Hans Joachim Iwand, Die Verantwortung und die Aufgaben der Christen in der heutigen internationalen Situation (1958): „Solange wir im Banne der Todeswelt leben, können wir nicht wahrhaft lieben! Die Liebe ist keine moralische Angelegenheit, keine philosophische Idee. Sondern die Liebe ist geboren jenseits des Todes. Das ist die Liebe Gottes.“

Die Verantwortung und die Aufgaben der Christen in der heutigen inter­nationalen Situation

Von Hans Joachim Iwand

Liebe Freunde, liebe Brüder und Schwestern! Das Thema, das Sie mir gestellt haben, ist sehr weit: Der Christ und die internationale Lage. Und es ist sehr schwer, einen Punkt ausfindig zu machen, von dem aus der Christ für die heutige internationale Lage verantwortlich ist, einen Mittelpunkt, um den alles schwingt. Es ist immer die Aufgabe bei solchen Fragen, einen wei­ten Horizont zu behalten, aber einen ganz konkreten festen Punkt zu bezie­hen, von dem aus wir Stellung nehmen, wo die Entscheidung fällt, sonst blei­ben die Ausführungen über die internationale Lage willkürlich, unverbindlich, etwa so wie wir sie in den Zeitungen lesen. Wir müssen aber von unserem Glauben her, von der Tiefe her, diesen Punkt festmachen., Und ich glaube, dass wir als Christen, auf die internationale Lage gesehen bewegt sein sollten von der Frage des Friedens, wie wir das gestern auch hier hörten von seiner Eminenz Metropolit Pitirim, von dem Frieden in dem Sinne, dass wir uns fragen müssen, was sollen wir dazu tun, in unserer heutigen Situation. Und darüber möchte ich versuchen, etwas zu sagen, eine Einleitung zu geben für eine Diskussion. Ich werde über vier Punkte sprechen.

  1. Über die Friedensarbeit und die Bedeutung ethischer Begriffe.
  2. Über theologische oder christliche Vorstellungen zur heutigen Lage.
  3. Über das christliche Urteil im Hinblick auf die äusseren Zusammen­hänge, auf die Trennung zwischen den Nationen Europas, die man den »eiser­nen Vorhang« zu nen­nen pflegt.
  4. Was diese Konferenz will, was wir hier in unserem Zusammensein bedeuten für die Aufgaben, die uns jetzt für die Friedensarbeit gestellt sind.

Es werden sehr subjektive Meinungen sein, nicht so sehr allgemein gül­tige Urteile. Es ist sehr leicht, wenn man heute über ein festgelegtes Thema sprechen muss, da kann man die Dinge ziemlich objektiv behandeln. Aber hier sind wir gefragt, wie Prof. Hromádka das gestern ge­sagt hat, ob wir als Christen der Wirklichkeit gegenüber bestehen, die uns herausfordert, die uns von Gott gesetzt ist, ob wir uns in ihr bewähren, so wie Paulus sagt: Kaufet die Zeit aus.

Ich möchte ein Beispiel dafür geben: Als die Konfessionskämpfe in Deutsch­land begannen, als Hitler an die Macht kam, war es oft sehr schwierig, zu predigen. Einer unserer Pastoren sagte: für mich ist das gar nicht schwer. Ich predige nur was die Bibel sagt, dann passiert mir gar nichts. Es gibt eine tiefe Gelehrsamkeit, die zieht sich in sich selbst zurück und dann ist sie in einem Niemandsland. Die Bibel ist aber kein Niemandsland. Die Bibel schickt uns vor zum Angriff, dass wir unsere Glieder in den Dienst stellen als Waffe der Gerechtigkeit, wie Paulus in seinem Römerbrief sagt. Das müssen wir tun, das ist die Aufgabe, so habe ich das aufgefasst, als mir das Thema von Bruder Pospíšil gestellt wurde. Wozu sind diese Waffen und Werkzeuge, für welche Ziele und gegen welche Mächte werden sie gebraucht? Inter­es­siert uns der Kampf um den Frieden der Welt gar nicht? Meint ihr, man kann sich einfach zurückziehen? Es gibt keinen Rückzug, wenn wir ihn machen, werden wir mitschuldig sein an dem, was dann in der Welt geschieht. Dann werden wir keinen Grund haben, über die Untaten zu urteilen, die sich dort ereignen.

