Martin Luther, Sermon über die Kraft der Exkommunikation (1518): „Selig aber und gesegnet ist, wer in ungerechter Exkommunikation gestorben ist, denn er wird wegen der Gerechtigkeit, die er nicht verlassen hat, obwohl man ihm mit einer solchen Geißel zugesetzt hat, in Ewigkeit gekrönt werden.“

Sermon über die Kraft der Exkommunikation, dem Bruder Martin Luther, einem Augustiner, von Schandmäulern schließlich abgenötigt (Sermo de virtute excommunicationis Fratri Martino Luther Augustiniano a linguis tertiis tandem everberatus, 1518)

BRUDER MARTIN LUTHER GRÜSST DEN FROMMEN LESER

Mir scheint von unserem Herrn Jesus Christus die wahrhaft große Gnade verliehen zu sein, dass gerade meine Worte vielen so unwillkommen und verhasst sind. Auch weiß ich nicht, in wie viele Ketzereien (als ob ein Protheus am Werke wäre) sie schon durch die nächstbesten Mäuler verwandelt werden. Und wenn ich nicht wüsste, dass ebendas unserem Herrn Jesus Christus selbst sowie allen Aposteln und Propheten widerfahren ist, dann wäre ich schon längst verzweifelt und hätte mich in Schweigen gehüllt. Jetzt aber, da mich mein Amt drängt und nötigt, stütze ich mich darauf, dass man Gott mehr als den Menschen gehorchen muss, und ich bin absolut bereit, Lehramt und Lehrbefugnis aufzugeben, wenn es den Häuptern der Kirche, das heißt, wenn es Christus so gefällt. Wenn ich es aber behalten soll, so mögen die, welche es wollen, Nachsicht üben und sich zufriedengeben; ich werde mich bemühen, mit allen Kräften dafür zu sorgen, dass Christus sich selbst durch sich selbst verkündige und höre. Das erwähne ich, mein frommer Leser, weil ich vor der Gemeinde zu Wittenberg eine Predigt über die Exkommunikation gehalten habe, die ich zwar fast vergessen habe, an die sich aber meine elenden Widersacher mehr als nötig erinnern, und sie kritisieren sie aufs Schärfste, um nicht zu sagen: ganz ungerecht. Ich werde mir deshalb Mühe geben, soweit mein Gedächtnis reicht, wenn schon nicht die Wor­te der ganzen Predigt, so doch alle ihre Gedanken öffentlich darzulegen, um zu beweisen, dass ich etwas gelehrt habe, das weder ich als Lehrer noch der fromme Hörer zu bedauern hat. Was aber meine Freunde in ihrer eigenen Wiedergabe oder angeblichen Wiedergabe daraus gemacht haben oder noch machen, so möge der Herr geben, dass sie das irgendwann selbst erkennen. Amen. Lebe wohl!

Die euch geschuldete und so oft versprochene Predigt will ich nun endlich halten, das heißt, heute soll über die Wirksamkeit der Exkommunikation gesprochen werden.
Damit ihr das ganz klar versteht, will ich der Reihe nach vorgehen.

ERSTENS

Man muss sehen, was ‚Exkommunikation‘ heißt und welches Gewicht diesem Wort zukommt. ‚Exkommunikation‘ bedeutet nichts anderes, als dass einem die Gemeinschaft genommen wird und man sich außerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen befindet. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist aber eine zweifache: Die eine ist innerlich und geistlich, die andere äußerlich und leiblich. — Geistlich, das ist: ein Glaube, eine Hoffnung, eine Liebe zu Gott. Leiblich, das ist: Teilhabe an denselben Sakramenten, das heißt den Zeichen des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, welche Teilhabe sich jedoch darüber hinaus erstreckt bis auf die Gemeinschaft an Dingen, Gewohnheiten, Gesprächen, Wohnung und anderen leiblichen Umgangsweisen.

Demnach: Wie in jener zuerst genannten geistlichen Gemeinschaft keine Kreatur ei­ne Seele in die Gemeinschaft setzen oder, sofern sie ausgeschlossen wurde, mit ihr versöhnen kann, sondern nur Gott allein das vermag, so kann auch keine Kreatur ihr diese Gemeinschaft nehmen oder sie aus ihr ausschließen, sondern nur der Mensch selbst kann das durch seine eigene Sünde.

