In seiner Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium)“ von 1520 hat Martin Luther zum ersten Mal die Korrelation von Verheißung (promissio) und Glaube (fides) als reformatorisches Proprium ausführlich dargelegt. So schreibt Luther bezüglich dem Abendmahl als Sakrament:
Über Stiftung und Verheißung des Altarsakraments
Von Martin Luther
Zuerst, damit wir zum rechten und freien Wissen von diesem Sakrament sicher und segensreich gelangen, ist vor allem dafür zu sorgen, daß wir alles, was durch menschlichen Eifer und Leidenschaften hinzugetan wurde zu der ersten und schlichten Stiftung dieses Sakraments, beiseitestellen – wie Meßgewänder, Zierat, Gesänge, Gebete, Orgelspiel, Lichter und all jene Pracht der sichtbaren Dinge – und unsere Augen und Sinne nur auf die reine Stiftung Christi richten. Wir wollen uns nichts anderes vor Augen halten als Christi Wort selbst, durch das er dieses Sakrament gestiftet, vollbracht und uns anvertraut hat. Denn in diesem Wort und in gar keinem anderen liegt die Kraft und Natur und das ganze Wesen der Messe. Alles übrige ist menschlicher Eifer, zu Christi Wort hinzugefügt, ohne welchen die Messe jedoch aufs beste gehalten werden und bestehen kann. Die Worte aber, mit denen Christus dieses Sakrament eingesetzt hat, sind folgende:
»Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Und er nahm den Kelch, dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, der für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut zu meinem Gedächtnis! « (Mt 26,26ff; Lk 22,20)
Diese Worte überliefert auch der Apostel Paulus 1Kor 11,23ff und erklärt sie etwas näher. Auf sie müssen wir uns stützen und bauen und wie auf einen festen Felsen gründen, wenn wir nicht von jedem Wind der Lehrmeinungen hin und hergeworfen werden wollen (Eph 4,14), wie wir bisher durch gottlose Lehren von Leuten, die der Wahrheit abhold sind, umgetrieben wurden. In diesen Worten des Herrn fehlt nämlich nichts, was zur Vollständigkeit, zum rechten Gebrauch und Nutzen dieses Sakraments gehört. Und nichts steht da, was überflüssig und uns zu wissen nicht nötig wäre. Wer nämlich diese Worte übergeht und doch von der Messe lehrt und über sie nachdenkt, der wird ungeheure Gottlosigkeiten lehren — wie durch die geschehen, die ein opus operatum und ein »Meßopfer« aus der Feier des Altarsakraments gemacht haben.
Also ist zuerst und untrüglich daran festzuhalten, daß die Messe oder das Altarsakrament das Testament Christi ist, welches er bei seinem Tode zur Austeilung an die an ihn Glaubenden hinterlassen hat. Denn so lauten seine Worte: »Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut« (Lk 22,20). Es bleibe diese Wahrheit, sage ich, der unerschütterliche Grund, auf den wir alles bauen wollen, was noch zu sagen ist. Denn da wirst du sehen, wie wir alle menschlichen Frevel, die diesem so teuren Sakrament angetan worden sind, umstürzen werden. Christus also, der wahrhaftig ist, sagt wirklich, dies sei das neue Testament in seinem Blut für uns vergossen. Nicht umsonst wiederhole ich diesen Satz, diese Sache ist nicht unbedeutend und will tief eingeprägt sein.
Fragen wir deshalb, was ein Testament ist, dann werden wir zugleich haben, was die Messe ist, was ihr rechter Gebrauch, was ihr Nutzen, was ihr Mißbrauch ist!
Ein Testament ist zweifellos die Zusage eines Sterbenden, in welcher er seine Erbschaft vermacht und die Erben einsetzt. Zu einem Testament gehört demnach erstens der Tod des Erblassers, ferner das Versprechen der Erbschaft und die Benennung eines Erben. Denn so behandelt Paulus ausführlicher Röm 4, Gal 3 und 4 und Heb 9 das Testament. Das sehen wir auch klar an jenen Worten Christi. Seinen Tod bezeugt Christus, sofern er sagt: »Das ist mein Leib, der hingegeben wird; dies ist mein Blut, das vergossen wird«. Das Erbe benennt und bezeichnet er, wenn er sagt: »Zur Vergebung der Sünden«. Die Erben dagegen setzt er ein, wenn er sagt: »für euch und für viele«, das heißt für diejenigen, die die Zusage des Erblassers annehmen und glauben. Denn der Glaube macht hier zum Erben, wie wir sehen werden.
Du siehst also, daß die Messe – wie wir sie nennen – eine Zusage der Sündenvergebung ist, uns von Gott gegeben, und zwar solch eine Zusage, die durch den Tod des Gottessohnes besiegelt ist. Denn Zusage und Testament unterscheiden sich nur dadurch, daß das Testament zugleich den. Tod des Erblassers einschließt, und ein Erblasser (testator) ist kein anderer als ein Sterbender, der sein Erbe zusagt; ein das Erbe Zusagender (promissor) aber ist – daß ich es einmal so sage – ein Erblasser, der am Leben bleibt. Dieses Testament Christi ist in allen göttlichen Zusagen vom Anfang der Welt an vorgezeichnet. Ja, alle jene alten Verheißungen haben ihre Gültigkeit in dieser neuen Verheißung gehabt, die in Christus geschehen sollte, und hängen an ihr. Daher sind diese Worte »Vertrag«, »Bund«, »Testament des Herrn« im biblischen Sprachgebrauch so häufig. Sie weisen alle darauf hin, daß Gott einst sterben werde. Denn wo ein Testament ist, muß der Tod des Erblassers eintreten (vgl. Heb 9,16). Gott aber hat ein Testament gemacht, folglich mußte er sterben; sterben konnte er aber nur, indem er ein Mensch wurde. So liegt in dem einen Wort »Testament« aufs kürzeste die Menschwerdung und der Tod Christi beschlossen.
Daraus ist an und für sich schon klar, was der rechte Gebrauch und was der Mißbrauch, was eine würdige und’ was eine unwürdige Vorbereitung der Messe ist. Denn wenn es – wie gesagt – eine Verheißung ist, dann bekommt man keinen Zugang zu ihr durch Werke, eigene Leistungen und Verdienste, sondern allein durch den Glauben. Wo nämlich ein verheißendes Wort Gottes ist, da muß der Glaube des Menschen zur Annahme dasein, damit klar wird, daß der Glaube der Anfang unserer Seligkeit ist, der an dem Wort des verheißenden Gottes hängt, der ohne all unser Bemühen uns in freiem und unverdientem Erbarmen zuvorkommt und sein Wort der Verheißung anbietet. Denn: »Er sandte sein Wort und machte sie so gesund« (Ps 107,20), nicht aber heißt es: »Er nahm unsere Werke an und hat uns so erlöst«! Gottes Wort ist das allererste – und darauf folgt der Glaube, dem Glauben die Liebe, die Liebe tut danach jedes gute Werk, denn »sie tut nichts Böses, ja sie ist des Gesetzes Erfüllung« (Röm 13,10). Auf keine andere Weise aber kann der Mensch Gott begegnen und mit ihm leben als durch den Glauben. Das bedeutet, daß nicht der Mensch durch irgendwelche eigenen Werke, sondern Gott durch seine Verheißung der Urheber von Heil und Seligkeit ist. Folglich hängt alles an seinem Wort, wird alles getragen und erhalten »durch sein kräftiges Wort« (Heb 1,3), durch das er uns geschaffen hat, »damit wir wären Erstlinge seiner Kreatur« (Jak 1,18).