1. Ich bin nicht von Haus aus — ich will das offen sagen — ein Pazifist. Ich meine, dass sich die Friedensarbeit auf die konkrete Lage beziehen muss. Es ist nichts damit getan, dass wir sagen, der Krieg ist sinnlos. Viele retten sich heute in den Satz: der Krieg ist sinnlos. Aber das Sinnlose wird oft zur Tat. Der erste Punkt ist für mich folgender: Es ist ein Irrtum, wenn wir glauben, wir müssten den Frieden erhalten. Wir haben keinen Frieden. Wir müssen den Frie­den erst erringen, wir haben noch keinen. Das unheimliche Geschehen der Selbstvernichtung seit 1914 unter den Völkern Europas und Asiens geht noch immer weiter. Wir haben nach 1918 gedacht, wir hätten Frieden. Aber das war ein grosser Irrtum. Die Zeit zwischen 1918 und 1933 war ein Waffen­stillstand und als die Erschöpfung vorüber war, brach der Krieg von neuem aus. So müssen wir auch die heutige Lage, wenn wir sie ernst nehmen, an­sehen. Sie ist eine neue Vorbereitung zum Kriege als Fortsetzung des furcht­baren Geschehens, das uns alle so tief erschüttert und verwirrt hat.

Wir verurteilen viele Verbrechen im einzelnen und beachten dabei nicht, dass die Voraussetz­ung für vieles, was wir verurteilen, der Krieg ist. Die Wurzel namenloser Verbrechen war der Krieg, gleichwohl haben wir bis heute keine friedliche Ordnung gefunden und türmen die Macht der Waffen quantitativ und qualitativ immer weiter aufeinander. Als vor kurzem die Sätze der Bruderschaften in Deutschland veröffentlicht wurden — sie sind ja in der DBR und in der DDR durch die Presse gegangen —, schrieb die Frank­furter Allgemeine Zeitung einen sehr interessanten Artikel. Es hiess darin, wir dürfen nicht die Moral auf das Gebiet der Fak­ten beziehen. Die Fakten, gemeint sind die Tatsachen, die Realitäten, haben ihr eigenes Ge­wicht. Und man dürfe nicht glauben, die Fakten ändern zu können durch eine Idee oder einen Glaubensatz oder ein Gebot Gottes, sondern die Fakten ändern sich allein durch sich selber. Wir müssen daher, so meinte die FAZ, so weit auf­rüsten mit allen Waffen, auch atomaren, bis die Menschen einsehen, dass die Rüstung sinnlos ist. Dann ist die Zeit der Abrüstung gekom­men und dann haben wir den Weg zum Frieden frei. Es ist ein typisches Denken, wie wir es auch in christlichen Kreisen antreffen. Ich möchte dieses Denken ein Den­ken in zwei Stock­werken nennen, in zwei Reichen, im Reich der Moral und im Reich der Fakten. Wenn wir uns aber nicht freihalten von diesem Wahn, von diesem törichten und feigen Optimismus der Illu­sion von der Harmonie des Faktischen, dann werden wir nie einen Frieden erreichen, sondern dann wird uns ein furchtbarer Untergang bevorstehen. Für mich wäre das zu­nächst einmal das wichtigste, dass wir dieser Theorie eine Absage erteilen, wonach die Moral oder wie man das nennen will, das Gebot Gottes nichts zu tun haben soll mit den Fakten. Von Bruder Hromádka ist das schon ge­sagt worden. Damit hängt es wohl zusammen, dass die Moral als solche es nicht mehr schafft. Alle Menschen, die vom Moralischen ausgehen, berühren den Boden der Fakten nicht mehr. Wir müssen etwas haben, was über die bloss moralische Position hinaus­geht. Unsere Schwachheit berechtingt uns nicht dazu, zu versagen. Unsere Schwachheit ist die menschliche Gegenseite zu der grossen Verheissung Gottes. Ich würde sagen, es irren alle, die heute davon ausgehen, wir müssten den Frieden erhalten. Wir haben ihn noch nicht, wir müs­sen erst eine neue Friedensordnung erringen.

2. Damit erhebt sich eine weitere Frage, die uns als Christen und Theo­logen angeht. Können wir uns damit zufrieden geben, wenn gesagt wird, hier ist die eine Seite der Menschheit und dort die andere? Hier ist die freie Welt, dort der Sozialismus? Ich glaube, dass das falsch ist und dass dies bei uns nicht gesagt und nicht gehört werden dürfte. Wenn wir Christen sind, müs­sen wir festhalten an der einen Menschheit. Wir können uns nicht zurückzie­hen auf einen Teil der Menschheit und diesen als die wahre Menschheit be­zeichnen. Das erzeugt das furcht­bare Übel des pharisäischen Richtens. Diese Aufteilung der Welt führt dazu, dass ein Teil der Menschheit sich für das Ganze hält und den Untergang des anderen Teils vorbereitet. Sie führt auch zu einem schrecklichen Konformismus. Das heisst, man kann Andersdenkende unter sich nicht ertragen. Das ist so wie bei einer Herde von Tieren, wenn ein fremdes Tier unter sie gerät. Dann schnuppern die Tiere und fühlen: dies ist nicht aus unserem Stall, und drücken es heraus. Wenn wir aber Menschen sind, müssen wir uns freuen, dass wir ungleich zusammen sind. Viele Natio­nen, viele Lebensformen, viele Schicksale, das ist die wahre Einheit der Christenheit. Als die Judenchristen sagten, wir wollen zusammenbleiben, so wie wir aus dem Judentum gekommen sind, sagte Paulus: Ist Gott nur der Juden Gott, nein, auch der Heiden Gott! Wenn dies nicht mehr bei uns gilt, gehen wir zugrunde.

