Psalm 121,1-2 in chinesischer Kalligrafie (Langzeichen): 我要向山舉目。我的幫助從何而來? 我的幫助從造天地的耶和華而來。mit Martin Luthers Auslegung: „Zahllos sind die Hilfen und Trostgründe, die ein Menschenherz in der Not sucht. Und es ist so töricht dazu, dass es die Hilfe allenthalben eher sucht als bei Gott. Darum ist dieser Psalm ein Lobpreis des Glaubens und eine Vermahnung zum Glauben, damit wir uns an den einen hilfreichen Ort und die wirklich heilsamen Berge gewöhnen, von andern Bergen und Nothelfern aber unsern Glauben und unsre Hoffnung abwenden.“

Psalm 121,1-2 in chinesischer Kalligrafie (mit Martin Luthers Auslegung)

Von Lau Yat Hu

我要向山舉目。我的幫助從何而來?
我的幫助從造天地的耶和華而來。
(Chinese Union Version, Langzeichen)

Auslegung zu Psalm 121,1-2

Von Martin Luther

Ich verstehe diesen Psalm so, dass er zur Vermahnung der Frommen und Gläubigen gemacht ist. Es steckt in ihm die Lehre vom Glauben, wie Hebr. 11(,1) geschrieben steht: der Glaube ist die Erkenntnis von Dingen, die man nicht sieht, aber erhofft. Solche Erkenntnis aber ruht auf der Verheißung und dem Worte Gottes. Weil sie aber eine göttliche Erkenntnis ist, geht sie über all unser Fassungsvermögen und Verstehen hinaus, wie geschrieben steht (1. Kor. 2,9): kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist es gekommen. Denn er verheißt närrische unglaubliche und unmögliche Dinge. Darum bedürfen die, die zu glauben angefangen haben, der Vermahnung und müssen mit Sporen gegen Fleisch und Vernunft getrieben werden, welche in unsern Gliedern gegen das Wort und den Glauben streiten. Wenn wir nicht immer anhielten mit Vermahnen, dann drückte uns das Gewicht des Fleisches vollends darnieder und wir ersöffen in den sichtbaren Dingen, die uns umtreiben. Denn unsre Menschennatur ist auf das Sichtbare gerichtet, wir befinden uns mitten auf einem Meer, auf dem wir Tag für Tag von den Winden der sichtbaren Dinge, also von Traurigkeit Freude Ehre und Schande hin und hergeworfen und bewegt werden, die unsre Seelen erregen zu Hoffnung Vertrauen Misstrauen und Angst. Solch drohenden Sturmwinden aber kann man allein widerstehen mit der Vermahnung zum Wort und mit dem ständigen Treiben zum Glauben ans Wort. So, lehrt dieser Psalm, muss man den Glauben in diesem Leben üben, man muss ihn nicht nur lehren, sondern auch zu ihm vermahnen.

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, zu den hilfreichen heilsamen Bergen. Es steckt eine Antithese in diesen Worten von den hilfreichen Bergen oder von den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Man muss den ganzen Psalm im Sinn einer Antithese verstehen. Denn wo immer der Glaube gelehrt wird, da spricht das Fleisch geradewegs dagegen und will der Teufel uns davon wegführen. Und wenn die Anfechtungen und Prüfungen des Glaubens über die kommen, die angefangen haben, Gott zu dienen, dann läuft der eine hier hin, der andre dort hin, zum König, zu Freunden, zum Gelde. Und wenn sich Menschengunst und Ehre anbietet, dann zu Menschengunst und Ehre. So sind für die einen die (heiligen) Haine Samariens Bethel Beth-Awen Gilgal die heilsamen Berge, für die andern aber Christus. Zahllos sind die Hilfen und Trostgründe, die ein Menschenherz in der Not sucht. Und es ist so töricht dazu, dass es die Hilfe allenthalben eher sucht als bei Gott. Darum ist dieser Psalm ein Lobpreis des Glaubens und eine Vermahnung zum Glauben, damit wir uns an den einen hilfreichen Ort und die wirklich heilsamen Berge gewöhnen, von andern Bergen und Nothelfern aber unsern Glauben und unsre Hoffnung abwenden. Darum wirft er ein kritisches Auge auf die, die bei andern Bergen ihre Hilfe suchen …

