Über Professoren
Von Jeremias Gotthelf
Daneben sei es mit den meisten Professoren auch nicht alles; er schämte sich, wenn er nicht gescheuter wäre als alle Professoren auf allen Universitäten Deutschlands. Die Deutschen seien bekanntlich Zöpfe und würden es bleiben in Ewigkeit. Dort sei keiner was, wenn er nicht einen Titel hätte, und ohne Titel habe einer dort nichts zu fressen. Nun sei Professor ein angenehmer Titel, klinge schön und gebe z’fressen; Unzählige sprängen darnach wie Fische nach Mücken. Aber für ihn zu kriegen, müsse einer was Neues gefunden oder ersinnet haben, was Tüfelsüchtiges, das noch keinem eingefallen sei, es sei gleichgültig, was, wenn’s nur etwas sei, mit dem kein Teufel was machen könne. Je weniger man es begreife, desto schrecklicher werde es ausposaunet und gerühmt, weil niemand den Namen haben wolle, er habe es nicht begriffen oder er habe an die neuste Neuigkeit nicht gleich geglaubt. So einer werde dann Professor, kleide sich ganz und lebe gut. Komme man dann nach zehn Jahren darüber, daß, was er erfunden, nur eine neue Dummheit sei oder eine alte, aber neu angestrichen, so redeten die Ältern bloß sachte davon, respektierten jedenfalls ihr historisches Recht, bloß Jüngere, welche ebenfalls noch nach Mücken fahndeten, gerieten gierig darhinter und stellten es in seiner Blöße dar; unterdessen aber lasse es sich der Herr Professor wohlsein in seinen ganzen Kleidern, lebe gut, gehorche dem König oder der Majorität und frage dem Rest den Teufel nach. Auf diese Weise würden Leute erzogen, mit denen sich was machen ließe, Leute, welche man ganz kleide, gut leben ließe, wenn sie nämlich zu dem Dienst sich brauchen ließen, zu dem sie erzogen würden. Solche Leute würden nicht mehr von Gott und Teufel, von Furcht und Glauben predigen, sondern Moral, schöne Moral, was nützlich und was schädlich, mit was man am weitesten komme in der Welt, was dem Menschen am wöhlsten anstehe, wodurch er sich über die andern erhebe oder zu Ehren komme.
Quelle: Jeremias Gotthelf, Zeitgeist und Berner Geist, Roman, 1851.