Conrad Daniel Kleinknecht und seine Werbung für die Indienmission
Von Daniel Cyranka und Andreas Wenzel
Weit größere Bekanntheit als die eben beschriebene indische Zeichnung erlangte ihre Vervielfältigung, ein deutscher Kupferstich. Die Entstehung dieses Stichs ist mit dem Pfarrer Conrad Daniel Kleinknecht (1691—1753) aus Leipheim verbunden. Ein Brief aus dem Jahre 1738, mit dem sich Kleinknecht Gotthilf August Francke gegenüber vorstellt, gibt neben biographischen Angaben auch Kleinknechts Motivation, sich als Gönner und Sammler für das Missionswerk zu engagieren, wieder.[1] Der Leipheimer Pfarrer berichtet aus seiner Studienzeit im „geliebten Halle“ (1717—1719). Schon damals sei ihm „durch dero in Gott ruhenden Herrn Vater [August Hermann Francke] sonderlich in dem Collegio paraenetico gegen dis Missions-Werck in Ost-Indien sehr zärtl.[iche] Liebe und Neigung eingepflantzet“[2] worden. Kleinknecht habe, so sein Brief an Francke weiter, schon lange den Wunsch gehegt, seine Liebe und Neigung gegenüber der Mission auch „reel zeigen zu können“.[3] Allerdings habe er durch Antritt des Pfarramts zunächst in Pfuhl (ab 1725) und dann in Leipheim (ab 1731) seine Hirtenpflicht in Deutschland wahrgenommen. Immerhin sei ihm die „anmuthige Comparation, der weißen, und schwartz-braunen Schaaff= und Lämmer-Herde ieder Zeit recht erwecklich“[4] geblieben. Das schon durch August Hermann Francke geweckte Interesse an dem Missionswerk in Indien habe für Kleinknecht vor allem durch die Missionsberichte und deren Vorreden von Gotthilf August Francke wieder an Aktualität gewonnen. Kleinknecht müssen vor allem diejenigen Berichte beeindruckt haben, die von der Armut der Inder erzählen. Dass dort viele Christen auch sonntags für ihre Versorgung arbeiten müssten und nicht zur Kirche gehen könnten, dass ihnen außerdem angemessene Kleidung für den Gottesdienstbesuch fehle, bewegte Kleinknecht offensichtlich sehr.[5] Kleinknecht habe – so fährt er in seinem Schreiben 1738 an Francke fort — mit seiner Frau und den Kindern (!) entschieden, nun selbst helfen zu wollen. Genau diese Motive tauchen auch in einem von Kleinknecht bereits im Jahr 1737 verfassten Text auf, der hier ebenfalls abgedruckt werden soll:
Ein Wort Demüthiger Bitte, Für die, Unter der Schwartz=Braunen Schaaf= und Lämmer=Heerde Der Neu=bekehrten Heyden in Ost=Indien, Arme und Dürfftige Glieder JESU Christi, Aus Hertzlichem Mitleiden in Aufrichtigkeit geschrieben von C[onrad].D[aniel].K|leinknecht].P[astor].L[eipheimensis]. ULM, Gedruckt bey Christian Ulrich Wagner, 1738.
Werther Freund,
Der dis wird lesen: Laß dich deine Lieb bewegen,
Für die Noth der armen Christen auch ein Scherfflein beyzulegen,
Nicht zwar bey uns in Europa, dorten in Ost=Indien,
Sind die Brüder, die dis brauchen, da schick deinen Heller hin.
Braune Lämmer, Schwarze Schaafe, ausgegangen von den Heyden,
Welche sind in Malabaren, und nunmehro voller Freuden,
Sind bekehrt zu Christi Heerde, die Er in der Christenheit
Hat gesammlet, die Er weydet hier in dieser Gnaden=Zeit;
Preisen GOTT, daß sie nun haben gute und gesunde Weyde,
Mit uns GOttes reine Lehre, Tauf und Nachtmahl; O der Freude!
„Aber viele von denselben gehen bloß, sind ohne Brod,
„Hungern, weinen und beklagen diese ihre Leibes=Noth; [2/3]
„Sonderlich sind sie betrübet, wann sie viel am Sonntag sehen
„Voller Andacht zu dem Hause ihres GOttes freudig gehen;
„Sie hingegen ohne Kleider, ohne Speise Groß und Klein,
„Seelen=hungrig, doch nicht können bey der Heerd versammlet seyn.*
Diese liebe schwarze Schaafe, die durchs Lamms=Blut Schnee=weiß worden,
Und mit dir, o Christen=Seele‘ nunmehr sind in einem Orden,
Schaue an als deine (Brüder, / Schwestern,) laß dir auch zu Hertzen geh’n
Ihre Blösse, ihren Hunger, die vor dir so bittend steh’n:
„Liebste Brüder! Liebste Schwestern! Seht uns an, wir sind die Armen,
„Die in GOtt zwar reich sind worden; wollt euch über uns erbarmen,
„Werfft uns was zu, zu bedecken unsre Blösse, gebt uns Brod,
„Daß wir auch am Sonntag können in dem Tempel dienen GOtt.
„Dieser GOTT, der treue Vater, HERR des Himmels und der Erden,
„Wird dafür in allen Gnaden hier und dort Vergelter werden: Sir. 35,12.13.[3/4]
„Und wir selbsten werden sagen: Der, die hat uns Guts gethan;
„Hirte JEsu! nehm sie alle, und uns gnädig auf und an.
