Karl Barth über die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung (1949): „Ist es wahr, daß Israel, später das Volk der Juden genannt, das erwählte Volk dieses treuen Gottes ist? Dass Gott diesem Volk die Treue hält, obwohl es ihm laut seinen eigenen heiligen Schriften immer wieder untreu war: Treue auch in allem Unheil, das seine Untreue nach sich zog? Ist es schließlich wahr, dass diese Treue Gottes darin zum Ziel kam, daß er selbst in der Person und im Tod jenes einen Juden mit der Untreue seines Volkes und mit der ganzen Menschheit radikal Schluß, mit ihm und mit der ganzen Menschheit einen neuen Anfang gemacht hat?“

Die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung

Von Karl Barth

Die Judenfrage ist seit 1900 und mehr Jahren immer eine Frage gewesen. Es ist Tatsache, daß sie in den letzten Jahrzehnten dringlicher geworden ist, als sie es je gewesen ist.

Wer die in diesen Jahrzehnten laut gewordenen Beantwortungen dieser Frage von christlicher Seite, soweit sie ernst zu nehmen waren, verfolgt hat, hat in der Regel und im ganzen etwa folgendes zu hören bekommen:

Die Juden sind ein durch ihre Rasse, Religion und Art ausgezeichnetes Volk wie andere, eine Gruppe der menschlichen Familie, ein Teil der Bevölkerung und Bürgerschaft unserer Staaten. Die Judenfrage fällt also unter das Gebot der Nächstenliebe. Der Christ hat den Juden gegenüber der großen christlichen Ideen der Vaterschaft Gottes und der Bruderschaft aller Menschen zu gedenken, die ja übrigens gerade in der jüdischen Religion ihren Ursprung haben. Er wird darum im Blick auf die Juden besonders nachdrücklich darauf dringen, daß auch ihnen der volle Genuß der bürgerlichen und menschlichen Gleichheit, daß ihnen Duldung und – darüber hinaus – ein vorurteilsloses Verständnis und eine positive Wertschätzung zuteil werde. Er beklagt und verurteilt darum den Antisemitismus in jeder Form als eine barbarische Beleidigung unserer vom Christentum mitgeformten Kultur und Zivilisation als einen wüsten, weil antihumanen religiösen Rückfall. Er wird für die Opfer des Antisemitismus sein Möglichstes tun. Er begrüßt den heute in Palästina gemachten Versuch jüdischer Selbsthilfe. Er erhofft und fordert für die Zukunft einen vertieften Austausch und eine neue kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden.

Man kann dem allem zustimmen und nun doch der Meinung sein, daß damit weder der Judenfrage Gerechtigkeit widerfährt, noch auch die entscheidende christliche Antwort darauf gegeben ist. Ich möchte in vier Punkten versuchen, zu einer etwas gründlicheren Überlegung anzuregen.

1. Fängt die Judenfrage nicht schon an einem Punkt an, der in dem, was wir eben gehört haben, überhaupt nicht berücksichtigt und nun doch für die christliche Beantwortung [145] grundlegend ist: bei der Tatsache, daß die Juden als solche immer noch da sind? Seit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 unserer Zeitrechnung dürften und könnten sie nämlich nach allen weltgeschichtlichen Analogien nicht mehr erkennbar da sein. Warum sind sie nicht wie so viele von den kleinen und sogar großen Völkern des Altertums – die damals triumphierenden Römer nicht ausgeschlossen – im Meer anderer, neuer Völker auf- und untergegangen? Sie sind aber durch alle die Jahrhunderte hindurch – durch die Geschichte wahrlich nicht begünstigt, sondern zerstreut, unbeliebt, verfolgt und unterdrückt, oft in ganzen Teilen ausgerottet, weithin mit den verschiedensten anderen Völkern vermischt – faktisch als die Juden doch immer erkennbar da gewesen. Und sie scheinen heute, nach der schlimmsten Katastrophe ihrer Geschichte, eben mit jener Staatsgründung in Palästina im Begriff zu sein, dafür zu sorgen, daß sie auch in Zukunft erst recht und mehr als je da sein werden. Muß man nicht sagen, daß sie eigentlich gerade damals, in ihrem nationalen Untergang, aus dem Winkeldasein eines obskuren Kleinvolks in die Weltgeschichte eingegangen sind? Wie kommen sie zu dieser – alles überlegt – doch einfach befremdlichen, nicht abnehmenden, sondern zunehmenden geschichtlichen Beständigkeit?