So hat er dem Adam, um ihn nach dem Sündenfall wieder aufzurichten, diese Verheißung gegeben und zur Schlange gesagt: »Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen« (1Mose 3,15). In diesem Verheißungswort ist Adam mit den Seinen wie in Gottes Schoß getragen und durch den Glauben darin bewahrt worden, indem er geduldig auf die Frau wartete, die nach Gottes Verheißung der Schlange den Kopf zertreten würde. Und in diesem Glauben und in dieser hoffenden Erwartung ist er auch gestorben, ohne zu wissen, wann und wer sie sein würde, ohne jedoch an ihrem Kommen zu zweifeln. Denn solche Verheißung, weil sie Gottes Wahrheit ist, errettet auch die Glaubenden, die auf sie hoffend warten, in der Hölle (vgl. 1Sam 2,6). Darauf folgte die andere Verheißung bis hin zu Abraham, welche dem Noah als Zeichen des Bundes im Regenbogen gegeben wurde (1Mose 2,12ff). Durch den Glauben an diese Verheißung fanden er und seine Nachkommen einen gnädigen Gott. Danach hat er dem Abraham den Segen versprochen, daß »alle Geschlechter auf Erden in seinem Samen sollten gesegnet sein« (1Mose 12,3). Und das ist »Abrahams Schoß« (vgl. Lk 16,22), in welchen seine Nachkommen aufgenommen sind. Ferner hat er dem Moses und den Kindern Israel, besonders dem David, eine ganz deutliche Verheißung von Christus gegeben. Dadurch hat er ein für allemal offenbar gemacht, was für eine Verheißung den biblischen Vätern geschehen war.
Unter dieser Voraussetzung ist es zu der allervollkommensten Verheißung, nämlich zu der des »neuen« Testaments gekommen, in welcher mit klaren Worten Leben und Seligkeit umsonst zugesagt und denen geschenkt werden, die der Verheißung glauben. Auch unterscheidet er durch ein deutliches Zeichen dieses Testament von dem alten, indem er es (Lk 22,20) »das neue Testament« nennt. Denn das alte Testament, durch Moses gegeben, war eine Verheißung nicht der Sündenvergebung oder ewiger Güter, sondern zeitlicher, nämlich des Landes Kanaan, wodurch niemand geistlich erneuert wurde, das himmlische Erbe zu empfangen. Daher mußte auch ein vernunftloses Tier – in bildlicher Vorbedeutung des Kreuzestodes Christi – geopfert werden. Dieses Testament wurde in dessen Blut besiegelt (1Mose 12,7f). Wie das Blut, so also auch das Testament, wie das Opfer, so auch die Verheißung! Hier jedoch sagt er: »Das neue Testament in meinem Blut«, nicht in einem fremden, sondern in seinem eigenen Blut, wo durch die Gnade verheißen wird, daß die Erbschaft in der Sündenvergebung durch den Geist empfangen wird.
Die Messe ist also ihrem Wesen nach eigentlich nichts anderes, als die zuvor festgesetzten Worte Christi besagen: »Nehmet hin und esset« usw., als wenn er spräche: » Siehe, du sündiger und verruchter Mensch, aus reiner und unverdienter Liebe, mit der ich dich liebe, so will es ›der Vater der Barmherzigkeit‹ (2Kor 1,3), spreche ich dir mit diesen Worten – bevor du irgendetwas verdient oder verlangt hast – die Vergebung aller deiner Sünden und das ewige Leben zu. Und damit du dieser meiner unwiderruflichen Zusage ganz gewiß bist, will ich meinen Leib hingeben und mein Blut vergießen – und werde diese Verheißung selbst durch meinen Tod besiegeln und dir beides zum Zeichen und Gedächtnis dieser Zusage hinterlassen. Sooft du dies nun empfangen wirst, mögest du meiner gedenken, diese meine Liebe und überreichliche Güte gegen dich preisen, loben und danksagen. «
Daraus siehst du, daß zu einer würdigen Feier der Messe nichts anderes als der Glaube gefordert wird, der fest auf diese Zusage vertraut und daran glaubt, daß Christus in diesen seinen Worten wahrhaftig spricht, und nicht zweifelt, daß ihm diese unermeßlichen Güter frei geschenkt sind. Auf diesen Glauben folgt alsbald von selbst die innigste Bewegung des Herzens, durch welche der Geist des Menschen weit und reich gemacht wird – das geschieht durch die Liebe, welche uns durch den Heiligen Geist im Glauben an Christus geschenkt wird. So wird er zu Christus, dem freundlichen und gütigen Testator, hingerissen und ein ganz anderer und neuer Mensch. Denn wer wollte nicht innig weinen, ja vor Freude an Christus fast vergehen, wenn er ohne jeden Zweifel glauben kann, daß diese unschätzbare Verheißung Christi ihm gilt! Wie sollte man einen solchen Wohltäter nicht liebhaben, der dem Unwürdigen, welcher ganz anderes verdient hätte, solchen Reichtum und dieses ewige Erbe, bevor man überhaupt darum bittet, anbietet, zusagt und schenkt?
Darum ist das unser ganz großes Elend, daß wir so viele Messen in der Welt haben und doch keiner von uns oder nur wenige diese Verheißung und Reichtümer für uns erkennen, bedenken und annehmen. Dabei sollte in der Messe wahrlich nichts anderes mit größerem Eifer – ja mit einem anderes ausschließenden Eifer – getrieben werden, als daß wir uns diese Worte, diese Verheißungen Christi vor Augen hielten, welche eben die Messe selbst ausmachen, und sie ständig zu bedenken und immer wieder im Gedächtnis zu erneuern suchen, um durch solche tägliche Gedächtnisfeier den Glauben darin zu üben, zu nähren, zu mehren und zu stärken. Denn das ist es ja, was er gebietet, indem er spricht: »Solches tut zu meinem Gedächtnis« (1Kor 11,24). Ebendas sollte der Prediger und Evangelist tun, damit er dem Volk diese Verheißung getreu einprägen und ans Herz legen möchte, um dessen Glauben an sie zu wecken.
Aber wie viele wissen denn jetzt, daß Christi Zusage der Inhalt der Messe ist? Ganz zu schweigen von den gottlosen Lügenpredigern, die statt solcher Verheißung menschliche Überlieferungen lehren! Und wenn sie auch diese Worte Christi echt lehren, so bringen sie es doch nicht unter dem Namen der Verheißung oder des Testaments vor – und daher auch nicht, um den Glauben zu erlangen.