Lassen Sie mich das, meine Brüder, einmal ganz praktisch und mensch­lich sagen: Wir im Westen brauchen Sie! Wir brauchen Ihre Freundschaft und Ihre Gemeinschaft! Wir brauchen Sie als das tägliche Brot unseren gei­stigen Lebens. Es kann niemand ermessen, was es für uns bedeutet hat, dass wir eben drei Wochen Gäste der Christenheit in Russland sein durften. Ich bin erfüllt, beschenkt und neugeboren für mein Amt zurückgekehrt. Wir brau­chen die Bru­derschaft, die Freundschaft der Menschen und der Kirchen, die in anderen Staaten, anderen Lebenswirklichkeiten leben und wohnen. Sonst verkommen wir. Uns fehlt das Fremde als geistige Nahrung. Wir sind nur noch stolz auf das, was wir sind und damit fängt jeder Unter­gang des geisti­gen Lebens an. Aber ich gehe hier politisch viel weiter. Ich habe es schon oft gesagt und werde es nochmals hier sagen: Wenn Gott mich heute fragen würde, uns fragen würde, gut, ich will die Welt neu machen, ich habe es falsch gemacht, ich sehe es ein, ich werde zwei Wellen machen, eine für den Kom­munismus und eine für die Christen, dann habt ihr wirklich Frieden. — was würden wir tun? Ich weiss, was ich tun würde. Ich weiss, dass es eine Ur­sünde wäre, wenn ich in meinem Herzen auch nur wünschen würde, nicht mehr in einer Welt zusammen zu leben mit Menschen, die der sozialistischen Idee huldigen, mit Men­schen, für die Marx und Lenin eine echte Weisung zur Lebensordnung geworden sind. Ich will mit solchen Menschen in einer Welt Zusammenleben und ich meine, wenn wir das nicht wollen, dann können wir keinerlei Friedensarbeit tun. Ich weiss, dass es nicht leicht ist. in einer solchen Welt zusammenzuleben mit Menschen, die ganz anderer Meinung in den letzten Fragen des Lebens sind als ich, aber ich weiss auch das andere. Dass die grosse Ver­heissung Gottes besteht, wenn es zu einer solchen Begeg­nung von Christus her kommt, dass wir wieder an die eine Menschheit glau­ben sollen. Ich meine, dass wir um Jesu willen den Glauben an die eine Menschheit nicht eine Minute aufgeben dürfen. Tim wir das, dann kön­nen wir im Ernst keine christlichen Gottesdienste mehr halten. Im Dritten Reich habe ich meine Studenten oft gefragt: Was machen Sie denn, wenn Sie zu Weihnachten singen »In unser armes Fleisch und Blut verwandelt sich das ew’ge Gut«, mit dem Arierparagraphen? Hier ist die eine Mensch­heit ge­pflanzt, wirklich eingepflanzt in dem Sohn Davids, in dem eingeborenem Sohn Gottes, von der Jungfrau Maria geboren. Dies etwa meine ich, wenn wir an Jesus Christus glauben und an die in ihm eingepflanzte eine Menschheit. Da­rum können wir uns nicht zufriedengeben mit einer zweigeteilten Menschheit. Wir müssen Rebellen sein als Christen gegen jede Politik, die glaubt, mit die­ser Zweiteilung den Frieden erhalten zu können.

3. Die ökumenische Arbeit ist deshalb Friedensarbeit. Wenn sie das nicht ist, ist sie nicht mehr ökumenische Arbeit. Eins dreht sich um das andere. Wenn die Ökumenizität nicht mehr bedeutet, dass hier die Einheit der Mensch­heit in der Einheit der Christenheit geglaubt, gelebt und bekannt wird, dann ist das keine Ökumenizität. Und das ist für mich die Rechtfertigung der Mit­arbeit der Christen an der Friedensarbeit. Ich meine das nicht organisatorisch, sondern zunächst grundsätzlich. Ist es nicht schrecklich, dass wir gar keine Hemmungen empfanden, wenn wir als Christen zu Mitarbeitern am Kriegs­handwerk wurden? Bis heute finden viele nichts Unchristliches dabei. Die Militärseelsorge ist sozusagen das äussere Merkmal dieser gerechtfertigten Mitarbeit. Im Ernstfälle werden wir das blutige Handwerk alle mitmachen. Mir ist erst unter Hitler aufgegangen, dass man dieses blutige Handwerk nicht mitmachen darf. Und man darf auch die Vorbereitung zu diesem blutigen Handwerk nicht mehr rechtfer­tigen. An der Christenheit hängt heute ein riesiges Gewicht. Wenn sie sich freimacht von dem Gedanken, dass wir berufen sind zum Kriegshandwerk, dann werden wir neue Erkenntnisse gewinnen und neue Entscheidungen vollziehen.

