Lebenslauf aus dem Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät Göttingen
Von Hans Joachim Iwand
Natus sum anno p. Chr. n. 1899 quinto a. 1.1. die (11. Juli) Schreibendorf (Prov. Silesia). In pueritia a patre elementis literarum imbutus sum, tum discipulus fui Gymnasii Regii Gorliciani (Görlitz), civis academicus universitatum et Vratislaviae et Halis Saxonum. Studiis theologicis operam dabam. Anno 1922 viri clarissimi qui prae- erant consistorio Vratislaviensi examine habito mihi facultatem concionandi concesserunt. Tum ab Academia Regimontana (Königsberg, Pr.) iussus sum, convictum illum theologicum, cui nomen erat „Lutherheim“, regendum suscipere (1923). Quo officio per annos duodecim cum maximo Studio functus sum. Anno 1927 (!) promotus, anno 1927 venia legendi ornatus sum ab ordine Theologico Regimontano. Anno 1928 examen pro reverendo ministerio absolvi. Anno 1934 ab episcopo societatis Germanae-Christianae, cui nomen erat „Deutsche-Christen-Bewegung“, expulsus Rigam fugi. Ibi in schola academica theologiam docebam. Anno 1935 de munere docendi deiectus a fratribus vocatus sum seminarium condere Ecclesiae Confessionalis (Bloestau i. Ostpr.). Hinc anno 1937 cum confratribus meis expulsus et ab amicis et patria decessi. Perrexi munere meo fungi cum multis et magnis periculis. Autumno 1938 seminarium illud existinctum est: benigne exceptus sum a communione fidelium ad Ecclesiam Sanctae Mariae Dortmundensis ut pastor eorum essem. Anno 1945 ab Academia Georgia Augusta vocatus sum prof. publ. ord. theologiae system.
Ich wurde am 11. Juli 1899 in Schreibendorf (Provinz Schlesien) geboren. In meiner Kindheit wurde ich von meinem Vater in den Grundlagen der Literatur unterrichtet und war dann Schüler des Königlichen Gymnasiums in Görlitz. Später war ich Student an den Universitäten von Breslau und Halle an der Saale, wo ich Theologie studierte. Im Jahr 1922 erteilten mir die hoch angesehenen Herren des Konsistoriums in Breslau nach einer Prüfung die Erlaubnis zu predigen. Dann wurde ich von der Königsberger Universität (Königsberg, Preußen) beauftragt, das theologische Konvikt „Lutherheim“ zu leiten, was ich 1923 übernahm. Dieses Amt habe ich zwölf Jahre lang mit größtem Eifer ausgeübt. Im Jahr 1927 wurde ich promoviert und erhielt im selben Jahr die Lehrberechtigung von der Theologischen Fakultät in Königsberg. Im Jahr 1928 legte ich die Prüfung für das Pfarramt ab. Im Jahr 1934 wurde ich von dem Bischof der deutschen Christlichen Bewegung „Deutsche Christen“ ausgeschlossen und entwich nach Riga. Dort unterrichtete ich Theologie an einer theologischen Hochschule. Im Jahr 1935 wurde ich meines Lehramtes enthoben und von Brüdern gebeten, ein Seminar der Bekennenden Kirche in Bloestau (Ostpreußen) zu gründen. Von dort wurde ich 1937 mit meinen Mitbrüdern vertrieben und verließ Freunde und Heimat. Ich setzte meine Tätigkeit trotz vieler und großer Gefahren fort. Im Herbst 1938 wurde das Seminar geschlossen, und ich wurde von der Gemeinde der St.-Marien-Kirche in Dortmund freundlich aufgenommen, um ihr Pastor zu sein. Im Jahr 1945 wurde ich von der Universität Göttingen als ordentlicher Professor für systematische Theologie berufen.
Quelle: Hans Joachim Iwand, Nachgelassene Werke 6: Briefe an Rudolf Hermann, hrsg. v. Karl Gerhard Steck, München: Chr. Kaiser, 1964, S. 346f.