Paul Gerhard Schoenborn, Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk: „Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Verfolgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: ‚Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barmherzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordische Denken.'“

Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk

Von Paul Gerhard Schoenborn

Zweierlei möchte ich Ihnen heute Nachmittag nahebringen:

Einmal eine detailreiche Information über die Flucht und die Rettung fast aller dänischen Juden vor der Vernichtung, die ihnen im Oktober 1943 zugedacht war. Eine Hoffnungsgeschichte im furchtbaren Geschehen des Holocaust, aus der so etwas wie ein Widerstandsmythos geworden ist: Ein Volk rettet seine Juden.

Sodann – und damit will ich beginnen – einige Schlaglichter auf den dänischen Pfarrer und Dichter Kaj Munk. Ihn entführte ein Spezialkommando der SS am 4. Januar 1944 aus seiner Gemeinde Vedersø. Das Dorf liegt direkt an der Nordseeküste, ungefähr 260 km nördlich von Sylt. Unterwegs, bei Silkeborg, liquidierten sie ihn.

I. Das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk

Kaj Munk hatte mit seiner Waffe, dem Wort, frühzeitig und vor allem öffentlichkeitswirksam Rassismus und Antisemitismus NS-Deutschlands angeprangert. Damit hat er seine Mitbürger nachhaltig sensibilisiert für das, was in Deutschland nach Hitlers Machtergreifung vor sich ging und das Resistenzpotential im Lande verstärkt.

1) Kaj Munk und seine politische Entwicklung

Der Dorfpfarrer aus Vedersø, geboren am 13. Januar 1898 in Maribo auf Lolland, war ein auffälliger Zeitgenosse. Er wirkte nicht nur zwanzig Jahre als Seelsorger in der kleinen Gemeinde von Bauern und Fischern an der Nordsee. Er war zugleich ein im ganzen Norden gefeierter Dramatiker. In der Spielzeit 1936/37 wurden in Kopenhagen gleichzeitig sechs seiner Schauspiele gezeigt. Und er war in den dreißiger Jahren auch ein viel gelesener Kolumnist in den großen dänischen Tageszeitungen, vorzugsweise in der konservativen „Jyllands Posten”. In elf Jahren veröffentlichte er mehr als 600 Artikel zu allen möglichen Themen aus Kirche, Kultur und Politik.

Bis heute gilt er als eine der wichtigsten, viel diskutierten, aber auch umstrittenen Kulturpersönlichkeiten Skandinaviens der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das liegt nicht zuletzt auch an seiner politischen Einstellung. Er war ein Patriot wie kein zweiter, ein radikal nationalkonservativer Däne. Zugleich war er ein glühender Christ, der sich berufen fühlte, mit seinen dramatischen Mitteln dem Säkularismus seiner Landsleute Einhalt zu gebieten. Den Parlamentarismus in seiner Ausprägung nach dem Ersten Weltkrieg sah er als ungeeignet für die Entwicklung eines Volkes an. Dagegen sah er in der gestaltenden Kraft von Mussolinis Faschismus in Italien einen geschichtlichen Ordnungsfaktor, den er als Modell für die Entwicklung Skandinaviens für wünschenswert hielt. Auch die sich nach 1933 wirtschaftlich bessernden Verhältnisse in Deutschland unter Hitler schienen ihm in dieselbe Richtung zu deuten. Kaj Munk war der Ansicht, dass aufrichtige und aufopferungsbereite Führergestalten mit Idealismus und Überzeugungskraft in ihren Völkern positive Entwicklungen in Gang setzen können. Das war zweifellos nicht nur zu idealistisch gedacht, sondern auch politisch naiv. Er war und ist bis heute deswegen in Dänemark durchaus umstritten.

Die weitere Politik Mussolinis und Hitlers ließen Kaj Munk auf kritische Distanz zu den Diktatoren gehen. Mussolinis Abessinienkrieg verurteilte er ganz und gar und gab seiner Kritik Ausdruck in dem Drama „Sejren“ („Der Sieg“). Er kommentierte auch die Entwicklung im nationalsozialistischen Nachbarland Deutschland zunehmend kritisch. Hitlers unmenschliche Behandlung der Juden in Deutschland empörte ihn zutiefst.

2) Der offener Brief an Mussolini und Munks Kritik am „Glauben der Nordmark”

Am 17. November 1938 – eine Woche nach dem reichsweiten Pogrom in Deutschland – erschien in der Tageszeitung „Jyllands-Posten“ sein offener Brief an Mussolini. Darin beschwor Kaj Munk den Duce, Hitler von den Judenverfolgungen abzubringen, sie seien eines großen Kulturvolkes wie des deutschen unwürdig. „Sagen Sie Ihrem Freund Hitler, es reiche nun!” Der eigentliche Adressat des Briefes aber war die dänische Öffentlichkeit. Munk artikulierte in ihm Abscheu und Entsetzen der Mehrzahl der Dänen gegenüber der „Reichskristallnacht“.

Schon zuvor hatte er öffentlich Stellung bezogen gegen Rassenideologie des 3. Reiches: Am 29. November 1936 las man in „Jyllands-Posten“ seine scharfe, ironische Auseinandersetzung mit dem Buch des deutschen Erfolgsautors Gustav Frenssen:[1] „Der Glaube der Nordmark“, dessen dänische Übersetzung gerade erschienen war. Munk überschrieb seinen Artikel mit: „Das christenfeindliche Deutschland“[2]. Zu Beginn betont er, dass selbstverständlich nicht alle Deutschen Feinde Christi seien, sei ihm bewusst. Aber er müsse Stellung beziehen zu einer gefährlichen Entwicklung in Deutschland, die ihn schmerze. So kommentiert er zunächst die merkwürdige Verherrlichung der nordischen Rasse in Hitler-Deutschland:

„Für uns Nordländer ist die deutsche Apotheose des Nordischen etwas Unerträgliches. Wir fragen mit spöttischem Lächeln, ob der Ariergeist etwas so Hervorragendes sein kann, da er sich fünfzehn Jahrhunderte lang von einem grünen Jungen wie Jehova tyrannisieren ließ. Wir zweifeln an der Kraft des deutschen Blutes, wenn wir hören, dass es ganz und gar verdorben sein soll bei einem Individuum, bei dessen Großmutter es vermutlich ein wenig nichtarischen Zusatz hatte. … Und wir sind höchst erstaunt darüber, dass ein so stolzer und erhabener Stamm wie der germanische einen Bund mit den Italienern und Japanern suchen muss, um sich in der Welt zu behaupten. Schließlich notieren wir, dass ein germanisches Volk die Erde regiert, aber nicht das deutsche, sondern das englische, das es sich immer leisten konnte, auf eine Betonung der eigenen Vortrefflichkeit zu verzichten und es nie nötig hat, sich einen pfarramtlichen Ausweis über die Abstammung der Großmutter zu beschaffen.“ [3]

