Abschiedsbrief an die Ehefrau Maria-Agnes vor der Hinrichtung
Von Heinrich Graf zu Dohna-Schlobitten
Heinrich Graf zu Dohna-Schlobitten (1882-1944) war über Peter Graf Yorck von Wartenburg in den Kreisauer Kreis von Helmuth James Graf von Moltke involviert. Einen Tag nach fehlgeschlagenem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli wurde Dohna-Schlobitten verhaftet. Er wurde am 14. September 1944 vom Volksgerichtshof Roland Freislers zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Plötzensee hingerichtet. Rückblickend schrieb Hans-Joachim Iwand über ihn: „Als wir hörten, daß Graf Heinrich zu Dohna, Tolksdorf im Verfolg der Aktion des 20. Juli 1944 mit seiner Gattin verhaftet worden war, wußten wir, daß hiermit ein Leben seinen Abschluß fand, das bemüht gewesen war, die besten Traditionen des ostpreußischen Adels … zu verkörpern und … zum Einsatz zu bringen, … Kirche und Staat, Gottes Wort und die Heimat – um diese Einheit ging es ihm in seinem Leben, aber doch so, daß Gott das erste Wort hatte. … Dass er zu den Männern des 20. Juli gehörte, lag in der Linie seines Lebens. Er wusste sich dahin gestellt von demselben Herrn, der ihn zum Zeugnis der Bekennenden Kirche gerufen hatte. Beides war ein Weg in seinem Leben. Beides ein vor den Menschen verlorener Weg.“
Berlin, 14. September 1944
Dies ist mein Abschiedsbrief. Wie maßlos schwer Abschied zu nehmen fürs Leben, ohne sich noch einmal gesehen zu haben, ohne Umarmung, ohne einen letzten Kuß! – Aber Gott hat es so gefügt, ich folge Ihm. Er hat mich in dieser ganzen Zeit geführt. Ich habe bisher nicht eine schwache Minute gehabt, hoffentlich bleibe ich fest bis zuletzt. Eure Gebete und besonders Deine, meine liebste …, habe ich immer gespürt. Nun mußt auch Du stark bleiben, trotz allem Schmerz. Es ist für Dich und die Kinder und Tolksdorf nötig. – Diesen Brief gebe ich offen ab. Über meine Strafsache darf ich nichts schreiben.
So schließe ich Dich also im Geist in meine Arme und bitte Gott, daß er bei Dir sei. Auf ein Wiedersehen dort oben, meine heißgeliebte, gute, treue …
Mir sind in diesen Tagen immer wieder Ratschläge usw. durch den Kopf gegangen, aber es lohnt sich nicht, sie zu schreiben. …
Ich bin in einer fast starren Haltung, die, wie ich fürchte, auch diesem Brief zu sehr anhaftet. Aber wenn ich alles sagen würde, was mich an Gefühlen beherrscht, so würde mich das umwerfen.
Ich bat in dieser schweren Zeit immer Christus, mich bei der Hand zu halten, Er tat es und hielt mich stark.
Quelle: Helmut Gollwitzer/Käthe Kuhn/Reinhold Schneider (Hrsg.), Du hast mich heimgesucht bei Nacht: Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 – 1945, München: Chr. Kaiser Verlag, 1954, Seiten 130f.