Ja, es ist der Tränen wert: In dieser Gefangenschaft hütet man sich heute mit allem Fleiß davor, daß ja kein Laie diese Worte Christi hört, als ob sie viel zu heilig wären, um sie dem Volk mitzuteilen. Denn so wahnsinnig sind wir, daß wir die Worte der Konsekration – wie man es nennt – uns als Priester allein anmaßen als Geheimworte. Doch das geschieht so, daß sie nicht einmal uns etwas nützen, weil auch wir sie nicht als Verheißungen oder als ein Testament annehmen, um den Glauben zu stärken, sondern aus unbegreiflichem Aberglauben und in gottlosem Wahn bezeugen wir vielmehr diesen Worten bloß ehrerbietige Andacht, statt ihnen zu glauben. Was treibt Satan anderes mit uns zu unserem Unglück, als daß er von der Messe in der Kirche nichts übrig lassen will? Während er inzwischen dennoch dafür sorgt, daß alle Winkel der Welt voller Messen sind, d. h. voll von Mißbräuchen und Verspottungen des Testaments Gottes, und die Welt durch die schwersten Sünden der Abgötterei immer mehr und mehr belastet wird zu noch größerer und zunehmender Verdammnis! Denn welch götzendienerische Sünde könnte schwerer wiegen als die, Gottes Verheißungen in verkehrtem Wahn zu mißbrauchen und den Glauben an sie zu mißachten oder gar zu vernichten?
Denn Gott hat niemals anders – wie ich sagte – mit den Menschen gehandelt und handelt auch nicht anders mit ihnen als durch das Wort der Verheißung. Wir andererseits können mit Gott niemals anders als durch den Glauben an sein Verheißungswort handeln. Nach Werken fragt er nicht, bedarf ihrer auch nicht. Durch Werke handeln wir vielmehr gegen die Menschen und mit den Menschen und uns selbst. Aber Gott bedarf dessen, daß er von uns in seinen Zusagen als wahrhaftig geachtet werde und man geduldig seiner harre und er so in Glaube, Hoffnung und Liebe verehrt werde. Dadurch geschieht es, daß er seine Ehre in uns behauptetet, wenn wir nicht durch unser Laufen, sondern durch sein Erbarmen, Verheißen und Schenken alles Gute empfangen und haben (Röm 9,16). Siehe, das ist der rechte Gottesdienst und die wahre Gottesverehrung, die wir in der Messe darbringen sollen. Wenn aber die Verheißungsworte nicht gelehrt werden, was für eine Übung des Glaubens kann man dann haben? Aber wer hofft ohne Glauben? Wer liebt? Was ist das für ein Gottesdienst ohne Glauben, Hoffnung und Liebe! Daher ist kein Zweifel, daß heutzutage alle Priester und Mönche samt den Bischöfen und allen ihren Oberen Götzendiener sind und wegen solcher Unkenntnis, solchen Mißbrauchs und solcher Verspottung der Messe, d. h. des Altarsakraments und der Zusage Gottes in einem höchst gefährlichen Stande leben.
Ein jeder sieht ja leicht ein, daß dieses beides, »Zusage« und »Glaube«, zugleich nötig ist. Denn ohne Zusage und Verheißung kann nichts geglaubt werden. Ohne Glauben aber ist die Verheißung nutzlos, weil sie nur durch den Glauben bestätigt und erfüllt wird. Aus diesem allen wird ebenso leicht jeder einsehen, daß die Messe, da sie nichts anderes als Verheißung ist, allein durch diesen Glauben begangen und gefeiert wird. Wo dieser fehlt, ist alles, was an Gebeten, Vorbereitungen, Werken, Zeichen und Gebärden mitgebracht wird, mehr eine Verlockung zur Gottlosigkeit als eine Ausübung der Frömmigkeit. Denn gewöhnlich geschieht es dabei, daß man nach solcher Vorbereitung zum Altar wie mit einem Rechtsanspruch herzutritt. Aber in Wahrheit ist man doch wegen des Unglaubens, den man mit sich bringt, zu keiner Zeit und bei keinem Werk weniger vorbereitet gewesen. Wie viele Meßpriester kannst du täglich überall sehen, die sich selbst erbärmlich eines großen Verbrechens anklagen, wenn sie durch unvorschriftsmäßige Kleidung oder ungewaschene Hände oder ein Stocken im Gebet einen kleinen Fehler begangen hatten! Daß sie aber die Messe selbst, also die göttliche Verheißung, nicht hochachten und glauben, daraus machen sie sich nicht das geringste Gewissen. O dieser unwürdige »Gottesdienst« dieses unseres ganz gottlosen und undankbaren Zeitalters!
Die einzig würdige Vorbereitung und der allein rechtmäßige Gebrauch ist daher der Glaube, mit dem man der Messe, d. h. der göttlichen Verheißung, glaubt. Wer also zum Altar treten oder das Sakrament empfangen will, der hüte sich, nicht leer vor dem Angesicht Gottes, seines Herrn, zu erscheinen (vgl. 2Mose 23,15; 34,20; 5Mose 16,16). Leer aber wird er sein, wenn er den Glauben an die Messe oder dieses neue Testament nicht haben wird. Könnte er sich schwerer gegen die göttliche Wahrheit vergehen als durch solche Gottlosigkeit? Durch diesen seinen Unglauben macht er Gott ja, soviel an ihm ist, zu einem Lügner und zu einem, der leere Versprechen gibt! Am sichersten wird es daher sein, keines anderes Sinnes zur Messe zu kommen, als wenn man kommen wollte, um irgendeine andere Verheißung Gottes zu hören. Das heißt, du solltest bereit sein, nicht vieles zu leisten und zu bringen, sondern alles zu glauben und zu empfangen, was dir dort zugesagt oder als Verheißung durch den Dienst des Priesters verkündet wird. Wenn du nicht mit dieser Gesinnung kommen willst, so hüte dich herzuzutreten, denn du gingest ohne Zweifel zum Gericht herzu.
Mit Recht habe ich also gesagt, daß die ganze Kraft der Messe auf den Worten Christi beruht, mit denen er zusagt, die Vergebung der Sünden werde allen denen geschenkt, welche glauben, daß sein Leib dahingegeben und sein Blut, vergossen wird für sie. Und deswegen ist für die – welche die Messe hören wollen – nichts dringlicher nötig, als daß sie diese Worte emsig und mit vollem Glauben betrachten. Wenn sie das unterlassen, so tun sie alles andere vergeblich. Das ist freilich wahr: Gott pflegt bei jeder Verheißung ein Zeichen hinzuzufügen, damit sie durch dieses Andenken oder Denkmal seiner Verheißung desto treuer behalten werde und wir uns um so kräftiger an sie erinnern würden. So gab Gott in der Verheißung, die er Noah gab (1Mose 9,15), daß er die Erde nicht wieder durch eine neue Sintflut verderben wolle, seinen Bogen in den Wolken zum Zeugnis, seines Bundes eingedenk zu sein. Und Abraham gab er, nach– dem er ihm das Erbe in seinem Samen verheißen hatte, die Beschneidung als ein Siegel der Glaubensgerechtigkeit (1Mose17,10ff). So gab er dem Gideon das Fell, das bald trocken, bald vom Tau befeuchtet war, zur Bestätigung seiner Verheißung, daß er die Midianiter besiegen solle (Ri 6,36ff). So bot er dem Ahas durch Jesaia ein Zeichen dafür an, daß er den König von Syrien und Samaria besiegen sollte, um in ihm den Glauben an seine Verheißung zu befestigen (Jes 7,10ff). Von solchen Zeichen der Verheißungen Gottes lesen wir viel in der Heiligen Schrift.
