„Die VELKD ist eine Konstruktion in einem gedachten Raum“ – Hans Joachim Iwand

Da hat Hans Joachim Iwand schon 1946 scharfsinnig erkannt, dass die „Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD“ nicht im Dienst des Lutherischen Bekenntnisses gegründet wurde, sondern ein klerikales Machterhaltungsprojekt einer bürokratischen Amtskirche gewesen ist. Lesenswert ist immer noch, was er damals in der Zeitschrift Evangelische Theologie geschrieben hatte:

7. Die Blindheit gegenüber der Gefahr des Eindringens spezifisch heidnischer Ideen in die kirchliche Verkündigung resultiert aus der Isolierung des 1. Artikels und dem Gedanken der Uroffenbarung, woraus sich dann die verhängnisvolle Vertauschung des Gesetzes und des Volkstumsnomos ergab, wie auch aus der modern lutherischen Lehre von der Kenosis, die die Heiligung so begrenzte und verinnerlichte, daß die Welt ihrer „Eigengesetzlichkeit“ überlas­sen wurde.

8. Die Schwäche gegenüber dem modernen Staat, die das Luthertum seit mehr als hundert Jahren trotz aller „Renitenz“ an den Tag gelegt hat, beruht auf der Eliminierung der Gemeinde als Subjekt der Lehrentscheidung und Kirchenordnung, unerachtet der durch das Wort gesetz­ten Autorität des Amtes der Verkündigung. Der neulutherische Amtsbegriff, der zu einer „be­hördlichen“ Angelegenheit geworden war, hat sich so verhängnisvoll ausgewirkt, daß der Wi­derstand innerhalb der Kirche sich weithin nur gegen das „Amt“ durchsetzen konnte. […]

12. Die VELKD ist eine Konstruktion in einem gedachten Raum. Hier wird keine der uns heute bedrängenden Fragen, sei es theologischer, christlich, ethischer, sozialer oder staats­rechtlicher Natur neu angefaßt und entschieden. Ob sie kommt oder nicht, ist „praktisch“ egal. Sie ist lediglich eine Umgruppierung „im kirchlichen Raum“. Solche otia sind uns heute ver­wehrt und haben schon genug Mühe und Zeit gekostet. Es wird für die echten Lutheraner der Tag kommen, da die Kirche, die ihrem Bekenntnis wirklich gemäß ist, in echten, praktischen Entscheidungen wachsen wird, wir sind darum ausgerufen, gerade von unserem Bekenntnis her, diesen Sturm an uns vorübergehen zu lassen. Das ist nicht die Reformation an Haupt und Gliedern, die die furchtbaren Ereignisse, die über uns gekommen sind, von uns verlangen.

13. Es ist ein Missbrauch des Wortes Bekenntnis, wenn die „Gründung der VELKD“ als vom Bekenntnis geboten gefordert wird, wenn es not sein wird, zu bekennen, wird dann niemand sich gerufen wissen (1. Kor. 14,8).

14. Erwünscht schiene mir eine stille und bescheidene Aufbauarbeit, Zusammenarbeit der lutherischen Kirchen zu gemeinsamer Behebung ihrer Schwäche, Kräftigung des Gemeinde­lebens, Reorganisation der weithin irregegangenen theologischen Arbeit, Umarbeitung der Verfassungen unter besonderer Betonung des synodalen Elementes und stärkerer Beteiligung der Laien am Kirchenregiment. […]

21. Ich bestreite, daß die Erfahrungen und Erkenntnisse der bekennenden Kirche unter den Begriff des „Kampferlebnisses“ zu bringen sind, denn dieser Kampf hatte ja nie stattgefunden und hat ja da nicht stattgefunden, wo kein Widerstand vom Evangelium kraft der reinen Lehre erfolgte. Der Kampf war nur die Begleitmusik dessen, daß hier das Wort Gottes in klarer Leh­re auf dem Plan war.

22. Wenn wir die Einigkeit der Kirche in jenen Jahren als Episode hinstellen und den Kampf „nur“ als Abwehr gegenüber den heute verschwundenen „Irrlehren“ bagatellisieren, dann hatte uns tatsächlich Adolf Hitler, aber nicht das Bekenntnis zu Jesus Christus geeint. Dann wäre dies alles eine mehr oder weniger menschliche Angelegenheit gewesen, aber nie eine Sache des Heils und der Rettung Gottes.

23. Geeint hat uns das Bekenntnis zu dem Namen Jesu Christi. Es wird weiterhin das Zeichen für die wachsende Einheit der Kirche in der Welt bleiben.

Hier Iwands vollständiger Text Lutherische Kirche? als pdf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s