Diese Ansicht liegt klar genug vor Augen, weil keine Kreatur den Glauben, die Hoffnung, die Liebe übertragen oder aufheben kann, wie Römer 8 geschrieben steht: „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?“

Und danach: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mäch­te noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendeine Kraft, weder Hohes noch Tiefes, noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Und 1.Petrus 3: „Und wer istʼs, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?“

ZWEITENS

Daraus folgt also, dass die kirchliche Exkommunikation nur ein Entzug der äußerlichen Gemeinschaft ist, nämlich der Sakramente, des Leichenbegängnisses, der Bestattung, des öffentlichen Gebetes, dann auch, wie gesagt, anderer leiblich notwendiger Dinge und Umgangsweisen. Diese Ansicht ist ja bekannt, wie auch Paulus in 1.Korinther 5 schreibt, dass sie nichts zu schaffen haben und auch nicht essen sollen mit einem, der bei ihnen ein Unzüchtiger, Lästerer, Trunkenbold, Räuber und so weiter genannt wird. Und 2.Thessalonicher 3: „Wenn jemand unserem Wort in diesem Brief nicht gehorsam ist, den merkt euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er beschämt wird.“ Es folgt: „Und haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht wie einen Bruder.“ Wenn das nicht vom äußeren Gemeinschaftsausschluss gesagt ist, unbeschadet der inneren Gemeinschaft, dann gestehe ich, den Apostel Paulus nicht zu begreifen. Und Johannes schreibt im zweiten Brief: „Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht mit, so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßt, der hat Teil an seinen bösen Werken.“

DRITTENS

‚Exkommuniziert werden‘ heißt nicht, dass die Seele dem Teufel übergeben wird, auch nicht, dass sie der Güter der Kirche und ihrer gemeinschaftlichen Gebete beraubt wird. Das ergibt sich ganz klar aus dem Gesagten, weil, wenn Glaube, Hoffnung, Liebe bleiben, auch die wah­re Gemeinschaft und Teilhabe an allen Gütern der Kirche bleiben.

VIERTENS

Die Exkommunikation, wenn sie gerecht ist, zeigt vielmehr an, dass die Seele dem Teufel übergeben und der geistlichen Gemeinschaft der Kirche beraubt ist, weil sie über einen verhängt wird, der sich selbst durch eine Todsünde der Gemeinschaft der Liebe beraubt und sich dem Teufel ausgeliefert hat. So ist auf der anderen Seite die Wiederversöhnung Sakrament und äußeres Zeichen innerlicher Wiederversöhnung und Gemeinschaft. Daher ist es richtig, dass die kirchliche Exkommunikation den Tatbestand nicht schafft, sondern voraussetzt, dass jemand sich im Tode und in der Sünde befindet, das heißt, wahrhaft geistlich ausgeschlossen ist.

FÜNFTENS

Die Exkommunikation ist auf die Weise zeitlich und leiblich, dass sie doch nicht gegen, sondern zu Gunsten der innerlichen Gemeinschaft angeordnet wird; diese ist wiederherzustellen, wenn sie zu Recht verhängt wurde, zu vermehren, wenn sie zu Unrecht verhängt wurde.