So hat er auch in der Messe, der bedeutendsten aller Verheißungen, als Gedenkzeichen so großer Verheißung seinen eigenen Leib und sein eigenes Blut in Brot und Wein hinzugefügt, wie er spricht: »Solches tut zu meinem Gedächtnis« (1Kor 11,24f). So fügt er in der Taufe den verheißenden Worten als Zeichen das Untertauchen ins Wasser hinzu. Daraus ersehen wir, daß uns in jeder Verheißung Gottes zwei Dinge vorgelegt werden: das Wort und das Zeichen, so daß wir das Wort als das Testament und das Zeichen aber als das Sakrament erkennen sollen. Wie in der Messe: das Wort Christi ist das Testament, Brot und Wein sind das Sakrament. Und wie im Wort mehr Kraft liegt als im Zeichen, so auch mehr im Testament als im Sakrament. Denn der Mensch kann das Wort oder Testament ohne das Zeichen oder Sakrament haben und es gebrauchen. »Glaube!« sagt Augustinus, »und du hast gegessen«. Wem anders wird aber geglaubt als dem Worte des Verheißenden? So kann ich täglich, ja sogar stündlich Messe haben, sofern ich, sooft ich will, mir Christi Worte vor Augen halten und meinen Glauben an ihnen stark machen und vollziehen kann. Das heißt in Wahrheit geistlich essen und trinken.
Hier siehst du, was und wieviel hierin unsere Dogmatiker geleistet haben. Zuerst, was die Hauptsache ist, nämlich das Testament und Verheißungswort, das behandelt keiner von ihnen – und so haben sie uns den Glauben und die ganze Kraft der Messe in Vergessenheit gebracht. Sodann gaben sie sich nur mit dem zweiten Teil derselben, nämlich mit dem Zeichen oder Sakrament, ab, aber so, daß sie auch hier nicht den Glauben lehrten, sondern ihre Zubereitungen und äußerlichen Verrichtungen, die Zuwendungen und den finanziellen Nutzen der Messe, bis sie in den Abgrund kamen und von der Brotverwandlung und anderen endlosen übersinnlichen Possen schwatzten und die Kenntnis und den rechten Gebrauch des Testaments wie des Sakraments samt dem ganzen Glauben abtaten. Sie brachten es bis dahin, daß Christi Volk – wie der Prophet (Jer 2,32) spricht – unzählige Tage seines Gottes vergaß. Laß du aber andere die mannigfaltigen Früchte des Messehörens aufzählen und richte deinen Sinn dahin, daß du mit dem Propheten (Ps 23,5) bekennst und. glaubst, hier sei dir von Gott gegen, alle deine Bedränger der Tisch bereitet, an dem sich dein Glaube nähren und reichlich stärken soll. Dein Glaube wird aber nicht anders als durch das göttliche Wort der Verheißung genährt; denn »der Mensch lebt nicht vom Brot allein; sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes geht« (5Mose 8,3; Mt 4,4). Darum solltest du in der Messe vor allem auf das Verheißungswort aufmerksamst achtgeben, als ob es das reichste Mahl, die vollkommene Weide und heilige Erquickung für dich wäre, damit du dies vor allem am höchsten achtest, am meisten darauf vertraust und aufs festeste daran hängst — auch durch den Tod und alle Sünden hindurch. Denn wenn du das tust, dann wirst du nicht nur jene Tröpfchen und Früchtlein der Messe, welche einige abergläubisch erfunden haben, sondern vielmehr die Hauptquelle des Lebens selbst erreichen, den Glauben nämlich an das Wort, aus dem alles Gute quillt, wie er Joh 7,38 sagt: »Wer an mich glaubt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen«; ebenso: »Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, in dem wird es ein Quell lebendigen Wassers werden, der in das ewige Leben fließt« (Joh 4,14).
Nun sind es zwei Ursachen, die uns anzufechten pflegen, daß wir die Früchte der Messe nicht empfangen können: Die eine ist, daß wir Sünder sind und solcher großen Dinge aufgrund unserer allzu großen Wertlosigkeit unwürdig’ sind. Die andere: auch wenn wir würdig wären, so sind doch diese Dinge so erhaben, daß unsere kleinmütige Art sie nicht zu begehren oder zu erhoffen wagt. Denn wer würde in bezug auf Sündenvergebung und ewiges Leben nicht vielmehr stocken als begehren, wenn die erhabene Größe der Güter, die daraus kommen, recht erwogen wird? Nämlich Gott zum Vater haben, sein Kind sein und ein Erbe aller Güter Gottes! Gegen diese zweifache Kleinmütigkeit mußt du Christi Wort ergreifen und ihn selber viel stärker anschauen als solche Gedanken über deine Schwäche. Denn: »Groß sind die Werke des Herrn, köstlich nach all seinem Wohlgefallen« (Ps 111,2), der da »mächtig« ist zu geben über unser Bitten und Verstehen (Eph 3,20). Denn wenn sie nicht all unsere Würdigkeit, unsere Fassungskraft, kurz all unser Denken überragten, wären sie nicht göttlich. So macht uns auch Christus Mut, indem er spricht: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben« (Lk 12,32). Denn ebendiese überschwengliche Fülle des unbegreiflichen Gottes,. die durch Christus über uns ausgegossen ist, macht es, daß wir ihn wiederum inbrünstig über alles lieben, mit dem größten Vertrauen zu ihm eilen, alles andere geringachten und bereit sind, alles für ihn zu leiden. Daher wird dieses Sakrament auch mit Recht ein Quell der Liebe genannt.
In dieser Sache nimm dir ein Beispiel an den Menschen: Wenn nämlich ein sehr reicher Herr einem Bettler oder auch einem unwürdigen und schlechten Knecht tausend Goldstücke vermachte, so würde der sie sicher mit Zuversicht fordern und annehmen, ohne auf seine Unwürdigkeit und die Größe des Vermächtnisses Rücksicht zu nehmen. Wenn ihm auch jemand entgegenträte und ihm seine Unwürdigkeit und die Größe des Vermächtnisses vorhielte, was meinst du, was er sagen würde? Selbstverständlich würde er sagen: »Was geht das dich an? Was ich erhalte, das bekomme ich nicht nach meinem Verdienst oder aufgrund eines besonderen Rechtes. Ich weiß, daß ich es nicht wert bin und mehr bekomme, als ich verdiene, ja, daß ich gerade das Gegenteil verdient habe. Aber kraft des Testaments und fremder Güte fordere ich, was ich fordere. Hat es jener nicht für unwürdig gehalten, so viel einem so Unwürdigen zu vermachen, warum sollte ich es dann wegen meiner Unwürdigkeit verschmähen anzunehmen? Ja, darum ergreife ich sogar diese unverdiente, fremde Gnade um so lieber, je unwürdiger ich selber bin.« Mit ebensolchen Gedanken soll sich auch eines jeden Gewissen gegen all seine Skrupel und Gewissensbisse wappnen, um diese Verheißung Christi mit festem Glauben zu behaupten. Nach Kräften muß man sich davor hüten, im Vertrauen auf die Beichte, das Gebet oder die Vorbereitung zum Sakrament zu gehen, vielmehr trete man herzu mit Verzagen an all diesem, nur im festen und kühnen Vertrauen auf Christus, der die Verheißung gibt. Denn, wie genug gesagt, hier soll allein das Verheißungswort im reinen Glauben herrschen, der die einzige und allein hinreichende Vorbereitung ist.
