismus 52 (1958), Heft 10, S. 277.