Aus hertzlichem Mitleiden gegen diese schwartze, aber durch des Lammes Blut JEsu Christi Schnee=weiß gemachte Lämmer und Schaafe in Ostindien, schrieb dieses in aller Aufrichtigkeit, einer der geringsten Unter=Hirten in Schwaben=Land, welcher sich nicht schämet, dem Ertz=Hirten Christo Die Kleinste Lämmer und Schaafe zu weyden. Am Tage der Geburth des Heylandes aller Welt, d. 25. Dec. Anno 1737.[6]
Da im Ulmer Umkreis einige Freunde Kleinknechts Exemplar der Missionszeitschrift aus Halle zu lesen bekamen, so erfahren wir aus seinem Brief weiter, verfasste er „in einer vergnügten Abend-Stunde etl.[iche] poetische Zeilen“ und stellte den Zustand der „Schwartz-Braunen Lämmer-Herde“ vor Augen.[7] Diese Zeilen setzte er auf das leere Titelblatt seines Exemplars der XLII. Continuation der Halleschen Berichte und reichte diese so an die Freunde weiter. Ob es sich bei dem eben zitierten Text um diesen Vorsatz zu Kleinknechts Exemplar der XLII. Continuation handelt, oder ob es lediglich ein so gearteter Text ist, mag dahin gestellt sein. Zumindest legen es die Abfassungszeit und die Motivation durch die Armut der „malabarischen Gemeinde“ nahe, dass dieser Text an die schwäbischen Freunde gerichtet ist. Kleinknecht berichtet in dem oben genannten Brief an Francke weiter, wie sich die aus der Missionslektüre motivierte schriftstellerische Tätigkeit ausweitete und durch Freunde und Gönner weiter angeregt wurde.
Im gleichen Jahr 1738 erschien auch Kleinknechts Missionsschrift Zuverlässige Nachricht.[8] Das Werk fasst weitgehend die Missionsberichte zusammen, will aber, wie die Widmung „an einen Christlichen Politicum“ zeigt, V. a. für die Mission in Tranquebar werben. Das zeigt auch ein kleiner Text direkt hinter dem Titelblatt zu Kleinknechts Zuverlässiger Nachricht:
„Mein Freund! censir nicht gleich den Titul dieser Bogen;
Was geht die Schwarze Heerd Ost=Indiens mich an?
Ließ sie, und merck darauf, was Gott da Guts gethan,
So wirst du diesem (Volck,/Werk) in Liebe noch gewogen.
Ein Braun= und Schwarzes (Schaaf,/Lamm,) ein armer Malabar,
Steht jetzt vor dir und spricht, reich mir was gütigst dar:
Dein Scherflein macht dir GOTT zum grossen Capital,
Die Zinsse ziehst du dort in jenem Himmels=Saal.“[9]
Außerdem stellt Conrad Daniel Kleinknecht in seinem Vorstellungsbrief an Gotthilf August Francke die ersten Resultate seiner Bemühungen vor. Spenden, die er durch sein Engagement einwerben konnte, lässt er in einem ersten Transport nach Halle überbringen.[10]
Die Entstehung und Verbreitung des ersten gedruckten Bildes
Im folgenden Jahr 1739 wandte sich Kleinknecht mit der Bitte an Francke, endlich auch ein Bild von Aaron, das so vielen Menschen „erwecklich sein konnte“, bekannt zu machen:
Mir ist schon öfters mündlich auch schriftlich von heben Freunden vorkommen, da sie so viel erbauliches von dem ersten National-Prediger Herm Aaron gelesen, sie wünschten sein Portrait zu sehen. Sollte mich doch darum bemühen, daß er in seinem Priesterlichen Habit möchte in Kupfer gestochen werden: So würde manchem erwecklich seyn: Solte Ew. Hochwürden Bedencken hierüber vernehmen; Einen Künstler in Augsburg wüßt ich schon, der ihn gratis in Kupfer stechen würde:[11]
Kleinknecht erwähnt im Folgenden die in den Halleschen Berichten bereits veröffentlichte Abbildung eines indischen Predigers, die zur Vorlage dienen könnte, falls es keine direkte Abbildung Aarons gebe. Diese Abbildung ist eigentlich nur eine nachempfundene Vorstellung eines indischen Predigers nach Haas’ bzw. Lunds alttestamentlicher Priesterkleidung [vgl. Abb. 1 u. 2] und den Abbildungen von Katecheten, die ab 1729 im Auftrag des Missionars Dal entstanden [vgl. Abb. 3], Eine dieser Abbildungen wurde im selben Teil der Missionsberichte abgedruckt.[12] Selbst diese bildlichen Eindrücke würden Kleinknecht notfalls für seine Zwecke genügen.