Die christliche Beantwortung dieser Vorfrage wird schlicht von der Tatsache ausgehen, daß 40 Jahre vor jenem Ereignis noch etwas geschehen und als höchst beständiges Element in die Weltgeschichte eingegangen ist: die Kreuzigung des Juden Jesus von Nazareth. Hat die Bibel doch recht? Ist es wahr, daß es eine Treue gibt, in der sich Gott dem Menschen von Ewigkeit her zugewendet hat? Ist es wahr, daß Israel, später das Volk der Juden genannt, das erwählte Volk dieses treuen Gottes ist? Daß Gott diesem Volk die Treue hält, obwohl es ihm laut seinen eigenen heiligen Schriften immer wieder untreu war: Treue auch in allem Unheil, das seine Untreue nach sich zog? Ist es schließlich wahr, daß diese Treue Gottes darin zum Ziel kam, daß er selbst in der Person und im Tod jenes einen Juden mit der Untreue seines Volkes und mit der ganzen Menschheit radikal Schluß, mit ihm und mit der ganzen Menschheit einen neuen Anfang gemacht hat? Wenn das wahr ist, dann ist die geschichtliche Beständigkeit der Juden zwar ein Glaubensgeheimnis, aber als solches nicht einfach unerklärlich. Sie konnten und können dann so wenig verschwinden, wie Gottes Treue aufhören, wie das, was in der Person jenes einen Juden geschehen ist, rückgängig gemacht werden kann. Ihre rätselhafte Fortexistenz ist dann das unübersehbare Zeichen dessen, was der eine Gott in diesem einen jüdischen Menschen für alle und ein für allemal getan hat. Das ist die erste und grundlegende christliche Antwort, die hier zu geben ist.

2. Aber da redet man nun von den „Juden“ als ob man wüßte, wen und was man mit dieser Bezeichnung eigentlich meint. Ein Volk? Aber was man sonst unter einem [146] Volk versteht, sind sie nun doch gerade nicht. Es hat nämlich noch niemand sagen können, was man unter dem Begriff der jüdischen „Rasse“ zu verstehen hat und welches nun eigentlich ihre jüdische Eigentümlichkeit sein soll. Semiten sind noch manche andere Völker, z. B. die Araber, die heute die bittersten Feinde der Juden sind. Eine eigene Sprache haben die Juden auch nicht; denn das Hebräische ist bei ihnen längst zu einer theologischen Gelehrtensprache enger Kreise geworden; und wenn es im heutigen Staat Israel in der Funktion einer Art von Esperanto wieder gepflegt wird, so beweist das nur, daß die dort zusammengekommenen Juden eigentlich andere fremde Sprachen sprechen. Es hat auch seit dem Jahr 70 zwar viel jüdische Mitwirkung bei der Gestaltung und auch bei der Zersetzung von allerlei fremden Kulturen gegeben, aber keine nennenswerte spezifisch jüdische Kultur. Man kann ferner auch unmöglich von einer den Juden gemeinsamen Religion reden: die orthodoxe und die liberale Synagoge umfaßt längst nur noch einen kleinen Teil der Judenschaft; und man kann als Jude bekanntlich auch Pantheist, Atheist oder Skeptiker und schließlich auch ein guter oder schlechter Christ, katholisch oder protestantisch, und dennoch ein richtiger Jude sein und bleiben. Und schließlich ist allen Ernstes zu fragen, ob man seit dem Jahr 70 noch von einer gemeinsamen Geschichte der Juden reden kann. Von allerlei Geschichten jüdischer Gruppen, Richtungen und Individuen wohl, aber offenbar gerade nicht von der Geschichte eines jüdischen Volkes.