Und dann rechnet er mit dem Versuch Frenssens ab, die unauflösliche Verbindung zwischen Israel und den Christen, zwischen dem christlichen Gottesglauben und dem Juden Jesus von Nazareth wegzuinterpretieren:

„Was ist das Zentrale im Christentum? Nicht Golgatha, nicht der Versöhnungstod, nicht die Dreieinigkeit, nicht die Vergebung der Sünden, nicht die Jungfrauengeburt, nicht das Abendmahl. Das Zentrale im Christentum ist Jesus. Nicht weniger, nein, aber wahrhaftig auch nicht mehr. … Aber dieser Jesus war Nicht-Arier! Das müssen wir in der Tat zugeben. Als Gott seinen Sohn geboren werden ließ, konnte er dafür kein Herrenvolk mit der Anlage zum Größenwahn gebrauchen. Es ist groß, Arier zu sein, aber es ist doch noch größer, Mensch zu sein. … Jesus war ein Jude, und ‘Sohn Davids’ und ‘Sohn des Menschen’“ waren die zwei Würdenamen, die er so souverän miteinander vereinen konnte, dass zweitausend Jahre davor gekniet haben.“ [4]

Zu dem Juden Jesus hat Kaj Munk sich auch sonst deutlich bekannt. Gerade dieser Jude war Kern und Stern seines Glaubens,[5] seiner Predigten,[6] seiner politischen Kommentare und seiner Dichtkunst.[7] Als die „Schleswig-Holsteinische Landeszeitung“ 1936 gegen Munk polemisierte, sein „Geschmiere stünde jüdischen Schmierereien nicht nach“ und er von seinem Bischof auf dem Dienstwege aufgefordert wurde, zu den Anwürfen Stellung zu nehmen, schrieb er sarkastisch zurück:

„Ich bin ein geborener Petersen (Den Nachnamen ‘Munk’ erhielt er von seinen Adoptiveltern Marie und Peter Munk, Verwandten seiner Eltern Carl Emanuel und Ana Mathilde Petersen, die früh verstarben.) und alles an mir ist, soweit ich es übersehe, ‘nordisch’. Nun aber wird mir also aus Deutschland mitgeteilt, dass der munksche Geist jüdischer Asphaltliteratur gleichkomme, von diesem Deutschland, das sich – mit Herrn Streicher an der Spitze – in Ausdrücken gefällt, für die ‘Lokusschmierereien’ noch ein zahmer Ausdruck ist. Von einem gewissen Zimmermann – Gott verzeih ihm, er war nur ein Jude! – habe ich das Asphalt-Auftreten gelernt, und weiter, dass es beim Kampf um den Geist in vielerlei Fällen unvorsichtig, herausfordernd und verletzend aufzutreten gilt, so dass man sowohl von denen missverstanden werden kann, denen Gott das Verständnis verwehrt hat, wie auch von denen, die der Teufel mit gutem Willen zum Missverständnis ausgestattet hat. In dieser Lehre gedenke ich zu verharren – in seiner Kirche – und auch außerhalb dieser, wenn es den darin Etablierten eines schönen Tages gefallen sollte, mich hinauszuwerfen.“ [8]

3) „Er sitzt am Schmelztiegel.“

Besonders beachtet wurde sein politisches Warnstück „Er sitzt am Schmelztiegel“ [9] aus dem Jahre 1938. Das Schauspiel hat die Verfolgung der deutschen Juden im Hitlerdeutschland zum Thema und rechnet mit dem vergeblichen Versuch einiger Gelehrter an deutschen Universitäten ab, Jesus aus Galiläa zu einem Arier zu machen. Eine der beiden Hauptpersonen in dem Schauspiel, der Archäologieprofessor Mensch, entdeckt ein zeitgenössisches Bildnis des Mannes aus Nazareth, das eindeutig beweist, dass Jesus ein Jude war.

Munk stellte das Stück, noch bevor sich die Dänen mit der Theaterproduktion auseinandersetzen konnten, in zahlreichen öffentlichen Lesungen zur Diskussion, einmal in Kopenhagen vor 5.000 Zuhörern. Wie brisant das Schauspiel über den Juden Jesus und die Verfolgung der Juden im Deutschen Reich eingeschätzt wurde, zeigte sich daran, dass dänische Behörden Aufführungen in Nordschleswig, südlich der Kongså, untersagten; man befürchtete Konflikte mit Hitlerdeutschland. Auch eine 1938 in London geplante Aufführung wurde verhindert „lest feelings might be hurt at Berchtesgaden.“ [10]

Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs sahen mehr als 160.000 dänische Zuschauer in fast allen größeren Städten den „Schmelztiegel“. Sie wurden dabei zum Beispiel mit solch absurden Hasstiraden eines deutschen Kulturfunktionärs konfrontiert – man meint, ein wörtliches Zitat aus dem NS-Hetzblatt „Der Stürmer“ zu vernehmen:

„Die Juden – der Kehricht im Rinnstein der Völker! Vaterlandslose Gesellen, die uns hassen, die wir ein Vaterland haben, diese aus allem Zusammenhang Herausgerissenen, die bar jeden Glaubens, bar aller Ideale sind, sie haben ihren widerlichen Zusammenhalt wie Ratten mit Krebsgeschwüren, denen die Schwänze zusammengewachsen sind. Alles Unglück stammt von ihnen: die Geldgier der Männer, die Liederlichkeit der Frauen, die Auflösung der Familien.“ [11]

Dem entgegnet in dem Stück ein deutscher Bischof ironisch, dann seien wohl auch die Juden daran schuld, wenn es regne und seine Frau die Wäsche nicht trocknen könne. Und dann sagt er ernst:

Ein Jude hat meinen deutschen Mund gelehrt, jeden Morgen und jeden Abend zu sprechen: ‘Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.’ Geben Sie so, in christlichem Sinn, Lebensrecht für dieses Volk in unserem Volk. Denn die Menschenrechte anderen Menschen wegnehmen heißt, sich selbst zum Verbrecher zu machen.“ [12]

Die deutsche jüdische Archäologin Sarah Levi, die unter falscher, arischer Identität als Privatdozentin Schmidt an der Berliner Universität arbeitet, tröstet ihren verfolgten Bruder, der sich trotz der Verfolgung nur als Deutscher verstehen kann:

„Die Verzweiflung hat Tausenden und Abertausenden unserer Landsleute zugemutet, während dieses Jahrhunderts auszuwandern. So können wir es auch machen, wenn unser Tag kommt. … Ja, wir sind Deutsche. Aber wenn wir nicht mehr länger das Recht haben, es zu sein, so ist es gut, wenn es eine andere Nation gibt, in der wir Heimatrecht bekommen. Und das ist die jüdische. Und weißt du, was die jüdische Nation ist? Ich habe es von Jeremias gelernt – ja, ich habe angefangen die Propheten zu lesen – dass es die leidende ist. Alle unverschuldet Leidenden dieser Erde und alle selbstverschuldet leidenden Menschen dieser Erde – wir gehören alle gehören zu Jehovas Volk.“ [13]