Gotthilf August Francke weist in seiner Antwort auf eine verbesserte Zeichnung hin, die leider nicht genau datierbar[13] und v. a. wohl auch nicht erhalten ist. Die Missionare hatten in ihrem Begleitschreiben genaue Anweisungen für die Verbesserung der indischen Zeichnung gegeben (s. o.). Diese Anweisungen hat man in Halle offensichtlich befolgt, denn alle späteren Kupferstiche zeigen genau die Änderungen, die von den Missionaren moniert worden waren. Daher ist davon auszugehen, dass es in Halle eine verbesserte Zeichnung gegeben hat, auf die Francke sich in seinem Brief vom 9. November 1739 bezieht. Er schreibt:
Von dem Land Prediger Aaron ist mir vor einiger Zeit ein Portrait aus Tranquebar übersendet worden, welches aber nach dortiger Mahlerey etwas schlecht ausgeführt, ich habe selbiges alhier etwas förmlicher copiren laßen und will nunmehro noch eine Copey verfertigen laßen, welche Ew. Hochwohl-Ew. sodann übersenden werde und Ihnen anheimgebe, ob dieselben solches Bild in Augsburg wollen in Kupfer stechen lassen und bekannt machen.[14]
Erst ein reichliches Jahr später, am 13. Dezember 1740, kann Kleinknecht dankend an Francke schreiben:
Herr Prediger Aaron, hat uns sehr erfreut, den wir zugesichte bekommen. Davor gehorsamst danke. […] Nach Ew. HochEw. Rath solle er in 4t. und vielleicht in royal 4t. mit gestochen werden. Ich habe beygelegtes aufgesetzt, da könnte sein curriculum vitae und etliche Distich.fa] welches alles Ew. Hochwürden zur Censur, und adprobation übersende; Ob es also zu verbleiben? oder was daran zu ändern; bitte nur ehestens an mich zu schicken, was daran zu ändern wäre, so wolte ichs nach Augspurg an den Künstler senden.[15]
Kleinknechts Vorhaben ließ sich nicht so schnell umsetzen. Es kam offenbar zu verschiedenen Verzögerungen. So hatte Kleinknecht ein zweites Mal bei Francke nachgefragt, der Mitte des Jahres 1740 antwortete, dass das Bild nun schon abgeschickt sei und hoffentlich bald ankommen werde.[16] Auch der Kupferstich selbst wurde nicht so schnell fertig, wie erwartet. Franckes Kopie der Aaron-Zeichnung lag ein Jahr in Augsburg herum. Erst im März 1742 schreibt Kleinknecht betreffs der Fertigstellung des Aaron-Porträts:
Der Augspurgische Künstler hat es ein ganz Jahr in Händen gehabt, und wegen damaligen Reichs-Vicariat (dafür er kostbare Kupfer-Stück verfertigen mußte;) nicht ins Werk richten können. Weil nun auch viele Verlangen danach hatten, bin ich per Litteras mit meinem Hochgeliebten Herrn Schwager Diacono Hildebrand zurath gegangen, und also schlüssig worden, einen andern Künstler allda, nämlich seinen Sohn unter die Hand zu geben, der es gegen baare Bezahlung innerhalb etlicher Wochen gemacht hat.
Das Kupfer-Stück aber kostet Gulden 9 30
Die Schrift zu stechen Gulden 1 30
1000 Stück zu abzudrucken à 12 Kreuzer Gulden 2 –
[…] und hoffe ich daß auch dieses lieben Mannes Ehrwürdiges Porträt manchem, der es nicht vermeynet hätte, einen bessern Concept von dieser gesegneten Mission machen möchte.[17]
Bei dem genannten ,,Augspurgische[n] Künstler“ handelt es sich um Jacob Andreas Fridrich d. Ä. (1684-1751), einen evangelischen Kupferstecher, der in der Reichsstadt Augsburg aber auch für katholische Institutionen arbeitete.[18] Fridrich arbeitete an vielen populären Buchprojekten und war auch selbst als Verleger aktiv. Gestochen wurde das Bild aber offensichtlich erst, nachdem es ein Jahr liegen geblieben war. Nach Kleinknechts Auskunft übernahm Jacob Andreas Fridrich d.J. (1714— 1781) die Arbeit. Fridrich d.J., der die Werkstatt seines Vaters nach dessen Tod übernehmen sollte, wurde nicht zuletzt durch zahlreiche Porträt-Stiche bekannt. Als besonders nachhaltig kann man in diesem Zusammenhang seine Aaron-Darstellung betrachten. Hier in Augsburg entstand im Winter 1741/1742 die erste Druckplatte mit einem Bild Aarons, von der fast alle späteren Bilder Aarons abhängig sind.[19] Kleinknecht schreibt 1746 im Rückblick:
Nachdem ich auch bald darauf dieses Portrait empfangen und viele Gönner und Freunde der Mission gewünschet, daß dieses, im Neuen Testament aus den Malabaris.[chen] Heyden kommenden Aarons, als des allerersten Evangelisch=Lutherischen National-Land=Predigers, bey der Mission in Tranquebar stehend, Bildnis möchte in Kupfer gestochen zu sehen seyn; habe ich es auch dieser Mission zum besten von einem künstlichen Meister in Augsburg in Kupfer stechen lassen; welches sonderlich, wo es illuminiert ist, lebhaft heraus kommt, wie ein Hochgeehrter Herr selbsten schon davon einige Stücke bekommen, und darüber dero Vergnügen bezeuget hat: will auch eben dieses Bild vor das Titul=Blat dieser gegenwärtigen Fortsetzung, und Auszug der Ost=Indischen Berichten ec. voran setzen (*) [(*) Acta Eccles. V in IV. Band 24. Th. p. 907.] Dessen Lebens=Lauf hatte ich damalen aus denen gedruckten Missions=Berichten also in Kürze verfasset, welchen auch hier beyfüge:[20]
Es folgt der Lebenslauf, der neben dem Stich von Jacob Andreas Fridrich d.J. zu sehen ist (s. u.). Kleinknecht wollte also Interesse für die „gesegnete Mission“ in der Heimat wecken, auch mit dem Ziel, seine Leser und Freunde zum Spenden anzuregen.