Hieraus sehen wir, durch welch einen gewaltigen Zorn Gottes es geschah, daß uns die gottlosen Lehrer die Worte dieses Testaments verheimlicht und ebendadurch — soviel an ihnen lag — den Glauben ausgelöscht haben. Nun ist mühelos zu sehen, was beim Erlöschen des Glaubens hat folgen müssen, nämlich der gottloseste Aberglaube an die Werke. Denn sobald der Glaube untergeht und das Wort vom Glauben verstummt, da treten sogleich die menschlichen Werke und Satzungen über Werke an seine Stelle. Durch diese sind wir wie durch eine babylonische Gefangenschaft aus unserm Heimatland vertrieben worden, nachdem man uns all unseren kostbaren Besitz genommen hat. So ist es mit der Messe gegangen, die durch gottloser Menschen Lehre in ein »gutes Werk« verwandelt worden ist, das sie selbst ein »opus operatum« nennen, durch welches sie bei Gott alle Dinge zu können sich vermessen. Von da ist es weitergegangen bis zum äußersten Unsinn: weil sie erlogen haben, die Messe wirke kraft ihres äußerlichen Vollzugs, haben sie noch hinzugefügt, sie sei den anderen auf jeden Fall von Nutzen, auch wenn sie dem opfernden Priester selbst, wenn er gottlos ist, schädlich sei. Und auf diesen Sand haben sie ihre Zuwendungen, ihre Teilhaber- und Bruderschaften, Jahresgedächtnisse und dergleichen zahllose Gewinn– und Erwerbgeschäfte gegründet.
Gegen diese Gespenster wirst du schwerlich standhalten, weil sie stark, zahlreich und tief eingenistet sind, wenn du nicht mit ganz beharrlicher Sorgfalt achtest, was die Messe ist, und dich dessen kräftig erinnerst, was wir vorher ausgeführt haben. Du hast ja gehört, daß die Messe nichts anderes als die göttliche Verheißung oder das uns mit dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi anvertraute Testament ist. Wenn das wahr ist, dann begreifst du, daß es nicht irgendwie ein Werk unsererseits sein kann und daß hierin nichts geschehen kann noch durch das Bemühen eines anderen irgendetwas erreicht wird als allein durch den Glauben. Der Glaube aber ist kein Werk, sondern der Lehrmeister und das Leben der Werke. Denn wo ist jemand so unsinnig, daß er eine Verheißung, die er empfängt, oder ein Testament, das ihn beschenkt, ein »gutes Werk« nennt, das er seinem Erblasser antut, indem er es annimmt? Wo ist ein Erbe, der seinem Vater als dem Erblasser eine Wohltat zu erweisen meint, weil er die Testamentsurkunde mit dem ihm vermachten Erbe annimmt? Was ist das also für eine gottlose Anmaßung unsererseits, daß wir kommen, als wenn wir Gott ein gutes Werk tun wollten, wo wir doch sein Testament in Empfang nehmen sollen! Ist nicht diese Unkenntnis des Testaments und diese Gefangenschaft eines so hohen Sakraments mehr als beweinenswert? Wo wir für empfangene Gaben dankbar sein müßten, kommen wir stolz daher, um zu geben, was wir empfangen sollen, und spotten in unerhörter Verkehrtheit der Barmherzigkeit des Gebers, indem wir das, was wir als Geschenk empfangen, als unser Werk darbringen, so daß der Erblasser nicht mehr als der freigebige Spender seiner Güter, sondern als Empfänger unserer Wohltaten dasteht. Wehe dieser Gottlosigkeit!
Wer aber ist je so toll gewesen, daß er die Taufe für ein gutes Werk hielt! Oder welcher Täufling würde glauben, daß er hier ein Werk tue, das er für sich und andere Gott darbrächte und mitteilte? Ist nun in dem einen Sakrament und Testament kein gutes Werk, das man anderen mitteilen könnte, so wird auch in der Messe keines sein, weil auch sie nichts weiter als ein Testament und Sakrament ist. Daher ist es ein offenbarer und gottloser Irrtum, die Messe für Sünden, für Genugtuungen, für Verstorbene oder für irgendwelche eigenen oder fremden Nöte darzubringen oder zuzuwenden. Du erkennst ganz leicht, daß dies unzweifelhaft wahr ist, wenn du fest darauf bestehst, daß die Messe göttliche Verheißung ist, welche niemand nützen, niemand zugewendet werden, für keinen bei Gott eintreten, keinem mitgeteilt werden kann, als allein dem, der mit eigenem Glauben selbst glaubt! Denn wer kann Gottes Verheißung, die den persönlichen Glauben jedes einzelnen erfordert, für einen anderen empfangen und ihm zuwenden! Kann ich etwa Gottes Verheißung einem anderen geben, auch wenn er nicht glaubt? Oder kann ich für einen anderen glauben? Oder kann ich bewirken, daß ein anderer glaubt? Das aber müßte geschehen, sofern ich anderen die Messe zuwenden und mitteilen kann, weil es in der Messe nur diese zwei Dinge gibt: die göttliche Verheißung und den menschlichen Glauben, der annehmen soll, was jene verheißt. Wenn es aber doch wahr wäre, daß einer dem anderen Gottes Verheißung gibt, dann könnte ich auch für andere das Evangelium hören und glauben, könnte für einen anderen getauft werden, für einen anderen von den Sünden gelöst werden, könnte auch für einen anderen am Altarsakrament teilnehmen. Ich könnte sogar — um ihre Sakramente der Reihe nach durchzugehen — für einen anderen eine Frau nehmen, für einen anderen Priester werden, für einen anderen mich firmen lassen, für einen anderen die letzte Ölung erhalten.
Schließlich wäre zu fragen, warum denn Abraham nicht für alle Juden geglaubt hat! Warum wird der Glaube an dieselbe Verheißung, die Abraham geglaubt hatte, von jedem einzelnen Juden gefordert? Unüberwindlich steht also die Wahrheit: Wo es um Gottes Verheißung geht, da steht jeder einzelne für sich; sein eigener Glaube ist gefordert. Jeder soll hier für sich Rechenschaft geben und seine Last tragen, wie Markus im letzten Kapitel sagt: »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden« (Mk 16,16). So kann auch jeder die Messe nur durch den eigenen Glauben sich zunutze machen und keinesfalls sie jemandem anderen zuteilen, wie auch der Priester niemandem das Sakrament für einen anderen reichen kann, sondern das Sakrament jedem einzelnen besonders darbietet. Die Priester sind nämlich beim Weihen und Verwalten des Sakraments unsere Diener, durch die wir nicht etwa ein gutes Werk darbringen oder aktiv anderen zuteilen, sondern wir empfangen durch sie die Verheißungen und das Zeichen und werden passiv beteiligt, was auch bei den Laien bisher so geblieben ist. Denn von ihnen sagt man nicht, daß sie hier etwas Gutes tun, sondern daß sie es empfangen. Die Priester in ihrer Gottlosigkeit sind wirklich hingegangen und haben sich aus Gottes Sakrament und Testament ein gutes Werk gemacht, das sie mitteilen und darbringen, wo es doch ein empfangenes Gut sein sollte.