Ihrem Chef, Professor Mensch, hält sie vor:

„Ihr Deutschen redet davon, dass Deutschland gegen eine Welt von Feinden vier Jahre lang ausgehalten habe. Aber ich? Ich habe gegen die ganze Welt vier Jahrtausende ausgehalten. Schleppt mich nach Golgatha, so oft ihr wollt. Ich erhebe mich vom Tode und stehe wieder auf zu neuem Leben. Unüberwindlich. Denn Jehova ist der Gott des Lebens.“ [14]

Der Archäologieprofessor Mensch, ein auf seine Studien konzentrierter, unpolitischer Gelehrter, Antisemit, wie damals die Mehrzahl der Deutschen, zerstört am Ende das tönerne Bildnis des Juden Jesus vor den Augen Hitlers. Es war eine archäologische Sensation gewesen, seine Ausgrabung und Identifizierung einer authentischen zeitgenössischen Abbildung des Mannes aus Nazareth, der darauf aber eindeutig semitische Züge trägt. Er opfert seinen Fund, auf den er so stolz war, der rassistischen Staatsraison, die auch die deutsche Wissenschaft prägt.

Aber er kommt von der Realität und Humanität Jesu nicht los. Dem Führer und den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 zum Trotz gibt er bekannt, dass er seine Mitarbeiterin, die Jüdin Sarah Levi, heiraten wird. Das Drama schließt mit diesem Satz:

Professor Mensch „Du sollst mir in meinem Alter einen Sohn gebären, Sarah, der soll ein guter Deutscher und ein wahrer Mensch werden.“

Da der erhoffte Sohn eine jüdische Mutter haben wird: Ein Jude – ein guter Deutscher – ein wahrer Mensch! Und das nach den Nürnberger Rassegesetzen!

So stellte sich Munk mit seinen Kenntnissen des Jahres 1938 die Lösung vor: Der Jude Jesus lebt und wirkt in den Menschenherzen weiter, auch wenn man sein Bildnis zerstören und die historische Wahrheit über ihn verfälschen will. Er macht schwächliche Personen wie diesen Professor Mensch zu wahren Menschen, wenn sie es wagen, Menschlichkeit zu üben. Die Probe aufs Exempel wäre, den verfolgten Juden in Deutschland endlich die vollen Menschenrechte zu gewähren. Im Übrigen haben sie Recht auf ein eigenes Land. Israel soll und wird weiterleben.

Man mache sich klar, was es bedeutet, dass 160.000 von 4,5 Millionen Dänen dieses Theaterstück auf sich wirken ließen und miteinander darüber diskutierten, zu einer Zeit, als es noch nicht solche emotionalisierenden Massenmedien wie heute gab. Dann kann man ermessen, welchen Einfluss die prophetische Botschaft Munks in der Judenfrage auf die dänische Öffentlichkeit hatte und welches Resistenzpotential sich dadurch in der Bevölkerung aufbaute,[15] so dass die Dänen später, im Jahre 1943, als ihre jüdischen Mitbürger in die Vernichtungslager abtransportiert werden sollten, sich geschlossen vor sie stellten und sie vor dem Holocaust retteten.

4) Niels Ebbsen, der „dänische Wilhelm Tell“

Munks öffentlicher Protest gegen die deutsche Besetzung Dänemarks war von Anfang an scharf. Den vorsichtig-anpasserischen Kurs der dänischen Regierung und die gewinnbringende Kollaboration vieler seiner Landleute mit den deutschen Aggressoren lehnte er ab. In Predigten und Vorträgen rief er zunächst zum passiven Widerstand, zur Verweigerung der Zusammenarbeit, nach der Verhängung des militärischen Ausnahmezustands am 29. August 1943 jedoch zum aktiven Widerstand auf.

Die Dänen sollten sich nach Munks Willen und Einsicht auf die eigenen Befreiungstraditionen besinnen. Jedem Schulkind war Niels Ebbesen – der jütländische Bauer ist sozusagen der „dänische Wilhelm Tell“ – bekannt. Dieser, ein durch und durch friedfertiger Mann, erschlug trotz seiner christlichen Skrupel am 10. April 1340 den holsteinischen Grafen Gert, der sich ganz Skandinaviens bemächtigen wollte. Munk schrieb gleich nach dem deutschen Überfall im Frühsommer 1940 ein Bühnenstück darüber, das 1942 sogar im Druck erschien und von der dänischen Untergrundbewegung verbreitet wurde. Munk selbst las und interpretierte Teile des Schauspiels vom Herbst 1940 an in zahlreichen dänischen Städten. Als er daran gehindert wurde, fanden sich viele andere, die diese Protestaktion fortsetzten und Lesungen des Freiheitsdramas veranstalteten.

In einer Predigt über den barmherzigen Samariter (Lukas 10,23-37) nannte Munk Niels Ebbesen’s Tyrannenmord sogar eine Tat der Barmherzigkeit:

„Es gibt Mitmenschen, denen man am besten einen Dienst erweist, indem man sie totschlägt. Dies meine ich buchstäblich. Niels Ebbesen gegen den Grafen Geert zum Beispiel. Der kahlköpfige Graf hätte sich ein paar Jahre mehr Hölle erworben, wenn seine Verbrechen am 10. April 1340 nicht gestoppt worden wären. Und wenn es nicht aus Rücksicht auf den Grafen geschehen war, so war es doch eine barmherzige Samaritertat gegenüber dem mit Füßen getretenen, leidenden Volk. … „Du sollst deinen Feind lieben“ bedeutet nicht: ‚Du sollst dich auf ihn einstellen und ihm recht geben.’. … Gottes Güte ist sanftmütig und geduldig, aber sie schließt nie mit dem Bösen einen Kompromiss.“ [16]

Diese Predigt wurde in vollem Wortlaut in der „Nationaltidende“ veröffentlicht und sodann in dem Predigtband „Ved Babylons Floder“. Munks mutige politische Predigten – 1942 erschien ein zweiter Predigtband: „Med Ordets Sværd“ – erreichten bis Kriegsende fünf Auflagen mit 27.000 Exemplaren und stärkten das Resistenzpotential in Dänemark erheblich. Zahlreiche seiner Predigtsammlungen gelangten nach Norwegen, sogar bis in die Zellen der politischen Gefangenen im Osloer Gestapogefängnis Grini.[17]

5) „Mit Gottes Hilfe das Volk zum Aufruhr bringen!“

Am 5. Dezember 1943 predigte Munk trotz Verbots im Kopenhagener Dom und nahm Bezug auf die Judenverfolgungen im Lande. Er drohte sogar mit Aufruhr. Man bedenke: ein lutherischer Pfarrer drohte der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, mit Aufruhr!

„Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Verfolgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: ‘Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barmherzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordische Denken.’ Und die Kirche muss weitergehen, ohne sich beirren zu lassen. Geschieht das noch einmal, dann wollen wir mit Gottes Hilfe versuchen, das Volk zum Aufruhr zu bringen. Denn ein christliches Volk, das tatenlos zusieht, wenn seine Ideale mit Füßen getreten werden, gibt dem tödlichen Keim der Verwesung Einlass in seinen Sinn, und Gottes Zorn wird es treffen.“ [18].

Dass er sich dadurch in Lebensgefahr brachte, war ihm sehr bewusst. Kaj Munk liebte das Leben und suchte den Märtyrertod nicht. Aber er konnte und wollte die Wahrheit auch nicht verschweigen.

„Die Kirche ist der Ort, wo das Unrecht in den Bann getan, die Lüge entlarvt, die giftige Bosheit angeprangert werden muss- der Ort, wo Barmherzigkeit geübt werden soll als Quelle des Lebens, als Herzschlag der Menschheit.“[19]

Genau einen Monat später, am 5. Januar 1944, fand man die Leiche von Pastor Munk in einem Straßengraben der Hørbylunde Bakker, kurz vor Silkeborg in Jütland. Als er seine Frau, die mit fünf kleinen Kindern zurückblieb, zum Abschied umarmte, sprach er ihr Mut zu: „Vertraue auf Gott!“

II. Die Rettung der dänischen Juden 1943

Ich komme nun zu dem anderen Schwerpunkt: Die Rettung der dänischen Juden 1943. – Man sollte vielleicht besser sagen: Die Flucht der dänischen Juden im Oktober 1943 hinüber nach Schweden.[20] Dazu hole ich etwas weiter aus:

1) Die Lage der dänischen Juden bis zur Besetzung Dänemarks durch Deutschland am 9. April 1940:

Dänemarks Bevölkerung betrug zu der Zeit ungefähr 4,5 Millionen Menschen, davon waren ungefähr 6.000 Juden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren genau 3.476 Juden registriert. Der größte Teil von ihnen wohnte im Großraum Kopenhagen. Einige gehörten zu intellektuellen Elite des Landes, so der Kulturphilosoph Georg Brandes, der Entdecker Nietzsches, oder der Physiker Niels Bohr. Während der russischen Revolution kamen 3.146 jüdische Flüchtlinge ins Land. Sie belebten die jüdische Gemeinde und arbeiteten meist als strebsame kleine Handwerker, Kleinkaufleute oder Angestellte. Die Juden waren seit 1814 grundgesetzlich voll anerkannte, in die Gesellschaft integrierte dänische Staatsbürger.

Seit 1933 kamen etwa 4.500 jüdische Flüchtlinge ins Land, vor allem aus Deutschland, von denen rund 1.500 – vom Deutschen Reich als staatenlos erklärt – im Land blieben. Der größte Teil derer, die weiterzogen, waren junge Leute, die ein Jahr lang in der Landwirtschaft ausgebildet wurden, dort wegen ihres Eifers und ihrer bescheidenen Höflichkeit hoch angesehen waren und dann nach Palästina gingen, um sich in den dortigen jüdischen Siedlungsprojekten zu engagieren.

Erwähnenswert für die Sensibilität in Dänemarks lutherischer Staatskirche gegenüber der NS-Judenpolitik und den Nöten deutscher Juden ist folgendes: Im Juni 1936 erfolgte auf Initiative der ökumenischen Bewegung „Life and Work“ eine landesweite Kollekte für notleidende „nichtarische deutsche Christen“. Sie ergab 30.000 damalige DKR (entspricht ungefähr 1 Million heutiger DKR oder 135.000 €). Die bedeutende Tageszeitung „Kristelig Dagblad“ machte daraus eine permanente Sammelaktion „ Von dänischen Christen für deutsche Juden“, die bis zum Einmarsch der Deutschen 1940 ingesamt mehr als 100.000 damalige DKR (ca. 3,3 Millionen heutiger DKR) ergab.[21]

Die Zahl derer, die der politisch unbedeutenden dänischen nationalsozialistischen Partei angehörten – sie spielte fast nur in Nordschleswig eine Rolle – war kleiner als die Zahl der dänischen Juden. Vereinzelt gab es auch antisemitische Äußerungen im Dänemark der dreißiger Jahre. War die Aufnahme von jüdischen Exulanten aus Deutschland in der ersten Zeit nach 1933 noch relativ großzügig, so wurde sie, je näher es zum Zweiten Weltkrieg kam, doch aus diplomatischer Rücksicht auf das Deutsche Reich restriktiver gehandhabt.

Aber: Als Reflex auf die „Reichskristallnacht“ im großen deutschen Nachbarvolk und ohne die übliche außenpolitische Rücksichtnahme verabschiedete das dänische Parlament im Jahre 1939 eine Ergänzung zum dänischen Strafgesetzbuch. Darin heißt es, dass jeder mit Gefängnis bestraft wird, der gegen irgendeinen Teil der dänischen Bevölkerung wegen dessen Religion, Abstammung oder Herkunft durch übles Nachreden oder falsche Behauptungen Hetze betreibt.

2) Wie änderte sich die Lage der dänischen Juden nach der deutschen Besetzung?

Am 9. April 1940 überfielen deutsche Truppen das Land ohne Vorwarnung unter Bruch eines im Jahr zuvor geschlossenen Nichtangriffspaktes. Die dänische Regierung befahl nach kurzem militärischem Widerstand die Einstellung von Kampfhandlungen und arrangierte sich mit dem Aggressor.

Dänemark erhielt unter den von Deutschen besetzten Ländern einen Sonderstatus: König und Regierung blieben im Amt, alle Behörden arbeiteten weiter wie bisher, die dänische Armee und die dänische Polizei taten weiterhin Dienst. Es gab sogar noch am 23. März 1943 Wahlen zum Folketing.[22] Das Land blieb – unter Oberaufsicht des Auswärtigen Amtes in Berlin und eines entsandten „Reichsbevollmächtigten“ – formal ein autonomer und neutraler Staat und galt bei den Deutschen als „Musterprotektorat“, das sich selbst verwaltete.

Ein befriedetes Dänemark war für die deutsche Kriegswirtschaft von großer Bedeutung. Das Agrarland wurde zu einem der wichtigsten Nahrungsmittellieferanten für Deutschland. Die dänischen Werften wurden als Reparaturstätten für die deutsche Flotte notwendig gebraucht, ebenso die dänische Schiffstonnage. Der Weg der schwedischen Erzlieferungen für die deutsche Rüstungsindustrie blieb offen.