Im Sommer 1742 konnte es endlich an den Versand der ersten Drucke des ersten Kupferstiches, der Aaron nach der verbesserten überlieferten indischen Zeichnung abbildet, gehen. Kleinknecht schreibt am 19. Juli 1742 an Gotthilf August Francke:
Ich habe auch ein Paquet hiermit beygelegt, das nebst anderen nach Tranquebar zu schicken bitte: Ich habe Herrn Missionarii Dals 2 an mich geschriebene Briefe beantwortet, auch von Herrn Probst Bengel ein Paquet mit angeschlossen·, So habe ich an den lieben Herrn Land=Prediger Aaron auch ein Briefl.fein] beygelegt,[21] nebst 5 dutzend von seinem Portrait, darunter 12 St. illuminiret seyn, vor ihn und die anderen sämtlichen Herrn Missionaries. Seine Hochwürden bekommen hier auch 50 Stück, darunter 8 illum.[iniert].[22]
Aaron bekam demnach seine Bilder direkt zugeschickt. Es ist anzunehmen, dass Aaron diesen Druck noch gesehen hat. Sieben Jahre nach der ihm bekannten Zeichnung von 1735 müsste er vermutlich um den Jahreswechsel 1742/43 herum die Möglichkeit gehabt haben, sich selbst in einem europäischen Spiegel in 60facher Ausfertigung (teilweise koloriert) zu betrachten. Es wird ihm wohl auch jemand die Kurzvita und das Werbegedicht übersetzt haben — das ist eine die Phantasie anregende Vorstellung! Was mag er von seinem europäischen Spiegelbild, was von seiner Lebensbeschreibung und den frommen Gedanken gedacht haben? Dem indischen Gast im Jahr des Missionsjubiläums 2006 gefiel dieser europäisierte Kupferstich deutlich besser als die indische Zeichnung. Ging es Aaron auch so? Einer der kolorierten Drucke, die nach Halle gingen, liegt bis heute in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen im Indienschrank neben der ursprünglichen Zeichnung.[23] [vgl. Abb. 7 u. 8] Neben dem Bild findet sich ein kurzer Lebenslauf Aarons:
Der Ehrwürdige National-Land=Prediger Unter den Heydnischen Malabaren. Herr Aaron, Ward von Heidnisch=Malabarischen Eltern aus dem Bürger=Stand gebohren: A. 1718. von dem seel. Herm Probst Barth. Ziegenbalg getaufft: A. 1719. bey der Mission Schulmeister, Unter= und denn Land=Catechet: Endlich A. 1733. da er ungefehr 35. Jahre alt war, den 2. Octobr. durch einhellige Wahl zum allerersten National- und Land=Prediger beruffen, und den 28. Decembr. zu Tranquebar in der Jerusalems=Kirche in Gegenwart 11. Evangelischer Prediger ordinirt: Welcher nun unter seinen Malabarischen Lands—Leuten in grossem Seegen das Evangelium von JEsu Christo, dem Heylande aller Welt, weit im Lande herum verkündiget, und Ihme aus demselben eine Schwartz=braune Schaaf— und Lämmer=Heerde, mit denen andern treuen Herrn Missionarien sammlet.[24]
Auf der Rückseite wird die Person Aarons in Gedichtform vorgestellt sowie für die Halleschen Berichte und für Kleinknechts eigene Publikationen geworben:
So sieht Herr Aaron aus von drey und viertzig Jahren, / Der erste Prediger, selbst aus den Malabaren: / Schwartz=braun ist sein Gesicht, nach seines Volckes Art; / Doch liegt in seiner Brust das Licht aus GOTT verwahrt. / Man kan die Freundlichkeit, das Anmuthvolle Wesen, / Den Ernst und Redlichkeit aus seinen Augen lesen. / Der Ertz=Hirt, JEsus Christ, laß bey den schwartzen Heerden / Dis muntern Mannes Fleiß und Treu geseegnet werden! / Also wünschet hertzlich einer der geringsten Unter=Hirten / bey den Evangelischen weissen Schaafen Christi in Schwabenland, / C[onrad], D[ani- el]. K[leinknecht]. P[astor], L[eipheimensis], / den 6. Jenner, im Jahr Christi 1741. / Von diesem National-Land=Prediger, Herrn Aaron, ist das mehrere zu lesen in dem Send=schreiben und zuverlässigen Nachricht von der, durch das Blut des erwürgten Lammes theuer erkaufften schwarzen Schaaf= und Lämmer=Herde, [sc.] 8. Ulm verlegts Christian Ulrich Wagner, 1738. und zwar Bl. 76./87. Von dem auch, g.feb’s] G.[ott] in der 1. Fortsetzung dieses Sendschreibens viel Gutes folgen solle.[25]
Auch den Kupferstich von Jacob Andreas Fridrich d. J. versieht Kleinknecht also mit einem Hinweis auf sein Missionswerbebuch Zuverlässige Nachricht. In der zweiten Auflage von 1749, die um einiges erweitert ist, wird dieser Stich als Titelkupfer abgedruckt, allerdings ergänzt um Aarons Lebensdaten, da er bereits 1745 gestorben war [vgl. Abb. 9]. Aus Bemerkungen in dieser Fortsetzung des Sendschreibens lässt sich erschließen, dass Kleinknecht vermehrt die Erstauflage des Sendschreibens von 1738 mit dem ab 1742 vorliegenden Stich zusammen zu Werbezwecken versandte.[26] Kleinknechts Interesse am Aaron-Bild und seine Spendensammlung hingen eng zusammen. Er hatte ein Gespür für eine gut funktionierende Werbestrategie und fand eine Darstellungsform, die offenbar viele deutsche Missionsfreunde neugierig machte: Ein Flugblatt, das ihnen etwas Exotisches – einen dunkelhäutigen lutherischen Prediger in fremden Gewändern – vor Augen stellte. Dass Kleinknecht schon früh die Spendenwerbung mit der Verbildlichung einer Person zusammenbringen wollte, wird aus einer weiteren Quelle deutlich.
