Besinnung zu Hesekiel 3,3: „Liebe geht durch den Magen, aber Gottes Gerichtsworte an das Haus Israel mit aller Klage, Ach und Weh einfach schlucken? Und doch muss der Prophet sie nicht Wort für Wort herauswürgen. Im eigenen Gehorsam wandeln sich bittere Worte: Süß wie Honig munden sie ihm.“

Aus dem Andachtsbuch „Feste Burg“ (2026) meine Besinnung zum heutigen Predigttext Hesekiel 2,1-3,3:

Und der HERR sprach zu mir: Du Menschenkind, gib deinem Bauch zu essen und fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe. Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig. (Hesekiel 3,3)

Bei manchen Worten, die man zu hören bekommt, muss man schlucken oder hat daran zu kauen. Für den Propheten Hesekiel sind Schlucken und Kauen mehr als nur eine Redewendung. In der Vision, die ihn zu seiner Beauftragung als Propheten führt, ist ihm die göttliche Botschaft in Gestalt einer Schriftrolle Wort für Wort vorgeschrieben. Er soll sie nicht nur im eigenen Lesen verinnerlichen, sondern buchstäblich in sich hineinessen. Liebe geht durch den Magen, aber Gottes Gerichtsworte an das Haus Israel mit aller Klage, Ach und Weh einfach schlucken? Und doch muss der Prophet sie nicht Wort für Wort herauswürgen. Im eigenen Gehorsam wandeln sich bittere Worte: Süß wie Honig munden sie ihm.

In der Regel sind wir für Worte empfänglich, die zusprechen, gutheißen und bestärken. Was wir selbst von uns halten, worauf wir mit unseren Vorhaben aus sind, soll uns bestätigt werden. Unangenehme, ja bittere Wahrheiten werden daher leicht überhört und eher verdrängt.

Göttliche Worte, wie sie uns in der Heiligen Schrift begegnen, sind nicht immer nur als Segen für uns vorgesehen. Mitunter treffen Worte auf uns zu, die eben nicht auf einem gefälligen Farbposter oder Kalenderbild zu lesen sind. Wir kommen mit deren Anspruch nicht einfach zurecht und müssen selbst schlucken. Gut so, denn im Vertrauen auf Jesus Christus wirken sie gleichsam wie bittere Medizin zu unserem Heil.

Gott, Du unser Vater, Dein Wort widersteht der Sünde, Dein Wort durchdringt den Tod. Wir bitten um deinen Geist: Er lasse uns deine Stimme unterscheiden von den all den leblosen Stimmen, die auf uns einreden. So gehört unser Leben Dir – geformt von deiner Liebe, die uns in Jesus Christus begegnet. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

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