Das ist eigentlich das dritte und letzte, was ich zu dieser Friedensarbeit sagen wollte. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es viel schöner ist, mit Menschen, die nicht an Gott glau­ben und doch für den Frieden arbeiten, in einer Linie zu stehen, als mit denen, die vergeben, mit den Waffen das »Reich Gottes« du schützen. Diese schrecklichen modernen Waffen sind schon längst keine Waffen mehr. Und einen Schutz des Reiches Gottes mit Waffen hat Jesus selbst auf dem Wege zum Kreuze abgewehrt.

Es ist eine merkwürdige Sache, meine Brüder. Viele Menschen haben ein gutes Gewissen, das Waffenhandwerk Seite an Seite mit solchen zu treiben, die Gott lästern und dieselben Men­schen scheuen sich, in die Friedensarbeit einzutreten, weil dort Menschen wirken, die meinen, es gibt keinen Gott. Ich würde sehr vorsichtig sein, was den Glauben an Gott betrifft. Wenn ich Menschen aus Japan, aus China, aus Afrika in der Friedensarbeit wirken sehe, kann ich von ihnen nicht verlangen, dass sie zuerst Christen würden. Hier kann es sich nur um Mitar­beit der Christen handeln.

Und noch ein letzten Anhang dazu. Wenn wir so den Einsatz der Chris­tenheit für den Frieden unterstreichen, meinen wir, dass sich die Christen­heit nicht beschränken darf auf den inneren Frieden. Ich weiss wohl, dass da ein Problem liegt. Ich möchte den inneren Frieden meines Herzens nicht ab­hängig machen von dem äusseren Frieden. Ich werde meinen Frieden haben in Jesus Christus, auch wenn mein Leben selbst äusserlich keinen Frieden hat. Das ist das Vorrecht der Verkündigung und des Glaubens der Christen.

Aller Frieden fängt bei uns von innen an, fängt damit an, dass wir Frie­den haben in Gott. Wir sind gerecht geworden durch den Glauben und haben Frieden mit Gott. Wie hätten wir sonst die furchtbaren Schicksale, die wohl die meisten unter uns erlebt haben, überstehen sollen, wenn wir nicht in un­seren Gewissen, in unseren Herzen sicher wären, dass uns keine Gewalt aus der Hand Gottes reissen kann? Aber wem diese Friedensburg dazu führt, dass wir nicht mehr wagen, sie zu verlassen, herauszutreten aus diesem inneren Frieden um den Frieden ver­wirklichen zu helfen in der Welt, dann sind wir feige. Es gibt eine christliche Feigheit. Die Feigheit ist eines von den Lastern, die uns den Eintritt ins Himmelreich verwehren.

Oft, wenn wir selbst teige waren oder in Gefahr waren, feige zu werden, hat uns die Geschich­te von der Sturmstillung gehalten. Matthäus erzählt uns, wie Christus sich erhebt und zu sei­nen Jüngeren sagt: »Warum seid Ihr so feige?« Feigheit ist Unglauben. Feigheit rechnet nicht mit der Herrschaft des lebendigen Herrn. Das Nichtangreifen des Friedens in der Welt wird damit Zusammenhängen, dass wir fürchten den inneren Frieden zu verlieren. Aber der innere Friede ist uns nur so geschenkt worden, dass wir ihn in Jesus haben und Jesus wie ein Feld­herr uns verweist auf die Welt, in der er selbst gekämpft und gelitten hat.

Ich will zwei Beispiele sagen: Wenn ich aus Bonn nach Prag komme, scheint es so, als müsste ich einen neuen Moralkodex meinem Denken und Urteilen zugrunde legen. Und wenn Sie aus Prag nach Bonn kommen, werden Sie auch der Gefahr erliegen, so zu denken. Aber es gibt Menschen, die brau­chen das nicht. Sie sind wirkliche, wahre Menschen. Das ist etwas Herr­liches. Wir haben davon etwas zu spüren bekommen, als Ihre Studenten vor kurzem bei uns waren. Aber für die meisten Menschen gilt das noch nicht. Sie setzen eine Werttafel gegen die andere. Sie kennen keine echte Synthesis. Hier siegt die Theorie über den Menschen und seine Nähe zueinander. Unsere Zeit hat darin eine gewisse Ähnlichkeit mit der Zeit der Glaubens­kämpfe. Das sind grosse Krisen der Menschheit. Ich bin nicht der Meinung, dass wir hier jam­mern sollen, sondern es kommt darauf an, ob wir sie lebend überstehen. Nach den Glaubens­kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts kam die Zeit der Aufklä­rung. Sie war nicht so schlecht, wie sie oft in theologischen Kreisen gemacht worden ist. (Ich glaube trotzdem an die Erbsün­de!) So ein Zeitalter könnte auch vor uns stehen. Es steht ganz sicher von uns; was wir jetzt erleben, sind seine Geburtskrisen. Wir sollten nur trachten, sie im Glauben durchzustehen.