Aber du könntest sagen: Was denn! Wirst du nicht aller Kirchen und Klöster Brauch und Meinung umstürzen, durch die sie so viele Jahrhunderte ihre Macht gehabt haben, sind doch auf die Messe die Jahresgedächtnisse, die Fürbitten, die Zuwendungen, die Teilhaberschaften usw., d. h. also die fettesten Einkünfte, gegründet? Darauf antworte ich: Das eben ist es, was mich gedrängt hat, von der Gefangenschaft der Kirche zu schreiben. So nämlich ist das ehrwürdige Testament Gottes in die Knechtschaft ruchlosesten Gewinnes gezwungen worden, und zwar durch Meinungen und Traditionen gottloser Menschen, die Gottes Wort verlassen und uns Gedanken des eigenen Herzens vorgesetzt und alle Welt verführt haben. Was geht mich die große Zahl und Macht der Irrenden an? Stärker als alle ist die Wahrheit. Wenn du Christus zu widersprechen vermagst, der die Messe als Testament und Sakrament lehrt, will ich jenen recht geben. Ferner, wenn du sagen kannst, daß der ein gutes Werk tut, der die Wohltat eines Testaments empfängt oder dazu das der Verheißung dienende Sakrament gebraucht, will ich gern meine Meinung verdammen. Da du aber beides nicht kannst, was zögerst du noch, die große Masse, die ins Verderben rennt, zu verlassen, Gott die Ehre zu geben und seine Wahrheit zu bekennen? Freilich sind heute alle Priester verkehrten Sinnes, sofern sie die Messe für ein Werk halten, mit dem sie sich oder anderen – seien es Verstorbene oder Lebende – in ihren Nöten zu Hilfe kommen! Ich spreche Unerhörtes und Schockierendes aus. Wenn du aber die Messe daraufhin ansiehst, was sie ist, wirst du erkennen, daß ich wahr gesprochen habe. Das alles hat die übergroße Sicherheit bewirkt, in der wir Gottes Zorn, der sich gegen uns aufmachte, nicht bemerkten.
Das dagegen gebe ich gerne zu, daß die Gebete, die wir vor Gott sprechen, wenn wir uns zum Empfang der Messe versammeln, gute Werke oder Wohltaten sind, welche wir uns gegenseitig zuwenden, anbringen, mitteilen und füreinander darbringen, wie uns Jakobus (5,16) füreinander zu beten lehrt, damit wir errettet werden. Und Paulus 1Tim 2,1f unterrichtet uns, Bitten, Gebete und Fürbitten für alle Menschen darzubringen, für Könige und alle, die in leitender Stellung sind. Denn das ist nicht die Messe, sondern es sind Werke bei der Messe, vorausgesetzt, daß wir Gebete des Herzens und Mundes »Werke« nennen dürfen, weil sie aus dem im Sakrament empfangenen oder vermehrten Glauben geschehen. Die Messe oder Verheißung Gottes wird nämlich nicht durch Beten, sondern allein im Glauben erfüllt. Als Glaubende aber beten wir und tun wir mancherlei gute Werke. Aber welcher Priester führt das Meßopfer in diesem Sinne aus, daß er dabei nur die Gebete Gott zu opfern meint! Alle bilden sich doch ein, Christus selbst Gott dem Vater als das allgenugsamste Opfer darzubringen und ein »gutes Werk« für alle diejenigen zu vollbringen, denen es nach ihrer Absicht nützen soll. Denn sie setzen ihr Vertrauen auf den Vollzug des äußeren Werkes, was sie dem Gebet nicht beimessen. So haben sie in wachsendem Irrtum allmählich das, was zum Gebet gehört, dem Sakrament beigelegt, und was sie als göttliche Wohltat empfangen sollten, das haben sie Gott angeboten.
Darum muß zwischen dem Testament und Sakrament selbst und den Gebeten, welche wir gleichzeitig sprechen, genau unterschieden werden. Aber nicht nur das, sondern man muß auch wissen, daß die Gebete an sich geradezu nichts bewirken – weder für den Beter selbst noch für die, für welche sie gebetet werden –, wenn nicht .zuerst das Testament im Glauben ergriffen ist, so daß der Glaube betet, der allein erhört wird, wie Jakobus im ersten Kapitel lehrt (Jak 1,6). Überhaupt ist das Gebet ganz anders als die Messe. Das Gebet kann ich auf so viele Menschen ausdehnen, wie ich will. Die Messe dagegen empfängt niemand, außer dem, der für sich selbst glaubt und soweit er glaubt; auch kann sie nicht gegeben werden, weder Gott noch Menschen, sondern Gott allein gibt sie durch den Dienst des Priesters solchen Menschen, die sie ohne alle Werke oder Verdienste allein im Glauben empfangen. So unsinnig dürfte nämlich keiner sein und behaupten, daß der ein gutes Werk tue, der arm und bedürftig daherkommt, um von der Hand des Reichen eine Wohltat zu empfangen. Die Messe aber ist – wie gesagt – die Wohltat göttlicher Verheißung, die allen Menschen durch die Hand der Priester dargeboten wird.
Das ist also sicher, daß die Messe kein Werk ist, das anderen mitteilbar wäre, sondern – wie man sagt – Gegenstand des persönlichen Glaubens eines jeden einzelnen, der hier genährt und gestärkt werden soll.
Gleich noch ein anderes Ärgernis muß hier fortgeräumt werden, das noch viel größer und höchst ansehnlich ist, daß man nämlich allgemein die Messe als ein Opfer glaubt, das Gott dargebracht werde. In diesem Sinne scheinen auch die Worte des Meßkanons zu lauten, wenn gesagt wird: »Diese Gaben, diese Geschenke, dies heilige Opfer«, und später: »diese Opfergabe«. Auf gleiche Weise wird ganz deutlich das Begehren ausgesprochen, daß das Opfer annehmbar sein möchte — wie Abels Opfer usw. Daher wird auch Christus »Opfer des Altars« genannt. Hinzu kommen die Worte der heiligen Väter, so viele Beispiele und die Macht des so lange in der ganzen Welt beobachteten Brauches.