Dies wird bewiesen durch den Apostel im letzten Kapitel des 2. Korintherbriefes: Ich will verfahren „nach der Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat, nicht zu zerstören, sondern zu erbauen“. Das verstehe ich mit Gewissheit so, dass er nicht zerstören, sondern durch die kirch­liche Gewalt nur aufbauen kann. Denn er hat auch jenen Unzüchtigen in 1.Korinther 5 auf solche Weise exkommuniziert und dem Satan übergeben, dass sein Geist gleichwohl gerettet würde. Und wie oben gesagt, man soll sie nicht als Feinde ansehen, sondern wie Brüder zurechtweisen, um sie nicht zu verderben, sondern zu beschämen. Und um noch gewagter zu reden: Auch Christus hatte als Mensch nicht diese Macht, Seelen (vom Heil) zu trennen, wie er in Johannes 6 sagt: „Alles, was zu mir kommt, werde ich nicht hinausstoßen.“ Und noch einmal: „Das ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, des Vaters, dass ich nichts von allem, was er mir gegeben hat, verloren gehen lasse.“ Und wiederum an anderer Stelle: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen zu verderben, sondern um sie zu retten.“ Auch gibt es hierzu einen klaren Text im ,Liber sextus‘ unter der Überschrift ,De sententia excommunicationis‘, Kapitel ,Cum medicinalis‘, der sehr bemerkenswert ist, wenn er sagt: „Da die Exkommunikation ein Mittel zur Heilung, nicht zum Tode ist, züchtigend, nicht auslöschend, sofern nur derjenige, über den sie verhängt wurde, sie nicht verachtet, so möge der kirchliche Richter mit Bedacht dafür sorgen, bei ihrer Verhängung deutlich zu machen, dass er damit nach dem trachtet, was zur Besserung und Heilung dient.“ So heißt es dort. Warum hat er nicht gesagt: „was der Vernichtung und dem Tode dient“, so wie einige in ihrer Verzweiflung fürchten, wie sogar einige Offiziale in ihrer Tyrannei vorgeben? So ist die kirchliche Exkommunikation eine fromme und mütterliche Geißel, die für den Leib und die Dinge des Leibes vorgesehen ist, mit der [die Kirche] nicht in die Hölle treibt, sondern vielmehr diejenigen, die sich auf dem Weg zur Hölle befinden, zurückrufe und zum Heil drängt. Deshalb muss diese Geißel mit größter Freude und zugleich Ehrerbietung begrüßt, jedenfalls aber mit großer Geduld ertragen werden.

SECHSTENS

Das muss allein und vor allem beachtet werden, dass die Exkommunikation, ein so treuer Dienst am Heil, nicht verachtet oder zu unwillig ertragen wird, weil man sie nicht nur wegen der Gewalt der Kirche, vor welcher man immer um ihrer selbst willen Ehrfurcht haben muss, sondern auch wegen der christlichen Ausübung dieser Gewalt und wegen der Förderung des eigenen Heils lieben muss. Ein Gleichnis sei angeführt: Eine Mutter weist das geliebte Kind zurecht, mal verdient, mal unverdient. Da steht fest, dass das eine christliche und für das Kind heilsame Geißel ist. Wenn es nun unwillig gegen diese mütterliche Zucht das Verbotene nicht unterlässt oder das Gebotene nicht tut, sondern sich zornig gegen die Mutter erhebt oder sie verachtet, siehe, dann rennt es an gegen das Gebot Gottes, welches vorschreibt, die Eltern zu ehren, und es wird dahin kommen, dass es aus einer einzigen kleinen Züchtigung heraus, welche ohne Sünde, ja sogar verdienstvoll war, sich eine wirklich verabscheuenswerte Schuld und ewige Strafe auf den Hals lädt. So sehen wir, dass es auch zu unserer Zeit – oh Elend – geschieht, dass sie Offiziale niedermachen, Schreiber und Boten zu Boden schlagen, ins Wasser werfen, gefangen nehmen und andere abscheuliche Taten begehen, was sie, wie ich glau­be, nicht täten, wenn sie jener verbreiteten und irrigen Meinung, sie würden durch die Exkommunikation in die Verdammnis gestoßen und nicht vielmehr für das Heil gesucht, keinen Glauben schenkten. So nämlich fügen sie ihren Verbrechen noch die Verzweiflung hinzu, das letzte und schrecklichste aller Übel. Und das war der Grund dafür, dass ich diese Predigt ersonnen habe und jetzt auch herausgebe – obwohl Gott diesen Mord an den Offizialen mit Recht zulässt, da sie ja wollen, dass dieser Heilssinn [der Exkommunikation] im Verborgenen bleibt, damit sie umso sicherer ihre Tyrannei durch einen auf Unwahrheit gegründeten Schrecken gegen die Menschen festigen können und endlich auch das Geschick der Tyrannen erleiden.

Wenn aber das Volk die hohe Notwendigkeit und die heilsame Kraft dieser Gewalt und der Exkommunikation und, dass sie nicht gegen es, sondern für es in Geltung stehe, zu erkennen gelehrt würde, dann würden sie [die Offizialen] weniger Gefahren und einen ruhigeren Ge­horsam beim Volke finden, ja sogar Ruhm und Liebe ernten.