Zweites Beispiel: Wir waren vor einem Jahr eingeladen von Professoren der technischen Hochschule in Aachen und wir hatten eine Diskussion mit ihnen über eine Grundfrage der modernen Wissenschaft. Nämlich die Frage: darf der Mensch alles tun, was wissenschaftlich möglich ist? Und hier werde ich gleich zeigen, warum heute das frühere Zeitalter der Aufklä­rung zu Ende ist. Die Menschen, die nur von der Aufklärung herkamen, sagen Ja. Was wis­senschaftlich möglich ist, das ist auch gut für die Menschen. Und wir mei­nen, dass das schon lange nicht mehr so war, heute aber zu einer weltweiten Krise gekommen ist. Hippocrates machte es den Ärzten zur Pflicht, dass sie sich dem höheren Gesetz des Lebens unterstellen müssen bei ihrer ärztlichen Kunst. Die Ärzte halten es bis heute so streng damit, dass sie auch dann, wenn sie den Menschen nicht mehr am Leben erhalten können, den Tod nicht von sich aus herbeiführen. Das können sie nicht, wenn sie gute Ärzte bleiben wollen. Hier ist ihrer Wissenschaft eine Grenze gesetzt.

Und wie steht das mit den Theologen? Kann ich alles, was Spass macht, was die Leute reizt, was ihnen schmeckt, aufwenden, um sie zum Glauben zu bringen? Man kann das machen, es ist im grossen Stil gemacht worden. Aber wir wissen, wir dürfen es nicht, denn wir sind nicht dazu da, die Menschen zu bereden, sondern Gottes Zeugen zu sein. Und wenn wir die Täu­schung ge­brauchen, dann ändert das Mittel den Zweck.

Und wie steht es heute mit der Atomspaltung? Die Atomspaltung ermög­licht neuen Lebens­raum für Milliarden von Menschen. Sie ist ohne Frage ein besonderer Erfolg der wissen­schaftlichen Forschung. Im Hinblick darauf, dass wir heute einer unvorstellbaren Vermehrung der Menschen entgegengehen, wäre sie das Mittel, zu helfen, dass diese Vermehrung nicht zu neuen Ausrot­tungskriegen führt, sondern zu einem friedlichen Miteinanderleben. Darf ich aber, weil es wissenschaftlich möglich ist, dieselben Mittel benützen, verwen­den für den alten Zweck des Krieges? So muss dieses Mittel, das seinem We­sen nach Geschenk ist für das Leben und den Dienst am Leben, zerstörend werden für dieses Leben. Wir sehen also, dass in den Verhältnissen von Mit­tel und Zweck eine höhere Ordnung besteht, die als solche auch für die Wissenschaft verbindlich wird. So neu sind diese Erkenntnisse gar nicht. Aristoteles und Kant haben diese Dinge nicht anders gesehen, erst im Positi­vismus sind sie verloren gegan­gen. Das also meine ich, wenn ich sage, wir stehen vor der Frage: Ist alles, was wissenschaft­lich möglich ist, auch erlaubt? Wir brauchen eine neue Fundierung unseres gesamtmenschli­chen Ethos, um die Wissenschaft für die ganze Menschheit dienstbar zu machen.

Jetzt noch ein letztes zu dieser Frage der gespaltenen Welt. Und da wer­den sie mir vielleicht nicht folgen.

4. Es geht um die Ideologie. Wenn wir ein neues Ethos wagen, dann dür­fen wir nicht Scharf­schützen werden für das, was man Ideologie nennt. Einige von Ihnen werden das vielleicht nicht verstehen, aber bei uns im Westen ist heute geradezu ein Schützenfest entstanden gegen jedwede Ideologie. Unsere Studenten haben sich darauf so gut eingeschossen, dass sie nicht nur alte Hasen treffen, sondern ganz junge, welche gerade erst ausgekrochen sind. Ich bin der Meinung, dass der Mensch ohne Ideologie nicht leben kann und zwar deswegen, weil wir kei­ne Tiere sind. Ich sehe nicht, wie wir aus unse­rer ethischen Anarchie herauskommen wollen, wenn wir die Ideologie grund­sätzlich ablehnen. Ich glaube wohl, dass Christen anders zur Ideologie stehen werden als Nichtchristen! Das ist immer so gewesen. Ich glaube, dass es Bin­dungen geben wird zwischen Christentum und bestimmten ideologischen Gedanken. Ich glau­be, dass es Ideologien gibt, die mit Christentum nichts zu tun haben. Aber ich sehe keinen Weg, wie wir zu einer Lösung der uns bewegenden Fragen kommen sollen, wenn wir alle Ideologien von vornherein gleichzeitig ableh­nen. Dann fehlt uns die Denkbasis, auf der es zum Gespräch, zur Auseinander­setzung kommt mit anders eingestellten Menschen. Wenn wir in der modernen Welt stehen wollen als Zeugen und Christen und mithelfen wollen, dass wir die ethische Anarchie überwinden, müssen wir den Kampf und die Auseinan­dersetzung und die positive Wertung der Ideologien aufnehmen. Was ist denn eigentlich das Elend unserer letzten 40 Jahre? Es ist der Kampf von Revolu­tion und Konterrevolution, und der Italiener Ferrero hat nicht mit Unrecht gesagt, dieses Spiel von Revolution und Konterrevolution spie­len wir seit der französischen Revolution und der Bildung des Directoire. Wir spielen das nach, was die Franzosen am Ausgang des 18. Jahrhunderts in diesen wenigen Jahren paradig­matisch vorgemacht haben. In Hinsicht auf die Überwindung der Anarchie der ethischen Wer­te würde ich sagen, wir müssen erstreben ein Jenseits von Revolution und Konterrevolution. Nicht im rationellen Sinne, sondern in dem Sinne von Idee und Geschichte. Idee in dem Sinne der be­wussten Freiheit des Menschen über die Natur und zugleich einer neuen Sicht und Wertung der geschichtlichen Überlieferung.

