Über die Hinrichtung von Eitelhans Langenmantel als Wiedertäufer 1528 in Weißenhorn (aus der Chronik von Clemens Sender)
An Sankt Georgentag (23. April 1528) ist Eitelhans Langenmantel mit seinem Knecht, der nun 19 Jahre alt gewesen ist, und seiner Magd, die der Knecht zur Ehe genommen hatte, aber noch nicht Hochzeit gehalten hatte, zu Leitershofen von Diepold vom Stein, des Bundes Hauptmann, gefangen genommen worden und 2 junge Bauernknechte von Gögglingen mit ihm. Diese hat er mit 20 Pferden nach Weißenhorn geführt und am 12. Mai hat man sie dort alle enthauptet und die Magd ertränkt. Doch zuvor hatten sie alle ihren Irrtum widerrufen und sich andächtig im alten, wahren, christlichen Glauben ihres Lebens beschlossen.
Der Langenmantel hatte die Podagra [Gicht] gehabt, so dass man ihn auf einem Karren hinausgeführt und auf einem Stuhl sitzend enthauptet hat. [Leonhart] Bymael und andere Bürger Augsburgs hatten eigens einen Boten nach Weißenhorn geschickt, um zu erfahren, in welchem Glauben Langenmantel sterben wolle. Als man ihn hinausführte, sah er diesen Boten, ließ ihn zu sich kommen und fragte ihn, was sein Auftrag sei. Der Bote antwortete, er sei von den genannten Herren geschickt worden, um zu fragen, ob er im neuen oder im alten Glauben sterben wolle. Darauf antwortete Langenmantel: „Sag denen, die dich geschickt haben: Ich will im alten Glauben sterben, nach alter Gewohnheit der Mutter, der heiligen christlichen Kirche. Denn ich habe geirrt und die Heilige Schrift nicht recht verstanden. Und bitte sie alle, alle meine Schriften, die ich gemacht habe, fleißig zu suchen und sie alle zu verbrennen.“
Als man ihn nun auf den Schemel gesetzt hatte und ihm das Haupt abschlagen wollte, wandte er sich zum Henker und sprach: „Meister, ich bitte dich, übereile mich nicht; denn jetzt ist es Zeit, so will ich dich mannhaft bitten: Lass mich vor der ganzen Gemeinde den Glauben noch einmal sprechen. Und ihr, Herr Pfarrer, wenn ich in einem Wort strauchele oder irre, so mahnt mich, damit ich recht spreche.“ Da sprach er den ganzen Glauben frei und laut aus und wandte sich wieder zum Scharfrichter mit den Worten: „Ich bitte dich, lass mich vor dem Ausgang meiner Seele aus meinem Leib den Glauben noch einmal sprechen.“
Und als er den Glauben wieder zu sprechen begann, schlug ihm der Henker das Haupt ab. Der Kopf fiel auf die Erde, und der Leib blieb auf dem Schemel sitzen; zugleich fiel der Schemel mit seinem Leib um. Und so hat er sein Ende andächtig und standhaft beschlossen, was viele Leute zum Weinen und tiefen Nachdenken bewegte.
Quelle: Die Chroniken der schwäbischen Städte. Augsburg, 4. Band. Auf Veranlassung Seiner Majestät des Königs von Bayern herausgegeben durch die historische Kommission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Leipzig, Verlag von S. Hirzel, 1894, S. 201f.