All diesem – weil es sich so beharrlich festgesetzt hat – muß man Christi Wort und Beispiel ganz fest entgegenstellen. Wenn wir nämlich nicht daran festhalten, daß die Messe Christi Verheißung oder Testament ist, wie die Worte klar lauten, so verlieren wir das ganze Evangelium und all unseren Trost. Lassen wir nichts diese Worte übertönen, »auch wenn ein Engel vom Himmel etwas anderes predigen würde« (Gal 1,8)! Denn in ihnen ist nichts vom Werk oder Opfer enthalten. Ferner steht auch das Beispiel Christi für uns. Als Christus nämlich dieses Sakrament beim letzten Mahle einsetzte und sein Testament aufrichtete, hat er es nicht Gott dem Vater geopfert oder als ein gutes Werk für andere vollbracht, sondern bei Tische sitzend hat er jedem einzeln dies Testament vorgelegt und das Zeichen dargeboten. Nun ist die Messe um so christlicher, je näher und ähnlicher sie der allerersten Messe ist, die Christus beim letzten Mahle gehalten hat. Aber Christi Messe war so einfach wie möglich, ohne jeden Prunk mit Gewändern, Gebärden, Gesängen und anderer zeremonieller Pracht. Christus hätte sie also unvollständig eingesetzt, wenn er sie als ein Opfer darzubringen beabsichtigt hätte.
Nicht, daß jemand die ganze Kirche kritisieren soll, weil sie mit vielen anderen Riten und Zeremonien die Messe ausgeschmückt und umgeben hat! Aber das wollen wir, daß niemand, durch den Glanz der Zeremonien betrogen und von dem vielfältigen Prunk verwirrt, die Einfalt der Messe fallen läßt und tatsächlich eine Art Transsubstantiation betreibt, wenn er nämlich das schlichte Wesen der Messe verliert und an den vielen äußerlichen Zutaten des Gepränges hängt. Denn alles, was über Wort und Beispiel Christi hinausgeht, ist eine zufällige Zutat zur Messe. Wir dürfen solche Zutaten nicht anders einschätzen, als wir jetzt die sogenannten Monstranzen« und Altartücher bewerten, in denen die Hostie selbst aufbewahrt wird. Wie daher zwischen der Austeilung des Testaments sowie dem Empfang der Verheißung und der Opferung eines Opfers ein Widerspruch besteht, so ist es widersprüchlich, daß die Messe ein Opfer sein soll, weil wir jene empfangen, dies aber geben. Ein und dasselbe kann aber nicht zugleich empfangen und geopfert werden, auch nicht von ein und demselben zugleich gegeben und angenommen werden; ebensowenig wie ein Gebet und die Sache, um die wir darin beten, dasselbe sein können, oder »beten« und das Erbetene »annehmen« dasselbe sind.
Was sollen wir also zum Meßkanon und zur Autorität der Väter sagen? Darauf antworte ich zunächst: Wenn man nichts hätte, was man sagen könnte, ist es doch sicherer, alles zu bestreiten als zuzugeben, daß die Messe ein Werk oder ein Opfer sei, damit wir das Wort Christi nicht verleugnen und den Glauben zusammen mit der Messe vernichten. Dennoch sagen wir, damit wir auch sie beachten, daß wir von dem Apostel 1Kor 11,20f belehrt werden, bei den Christen sei es Brauch gewesen, Speise und Trank mitzubringen, wenn sie sich zur Messe versammelten. Dies nannten sie Kollekten, welche nach dem Beispiel der Apostel Apg 4,34f an alle Bedürftigen verteilt werden sollten. Hiervon wurde das genommen, was für das Sakrament an Brot und Wein geweiht wurde. Und weil nach hebräischem Brauch dies alles durch Wort und Gebet geheiligt wurde, indem es in die Höhe erhoben wird, wie wir in 3Mose 8,27 lesen, sind die Worte und der Brauch des Erhebens oder Darbringens übriggeblieben, auch nachdem man von der Sitte schon längst abgekommen war, das mitzubringen und einzusammeln, was dargebracht oder erhoben werden sollte. So befiehlt Hiskia Jes 37,4 dem Jesaia, ein Gebet für die Übriggebliebenen vor Gottes Angesicht »zu erheben«. Und in Ps 134,2 heißt es: »Hebet eure Hände auf im Heiligtum! « Desgleichen: »Zu dir erhebe ich meine Hände« (Ps 63,5); 1Tim 2,8: »Aufhebend heilige Hände an jedem Ort«. Daher dürfen die Worte »Opfer« oder »Darbringung« nicht auf das Sakrament oder Testament bezogen werden, sondern eben nur auf jene Kollekten. Daher ist das Wort »Kollekte« noch für die Gebete erhalten geblieben, die in der Messe gesprochen werden.
Dasselbe verursacht, daß der Priester Brot und Kelch emporhebt, sobald sie konsekriert sind. Damit zeigt er nicht an, daß er Gott etwas opfert, ebenso wie er dann mit keinem Wort des Opfers oder der Darbringung gedenkt. Vielmehr ist dies entweder der Rest eines hebräischen Brauches, nach dem das emporgehoben wurde, was, mit Danksagungen empfangen, Gott wiedergegeben wurde, oder es ist eine Ermahnung an uns: Wir sollen damit zum Glauben an dieses Testament aufgefordert werden, welches der Priester hier mit den Worten Christi vorgebracht und dargestellt hat, wie er zugleich auch dessen Zeichen zeigt, so daß die Darbringung des Brotes also genau diesen demonstrativen Worten »Dies ist mein Leib« entspricht und uns Dabeistehende gewissermaßen mit diesem Zeichen selbst anredet. Ebenso entspricht die Darbringung des Kelches genau dem Hinweis: »Dies ist der Kelch des neuen Testaments« usw. Der Priester soll nämlich durch solchen Ritus des Emporhebens den Glauben in uns erwecken. Hoffentlich verkündigt er zugleich mit erhobener und klarer Stimme unseren Ohren das Wort oder Testament so, wie er vor unseren Augen das Zeichen oder Sakrament öffentlich emporhebt! Und zwar in jeder Volkssprache, damit der Glaube um so wirkungsvoller geweckt werde! Denn warum soll es erlaubt sein, die Messe griechisch und lateinisch und hebräisch zu vollziehen und nicht auch deutsch oder in irgendeiner anderen Sprache?
Darum sollten sich die Priester, die das Meßopfer vollziehen, in diesem verdorbenen und gefährlichen Zeitalter gut in acht nehmen: Zuerst, daß sie die Worte des großen und kleinen Meßkanons mit den Kollekten, die offensichtlich allzusehr nach Opfer klingen, nicht auf das Sakrament beziehen, sondern entweder auf das zu konsekrierende Brot und den Wein selbst oder auf ihre Gebete. Denn Brot und Wein werden zuvor zur Segnung dargebracht, damit sie durch Wort und Gebet geheiligt werden. Nachdem sie aber gesegnet und konsekriert sind, werden sie nicht mehr geopfert, sondern als Gabe, die von Gott kommt, empfangen. Und in dieser Sache möge der Priester bedenken, daß das Evangelium allen von Menschen verfaßten Meßkanons und Kollekten vorzuziehen ist. Das Evangelium läßt aber, wie du gehört hast, nicht zu, daß die Messe ein Opfer ist.
