Hieronymus Emser, Gedicht über Martin Luther und den Bauernkrieg: „Hätt’ Luther nie ein Buch geschrieben, / Deutschland wär wohl in Frieden blieben, / Und nicht in solche Not gesetzet. / Er hat ein Haar aufs andre gehetzet, / Wie sichs beim Kehraus jetzt erfindet; / Nun er das Feuer angezündet, / Wäscht er mit Pilato die Händ, / Den Mantel nach dem Wind hinwendt, / Und will euch jetzt dem Teufel geben, / All, die der Herrschaft widerstreben. / Die er doch vorhin selbst verschmächt, / Schergen genannt und Henkersknecht’, / Und den Kaiser ein’ Madensack; / Dazu er selbst nicht leugnen mag, / Daß er zur Aufruhr euch ermahnt, / Und liebe Gotteskind’ genannt.“

Gedicht über Martin Luther und den Bauernkrieg

Von Hieronymus Emser

Hört zu, ihr Deutschen, und schaut an,
Das ist Luther, der fromme Mann,
Euer Prophete und Abgott,
Um deswillen ihr Gottes Gebot
Und aller seiner Heiligen Ehr,
Dazu der christlich Kirchen Lehr,
Alt, selig Ordination
Verachtet habt und abgeton;
Sein Wort für Gottes Wort gehalten,
Kommuniziert in zwei Gestalten,
Und wider euern Eid und Pflicht
Euer Obrigkeit gar vernicht’,
Allen Gehorsam abgeworfen;
In Städten, Märkten und in Dorfen
Zusammengeloffen wie die Schwein’,
Manch’ schönes Gebäude gerissen ein;
Klöster, Kirchen und Gotteshäuser,
Mönche, Pfaffen, Nonnen und Karthäuser
Verjagt, beraubet und geplündert
Und Gottesdienst und Ehr verhindert,
Der Heiligen Bilder zu Stücken gehauen,
Die Mutter Gottes und zarte Jungfrauen
Gottslästerlich und unbescheiden
Vergleicht den alten Bademaiden;
Die Fürsten, die euch widerstanden,
Gescholten und genannt Tyrannen;
[…]
Manch Burg verwüstet in deutschen Landen,
Die vor dem Türken wohl wäre bestanden:
Das ist das Evangelium,
Das ihr von Luthern gelernet hon,
Der euch gebracht in diese Not,
Jetzt aber eurer lacht und spott’,
Den Kopf tut ziehen aus der Schlingen,
So er den Harnisch höret klingen.
Und will das auf den Teufel legen,
Das er doch selber tat erregen.
Hätt’ Luther nie ein Buch geschrieben,
Deutschland wär wohl in Frieden blieben,
Und nicht in solche Not gesetzet.
Er hat ein Haar aufs andre gehetzet,
Wie sichs beim Kehraus jetzt erfindet;
Nun er das Feuer angezündet,
Wäscht er mit Pilato die Händ,
Den Mantel nach dem Wind hinwendt,
Und will euch jetzt dem Teufel geben,
All, die der Herrschaft widerstreben.
Die er doch vorhin selbst verschmächt,
Schergen genannt und Henkersknecht’,
Und den Kaiser ein’ Madensack;
Dazu er selbst nicht leugnen mag,
Daß er zur Aufruhr euch ermahnt,
Und liebe Gotteskind’ genannt.
[…]
Man hat euch aber das Maul geschmiert,
Mit falscher Lehr gar grob verführt,
Wie ihr allein aus dem vermerkt,
Daß Luther jetzt die Herrschaft stärkt
Wider euch arme Untertan’,
Heißt stechen, würgen, wer da kann,
Und spricht, ihr seid ins Kaisers Acht,
Die er doch vorhin selbst veracht,
Und will euch nu aufs ärgst’ ausmessen
Euren Eid, deß er doch selbst hat vergessen,
Darum ich bitt um Gottes Ehr,
Daß ein jeglich Fürst und Herr
Dasselbig bei ihm woll gedenken.
Und so ihr euch sonst werdet lenken,
Sich eur’ erbarmen und verschonen
Und den andern desto besser lohnen,
Die euch geführt in dieses Spiel;
[…]
Und ist noch kein recht angefangen;
Es sein noch viel, die jetzo prangen
Mit Luthers Wort und seiner Lehr,
Sie müssen später klagen sehr.
Gott läßt die Sach nicht ungestraft,
Und giebt den Fürsten Sieg und Kraft,
Sein und seiner Heiligen Ehr,
Dazu der Kirchen alte Lehr
Zu schützen und darum zu kämpfen,
Und alle Ketzerei zu dämpfen.
[…]
Darum will er nicht länger schlafen,
Sondern einen mit dem andern strafen
Groß und klein, niemand ausgenommen.
Die Zeit ist hie, die Stund’ ist kommen,
Drum schickt euch nun geduldig drein,
Es kann und mag nicht anders sein.
Wir müssen all zugleich bezahlen,
Und trinken aus des Zornes Schalen,
Davon Johannes hat geschrieben.
Wir han die Sach’ zu wild getrieben;
Beim Pfaffen fing es erstlich an,
Die Hefe bleibt dem gemeinen Mann.
Die werden nun so lang rumoren,
Bis daß sie alle Ding umkohren,
Und einander auch selbst verderben,
Zu schaden ihn und ihren Erben.
Und also wird es gehn auf Erden,
So lang bis daß wir frömmer werden,
Und allen Mißbrauch übergeben.
Gott helf uns, daß wir das erleben!

Hieronymus Emser (1478-1527) war ein katholischer Theologe und Gegenspieler Luthers.

Quelle: Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs aus Rotenburg an der Tauber, hrsg. v. Franz Ludwig Baumann, Tübingen 1878, S. 620-624.

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