Sind die Juden ein Volk? Vielleicht ein Volk, das kein Volk ist? Oder kein Volk, das nun doch ein Volk ist? Die christliche Antwort wird gerade diesen seltsamen Widerspruch aufnehmen: Ja, ein Volk, das, unbegreiflich genug, ganz anders als alle anderen Völker, sein besonderes Wesen gerade darin hat, so anonym, so glanzlos da zu sein, gerade kein Eigenes zu haben! Es hat sein Eigenes wohl verloren. Es hatte wohl einmal ein ihm Eigenstes, durch das es sogar hoch vor allen anderen Völkern ausgezeichnet war. Es hat es wohl nicht erkannt, sondern von sich gestoßen. Damals ist das wohl geschehen, als jener eine Jude vor den Toren Jerusalems am Kreuz gestorben ist. Aber Gottes Erwählung ist damit nicht rückgängig gemacht. Gottes Gnade ist deshalb nicht von diesem Volk gewichen. Ist es nicht fast mit Händen zu greifen, wie es eben durch Gottes Barmherzigkeit fort und fort erhalten wird? Aber nun eben so; nun nicht als eine Gestalt; nun nur als der Schatten einer Gestalt; nun eben widerstrebend als der Zeuge des Gottessohnes und Menschensohnes, der aus seiner Mitte hervorgegangen ist, der zunächst ihm gehört, den es abgelehnt, der aber seinerseits nicht aufgehört hat, gerade sie, die Juden, zu rufen: „Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken! „ Sie wissen es nicht. Sie hören es nicht. Aber Er ist der, um deswillen sie [147] einst ein Volk waren und unter dessen Herrschaft sie wieder ein Volk werden sollen.

3. Woher der Antisemitismus? Daß er in allen seinen Erscheinungen stupid, böse, ein Werk völliger menschlicher Blindheit ist, bedarf keiner Worte. Aber eben: woher kommt er eigentlich? Wie ist es zu erklären, daß er wie die Pest immer wieder ausbrach und nun mitten in unserem erleuchteten Jahrhundert noch einmal und schlimmer als je ausbrechen konnte? Was hat man gegen die Juden? Irgendwelche unangenehmen Eigenschaften haben alle Völker, ohne daß sie sie sich gegenseitig so übelnehmen, wie man es den Juden allgemein übelnimmt, daß sie Juden sind. Aber warum nimmt man ihnen das übel? Warum so zäh und so grimmig? Und haben sie nicht wie alle Völker auch ihre guten Eigenschaften? Warum läßt man diese nicht gelten? Warum wollen überhaupt die moralischen Argumente gegen den Antisemitismus so gar nicht verfangen? Er scheint wirklich so unerklärlich wie die Existenz und wie das Wesen der Juden selbst; und es besteht eigentlich Grund zu der Annahme, daß zwischen ihm und der Existenz und dem Wesen der Juden selbst ein Zusammenhang bestehen möchte.

Die christliche Antwort muß in der Tat von dieser Annahme ausgehen. Ein Doppeltes ist hier zu sagen.