Bis zum August 1943 dauerte diese Periode an, aus der beide Seiten Nutzen zogen. Die Dänen sprechen heute von dieser Phase als der „Verhandlungszeit“, kritische Dänen freilich von Kollaboration. Schikanierung oder Verfolgungen der dänischen Juden durch die Deutschen während dieser Zeit hätten zum Rücktritt der Regierung, zu Unruhen im Lande und zur Gefährdung der Lieferungen nach Deutschland geführt. Sie unterblieben daher völlig. So unterblieb 1941 auch die Einführung der Judensternverordnung.[23] Selbst der Führer der dänischen NS, Frits Clausen, äußerte, dass Zehntausende arischer Dänen protestieren würden, wenn dänische Juden den Judenstern tragen müssten, und riet davon ab.[24] Die dänischen Juden verhielten sich im Übrigen unauffällig und fühlten sich relativ sicher. Sie waren ja dänische Vollbürger.

3) Die neue, gefährliche Situation vom 29. August 1943 an

Die dänische Regierung hatte, solange Hitlers Schlachtenglück anhielt, eine anpasserische, aber vorsichtig die nationalen Interessen wahrende Politik betrieben. Man erzeigte den deutschen Besatzern korrekten Respekt, forderte die Bürger zu Ruhe und Ordnung auf und achtete auf Wahrung der Bürgerrechte durch die Besatzungsmächte , also auch die der dänischen Juden. Man erwartete eine Neuordnung Europas durch ein siegreiches Großdeutschland, in der Dänemark seinen Platz finden würde.

Das änderte sich im Laufe des Jahres 1943 und nach Stalingrad. Zudem forderten die Alliierten und dänische Exilpolitiker zum aktiven Widerstand im Lande auf, da man sonst auch dänisches Territorium aus der Luft angreifen müsse. Es bildeten sich Sabotagegruppen und Anfänge verschiedener Widerstandsorganisationen, die von England aus mit Waffen, Funkgeräten, Sprengstoff versorgt wurden.

Nach einer Welle von Sabotageakten der Freiheitskämpfer und um den Generalstreik in mehreren Großstädten gewaltsam zu beenden, kam es am 28. August 1943 zu einem deutschen Ultimatum: Man forderte von der dänischen Regierung den Erlass eines Versammlungsverbots, die Einführung einer Ausgangssperre, Militärgerichte und die Todesstrafe für Saboteure. Die dänische Regierung weigerte sich, dem nachzukommen und trat zurück. Das Parlament tagte nicht mehr. Die Staatssekretäre der Ministerien übernahmen die Führung der Regierungsgeschäfte und wurden von führenden Politikern im Hintergrund beraten.

Hermann von Hanneken, der Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark, verhängte am 29. August 1943 den militärische Ausnahmezustand über Dänemark. Es kam zu Standgerichten und Erschießungen. Die dänische Armee und die dänische Polizei wurden entwaffnet und interniert. Die dänische Flotte entzog sich der Übergabe an die Deutschen durch teilweise Selbstversenkung. Für die meisten Dänen waren die Fronten endlich klar: Es herrschte Krieg zwischen Dänemark und Deutschland. Die Phase der Kollaboration war vorbei. Kaj Munk bezeichnete in einer Predigt am 29. August 1943 diesen Tag als einen stolzen Tag für Dänemark.[25]

Ab jetzt betrachte ich die Entwicklung aus drei unterschiedlichen Perspektiven, ohne das jeweils besonders hervorzuheben. Versuchen Sie, während Sie mir zuhören, auf die jeweilige Perspektive zu achten, aus der ich formuliere:

  • Die Perspektive der deutschen Absichten und Interessen.
  • Die Perspektive der bedrohten, zu Tode geängstigten Juden.
  • Die Perspektive und die Motivation engagierter Dänen.

Die deutsche Staatsführung, Hitler, Himmler und Ribbentrop, wollten diese Situation für die bislang aufgeschobene Eliminierung der dänischen Judenschaft nutzen. Dänemark sollte endlich „judenfrei“ gemacht werden, solange der Ausnahmezustand andauerte.

Die deutsche Kommandogewalt lag seit Beginn des Ausnahmezustandes in den Händen des Wehrmachtsgenerals von Hanneken. Dr. Werner Best, SS-Obergruppenführer und – dem Außenministerium in Berlin unterstehend, „Gesandter und Reichsbevollmächtigter für das Königreich Dänemark“ – war zeitweilig entmachtet. Er sah seine Bemühungen um ein relativ ruhiges, mit dem Reich kooperierendes besetztes Land torpediert, vor allem die bisherigen kriegsnotwendigen Lieferungen ins Reich gefährdet. Er machte daher von sich aus am 8. September 1943 detaillierte Vorschläge zur Gefangennahme und zum Abtransport der dänischen Juden.

4) Das Doppelspiel des Reichsbevollmächtigten Dr. Werner Best:

Er forderte zusätzliche Polizeikräfte an und ein großes Schiff zum Abtransport der dänischen Juden über die Ostsee, aber er wies zugleich auch auf die Schwierigkeiten der Aktion hin, auf den zu erwartenden Protest der Bevölkerung, die schwachen eigenen Sicherheitskräfte, vor allem auch auf die Gefährdung der Lebensmittellieferungen nach Deutschland.

Als Termin der Aktion wurde die Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1943 festgesetzt. Die Führung der deutschen Besatzungsarmee in Dänemark riet wegen der zu erwartenden Unruhen grundsätzlich ab.

Mit Wissen Best’s nahm der der Marinesachverständige der deutschen Botschaft in Kopenhagen, Georg Ferdinand Duckwitz,[26] in diesen Septembertagen Kontakt mit schwedischen Diplomaten auf und informierte sie über die Judenaktion. Er traf sich in Schweden sogar zu einem zweistündigen Gespräch mit dem schwedischen Ministerpräsident und klärte mit diesem ab, dass das Königreich Schweden alle jüdischen Flüchtlinge aus Dänemark aufnehmen würde.

Am 28 September 1943 informierte Duckwitz den dänischen sozialdemokratischen Politiker Hedtoft und Repräsentanten der Freiheitsbewegungen über den Termin der Aktion. Diese verständigten sofort die jüdische Gemeinde in Kopenhagen, die dänischen politischen Führungspersonen sowie die dänischen lutherischen Bischöfe.

5) Dänemark war alarmiert!

Sogleich tauchten fast alle dänischen Juden unter. Wer dazu in der Lage war, versuchte von sich aus die Flucht hinüber ins nahe Schweden zu in die Wege zu leiten. Alles musste von jetzt auf gleich improvisiert werden – Hektik und Chaos unter der Decke des Normalen. Es waren ja keinerlei organisatorische Vorbereitungen getroffen worden.

Einige zigtausend Dänen, auch wenn sie nicht aktive Widerständler waren, halfen ihren bedrohten Mitbürgern spontan. Die flüchtenden Juden wurden in Kopenhagener Krankenhäusern, in Kirchen des Hinterlandes, in Pfarrhöfen und Gemeindehäusern, bei zahllosen hilfsbereiten Privatleuten im Lande versteckt. Eine wichtige Rolle spielten dabei die drei großen Krankenhäuser der Hauptstadt.