Mit dem Wort Hilfe verwirft er die andern Berge, weil sie scheinbar so große Hilfe bieten. In Samaria half Baal scheinbar mehr als Gott in Jerusalem, wie auch Jer. 44(,16-8) geschrieben steht: wir wollen nicht hören auf das Wort des Herrn, denn seit der Zeit, dass wir abgelassen haben, der Himmelskönigin zu opfern, haben wir allerlei Mangel gelitten; wir wollen ihr drum lieber wieder opfern, dass wir vom Unglück erlöst werden. So versucht uns Gott und will dabei erkennen, ob unser Glaube recht ist. Er lässt uns Hilfe zuteil werden durch die Götzen, aber am Ende wird man sehen (, wo die wahre Hilfe ist). So sprach auch Ahas (2.Chr. 28,25): ich will den Göttern Syriens zu Damaskus opfern, dass sie mir auch helfen, und also Gott in Jerusalem verlassen. All solche (Götzen) heißen bei den Gottlosen hilfreiche Berge, sind es aber in Wahrheit nicht, denn ihre Hilfe währt nur einen Augenblick. Solch ein Gott ist auch das Gold, es hilft und macht die Leute stolz und sicher, aber welch ein Ende nimmts? Am Ende bleibt der Mammon dahinten und werden seine Anbeter in die Hölle gestoßen. Darum lasten uns (solche Berge) in der Stunde der Anfechtung im Stich und alles im Ungewissen. Aber die sichtbaren Hilfen, die man mit den Sinnen fasten kann, beeindrucken und verwirren die Menschen merkwürdig stark, so dass sie Gottes vergessen. Hier aber sind die wahren Berge, auf denen der ewige Gott wohnt, der nicht lügt und uns nicht nur wie die Götzen (mit falschen Verheißungen) kitzelt, sondern unsre Seele mit ewiger Freude erfüllt, die niemand von uns nehmen soll, wie Christus sagt (Joh. 16,22). Die Welt gibt auch Freude, aber sie währt nur eine Hochmess und einen Tanz, d.h. nur einen Augenblick. Darum lässt die Welt ihre Freuden suchen, ihr aber sucht sie bei mir (, spricht Christus). Ihr werdet traurig sein und trostlos scheinen vor der Welt, aber Christus spricht (Joh. 16,22): ich will euch Wiedersehen und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Das lehrt auch dieser Vers, und der Glaube soll daraus lernen, dass er eine Zuversicht zu Dingen ist, die man nicht sieht, aber erhofft…

Unter den Bergen versteht er, wie ich glaube, im besonderen zwei Berge, nämlich Zion und Morija. Denn Jerusalem war eine gebirgige Stadt. Im Mittag, d.h. im Süden war der Tempelberg (Morija, 2.Chr. 3,1), und auf der andern Seite der Berg Zion. Das ist der einfache grammatische oder wörtliche Sinn. Dennoch enthält er daneben einen Stich auf die Götzendiener, als wollt er sagen: sie laufen zu ihren Bergen, ich aber will zu meinen Bergen meine Zuflucht haben. Denn wenn die Propheten vom Glauben sprechen, so stechen sie dabei zugleich auch nebenher die gottlosen Götzendiener. So auch hier: ich hänge mich an den Berg, von welchem mir im Glauben Hilfe kommt. Das Fleisch aber meint, (von diesen Bergen) käme der Teufel und die Hölle. Denn wenn ich in den Anfechtungen darniederliege in Verzweiflung Kleinmut und Ängsten, heißt das geholfen? Das Fleisch meint vielmehr, das heiße Verwerfung von Gottes Angesicht und Verstoßung in die Hölle. Der Glaube aber spricht: wenn auch das Fleisch ganz anders meint, so ist doch Gott meine Hilfe …

2 Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Der Glaube an die hilfreichen Berge empfängt also seine Hilfe von dem, der Himmel und Erde gemacht hat. Der schlägt nicht nur Münzen, macht Gold und Silber, Früchte des Feldes, Wasser Fleisch Käse Butter, Leib und Leben, sondern schenkt auch Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit Glauben Freude und Frieden des Herzens, er gibt die ganze Wahrheit (und Wirklichkeit), nämlich zeitliches und ewiges Leben. Denn er hat Himmel und Erde gemacht d.h. alle Kreatur, Engel und Menschen. Er schenkt Engeln und Menschen das ewige Leben. Alles ist in seiner Hand, Sünde Gerechtigkeit Leben und Tod. Seine Hilfe ist wahrhaftig allmächtig und gewiss in jedem Augenblick und für alle Ewigkeit…

Aus Luthers Vorlesung über die 15 Stufenpsalmen vom 18. und 19. November 1532 (überliefert durch Rörer): WA 40-III, S. 46-57.

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