Im 1740 gedruckten 24. Teil der Acta historico-ecclesiastica von Wilhelm Ernst Bartholomaei (gest. 1753) ist zu lesen, dass Kleinknecht schon 1740, also bereits zwei Jahre vor Fertigstellung des Kupferstichs, den Plan hegte, ein Bild Aarons vor seine Schrift Zuverlässige Nachricht zu setzen. Nicht zuletzt dafür brauchte er das Bild. Aus der Korrespondenz mit Gotthilf August Francke war dieses spezifische Interesse nicht deutlich geworden. Es heißt in den Acta historico-ecclesiastica zum Ende des Abschnitts über die Mission in Asien:
Ein einziges müssen wir nicht vergessen. Es ist im Anhang des 3ten Bandes p. 1004 gedacht worden, daß der Herr Past. Kleinknecht eine Schrift zum Besten der schwarzen Schaft und Lämmerherde in Ostindien drucken lassen, um dadurch andere Christen in Europa aufzumuntern, ihre Liebe an ihnen zu beweisen. Itzo können wir weiter melden, daß derselbe bald darauf, da er dem Hrn. Prof. Franken ein Exemplar zuschickete, auch zugleich im Stande war, schon einen gesamelten milden Beytrag als eine Frucht davon mitzusenden. Nach der Zeit meldete uns neulich ein guter Freund in einem Brief d. d. N. den 21. May 1740 folgendes: „Das kleinknechtische Sendschreiben trägt noch täglich etwas ein. Der Her. Auctor gedachte im Februario, daß er schon 194 fl. [Floren = Gulden] nach Halle übermacht, und bereits wieder einen guten Anfang habe. Hr. Diaconus Hildebrand zu Augspurg hatte schon im vorigen Jahr über 200 fl., und was durch meine Hand bisher transportiert worden, beträgt auch etliche 50 fl., geschweige, was andere Freunde, die selbst Wege nach Halle wissen, gesandt haben. Der Hr. Auctor arbeitet an der Continuation, und will des Nationalpredigers Aarons Bildnis vorsetzen, wie es ein augspurgischer Künstler verfertiget hat.“[27]
Der Verfasser der Acta historico ecclesiastica kennt Kleinknecht und dessen Aktivitäten offensichtlich gut. Er ist über beteiligte Personen, über Briefkontakte Kleinknechts und die Höhe der Erträge, die das Buch einbrachte, informiert. Aus dieser Perspektive ist deutlich zu sehen, wie eng Kleinknechts Interesse an einem Bild Aarons mit seinen publizistischen Anliegen und der damit verbundenen Spendentätigkeit zusammenhängt.
Zur Wirkung des Bildes — Spendenaktivitäten
Wie oben erwähnt, sandte Kleinknecht neben seiner Erklärung, sich künftig um die Mission als Spendensammler verdient machen zu wollen, im Jahr 1738 auch eine erste Geldsammlung nach Halle, die er mit „1. Transport“ überschrieb. Es folgten bis Ende der 1740er Jahre mehrere solcher Transporte, die Kleinknecht organisierte. Der Leipheimer Pastor übersandte neben dem Geld in bar mehrere Listen und Erklärungen. Beispielsweise zeigt eine Übersicht die verschiedenen „Geldt-Sorten“[28], die er aus dem Ulmer Umland erhalten hat. Eine längere Spenderliste („Consignation“[29]) verzeichnet alle Spender, deren Grußwort (wenn vorhanden) und den gespendeten Betrag. Der Betrag erscheint je in Gulden und Kreuzern, sowie in Reichstaler, Groschen (und teils Pfennige) umgerechnet. Daher gibt es vier Spalten mit Geldbeträgen. Diese erste Lieferung brachte insgesamt 84 Gulden und 30 Kreuzer oder 56 Reichstaler und 8 Groschen zusammen. Gulden, bei Kleinknecht immer als fl. (Floren) abgekürzt, waren die im Süden Deutschlands gebräuchlichere Währung. Die Reichstaler hatten sich in Mittel- und Norddeutschland durchgesetzt.[30] In den Akten sind die Beträgt in Reichstalern häufig rot unterstrichen. In Halle rechnete man in Reichstalern, dieser Betrag wurde hervorgehoben. Insgesamt erreichten Halle fünf Transporte, ein sechster von Kleinknecht erwähnter, lässt sich aus den Akten des Archivs der Franckeschen Stiftungen nicht ermitteln. Die Endsummen werden hier in Reichstalern aufgestellt:
Transport Jahr Betrag
1. 1738[31] 56 Reichstaler [Rt.], 8 Groschen [Gr.]
2. 1739[32] 72 Rt., 16 Gr. (mit Nachtrag von zusätzlichen 23 Rt. 16 Gr.)
3. 1740[33] 26 Rt. 1 Gr. (eigentlich 36 Rt. 9 Gr., dann Abzug der Auslagen von 10 Rt. und 8 Gr.
4. 1742[34] 18 Rt. 15 Gr. 4 Pf. (eigentlich 32 Rt. 3 Gr.10 Pf., dann Abzug der Auslagen von 13 Rt. 12 Gr. 6 Pf.)
5. 1745[35] 63 Gulden 27 Kreuzer (das entspricht etwa 42 Rt.[36])
6. 1748 – Beträge und Zustandekommen unbekannt. 1750?[37]
Die einzelnen Transporte tauchen auch in den Halleschen Berichten Gotthilf August Franckes wieder auf, der überhaupt Spenden sehr aufwändig in den Beylagen zu den Vorreden seit der 46. Continuation (1740) auflistete.[38] Kleinknecht selbst geht auf die Spendentransporte zu Gunsten der Mission in der Fortsetzung der Zuverlässigen Nachricht ein. Hier ist noch ein sechster Transport vermerkt.
Interessant ist an den genauen Rechnungen, die Kleinknecht den Transporten beifügte, wie er mit dem Geld verfuhr. Bei den einzelnen Sammlungen verrechnet er eigene Ausgaben, die er für das Unternehmen hatte. So verbindet er die Spendensammlung u. a. mit dem Druck des Aaron-Bildes und mit dem Druck seiner Missions- und Werbeschrift Zuverlässige Nachricht.