Bei Nacht und Nebel wurden dann die Flüchtenden unter abenteuerlichen Verhältnissen zur Küste und dann mit allen möglichen kleinen Seefahrzeugen über die Ostsee nach Schweden gebracht. Niemand wurde zurückgelassen, weil er die in den ersten Tagen teure illegale Überfahrt (ca 2.500 Euro) nicht bezahlen konnte.

Ungefähr die Hälfte der gesamten Überfahrtskosten wurde von den Flüchtenden selbst, die andere Hälfte von ihren dänischen Mitbürgern aufgebracht. Auch der König beteiligte sich an der Sammelaktion. Diese Untergrundaktionen hielten längere Zeit an. Die dänischen Freiheitskämpfer sprachen – voll Spott gegenüber dem Lebensmittelexport der Kollaborateure – von „Judenexport“.

6) Auffälligkeiten

Wo die Einsatzkräfte Juden gefangen nahmen, gingen sie nach den vorliegenden Berichten mit der üblichen Brutalität vor. Auffällig ist aber, dass sie nicht angehalten wurden, die untergetauchten Juden systematisch aufzuspüren. Das deutsche Militär sah sogar betont weg und begünstigte die dänischen Rettungsaktionen. Auch hierzu gibt es Berichte von Zeitzeugen. Die Schnellboote der Küstenbewachung waren zu der Zeit zur Wartung aufgedockt, so dass die Passage nach Schweden wenig kontrolliert werden konnte. Duckwitz hatte den Kommandanten der deutschen Marineeinheiten in Kopenhagen dahingehend beeinflusst.

Zudem: Als die Polizeiaktion begann, hatten die deutschen Einsatzgruppen den Befehl, nur einmal an jüdischen Wohnungstüren zu klingeln und gleich wieder abzuziehen und nicht mit Gewalt in die Wohnung einzudringen, wenn niemand aufmachte. So wurden statt der ungefähr 7500 dänischen Juden nur an die 600 verhaftet, meist alte, gebrechliche oder mittellose Leute. Ein Teil von ihnen entkam dann noch aus den Lagerschuppen am Hafen, wo sie bis zum Abtransport gefangen gehalten wurden.

Es gab allerdings auch Tragödien wie der Verhaftung von 80 Juden am 6. Oktober, die auf dem Boden des Dachs der Kirche von Gilleleije auf Seeland versteckt worden waren. Ein dänischer Nazi hatte sie verraten.

Die schwedische Regierung erklärte sich stündlich(!) über Radio – damit war die Sache öffentlich – zur Aufnahme sämtlicher ins Land strömenden jüdischen Flüchtlinge bereit. Darum hatte sich – neben Duckwitz – auch Niels Bohr bemüht, der sich zu der Zeit in Schweden aufhielt. Die Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge in Schweden erfolgte problemlos und war in der Erinnerung von Zeitzeugen großherzig.

In der dänischen Presse durfte die Judenaktion nicht thematisiert werden. Stattdessen musste folgende Erklärung der Besatzungsmacht veröffentlicht werden:

„Freilassung der dänischen Soldaten – Wortlaut der offiziellen Erklärung

Nachdem die Juden, die mit ihrer deutschfeindlichen Hetze und ihrer moralischen und materiellen Unterstützung der Terror- und Sabotageakte, die wesentlich zur Verschärfung der Lage beigetragen haben, durch die von deutscher Seite getroffenen Maßnahmen aus dem öffentlichen Leben entfernt und dadurch gehindert wurden, die öffentliche Atmosphäre weiter zu vergiften, wird als Erfüllung der Wünsche weiter Kreise der dänischen Bevölkerung in nächster Zeit damit begonnen, die internierten dänischen Soldaten frei zu lassen, und diese Freilassung wird in dem Tempo stattfinden, die die technischen Möglichkeiten erlauben.

3. Oktober 1943“[27]

Das Außenamt in Berlin fragte beim Reichsbevollmächtigten in Kopenhagen nach den konkreten Einzelheiten jüdischer Beteiligung an Sabotageakten. Dieser konnte sie nicht nennen, weil es sie nicht gab. Stattdessen teilte er mit, diese öffentliche Begründung der Judenaktion sei „um des Zweckes willen“ gegeben worden, ohne dass konkrete Informationen vorgelegen hätten.[28] Also Fake News.

7) Das Risiko von Duckwitz und Best

Fraglos haben sich sowohl Best als auch Duckwitz über persönliche Direktiven Hitlers hinweggesetzt. Das hätte ihren Kopf kosten können. Best hat sich nach 1945 vor Gericht in Kopenhagen damit in ein gutes Licht gesetzt, dass er erklärte, er habe das Leben der dänischen Juden retten wollen. Tatsächlich hat er 1943, als die Verhaftung der Juden in der Beurteilung der deutschen Führung in Berlin als großer Fehlschlag gewertet wurde, einem Beamten des Auswärtigen Amtes erklärt, die Aktion sei im Endeffekt effektiv gewesen, denn Dänemark sei jetzt völlig „entjudet“.[29]

Faksimile aus einer Ministervorlage des „Judenreferenten“ im Auswärtigen Amt,

LR Eberhard von Thadden vom 6. Oktober 1943. (aus: Hans Kirchhof: Georg Ferdinand Duckwitz – Die Rettung der dänischen Juden, Hg. Auswärtiges Amt Berlin 2014, S. 62f)

8) Der Hirtenbrief der lutherischen Bischöfe

Die Empörung über die Durchführung der „Judenaktion“ markierte im besetzten Dänemark den Übergang von passivem zu aktivem Widerstand eines größeren Teils der Bevölkerung. Am 29. September 1943 ließen die Bischöfe der dänischen lutherischen Staatskirche den Vertretern der Besatzungsmacht durch die dänische Regierung eine Protesterklärung übergeben.[30] Ihr Text wurde von den sieben Bischöfen der lutherischen Staatskirche auch an alle Pfarrer gesandt und am 3. Oktober 1943 von allen 1200 Kanzeln als Hirtenbrief verlesen:[31]

Die Stellung der dänischen Kirche zur Judenfrage

Wenn eine Verfolgung von Juden aus rassischen oder religiösen Gründen erfolgt, ist es die Pflicht der christlichen Kirche, dagegen zu protestieren.

Erstens: Weil wir niemals vergessen dürfen, dass der Herr der Kirche, Jesus Christus, in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde gemäß der Verheißungen Gottes an sein auserwähltes Volk Israel. Die Geschichte des jüdischen Volkes bis zur Geburt Christi enthält die Vorbereitung auf das Heil in sich, das Gott für die ganze Menschheit in Christus bereitet hat. Das wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass das Alte Testament Teil unserer Bibel ist.

Zweitens: Weil eine Verfolgung von Juden in krassem Gegensatz zu den Werten der Humanität und der Nächstenliebe steht, die sich aus der Botschaft herleiten, die die Kirche Jesu Christi zu verkündigen hat. Es gilt kein Ansehen der Person vor Christus, und Er hat uns zu sehen gelehrt, dass jedes einzelne menschliche Leben vor Gottes Angesicht wertvoll ist (Galater 3, 28).