Das wäre das neue Zeitalter Europas und wir würden uns dann wahr­scheinlich auf einer neuen Ebene die Hände reichen können und der Schnitt, der heute durch den Leib Europas geht, würde nicht mehr sein. Was wir jetzt erleben ist der dritte Schnitt durch den Leib Europas. Ich bitte die Vertreter der orthodoxen Kirche Russlands und der Orthodoxie überhaupt, es mit Freundlichkeit zu hören, was ich dazu denke: Zuerst hat die abendländische Christenheit die Fühlung verloren mit der orthodoxen Kirche in Russland. Das ist der Eindruck den wir gehabt haben, als wir dieser Christenheit nach dem letzten Kriege begegneten.

Das könnte eine neue Wirklichkeit für uns bedeuten. Wir haben tausend Jahre nebeneinander gelebt und wir ermessen noch bis heute die tiefe Glau­benskraft und den innigen Zusammen­hang mit der Urchristenheit, den die orthodoxe Kirche bewahrt hat. Aber ich will den Schnitt, wie er heute ent­standen ist, näher deutlich machen. Politisch hängt er vielleicht mit dem ersten Weltkrieg zusammen. Dieser Schnitt stammt von 1918 als man in den »Friedensverträgen« von Versailles einen Cordon sanitaire für Westeuropa aufbaute aus den kleinen Staaten östlich Deutschlands. Dieser Schnitt ist, wie ich glauben möchte, die tiefere Ursache des furchtbaren zweiten Krieges ge­worden und war der erste Eiserne Vorhang, denn er führte zu einer tiefen Entfremdung der Völker des Westens und des Ostens. Er war die damals noch nicht erkannte Ursache von vielem Schrecklichen, was dann folgte. Er hat dazu geführt, dass wir im Westen meinten, hinter diesem Eisernen Vorhang lebten keine Menschen und jenseits dieses Vor­hangs warte nur alles darauf, die Errungenschaften der russischen Revolution aufzugeben. So ist es ja dann versucht worden. Dieser Schnitt im Herzen Europas durch den Leib Europas war der Auftakt des Kampfes von Konterrevolution und Revolution.

In diesem Auftakt ging der erste Weltkrieg weiter erst theoretisch, dann praktisch. Dieser Schnitt ist jetzt tausend Kilometer westlich verlegt. Und an ihm geht es im Weltmassstab des zweiten Weltkrieges weiter. Dies ist so schrecklich, dass man sich sagen muss, es ist, als ob ein Arzt, der den Körper zu einer Operation öffnet, sagt: hier ist nichts mehr zu machen. Wenn wir etwas hätten lernen wollen, müsste uns der zweite Weltkrieg das lehren: Wer das nicht erkannt hat, wenn nichts getan wird in dieser Einstellung umzu­kehren, dem ist nicht zu helfen. Nun möchte ich fragen: ist das nicht die Krankheit zum Tode? Ich sage nein, sie ist nicht zum Tode, sondern damit Gott gepriesen werde, der aus dem Tode zum Leben erweckt. Ich könnte es auch anders sagen: Sie werden mich richtig verstehen, hier ist zu helfen, aber von der Auferstehung, von Ostern her. Wir müssen hoffen, dass wir auferste­hen aus dem Grabe unserer Menschenfeindschaft und Blindheit.

Ich glaube wir müssen die nationale Frage transzendieren, dann erst wird sie sich lösen lassen, wir können sie nicht im Bereich des Nationalen lösen. Ich stelle sie jetzt als Christ.