Deshalb, meine Geschwister im Herrn, schlagt euch diese Ungeheuerlichkeiten aus dem Kopf! Mögen auch die Diener dieser Gewalt Offiziale oder Zöllner sein, mögen sie, sage ich, gut, böse oder wie auch immer sein, so wird euch die Gewalt selbst nicht schaden, sondern immer gut für euch sein, ob sie nun in rechter oder in unrechter Weise ausgeübt wird; ertragt sie nur in der rechten Weise oder sucht in Demut frei zu kommen bzw. losgesprochen zu werden. Betrachtet die Kirche als Mutter! Was macht es dir aus, wenn sie ihre Rute durch die Hand eines Unwürdigen auf dich legt? Es ist nichtsdestoweniger die Rute deiner ganz lieben Mutter, und zwar eine sehr heilsame.

SIEBTENS

Blick eher auf das und richte dein Augenmerk darauf, dass du das noch mehr tust oder unterlässt, dessentwegen du exkommuniziert und gegeißelt wirst, als darauf, wie unerträglich dir die Rute erscheint. Aber ach, hier ist alles auf den Kopf gestellt: Wir betrachten nicht das, was die Rute beabsichtigt, sondern nur das, was sie tut. Gibt es denn jetzt einen unter uns, der mit ebenso großer Furcht sich davor scheut, Gott zu beleidigen (wofür allein wir überhaupt exkommuniziert werden, wenn wir mit Recht exkommuniziert werden), wie er sich bemüht, die Exkommunikation zu vermeiden oder von ihr freizukommen? So kommt es, dass wir immer die Strafen, auch noch so fromme und gute, mehr fürchten als die entsetzlichste Schuld. Und daran, leider, wirken die mit Drohungen arbeitenden und herrschsüchtigen Diener dieser allerbesten Gewalt, diese öffentlichen Wortverdreher, mit.

ACHTENS

Die Exkommunikation soll nicht nur im Blick auf Widersetzlichkeit im Glauben, sondern für jedwedes schwer anstößige Vergehen verhängt werden. Dies ergibt sich klar aus dem vorher Gesagten, wo Paulus 1.Korinther 5 und 2.Thessalonicher 3 befiehlt, auch die Unzüchtigen usw. zu meiden. Wobei es schon ein großes Elend ist und ein von dieser Gewalt verübtes Unrecht, dass für ein Siebtel oder Achtel Florentiner Gulden mitunter exkommuniziert wird, während zugleich abscheuliche und haarsträubende Verbrechen ungestraft bleiben, wobei man, um diese Tyrannei schönzufärben, sich eine recht schlaue Auskunft einfallen lässt: dass sie nämlich nicht wegen ihrer Übertretungen, sondern wegen ihrer Widersetzlichkeit ausgeschlossen würden – als ob es nicht schon grausam genug wäre, dass sie einen armen Mann um so geringen Geldes willen von so weit her belangen und in solche Folterkammern schleppen. Aber davon ein andermal.

NEUNTENS

Das muss vor allem und bei alledem bedacht werden, dass die kirchliche Gewalt, da sie Chris­ti Gewalt ist, obwohl sie wegen unserer Sünden meistens Leuten wie Pilatus, Herodes, Hannas und Kaiphas sowie anderen gewalttätigen Tyrannen überlassen ist, doch für uns die Aufgabe enthält, dass wir sie immer mit höchstem Eifer verehren und pflegen nach dem Beispiel Christi, der auf diese Weise Hannas, Kaiphas, Pilatus die Ehre erwies. Deshalb darf auch ihr unwürdigster Gebrauch uns nicht dazu bewegen, dass wir nicht freudig ertragen, was auch immer sie tut, oder dass wir es wenigstens mit Ehrerbietung zurückweisen. Denn unsere Zeit ist voller Gefahren, deshalb müssen wir auf das Umsichtigste handeln, damit wir nicht wegen irgendwelcher Personen zugleich die Gewalt gering schätzen, sondern vielmehr um der Gewalt willen auch nichtswürdige Personen in Ehren halten. So nämlich spricht Er im Zorn zu uns: „Ich werde ihnen Knaben als Fürsten geben, und Verweichlichte werden über sie herrschen“, Jesaja 3. Und das werden wir umso leichter fertigbringen, als wir einsehen, dass sie in Bezug auf das Wohl oder den Schaden der Seele nichts ausrichten können, außer dass sie gelegentlich, um uns in Übung zu halten und zu versuchen (wenn ich mich so ausdrücken darf), etwas unternehmen.