Drittens: Weil es gegen das Rechtsbewusstsein verstößt, das im dänischen Volk gilt und das fest eingewurzelt wurde in den Jahrhunderten dänisch-christlicher Kultur. Auf Grund dessen wird in der Verfassung festgestellt, dass alle dänischen Bürger die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben sowie eine garantierte Religionsfreiheit als das Recht, Gott zu verehren entsprechend ihrer Berufung und ihres Gewissens. Diese (Religions-) Freiheit garantiert, dass Rasse und Religion als solche niemals der Grund sein dürfen für die Beraubung der Bürgerrechte, der Freiheit oder des Eigentums. Trotz divergierender religiöser Anschauungen werden wir für unsere jüdischen Brüder und Schwestern kämpfen, dass sie dieselbe Freiheit behalten, die wir höher schätzen als das Leben.

Wir Leiter der dänischen Kirche besitzen ein klares Verständnis unserer Verpflichtung, gesetzestreue Bürger zu sein, die sich nicht unbedacht gegen die erheben, die die Macht über uns ausüben. Aber zur selben Zeit sind wir in unserm Gewissen gebunden, Gerechtigkeit zu verlangen und zu protestieren gegen jegliche Verletzung der bürgerlichen Rechte. Deswegen, sollte der Augenblick der Entscheidung kommen, werden wir unzweideutig das Wort befolgen, dass wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen.

Im Namen der Bischöfe: H. Fuglsang-Damgaard. [32]

9) Der Protest des dänischen Volkes und seine positiven Folgen

Am 4. Oktober 1943 verurteilte der dänische Freiheitsrat, der sich in diesen Tagengegründet hatte, die Pogrome in einer Erklärung, die aus dem Untergrund verbreitet wurde.[33] Es gab große Proteste innerhalb der dänischen Bevölkerung. Für sie handelte es sich weniger um Judenverfolgungen, als vielmehr um allen Bürgerrechten Hohn sprechende Verfolgung unschuldiger dänischer Mitbürger. In diesem Sinne hatte ja auch Pfarrer Munk von der Kanzel mit Aufruhr gedroht.

Die internationale Presse informierte und kommentierte ausführlich: Denn es handelte sich jetzt um deutsche Judenverfolgungen in einem nominell noch immer autonomen Land.

Am 4. November 1943 fand in Kopenhagen ein Gespräch zwischen Adolf Eichmann und Dr. Werner Best statt, um die Situation zu entschärfen. Dabei wurde festgelegt, dass die 470 dänischen Juden, die nach Theresienstadt deportiert worden waren, nicht weiter in die Todeslager in den Osten geschickt wurden. Zweitens wurde dem dänischen Roten Kreuz zugesichert, dass es die dänischen Juden in Theresienstadt zu einem gewissen Zeitpunkt besuchen dürfe. Und drittens wurde dem dänischen Roten Kreuz ebenfalls zugesichert, dass es monatlich Essenspakete an die dänischen Juden nach Theresienstadt schicken dürfe. Diese drei Abmachungen sind auch wirklich eingehalten worden. Noch 1960 vor Gericht in Jerusalem ärgerte Eichmann sich: „Dänemark hat uns mehr Schwierigkeiten bereitet als jedes andere Land.“[34] Von den verschleppten dänischen Juden überlebten 431. Die im KZ starben, erlagen den dort üblichen Krankheiten.

Als Fazit bleibt: Fast die gesamte dänische Judenschaft entkam dem Holocaust, weil sehr viele einzelne Dänen ihren jüdischen Mitbürgern auf der Flucht halfen, weil sich ein ganzes Volk über das deutsche Vorgehen empörte und weil auch die lutherische Staatskirche klare Position bezog. – Und weil dahinter ein gewagtes politisches Doppelspiel hochrangiger NS-Diplomaten stand.

Vortrag gehalten am 28. Oktober 2018 in der Evangelischen Stadtakademie Bochum.


[1] zu Frenssen: Rainer Lächele, Germanisiertes Christentum – Der Bestseller-Autor Gustav Frenssen, in: Evangelische Kommentare, Stuttgart 2/1997, S. 107-109.

[2] Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: „En Digters Vej og andere Artikler“, S. 271-276, Übersetzung PGSch.

[3] Ebda S. 274.

[4] ebda S. 274f.

[5] Alfred Otto Schwede, Verankert im Unsichtbaren. Das Leben Kaj Munks, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin, zweite Auflage 1971.

[6] Christian Eisenberg, Die politische Predigt Kaj Munks, Verlag Peter D. Lang, Frankfurt am Main, Bern, Cirenchester/UK 1980, besonders S. 65-75.

[7] Ebbe Neergaard, Kaj Munk – Ein Dichter zwischen zwei Weltkriegen, (Übersetzung: Maria Bachmann-Isler), Artemis Verlag, Zürich 1945.

[8] Niels Nøjgaard; Ordets Dyst og Daad – Kaj Munks Levnedløb og Personlighed, Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck, København 1946, S. 295.

[9] Zur Entstehung des Schauspiels vgl. Marc Auchet, De lollanske Stjerner – Kaj Munks Forfatterskab set på Baggrund af hans Liv, C. A. Reitzel Forlag, København 1997, S. 245-265.

[10] R. P. Keigwin, Kaj Munk – Playwright, Priest and Patriot, The Free Danish Publishing Company, London 1944, S. 9.

[11] Kaj Munk, Schauspiele, S. 279.

[12] Ebda, S. 280.

[13] ebda, S. 272.

[14] Ebda, S. 292f.

[15] Zur Wirkungsgeschichte des „Schmelztiegel“ in den Jahren 1938 und 1939 vgl. Bjarne Nielsen Brovst, Kaj Munk og den stærke Mand, Centrum, Aarhus 1992, S. 357-416.

[16] Predigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis 1941, in: Kaj Munk, Bekenntnis zur Wahrheit, Zürich 1944, S. 76; Kaj Munk, Ved Babylons Floder, Kopenhagen 1944; Kaj Munk Mindeudgave, Bd.: „Praedikerner“, S. 161f.

[17] Torleiv Austad, Kaj Munk sett i lys av den norske kirkekamp, in: Kaj Munk – Dansk rebel og international inspirator Kaj Munk, Akademisk Forlag, Kopenhagen 1995, S. 179f.

[18] Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: „Prædikener“, Kopenhagen 1948, S.353.

[19] Kaj Munk, Dänische Predigten, Neuer Verlag, Stockholm, o. J. (1945), S. 6.

