Wilhelm Röpke über Emil Brunners Buch ‚Gerechtigkeit‘ (1944): „Ich schließe mit der Frage, ob in einem Buche über die «Gerechtigkeit» nicht auch das Problem des «ideologischen» Missbrauchs des Wortes «Gerechtigkeit» als einer «Decklüge» für den Kollektivegoismus der Klassen, Gruppen und Nationen einen Platz finden sollte. Gerade weil der Appell an die Gerech­tigkeit immer ein starkes Echo in den Herzen der Menschen findet, wird es möglich, sie mit diesem Worte in einer Weise zu ködern, die einer Prostitution eines Gefühls gleichkommt, das an Adel nur noch von der Liebe übertroffen wird.“

Gerechtigkeit Von Wilhelm Röpke Dem wahrhaft humanistischen Geiste, in dem diese Zeit­schrift der schweizerischen Ingenieure und Architekten geleitet wird, stellt … Mehr

Karl Barth, Kirche oder Gruppe? (1936): „Die ganze Idee, die Zeit durch ein gut geleitetes und stürmisch vorgetragenes christliches Unternehmen für Christus zu erobern, ist wohl dem Jesuitenorden, aber gerade nicht der christlichen Kirche eigentümlich. Die Kirche befand sich noch jedesmal im Irrtum und im Zerfall, wenn sie sich zur Trägerin dieser Idee machte. Der Gruppe aber ist es nach Brunners Darstellung gerade wesentlich, Trägerin dieser Idee zu sein. Ihr Blick ist von Haus aus auf die Menschen gerichtet, auf die Frage: bei ihnen glaubwürdig oder unglaubwürdig erscheinen, was ihnen gegenüber wirksam oder unwirksam sein könnte? Sie hat von Haus aus die ‚Zeit‘ zum ‚Bankkassier‘ eingesetzt, der den Goldklang ihrer Münze, d. h. die Echtheit der christlichen Verkündigung zu prüfen hat. Für sie hat ein Titel wie ‚Staatssekretär der Vereinigten Staaten‘, wenn der Mann nur eine noch so unverbindliche Äußerung zu ihren Gunsten getan hat, einen — ich weiß nicht, welchen — autoritativen Zauber.“

Kirche oder Gruppe? (1936) Von Karl Barth Die Redaktion [der Wochenzeitung „Die Nation“] hat auch mich aufgefordert, den Lesern dieser … Mehr

Emil Brunner, Die Menschenrechte nach reformierter Lehre (1942): „In der gegenwärtigen Stunde kommt die Bedrohung der menschlichen Bestimmung unzweideutig vom autoritären Kollek­tivismus her, für den es eine unverletzliche, im Gotteswillen begründete Würde der menschlichen Person nicht gibt. Es ist darum kein Zufall, sondern sachliche Notwendigkeit, dass in dieser Stunde die christliche Gemeinde in der ganzen Welt wieder einmal in den akuten status confessionis eingetreten, dass sie als bekennende Kirche aufgerufen ist, und zwar diesmal als Anwalt der gottgeschaffenen Menschenrechte. Sie ist der Welt nicht nur das Evangelium von der rettenden Gnade schuldig — in deren Verkündigung sie ihr eigenes, ihr ewiges Leben hat —, sondern auch die Lehre von den Ordnungen Gottes, in der die Erkenntnis der rechten sozialen und staatlichen Gerechtigkeit und mit ihr sowohl die Erkenntnis der Menschenpflichten als der Menschen­rechte enthalten ist.“

Die Menschenrechte nach reformierter Lehre (1942) Von Emil Brunner Über Nacht ist die Idee der Menschenrechte aus einer euro­päischen Selbstverständlichkeit, … Mehr