Keine Frage: Der Jude ist nicht schlimmer als alle anderen Menschen. Aber uns verdrießt es – und das nehmen wir dem Juden so übel –, daß er wie ein Spiegel ist, in welchem uns vorgehalten wird, wer oder was, d. h. wie schlimm wir alle sind. Der Jude bezahlt dafür, daß er der Erwählte Gottes ist. Jener eine Jude am Kreuz hat seine Erwählung ja auch damit bezahlt, daß aller Menschen Sünde und Schuld gerade auf ihn geladen war. Wo Gottes Gnade leuchtet, da wird es eben sichtbar, daß der Mensch sie nicht verdient, daß er ein Übertreter und Aufrührer ist. Alle Tarnung und Beschönigung kommt da in Wegfall. Nicht bei den Ägyptern und Babyloniern, nicht bei den Philistern und Moabitern, nicht bei den Griechen und Römern, nicht bei den Engländern und nicht bei uns braven Schweizern, wohl aber bei dem erwählten Volk Israel, wohl aber bei den Juden! Die Sonne über ihnen brachte und bringt es an den Tag – wohlverstanden: wie es in Wahrheit mit uns allen steht. Das merken, das wittern wir und darum freuen uns die Juden nicht. Darum meint man den Fremdling unter den Völkern auch noch mit Verachtung, Hohn und Haß strafen zu müssen. Das Verkehrteste, was man tun kann! Was hilft es, den Spiegel gegen die Wand zu kehren oder gar zu zerschmettern? Wir sind darum doch die, als die wir uns in diesem Spiegel erblickt haben. Aber eben dieses törichte Umkehren und Zerschmettern ist jedenfalls der eine Sinn im großen Unsinn des Antisemitismus.

[148] Er hat aber auch noch einen anderen Sinn: uns ist unheimlich, wie die Juden als Juden zugleich so wurzellos, so ungesichert, so schattenhaft, aber nun doch in jener unerhörten geschichtlichen Beständigkeit durch die Weltgeschichte gehen und in unserer Mitte sind: so wurzellos, weil eben allein Gottes freie Gnade sie hält – so beharrlich, weil sie eben durch Gottes Gnade unerschütterlich gehalten sind. Warum ist uns das unheimlich? Weil sie uns auch in dieser Hinsicht der Spiegel unserer eigenen und aller menschlichen Existenz sind. Das so wurzellose Volk der Juden sagt uns – und das merken, das wittern wir –, daß wir alle, die wir uns an irgendwelchen sichern Ufern zu befinden meinen, so sicher faktisch auch nicht dran sind, daß es auch mit unseren Wurzeln, Sicherungen und Geborgenheiten letztlich sehr zweifelhaft bestellt ist. Die Existenz der Juden sagt uns, daß es in der Weltgeschichte wohl überhaupt keine Geborgenheit, keine Heimat gibt: für kein Volk, für keinen Menschen. Wie sollten wir das gerne hören? Oder friert es uns nicht bei dem Gedanken, daß wir alle vielleicht auch darauf angewiesen sein möchten, allein von Gottes freier Gnade zu leben? Und wie peinlich ist erst die andere Frage, die uns damit gestellt ist, daß dieses Volk nun doch in aller seiner Ohnmacht so beständig ist, so durchhält, so bleibt! Warum hört man das so ungern, daß die Juden das erwählte Volk seien? Warum sucht man sogar in der Christenheit nach immer neuen Beweisen, daß sie das nicht mehr seien? Sehr schlicht: weil man sich das nicht gerne sagen läßt, daß die Sonne der freien Gnade, in der man allein leben kann, nicht hier, nicht über uns, sondern dort, über jenen leuchtet, daß der Erwählte nicht der Deutsche, nicht der Franzose, nicht der Schweizer, sondern eben der Jude ist, und daß man, um selbst erwählt zu sein, wohl oder übel entweder selbst Jude sein oder aber in höchster Solidarität gerade zum Juden gehören müßte. „Das Heil kommt von den Juden.“ In ihrer Existenz stoßen wir Nicht-Juden auf den Felsen der göttlichen Erwählung, die zunächst an uns vorbei ganz und gar die Erwählung eines anderen ist, die uns nur angehen kann, indem sie zuerst ihn und erst dann – nur in ihm und durch ihn – auch uns angeht. In der Verlorenheit und in der Beharrlichkeit der jüdischen Existenz schaut uns dieser andere an: der eine Jude am Kreuz, in welchem alles Heil für alle Menschen ist, außer dem kein Heil ist für keinen Menschen. Das lehnen wir ab. Das lehnt noch mancher ab, der kein Antisemit sein möchte. Das lehnt ja auch der Jude selbst ab. Er sollte aber bedenken: genau das ist der andere Sinn im großen Unsinn, genau das ist die andere Wurzel des Antisemitismus! Wer das ablehnt, der sehe nur zu, daß er nicht auch noch Antisemit werde: er ist schon auf dem besten Weg dazu.