[20] Zum Thema „Rettung der dänischen Juden samt deren Vorgeschichte“ vgl.: Jørgen Glenthøj, The Little Dunkerque: The Danish Rescue of the Jews in Oct. 1943, in Michael D. Ryon (Ed.), Human Responses to the Holocaust: Perpetrators and Victims, Bystanders and Resisters, Papers of the 1979 Bernhard E. Olson Scholars’ Conference on the Church Struggle and the Holocaust, The Edwin Mellem Press, New York and Toronto 1980, S. 93-119; ferner: Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren und das Museum des dänischen Widerstandes 1940-1945 (Hg.), Oktober 1943: Die dänischen Juden – Rettung vor der Vernichtung, Kopenhagen 1993, S. 12ff; ferner: Süddeutsche Zeitung 2./3. Oktober 1993, S. 9 „Stiller Volksaufstand gegen den Holocaust“; ferner Bo Lidegaard, Landsmænd – De danske jøders flugt i oktober 1943, Politikens Forlag, Kopenhagen 2013, deutsch: Bo Lidegaard, Die Ausnahme, München 2013.

[21] Nach Martin Schwarz Lausten in „Kristelig Dagblad“ 5. 5. 2018 S. 14-15.

[22] dazu: Johan Hvidtfeld, Ib Koch-Olsen, Axel Steenberg, Dänemark im 2. Weltkrieg – Die deutsche Besetzung 1940-1945, Kopenhagen 1950/51, S. 45-48.

[23] Dass König Christian X androhte, auch er und die Minister seiner Regierung würden den Judenstern tragen, falls die entsprechende Verordnung nicht zurückgenommen werde, ist wohl nur eine Legende, bewahrt aber einen richtigen Kern. Das Diktum lässt sich – so Jørgen Glenthøj – nicht durch einen Zeugen oder ein Dokument belegen; vgl.: Jørgen Glenthøj, a. a. O. S. 98. Es war im ganzen Land bekannt, dass König Christian X. sich seit dem Einfall der Deutschen eindeutig vor die dänischen Juden stellte. Kurz vor der deutschen Judenaktion am 1./2. Oktober 1943 richtete er ein scharfes Schreiben über den Reichsbevollmächtigten Dr. Best an den deutschen Außenminister Ribbentrop. Darin heißt es: „Nachdem mir bekannt geworden ist, wonach man deutscherseits beabsichtigt, Schritte gegen die Juden in Dänemark zu unternehmen, ist es mir, nicht nur aus menschlicher Sorge für die Bürger meines Landes, sondern auch aus Furcht vor den weiteren Konsequenzen in den künftigen Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland, sehr daran gelegen, Ihnen gegenüber hervorzuheben, dass Sondermaßnahmen gegen eine Gruppe von Menschen, die seit mehr als 100 Jahren die vollen bürgerlichen Rechte in Dänemark genießen, die schwersten Folgen haben könnten.“

[24] Jørgen Glenthøj, a. a. O. S. 98.

[25] Kaj Munk, Mindeudgave, Bd.: „Praedikerner“, S. 345.

[26] Zu Rolle und Bedeutung von Duckwitz vgl.: Johannes Dose, Georg Ferdinand Duckwitz in Dänemark 1943-1945, 2. erweiterte Auflage, Reihe: Berichte und Dokumentationen, hg. vom Auswärtigem Amt, Bonn 1992; ferner: Hans Kirchhof: Georg Ferdinand Duckwitz – Die Rettung der dänischen Juden, Hg. Auswärtiges Amt Berlin 2014.

[27] „Den tyske erklæring i Kristelig Dagblad den 3. oktober 1943“ – in KD 27. September 2018.

[28] Eckart Conze/Norbert Frei/Peter Heyes/Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit – Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, Karl Blessing Verlag, München 2010, S. 247.

[29] Ulrich Herbert, Best, Kapitel „Forschung und Legenden“, S. 368-373, besonders S.370 – Aktennotiz von F.-A. Six über ein Gespräch mit Best vom 25. 10. 1943 – Es sprengt den Rahmen dieser Arbeit, Bests Rolle im Dritten Reich und im Nachkriegsdeutschland in einem längeren Exkurs nachzuzeichnen. Hier nur soviel: Best war einer der willigen juristischen Helfer Hitlers; so hat er 1934 die Tötungslisten anlässlich der Niederschlagung der sogenannten Röhmrevolte aufgestellt. Er war später einer der fähigsten Mitarbeiter Himmlers, unter anderem als Personalchef der berüchtigten Einsatzgruppen im Osten. Er hat keineswegs aus humanitären Gründen, sondern aus taktischen und politischen Erwägungen – vor allem, um die Lebensmittellieferungen nicht zu gefährden – die dänischen Juden entkommen lassen. Er fühlte sich Hitler als politischer Gestalter überlegen. Der Führer wies Best in dieser Zeit einmal wütend aus dem Zimmer – „Raus! Sofort raus!“ – weil dieser ihm in’s Angesicht widersprach. Darum riskierte Best, Hitlers Anweisung, die dänischen Juden seien zu eliminieren, nicht auszuführen, sondern er drängte sie durch sein diplomatisches Doppelspiel aus dem Land, hinüber nach Schweden. Nach dem Krieg war Best, der zunächst in Kopenhagen zum Tode verurteilt und später begnadigt wurde, Justitiar des Stinneskonzerns in Mülheim. Er gehörte zum rechten Flügel der FDP in Nordrhein-Westfalen und hat als Rechtsberater – dabei stets im Hintergrund – zahllosen Kameraden aus SS und Polizei bei Kriegsverbrecherprozessen geholfen. Von ihm stammt die verteidigende Rechtsfigur des „putativen Befehlsnotstandes“. Die Darstellung seines Wirkens in Dänemark, die Best im Gefängnis in Kopenhagen niederschrieb und die von Siegfried Matlok Jahrzehnte später veröffentlicht wurde, ist in meinen Augen ein Konstrukt zur Selbstverteidigung und hat sowohl die zeitgeschichtliche Forschung als auch populäre Darstellungen irregeführt.

[30] Text in: Jørgen Glenthøj, Kirkelige Dokumenter fra Besaettelsestiden, Selbstverlag des Herausgebers 1985, S.10f; deutsche Übersetzung des Bischofswort in ORIENTIERUNG Nr. 13/14, 59. Jahrgang 15./31. S. 163; zur Vorgeschichte: Henrik Fossing, Die Haltung der dänischen Kirche gegenüber der Obrigkeit während der deutschen Besetzung (1940-1945), in: Ulrich Duchrow (Hg.), Zwei Reiche und Regimente: Ideologie oder evangelische Orientierung? Internationale Fallbeispiele zur Theorie und Praxis lutherischer Kirchen im 20. Jahrhundert, Gütersloh 1977, S. 97-118, bes. S. 108-113.

[31] Henrik Fossing a.a.O. S. 108.

[32] Text in: Jørgen Glenthøj: „Kirkelige Dokumenter fra Besaettelsestiden“, Selbstverlag des Herausgebers 1985, S.10f.

[33] Jørgen Glenthøj, The Little Dunkerque, S. 109f.

[34] Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren (Hg.), a. a. O. S. 18.

Hier der Text als pdf.

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