Ich will ganz offen von der psychologischen Wirkung des eisernen Vor­hangs sprechen. Sie ist schrecklich. Ich muss es von mir selbst bekennen. Mit was für Vorstellungen bin ich selbst zum ersten Mal nach hier gekommen oder nach Moskau. Hinterher habe ich mich meines Misstrauens geschämt. Und dabei glaubte ich schon etwas weniger voreingenommen zu sein. Ich will auch nicht sagen, dass es nicht bei uns wie vielleicht auch hier einige Gründe für die Entstehung dieser Entfremdung gäbe, oftmals unvermeidliche Gründe. Aber sie lassen sich auf ein erträgliches Mass zurückführen, auf das an ihnen, was sein sachliches und geschicht­liches Recht hat. Das hiesse, den »kalten Krieg« abbauen. Der kalte Krieg, der absichtlich aufrecht erhalten wird, bedeutet aber etwas ganz anderes. Er bedeutet, das Freund-Feind-Den­ken lebendig zu erhalten, in den Herzen und Hirnen der Menschen. Der eiserne Vorhang wird dazu benutzt, den Menschen, der dahinter lebt, zu verteufeln. Er wird benutzt, die Wirklich­keit dieser Menschen verschwinden zu lassen hinter ein entsetzliches Bild, das nur entworfen wird, um Abscheu und Angst lebendig zu erhalten. So fängt es an — und hat man erst einmal den ersten Schritt getan, dem Menschen hinter dem Eisernen Vorhang seine Menschlichkeit abzusprechen, hat man erst einmal dieses ganze Gebiet für gottlos deklariert, dann wind man sich auch kein Gewissen machen bei dem Gedanken, dass man es unter Umständen mit Atom­bomben »ausradieren« könnte und darin noch seine »Sicherheit« sehen. Man darf das nicht überse­hen: Nie würde der Mensch eine solche »Waffe« entwickeln oder anwenden, wenn man nicht zuvor in ihm den Glauben an den Mitmenschen, an den Bru­der auf der anderen Seite zerstört hätte und permanent aufs neue zerstörte, wo er sich aufs neue zu bilden beginnt. Das ist der »politische« bzw. der »geistige« Sinn des eisernen Vorhangs.

Der eiserne Vorhang ist heute unsere Schuld bzw. unsere Unbusse. Wir kommen nicht mit den Menschen zusammen, zu denen wir sagen müssen: Vergebt uns unsere Schuld. Und dar­um können wir uns als Christen, die er­lebt haben, wie schrecklich das in der Kampfzeit gewesen ist, uns nicht zu­frieden geben. Wir müssen mit unserem Gott über die Mauer sprin­gen. Und Sie wissen darum wohl auch gar nicht, was es bedeutet, wenn Sie zu uns kom­men. Das sind Friedensboten, die Menschen sind. Prof. Parijskij wird es mir bezeugen bei seinem Besuch. Und das ist meine Hoffnung. Wenn wir es aus­einander bekommen könnten, die ideologische geistige Auseinandersetzung für die Koexistenz und die Schuld, dann würde etwas ganz anderes daraus.

5. Nun noch ein Letztes. Der eiserne Vorhang verursacht die Angst. Das ist ein seltsamer Vorgang. Ich habe vor etwas Angst, das gar nicht da ist. Aber ich glaube es ist da und nun handle ich so als wäre es da. Ich erwarte einen Feind, ich nehme ein Gewehr, eine Waffe, ich warte auf jedes Geräusch an der Tür, sie geht auf und ich schiesse. Und es ist mein Bruder. Das ist das Schreckliche, die Angst schafft Wirklichkeiten, die an sich keine sind. Und damit schafft sie Verbrechen. Der eiserne Vorhang erhält diese Angst in Per­manenz. Wir alle leben hinter diesem eisernen Vorhang in der Vorstellung, die Völker dahinter wollen utis überfallen. -Wenn er weggenommen wird, kommen die anderen und nehmen uns alles weg, was wir von Freiheit, Eigen­tum, Kinder, Frauen haben, und darum sagen wir, wir müssen uns bewaffnen. Dann hören wir von Bewegungen auf der anderen Seite und schiessen wir und dann liegen unsere Brüder auf der Erde. In jedem Gottesdienst, in jedem Kollegen müssten wir heute alles daransetzen, die Angst zu zerstreuen, damit wir die Wirklichkeit des Lebens gewinnen, das heisst den eisernen Vorhang, die Angst wegräumen. Nach unserer Rückkehr aus Russland hielt ich einen Vortrag über unseren Besuch bei der russischen Christenheit. Es waren viele Menschen da, als sie mich gehört hatten, gingen sie weg in Frieden. Es war ein neuer Geist, ein wirklicher freudiger Geist, von dem alle erfüllt waren. Die Angst war weg aus ihrem Her­zen. Sie wissen gar nicht, meine Brüder, wie Sie, die öst­liche Christenheit jedweder konfes­sionellen Prägung uns helfen dadurch, dass Sie uns lieb haben. Wir müssen Gott bitten, dass er uns diese Freundschaft erhält. Ich meine jene Liebe, die stark ist wie der Tod. Wenn ein Name unserer Brüder entehrt wird, dann müssen wir unsere eigene Ehre einsetzen. Wenn einer unserer Brüder verdächtigwird, dann müssen wir für ihn eintreten. Ich habe es eigentlich erst aus Erfahrung gelernt, dass die wahre Liebe geboren wird in unserem Tod.