4. Was folgt aus dem allem für die christliche Haltung zu den Juden? Wir können alle die schönen Gedanken dazu, die wir am Anfang gehört haben, gelten lassen. [149] Es ist aber zu bezweifeln, ob sie eigentümlich christliche Gedanken sind, ob sie den Juden die Ehre antun, die ihnen gebührt, und ob sie die Kraft haben, in der Judenfrage praktisch etwas auszurichten. Die Judenfrage reißt einen Abgrund auf, der tiefer ist, als daß er durch ein bißchen humane Vernunft und Moral überbrückt werden könnte. Und wir Christen sind den Juden tiefer verbunden und verpflichtet, als daß wir sie mit ein paar Beteuerungen unseres guten Willens und mit einer Ablehnung des Antisemitismus auf dieser Basis abspeisen könnten.

Die Juden sind ohne allen Zweifel bis auf diesen Tag Gottes erwähltes Volk im gleichen Sinn, wie sie es nach dem Alten und Neuen Testament von Anfang an gewesen sind. Sie haben Gottes Verheißung; und wenn wir Christen aus den Heidenvölkern sie auch haben, dann als die mit ihnen Erwählten, dann als die in ihr Haus gekommenen Gäste, die auf ihren Baum versetzten Schosse. Die christliche Gemeinde existiert nicht anders als die Juden: wunderbar erhalten durch alle Zeiten, ein Volk von Fremdlingen auch sie; und der Anstoß, den die Antisemiten an den Juden nehmen, ist derselbe, den auch die christliche Gemeinde notwendig erregen wird.

Was trennt uns von ihnen? Merkwürdigerweise dasselbe, was uns mit ihnen verbindet: der Jude, der Jude am Kreuz von Golgatha, den wir als die Erfüllung der Verheißung Israels und damit als den Heiland der ganzen Welt erkennen. Die Juden erkennen diesen einen Juden nicht, sie, die darin die ersten sein müßten. Darum sind sie denn auch so gar nicht bereit, sich damit abzufinden, allein von Gottes Gnade, von ihr aber wirklich leben zu dürfen. Darum sind die Juden bis auf diesen Tag ein so trotziges und in ihrem Trotz den Antisemiten nur zu verwandtes Volk. Das ist das wirkliche, das bleibende, das entsetzliche Rätsel der jüdischen Existenz. Wir Christen aus den Heidenvölkern aber können jenen einen Juden, den Herrn Jesus Christus, auch nicht erkennen, ohne uns gerade mit den Juden in letzter Solidarität einig zu wissen. Wir erkennen in ihrem Trotz dieselbe Bewegung, die auch in uns selbst ihr Wesen treibt. Wir kennen aber auch den, der allen menschlichen Trotz und eben damit alle Abgründe zwischen uns Menschen und zuerst und vor allem den Abgrund zwischen den Juden und den anderen Völkern schon überwunden hat. Er, aber er allein, kann das Moralische, das die anderen Völker den Juden zweifellos schuldig sind, selbstverständlich machen, und eben darum grüßen wir Christen die Juden in dieser Adventzeit in seinem Namen – im Namen dessen, über dessen Kreuz der Heide Pilatus die Inschrift anbringen ließ: Jesus von Nazareth, der König der Juden. Und als die Juden dagegen protestierten, hat Pilatus ihnen bekanntlich geantwortet: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.“

Gehalten am 13. Dezember 1949 als Rundfunkansprache über Beromünster (Schweiz) und veröffentlicht im Kirchenblatt für die Reformierten Schweiz.

Quelle: Karl Barth, „Der Götze wackelt“. Zeitkritische Aufsätze, Reden und Briefe von 1930 bis 1960, hrsg. v. Karl Kupisch, Berlin: Käthe Vogt Verlag 1961, S. 144-149.

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