ZEHNTENS

Eine ungerechte Exkommunikation ist ein ganz edles Verdienst; sie ist daher sanftmütig zu ertragen, wenn deiner demütig vorgebrachten Entschuldigung nicht Raum gegeben wurde. Hier nämlich kannst du mit Psalm 109 sagen: „Fluchen sie, so segne du!“ Sieh nur zu, dass du die Gewalt nicht verachtest; die Kraft der Gewalt ist nützlich, die Verachtung aber wird dich ins Verderben bringen. Denn wenn (wie ich gesagt habe) einem zu Unrecht gestraften Kind eine umso größere Gunst der Mutter zuteil wird, nachdem sie erkannt hat, dass es unschuldig gelitten hat, um wie viel mehr wird jemand größere Gunst bei Gott erlangen, wenn er in leidender Unschuld sogar von seiner Mutter Kirche Züchtigung ertragen hat? Ja, wenn uns befohlen ist, einem Widersacher nachzugeben und willfährig zu sein auf dem Wege, um wie viel mehr müssen wir uns so gegenüber der holden Mutter Kirche verhalten, selbst wenn sie uns durch ganz unwürdige Leute geißelt! Sie bleibt nämlich die Mutter, weil sie Kirche bleibt, sie bleibt aber Kirche, weil Christus ihr Bräutigam in Ewigkeit bleibt.

ELFTENS

Bei einer ungerechten Exkommunikation musst du dich ganz besonders davor hüten, dass du das nicht aufgibst, unterlässt, tust, sagst, wofür du exkommuniziert wirst, es sei denn, das könne ohne Sünde getan werden. Denn da Gerechtigkeit und Wahrheit zur innerlichen Gemeinschaft der Kirche gehören, dürfen sie nicht wegen einer äußerlichen Exkommunikation aufgegeben werden, auch wenn sie bis zum Tode währte; denn so würde jemand, weil er die Exkommunikation fürchtet, ja auf die allerschlimmste Weise exkommuniziert werden. Er muss also demütig aushalten und unter der Exkommunikation sterben, darf auch keine Angst davor haben, dass ihm das Sakrament des Altars, der Ritus des Leichenbegängnisses, Bestattung usw. nicht zuteil werden. Das wiegt unvergleichlich leichter, als wenn die Gerechtigkeit um dieser Dinge willen verraten würde. Denn selbst wenn jemand als zu Recht Exkommunizierter stirbt, so wird er deshalb nicht verdammt, wenn er nicht gerade ohne Reue und mit Verachtung der Exkommunikation stirbt. Die Reue und die Demut lösen und glätten alles, selbst wenn er ausgegraben oder ins Wasser geworfen würde. Selig aber und gesegnet ist, wer in ungerechter Exkommunikation gestorben ist, denn er wird wegen der Gerechtigkeit, die er nicht verlassen hat, obwohl man ihm mit einer solchen Geißel zugesetzt hat, in Ewigkeit gekrönt werden.

ZWÖLFTENS

Die Päpste und ihre Diener sind jedoch zu ermahnen, dass sie die Kirchenstrafen nur ungern und so selten wie möglich verhängen sollen. Denn da eine Kirchenstrafe gewissermaßen ein Gesetz ist, jedes Gesetz aber eine Kraft und Gelegenheit zur Sünde ist, und da ohne die Gnade Gottes das Gesetz nicht erfüllt wird, sie selbst aber die Gnade Gottes (das heißt die Erfüllung des Gesetzes) auch nicht geben können, tun sie, wenn sie die Gesetze und Kirchenstrafen vermehren, nichts anderes, als dass sie Gründe und wirksame Gelegenheiten dafür schaffen, die Sünden zu vermehren und Gott öfter zu beleidigen. Denn wie sehr wir gehalten sind, ihren Vorschriften zu gehorchen, desto mehr sind sie doch selbst gehalten, uns in unseren Schwachheiten hilfreich zu sein.

Ende

Übersetzt von Renate Preul.

WA 1, (634) 638-643.

Hier der Text als pdf.

1 Kommentar

  1. Es war ein mühsamer Weg
    das Heilsversprechen
    sich der Sündenlast
    nicht durch andere zu entlasten

    das eigene
    das Verdorbene
    nicht anderen zu schultern

    sich aus der Gemeinschaft
    der Gläubigen zu begehen

    selbst mit eigenen Füssen
    vor dem Unnahbaren
    mit allen Makeln zu stehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s