Dem dritten Transport von 1740 legt Kleinknecht eine Abrechnung von Auslagen bei. Die Spendengelder stellt er wie oben gezeigt genauestens auf. Er verzeichnet ebenso alle Ausgaben und zieht diese vom Gesamtbetrag der Sammlung ab. Er legt alle Ausgaben offen, erstattet sich aber auch selbstständig die Auslagen für den Druck seines Buches Zuverlässige Nachricht von 1738. Die Einnahmen für den dritten Transport betrugen 36 Reichstaler 9 Groschen. Nach Abzug der Auslagen von 10 Reichstalern und 8 Groschen bleiben die oben genannten 26 Reichstaler 1 Groschen übrig. Im Anhang an die Spendenliste schlüsselt Kleinknecht dann diese Auslagen auf:
1) dem sl. [seligen] Buchdrucker Wagner, von Ao. 1738 von Sept, bis dahin 1740. vor ungebundene Send-Schreiben von der Schwartzen Schaaf= u. Lämmer-Herde Christi 8°. 58 Stück â 10 kr.[euzer] […] 6 [Reichstaler],, 10 1/2 [Groschen]
2) dem Buchbinder vor 55 Stück successive zu binden, in gold pap.[ier][39]
3) kr.[euzer] […] welches alles der löbl.[ichen] Mission zum besten kömmt, als sonderlt.[ich] auß dem III. Transport wahrzunehmen 1 [Reichstaler], 20 [Groschen].[40] .
Beim vierten Transport von 1742 zeigt ein ähnlicher Rechnungsanhang, dass Kleinknecht auch den Aaronkupferstich aus den Spenden finanzierte. Ursprünglich betrug die Summe der vierten Sammlung 32 Reichstaler 3 Groschen und 10 Pfennige. Kleinknecht zieht 13 Reichstaler, 12 Groschen und 6 Pfennige als Auslagen wieder ab. So entsteht die Summe des vierten Transportes (18 Reichstaler, 15 Groschen und 4 Pfennige). Die Auslagen spezifiziert Conrad Daniel Kleinknecht in einer Extrarechnung. Rund die Hälfte — also 6 Reichstaler und 8 Groschen — wurde dazu benötigt, den Kupferstich zu bezahlen. „[D]es ersten National-Predigers in Ostindien, Herr Aarons Portrait Heß ich nach einer guten Copie vom Original in 8° zu Augspurg durch einen berühmten Künstler in Kupfer stechen.“[41]
In diesem Zusammenhang schreibt Kleinknecht auch den weiter oben zitierten Brief an Gotthilf August Francke, der von der Fertigstellung des Kupferstichs berichtet.[42] In dem Brief, der den Versand des Portraits anzeigt, werden auch Ausgaben Kleinknechts erwähnt: „nach abzug aller Expensen, sonderlich Herrn Aarons Portrait, kann noch baar an gutem geldt laut Sorten Zettels Fl.[oren] 27. 59 Kr.[euzer]“,[43] also 18 Reichstaler 15 Groschen und 4 Pfennige, übersendet werden.
Kleinknecht investierte in Werbe- und Informationsmaterial, um noch mehr Spenden einwerben zu können. Wie sehr sich diese Investitionen Kleinknechts tatsächlich ausgezahlt haben, ist schwer zu beurteilen. In der Selbstdarstellung und im befreundeten Umkreis werden die Ergebnisse hoch gelobt. Auch Gotthilf August Francke wirbt selbst für die Schrift weiter[44] und druckt Erfolgsnachrichten in Bezug auf Kleinknechts „Werbeschrift“ ab.[45]
Quelle: Daniel Cyranka und Andreas Wenzel, „das eigentliche Portrait des seligen Aarons“ –Der indische Prediger Aaron (1698/99-1745) auf Bildern des 18. Jahrhunderts, in: Pietismus und Neuzeit, Band 35, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, S. 148-203, hier 170-181.
[1] AFSt/M 3 H 10: 15. Außerdem sind die entscheidenden Stellen dieses Briefes abgedruckt in den Halleschen Berichten: HB 5, Cont. 49, Beylage zur Vorrede § 2. Bl. lf.
[2] AFSt/M 3 H 10: 15, Bl. Iv.
[3] AFSt/M 3 H 10: 15, BL Iv.
[4] AFSt/M 3 H 10: 15, Bl. Iv.
[5] Kleinknecht bezieht sich direkt auf die Stellen der HB 4, Cont. 42, Vorrede §. XVIII, HB 4, Cont. 42, 745 u. 765 und HB 3, Cont. 34, 1056.
[6] Halle/Saale, Franckesche Stiftungen, Bibliothek (im Folgenden BFSt): 132 H 1 [11], Der Druck schließt mit einer Werbenotiz für Kleinknechts Zuverlässige Nachricht [s. Anm. 8].
[7] Auch aus späterer Zeit sind von Kleinknecht viele kleine Gedichte und Texte mit ermahnendem und nach finanzieller Unterstützung fragendem Unterton überliefert.
[8] Conrad Daniel Kleinknecht: Zuverlässige Nachricht von der, Durch das Blut des erwürgten Lammes, Theur=erkaufften schwarzen Schaaf= und Lämmer=Heerde; das ist: Neu=bekehrten Malabarischen Christen, in Ost=Indien, Auf der Königlich=Dänischen Küsten Coromandel, […] Darinnen, auf Veranlassung In einem aufrichtigen Send=Schreiben An einen Christlichen Politicum, von dem wichtigen Bekehrungs-Werck in Ostindien überhaupt; als auch von derselben dürftigen Zustand insonderheit, sicherer Bericht zum Lobe GOttes und Erweckung thätiger Liebe gegen diese Ost=Indianische Neue Mit=Christen wohlmeynend ertheilet wird von Conrad Daniel Kleinknecht. Ulm 1738. Ein Exemplar ging als Anlage zum oben erwähnten Brief von Kleinknecht (AFSt/M 3 H 10: 15, Bl. 3r; s. Anm. 1) an Gotthilf August Francke.
[9] Kleinknecht, Nachricht [s. Anm. 8], 2 (zit. n. der 2. Aufl. 1749.) Der erste Teil ist identisch.
[10] Vgl. unten Abschnitt 9.
[11] Brief von C.D. Kleinknecht an G A Francke, 29. September 1739; AFSt/M 3 H 13: 16, Bl. 2r.