Wir sind alle feige gewesen solange, als wir den Tod fürchteten. Solange wir im Banne der Todeswelt leben, können wir nicht wahrhaft lieben! Die Liebe ist keine moralische Angele­genheit, keine philosophische Idee. Sondern die Liebe ist geboren jenseits des Todes. Das ist die Liebe Gottes. Darum haben die ersten Christen gesagt: Wir sind aus dem Tode ins Leben gekom­men, denn wir lieben die Brüder. Und ich meine das Band unserer Christen­heit sollte, müsste und wird so stark sein, dass alles, was darauf gelegt wird, — wir wissen nicht was noch kommt — dieses Band nicht mehr zerreissen darf, nie mehr. Das hat uns gefehlt. Wir haben nicht genügend geliebt, unsere Liebe hat versagt. Und ebenso unsere untrügliche Hoff­nung. Hoffnung heisst nicht, mit Eventualitäten rechnen. Hoffnung heisst, das vorweg­neh­men, was uns Gott verheissen hat. Was wir so hoffen, das kommt ganz gewiss. Sonst könnten wir es nicht von Gott im Glauben erbitten. Wir reden nicht so, weil wir menschlichen Wün­schen und Neigungen nachgeben, sondern weil wir uns gehalten wissen, den Verheissungen Gottes zu vertrauen. Und wir dürfen glau­ben, dass das, was uns jetzt trennt und beschwert, etwas Böses ist und dass es schwinden wird. Es hat keine echte Wurzel. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Es gibt auch eine Verkehrung dieser grossen und starken christlichen Hoff­nung. Ich meine jenen gnostischen Weltaspekt, der heute in allen möglichen christlichen Kreisen sehr verbrei­tet ist, die Auffassung der Weltgeschichte, ins­besondere der Auseinandersetzung zwischen Ost und West unter dem alten Mythos des Kampfes zwischen Licht und Finsternis, zwei Prin­zipien, die ge­geneinander streiten und die nur mit dem Sieg des einen über das andere enden können. Es gibt manche Worte und Bilder in der Heiligen Schrift, die uns dahin zu führen scheinen. Aber wir dürfen eins dabei nicht vergessen. Für die Bibel ist dieser Kampf kein un­entschiedener Kampf, und für die Bibel geht es nie darum, die Menschheit in Gute und Böse aufzuteilen und Gott zum Parteigänger den vermeintlich Guten zu machen. »Niemand ist gut, denn der alleinige Gott.« Die Bibel warnt vielmehr den Menschen davor, das Böse in der Welt ausrotten zu wollen. Wer das will, wird selbst böse. Wer die Splitter im Auge seiner Mit­men­schen so scharfsichtig wahrnimmt, ist blind für den Balken im eigenen Auge. Wer zu seinem Bruder sagt: du Gottloser, ist selbst des höllischen Feuers wert.

Es ist sehr schrecklich, dass dieses Grauenvolle, als wäre die Finsternis draussen und nicht in uns, durch die ganze Christenheit geistert. So wird in vielen Kirchen gepredigt Unter diesem Zeichen wird sogenannte »christliche« Politik gemacht. Unter diesem Vorzeichen wird dann auch aus der christli­chen Hoffnung eine sehr bedenkliche menschliche Berechnung.

Wir aber wissen: Die Entscheidung ist gefallen, nicht von uns aus, son­dern von Gott aus, über alle Menschen und für alle Menschen. Wir sind Hoffende, Mitarbeitende, Mitwirkende am Frieden, weil wir wissen: der Satan ist besiegt, die Welt steht offen für eine neue Ordnung und wir können sie zeichenhaft vorwegnehmen. Wenn wir in Liebe und Vertrauen zueinander stehen, dann wird das ein Anfang sein. Wir werden eine neue Sprache finden — nicht die der gespaltenen Menschheit — in der wir uns im Letzten verste­hen. Wir werden aufeinander hören und von einander lernen. Und das un­sichtbare Band des Glaubens und der Liebe und — eben auch — der Hoffnung wird stärker sein als alles, was es zerreissen will. Das ist die un­sichtbare Kirche, die mehr bedeutet, als die sichtbaren. Sie ist der Friede, im Glauben an sie werden wir Frieden schaffen. Mit diesem Aufblick zur wahren Kirche möchte ich schliessen, ihr dient unser Zusammensein. Sie ist der Grund aller echten Ökumenizität!

Ecclesia invisibilis, ecclesia triumphans.

Vortrag an der christlichen Friedenskonferenz in Prag am 2. Juni 1958.

Quelle: Communio Viatorum 1, Heft 4 (1958), S. 200-209.

Hier der Vortrag als pdf.

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