Ferner: Wer die Messe öffentlich vollzieht, der nehme sich vor, nichts anderes zu tun, als sich und anderen durch die Messe Gemeinschaft mit dem Herrn zu vermitteln, zugleich aber auch seine Gebete für sich und andere darzubringen. Er hüte sich vor der Anmaßung, eine Messe zu opfern! Wer aber eine Privat-Messe hält, der nehme sich vor, diese Gemeinschaft für sich selbst zu empfangen. Die private Messe unterscheidet sich gar nicht und hat der einfachen, von Priesterhand empfangenen Kommunion irgendeines Laien nichts voraus, außer den Gebeten und daß der Priester für sich selbst die Abendmahlselemente konsekriert und den Altardienst vollzieht. In der Hauptsache sind wir – Priester wie Laien – bei Messe und Sakrament alle gleich.
Was die sogenannten Votivmessen betrifft, wenn sie zu zelebrieren von anderen bestellt werden, so hüte sich der Priester davor, einen Lohn dafür zu nehmen oder eine zu opfern. Vielmehr bemühe er sich, das alles auf die Gebete zu beziehen, welche er für Verstorbene oder Lebende darbringen mag, indem er dabei denkt: »Siehe, ich will gehen und das Sakrament für mich allein nehmen, aber während ich es nehme, will ich für den und den beten«, so daß er also den Lohn für Nahrung und Kleidung zum Gebet, aber nicht für die Messe erhält. Man lasse sich auch nicht davon bewegen, daß alle Welt sich an den gegenteiligen Sinn und Brauch hält! Du hast ja das Evangelium aufs gewisseste. Im Vertrauen darauf wirst du leicht Sinn und Meinungen der Menschen zurückweisen. Wenn du aber mich zurückweist und die Messe – und nicht bloß die Gebete – als Opfer darzubringen fortfährst, so wisse, daß ich dich treu gewarnt habe und am Gerichtstage entschuldigt bin. Du wirst dann deine Sünde selber tragen (vgl. Hes 3,17ff; 33,7ff). Ich habe gesagt, was ich dem Bruder als Bruder zum Heil zu sagen schuldig war; es wird dir nützen, wenn du es beachtest, es wird dir schaden, wenn du es mißachtest. Wenn aber einige auch das verwerfen, so antworte ich ihnen mit Paulus: »Mit den bösen Menschen aber und verführerischen wird’s je länger je ärger, sie verführen und werden verführt« (2 Tim 3,13).
Daraus versteht nun jeder leicht, was das geläufige Wort von Gregor ist, daß die Messe eines schlechten Priesters nicht weniger als die eines guten gelte. Die Messe des heiligen Petrus sei nicht besser gewesen als die des Verräters Judas – wenn beide Messe gehalten hätten. Denn mit diesem Deckmantel verhüllen manche ihre Gottlosigkeiten, und von daher haben sie die Unterscheidung zwischen dem opus operatum und dem opus operans erfunden, wodurch sie sich vermessen, selbst sorglos ein schlimmes Leben zu führen und dennoch anderen Gutes zu tun. Freilich, Gregor spricht richtig, aber jene verstehen ihn falsch. Es ist nämlich durchaus wahr, daß vom Testament und Sakrament durch gottlose Priester nicht weniger gegeben und empfangen wird als durch die allerheiligsten. Wer zweifelt daran, daß auch durch Gottlose das Evangelium gepredigt wird! Ist doch die Messe ein Teil des Evangeliums, ja sogar Summe und Inbegriff des Evangeliums! Was ist denn das ganze Evangelium anderes als die gute Botschaft von der Vergebung der Sünden? Alles aber, was über Sündenvergebung und Barmherzigkeit Gottes aufs breiteste und wortreichste gesagt werden kann, ist ganz kurz im Wort des Testaments zusammengefaßt. Daher sollten auch die Predigten vor dem Volk nichts anderes als eine Auslegung der Messe sein, d. h. Erklärungen der göttlichen Verheißung dieses Testaments; denn das hieße den Glauben lehren und die Kirche wirklich erbauen. Aber die jetzt die Messe auslegen, die spielen und betrügen mit allegorischen Erklärungen menschlicher Zeremonien.
Also wie ein Gottloser taufen kann, d. h. das Wort der Verheißung und das sichtbare Zeichen des Wassers auf den Täufling bringen kann, so kann er auch die Verheißung dieses Sakraments vorbringen und den Kommunikanten darreichen und zugleich selbst kommunizieren – wie Judas der Verräter beim Abendmahl des Herrn. Es bleibt dennoch immer das gleiche Sakrament und Testament, das im Glaubenden sein eigentliches Werk, im Ungläubigen sein fremdes Werk bewirkt. Beim Opfern liegt die Sache aber ganz anders, da nicht die Messe, sondern die Gebete Gott geopfert werden. Folglich ist klar, daß die Opfer eines gottlosen Priesters nicht gelten. Sondern – wie derselbe Gregor sagt – der Geist des Richters wird zum Zorn gereizt, wenn einer, der unwürdig ist, entsandt wird, um Gnade zu erbitten. Deshalb darf man dies beides nicht vermischen: die Messe und das Gebet, das Sakrament und das Werk, das Testament und das Opfer. Denn das eine kommt zu uns von Gott durch den Dienst des Priesters und fordert Glauben; das andere geht aus unserem Glauben hervor durch den Priester zu Gott und verlangt Erhörung. Jenes neigt sich herab, dieses steigt empor. Deshalb erfordert jenes nicht notwendig einen würdigen und frommen Diener, dieses dagegen erfordert ihn, weil Gott die Sünder nicht erhört (Joh 9,31). Er versteht wohl, uns durch Böse Gutes geschehen zu lassen. Aber er nimmt keines Bösen Werk an, wie er es an Kain bewiesen hat (1Mose 4,5) und wie es Sprüche 15,8 lautet: »Der Gottlosen Opfer ist dem Herrn ein Greuel«, und Röm 14,23: »Alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde«.
Doch um diesen ersten Teil zu beenden, weil wir auch das andere – wo immer der Verderber aufgestanden ist – ans Licht ziehen wollen: so fassen wir aus diesem allen zum Schluß zusammen, für wen die Messe eigentlich eingesetzt ist und wer würdig kommuniziert. Das sind allerdings nur die, welche betrübte, angefochtene, bestürzte, beunruhigte und irrige Gewissen haben. Denn da das Wort der göttlichen Verheißung in diesem Sakrament die Vergebung der Sünden darbietet, tritt jeder sicher hinzu, der von seinen Sünden geängstigt wird, sei es durch Schmerz, sei es durch Verlockung. Denn dieses Testament Christi ist die einzige Medizin für vergangene, gegenwärtige und zukünftige Sünden, wenn du dich nur mit unzweifelhaftem Glauben daran hältst und glaubst, daß dir aus Gnade umsonst das gegeben wird, was die Worte des Testaments besagen. Glaubst du es aber nicht, wirst du nie und nimmer durch keinerlei Werk und mit keinerlei Bemühen deinem Gewissen Frieden geben können. Der Glaube allein ist nämlich der Friede des Gewissens, der Unglaube dagegen ist eine unausgesetzte Beunruhigung des Gewissens.
Aus: De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium (WA 6,512-526), Übers. Horst Beintker.