[12] HB 3, Cont. 31, Bilder zwischen den Seiten 750 und 751, hier Bild 2.
[13] Nach den vorliegenden Quellen muss eine verbesserte Kopie zwischen 1735 und 1739 angefertigt worden sein.
[14] AFSt/M 3 L 6: 42, lv. In seinem späteren Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Stiches in der Fortsetzung der Zuverlässigen Nachricht von 1749 zitiert Conrad Daniel Kleinknecht eben diesen Brief Franckes: „Ich habe dieses Heben Manns Portrait von Herrn D. Francken aus Halle gütigst mit diesen Worten erhalten: Halle d. 9. November 1739. ,Von dem Land—Prediger Aaron ist mir vor einiger Zeit ein Portrait aus Tranquebar übersendet worden, welches aber nach dortiger Mahlerey etwas schlecht aussiehet, ich habe selbiges etwas förmlicher abcopiren lassen, und will nunmehro noch eine Copey verfertigen lassen, welche Ew. W. so- denn übersenden werde, und Ihnen anheim gebe, ob dieselbe solches Bild in Augspurg wollen in Kupfer stechen lassen, und bekannt machen, ec. es wird auch solches schon seine Liebhaber finden ec.“‘ {Kleinknecht, Nachricht [s. Anm. 88], Fortsetzung, 40f.)
[15] AFSt/M 3 H 17: 12, Bl. 2v.
[16] AFSt/M 3 L 9: 163.
[17] AFSt/M 3 H 20: 79.
[18] Zur Biographie vgl. Claudia Däubler-Hauschke: Art. „Fridrich (Fnednch), Jacob Andreas (Jakob Andreas)“. In: Saur. Allgemeines Künstler-Lexikon 45, 2005, 731.
[19] Eine Ausnahme ist der in den Halleschen Berichten erschienene Kupferstich Johann Ernst Gründlers (s. u. Abschnitt 11.1.).
[20] Kleinknecht,Nachricht [s. Anm. 8], Fortsetzung, 41.
[21] Diese Sendung des damaligen Prälaten [hier „Probst“ genannt] von Herbrechtingen in Württemberg, Johann Albrecht Bengel (1687-1752) konnte leider nicht aufgefunden werden; vgl. aber Anm. 106.
[22] AFSt/M 3 H 20: 77. Bl. 2v.
[23] KNK, Indienschrank, R.-Nr. 1040, Vorderseite. Über der Abbildung findet sich folgender Text: „Herr Aaron National=Land=Prediger unter den heydnischen Malabaren in Ostindien“.
[24] KNK, Indienschrank, R.-Nr. 1040, r.
[25] Halle/Saale, Franckesche Stiftungen, KNK [Indienschrank], R.-Nr. 1040, v.
[26] Das geht v. a. aus den zitierten Widmungsbriefen zu den einzelnen Transporten hervor, von denen vier hier aufgeführt werden (Kleinknecht, Nachricht [s. Anm. 88], Fortsetzung): (1) „Ein gottseliger Herr Superintendent aus dem Oettingischen, deme mein Sendschreiben und Herrn Aarons Portrait zu Händen gekommen, hat es den lieben Malabarischen Christen zum Besten, so bald wieder treulich bezahlt, indeme er ihnen ein Bayerisch Goldstück à 5. fl. oder 3 Rthlr 8. Gr überschickte.“ (365f.) (2) „So überreichte mir auch ein Hoch=Fürstl. Würtem- bergis. Herr Probst [vgl. Anm. 1] für das Portrait des National-Land=Predigers Hrn Aarons und mein Send=Schreiben, der Mission zu gute 1. Straßb. Gold=Gulden; Item ein Herr Diaconus auf dem Land im Ulmischen, für eben die Portrait 1. fl. 12. kr. […]“ (367f.) (3) „[…] nebst angefügten Carl D’or, von einem gottseligen Prediger im Erfurtischen, für die hebe Malabaren, wozu er ist erweckt worden, da auf dessen Verlangen, wolgedachter Augspurgischer Prediger, ihme herrn Aarons Bildnis, nebst Bitt=Schrift für die schwarze Lämmer ect. zugeschickt hatte.“ (370) (4) „Endlich erhielte sich aus Basel durch einen christlichen Buchdrucker=Herrn in Ulm, auf das ihme zugeschickte Send=Schreiben und Herrn Land=Prediger Aarons Portrait, auf 2.mal fl. 13. oder 8. Rthlr. und 16. Gr. denen neu—bekehrtem Malabaren zum Besten.“ (372)
[27] Acta historico-ecclesiastica, oder Gesammelte Nachrichten von den neuesten Kirchen=Geschichten, vier und zwanzigster Theil, Mit kön. Pohln. und Churfurstl. Sächs. allergn. Privilegio, und unter Censur des Fürstl. Sächs. Weimar. Oberconsistorii. Weimar, bey Siegm. Heim. Hoffmann 1740. Bd. IV, 906f.
[28] AFSt/M 3 H 13: 18, vgl. auch AFSt/M 3 H 10: 16 für den ersten Transport.
[29] AFSt/M 3 FI 13: 19, vgl. auch AFSt/M 3 H 10: 17 für den ersten Transport.
[30] „Obwohl man in den süddeutschen Staaten auch weiterhin nach Gulden und Kreuzer rechnete (vgl. Reichsguldiner), wurde der R[eichstaler]. zur beherrschenden Großsilbermünze im Römisch-Deutschen Reich und darüber hinaus“ (Helmut Kahnt u. Bernd Knorr, Alte Maße, Münzen und Gewichte. Mannheim 1986, 250).
[31] AFSt/M 3 H 10: 17. (1. Dezember 1738).
[32] AFSt/M 3 H 13: 19. (19. Oktober 1739).
