Die „Mobile“-Finanzierung in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft und deren Risiken
In der Gesundheits- und Pflegewirtschaft entstehen zunehmend Firmenkonglomerate, die nicht organisch, sondern sukzessive durch Zukäufe und Akquisitionen aufgebaut werden. Bestehende Einrichtungen dienen dabei nicht nur dem operativen Geschäft, sondern zugleich als finanzielle Trägerstruktur: Auf ihr Vermögen, ihre Erträge und ihre Sicherheiten wird zurückgegriffen, um weitere Fremdfinanzierungen für neue Zukäufe zu ermöglichen.
Diese Form der Finanzierung erinnert in ihrer Struktur an ein Bügel-Faden-Mobile: ein frei hängendes, scheinbar leichtes Gebilde, das nur deshalb stabil wirkt, weil alle Elemente präzise austariert sind. Jedes einzelne Teil hängt an dünnen Fäden, deren Spannung genau aufeinander abgestimmt ist. Physikalisch betrachtet befindet sich ein Bügel-Faden-Mobile im Gleichgewicht, solange sich Gewichtskräfte und Zugkräfte der Fäden gegenseitig aufheben. Der Schwerpunkt des gesamten Systems liegt exakt unter dem Aufhängepunkt, es entstehen keine Drehmomente, die eine Bewegung erzwingen würden. Solange dieses Gleichgewicht besteht, schwebt das Mobile ruhig im Raum.
Übertragen auf das Firmenkonglomerat bedeutet dies: Solange Cashflows planbar, Zinsen tragbar, Belegungsquoten stabil und regulatorische Rahmenbedingungen konstant bleiben, hält das System. Die einzelnen Unternehmensteile balancieren sich gegenseitig aus; Verluste hier werden durch Überschüsse dort kompensiert. Die Finanzierung befindet sich in einem schwebenden, aber empfindlichen Gleichgewichtszustand.
Trifft ein plötzlicher Windstoß auf das Bügel-Faden-Mobile, wirkt eine zusätzliche Kraft von außen. Die einzelnen Elemente werden aus ihrer Lage verschoben, der Schwerpunkt verlagert sich, und es entstehen Drehmomente, die nicht mehr durch die vorhandenen Fadenspannungen ausgeglichen werden können. Die Elemente beginnen zu kippen, sich zu verdrehen oder zu verhaken. Das System findet nicht mehr in seine ursprüngliche Ordnung zurück – das Mobile sackt zusammen und hängt ungeordnet herab.
Ganz analog verhält es sich bei einer stark fremdfinanzierten Unternehmensgruppe in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft. Bleibt an einer zentralen „Finanzaufhängung“ der Geldfluss aus – etwa durch steigende Zinsen, Fachkräftemangel, sinkende Belegungszahlen, verzögerte Vergütungsanpassungen oder regulatorische Eingriffe –, gerät das fein austarierte System aus dem Gleichgewicht. Die Quersubventionierung funktioniert nicht mehr, Sicherheiten verlieren an Wert, Kreditbedingungen verschärfen sich. Einzelne Einheiten brechen weg und ziehen andere mit sich.
Was zuvor als effizient ausbalanciertes Konglomerat erschien, erweist sich als hochgradig volatil. Die dünnen finanziellen Fäden halten der zusätzlichen Belastung nicht stand. Die Folge kann ein Ketteneffekt bis hin zur Insolvenz des gesamten Verbundes sein.