[33] AFSt/M 3 H 17: 13. (2. Dezember 1740).
[34] AFSt/M 3 H 20: 78. (20. Juli 1742).
[35] AFSt/M 3 H 26: 135. (9. April 1745).
[36] Die Umrechnung erscheint in einer Liste, welche die im Mai 1745 eingehenden Spenden in Halle verzeichnet. Kleinknechts 5. Transport wird vermerkt. Hier wird der Betrag mit 42 Rt. 7 Gr. und 2 2/5 Pf. wiedergegeben. Es findet sich die Randnotiz, dass nur 42 Reichstaler gefunden wurden; vgl. AFSt/M 3 H 26: 183.
[37] Kleinknecht, Nachricht [s. Anm. 88], Fortsetzung, 373.
[38] 1. Transport, sieht HB 5, Cont. 49, Beilage zur Vorrede § II, Bl. lv-3r.; 2. Transport, siehe HB 5, Cont. 50, Beilage zur Vorrede § X, 25f.; 3. Transport, siehe HB 5, Cont. 53, Beilage zur Vorrede § II, 17£; 4. Transport siehe HB 5, Cont. 56, Beilage zur Vorrede § III, 12f. und 5. Transport, siehe HB 6, Cont. 63, Beilage zur Vorrede § XII, 95f.
[39] Den Zeitgenossen erklärt Zedlers Universal-Lexikon dieses Goldpapier folgendermaßen: Goldpapier „ist zweyerley Art, und wird auch jegliche auf besondere Weise verfertiget. Die erste Art wird mit Gold=Fürniß auf einen gefärbten Boden, vermittelst in Holz geschnittener Formen, gedruckt, also, daß erstlich das Papir gefärbt, hernach die Örter, wohin die bunten Blumen kommen sollen, durch Patronen illuminieret, und mit Golde abgedruckt, alsdenn wenn der Fürniß trocken, das Papir über und über geglättet werde. Bey der andern Art brauchet man eine meßingene Forme, darein die Blumen mit dem Grab=Stichel gegraben, und das übrige hohl ausgehauen ist; von welcher hernach die Figuren mit Blättlein Goldes auf gefärbtes Papir abgedruckt werden. Auf die letzte Weise bereitet man auch das Silber=Papir. Beydes kommt von Augspurg, und wird am meisten von denen Buchbindern gebraucht. Marpergers Kaufmanns=Magazin“ (Art „Gold=Papir“. In: Johann Heinrich Zedler. Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste. Bd. 11. Halle und Leipzig 1735, 133).
[40] AFSt/M 3 H 17: 15.
[41] AFSt/M 3 H 20: 78a.
[42] AFSt/M 3 H 20: 79.
[43] AFSt/M 3 H 20: 77.
[44] HB 4, Cont. 45, Vorrede § 11, Bl. 6v–7r.
[45] „Extract eines Schreibens, d. d. Ulm, den 5. Dec. 1744. an C.[onrad] D.[aniel] K.[leinknecht] P.[astor] Leipheim.[ensis] Die ungemeine Freude, welche ich, als ich neulich in der Zeitung gelesen, daß durch GOttes Gnade wieder bey 700 Malabaren in den Schafstall unsers Herrn JEsu eingeführet worden, empfunden, ergösse sich in andächtige Danck=Seufzer für die gnädige Erhörung so wol der allgemeinen, als besondern, und gewisslich auch meiner Fürbitte für diese Leute. Und ach wie ergötzte ich mich schon öfters über die lieben Salzburger! Doch da ich deren Bekehrungs=Geschäffte schon ziemlich durchgegangen; so forschte ich begierig nach den Malabarischen Nachrichten. Aber ach! Wie betrübt war ich, da ich selbige, aller Nachfrage ungeachtet, nirgend haben konnte. Daher war denn meine Freude ganz ungemein, als ich unter dem geistlichen Bücher=vorrath einer gottseligen Freundin Jesu Dero Zuverlässige Nachrichten etc. erblickte. Ich bat mir solches aus, und eilte sogleich nach Hause, allwo ich nun meine heilige Lust und Begierde nach Wunsch sättigen kann. Wie viele Danck=Seufzer hat es mir schon herausgelockt, aber auch wie viele Mitleiden erweckt, da ich den betrübten Zustande dieser armen Leute, die nunmehro meine Mitbrüder sind, beschrieben sähe. Schon damals bewegte mich mein Gott. Aber am allermeisten wurde ich zur thätigen Liebe durch die Beyspiele christlicher Herzen bewegt und ermuntert. Theurer JEsu, du weisst meine Armuth, aber auch meine Aufrichtigkeit wohl. Wie oft hast du schon mein Gebet erhöret! wie oft meine Sünden vergeben! Und wie süß sind die Stunden, in welchen wir des Tages und Nachts uns unter einander zu unterreden pflegen! Da ich nun meinen JEsum unmöglich bloß und hungrig sehen kann, so lege ich ein Scherflein von meinem wenigen Vermögen bey, mit dem herzlichen Wunsch und Seufzer, daß der Segens=HErr solches reichlich vermehren wolle. Ich werde um so eifriger, als zuvor, für diese meine Brüder beten. Ich werde nicht ablassen, von meinem wenigen Vermögen ein weniges auch künftighin mitzutheilen; zum wenigsten eher solches mir, als ihnen entziehen. Doch ach könte ich solches auch vor meiner lincken Hand verbergen!“ (HB 6, Cont. 63, Beylage zur Vorrede, 95f.; vgl. auch: „Von einer ungenannten Wohlthäterin in der Schweiz, die den Kleinknechtischen Auszug aus den Missionsberichten gelesen, und dadurch zu dieser Gabe erweckt worden, wurden 5 Rthlr. 12 Gr. aus Basel übermachet […] [HB 7, Cont. 80, Vorrede, 194])