Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation über Matthäus 28,1-10 (1. Ostertag): „In dieser tiefen Nacht, da hinter dem Kreuz die dunkle, böse, regungslose Tarantel aufleuchtet in allen ihren giftigen Farben, sitzt der Engel in seinem reinen Kleid, sitzt wie nach getanem Werke, und spricht zu denen, die ins Angesicht der Tarantel schauen mußten: Fürchtet euch nicht! Freuet euch!“

Predigtmeditation über Matthäus 28,1-10 (1. Ostertag)

Von Hans Joachim Iwand

I

Unser Text beginnt mit den Worten: „Sie kamen, das Grab zu besuchen“, und er endet mit dem Befehl des Auferstandenen: „Freuet euch“, „fürchtet euch nicht, gehet hin und verkündigt es meinen Brüdern“. In der Mitte des Ganzen steht das entscheidende Wort: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden“. Der diese Botschaft kündet, ist ein Engel in weißem Kleid, „sein Aussehen war wie der Blitz“. Er sitzt auf dem Stein, der das Grab bedeckte, das Grab ist offen und gehört zu dieser Botschaft als das Zeichen, das das Wort bestätigt: „Kommt, seht die Stätte, da er gelegen hat“. Daran wird deutlich, daß jene Ausleger recht haben werden, die in der Öffnung des Grabes nicht den eigentlichen Vorgang der Auferstehung sehen, non ut egressuro Domino januam pandat, sed ut egressus ejus jam facti hominibus praestet indicium (Beda). „Denn ausz Matheo ist es gut abzunehmen, das der Herr Christus nicht im Erdbidem sey aufferstanden, Sonder das der Erdbidem als dann sey angangen, da der Engel vom himel herab kommen und den Stein vom grab hinweg thun habe. Christus aber ist durch das beschloszne Grab und on alle Verletzung der Sigel, so an das Grab gedrücket, herdurch kommen“ (Luther, WA. 52, 240, 2); wie nahe auch immer unser Bericht im Unterschied zu den anderen Evangelisten dem gewagten Versuch kommt, die Auferstehung Jesu zu beschreiben, von ihr so „objektiv zu reden, als wäre es eine Tatsache, wie alle irdischen Tatsachen sonst“ (Schniewind), die Grenze bleibt gewahrt und nicht der Vorgang der Auferstehung, sondern das Zeugnis steht im Mittelpunkt, „wo nun Gott nicht hett gewöllet, das wir solcher aufferstehung uns annemen und trösten solten, so würd er seine Botten, die lieben Engel, im himel behalten und uns nichts davon hab lassen sagen“ (WA. 52, 253, 19). Nicht der Vorgang der Auferstehung, sondern die Botschaft, die Offenbarung derselben, steht im Mittelpunkt. [193] Ihr ist das leere Grab zugeordnet: si meis verbis non creditis, vacuo credatis sepulcro (Hieronymus).

Die Botschaft hat ihre bestimmte Adresse, sie geht nicht an jedermann. Sie ist den einen ein Geruch vom Leben zum Leben, wie sie den anderen ein Geruch vom Tode zum Tode ist. Die Grabeswächter „wurden, als wären sie tot“, die Frauen aber hören die frohe Botschaft: „Ihr sucht Jesum den Gekreuzigten, er ist nicht hier, denn er ist auferweckt, wie er gesagt hat“. Sie allein hören das: „Freuet euch“, sie werden zu „Evangelistinnen“, wie ein Kirchenvater sagte, zu Trägern der Botschaft von der Auferstehung, die sie unter Furcht und großer Freude den Jüngern bringen. Ihnen allein erscheint Jesus, sie allein vollziehen die Proskynese des Herrn, sie allein umfangen seine Füße und dürfen dessen gewiß werden, daß es kein „Gespenst“, kein „Geist“ (Luk. 24, 37) ist. Sie allein vernehmen das große Wort, daß der Auferstandene die Gemeinde seine Brüder nennt. In der Augenzeugenschaft der Gemeinde soll die Botschaft von der Auferstehung an die Welt ergeben, damit Raum bleibt für jenen Tag, da „er kommen wird auf den Wolken und jedes Auge ihn sehen wird, auch die, die ihn zerstochen haben“ (Apc. 1, 7).

II

Damit kommen wir zur Sache selbst, zur Botschaft, die hier vernommen ist und die immer aufs neue zu vernehmen sein wird. Wir sollten uns hüten, diese Botschaft herauszunehmen aus dem Bezuge, in dem sie steht. Nicht zu irgendwem sagt der Engel: „Er ist auferstanden“, sondern zu denen, die kommen, um „Jesus den Gekreuzigten zu suchen“. Es sind Frauen, die Jesus kennen. Es ist Maria von Magdala, die Jesus von ihren sieben Teufeln frei gemacht hatte (Mark. 16, 9), Menschen, die ratlos, hoffnungslos, aus allen Himmeln gestürzt, in alle Abgründe gestoßen sind. Gott hat verloren, und die Welt, die Welt der Priester und der Masse, die Welt der Legionäre und der rohen Gewalt hat gewonnen, was eben noch wahr zu sein schien, daß Himmel und Erde sich doch berühren, daß es doch mitten unter uns die Gottesherrschaft, daß es Licht und Wahrheit gibt, daß der Angriff Gottes begonnen hat auf die Macht der Finsternis und daß die Fesseln fallen, die Schuld und Sünde, Krankheit und Tod um den Menschen legen, ist mit [194] einem Mal zur Illusion geworden, was ist aller Atheismus der Heiden gegenüber diesem Gang zum Grabe des Jesus von Nazareth? Wer Gott nie geglaubt hat, dem kann man auch Gott nicht totschlagen, wenn die Heiden sagen: es gibt keinen Gott, dann sagen sie im Grunde gar nichts, ihre Weisheit ist ein leerer Satz (eine Identität), der nur die Hohlheit ihres Kopfes offenbart. Sie offenbaren damit nur, in welcher Welt sie leben. So lebt der Wurm, der jenseits der Lichtwelt vegetiert. Aber Maria von Magdala hat einmal gesehen, wie der Himmel aufging, und die Jünger haben einmal gehört, was nicht von unten war, sie haben alle vor dem Geheimnis gestanden und das Wort Gott hat aufgehört, ein leeres, kraftloses, fernes Wort zu sein. Hier hinein trifft der Schlag, den die Welt mit dem Tode dieses Jesus von Nazareth beabsichtigte. Hier hat es einen anderen Sinn, wenn es heißt: Sie gingen, das Grab zu sehen! Das ist alles, was übrig geblieben ist, ein paar verstörte Jünger, verängstigte und verleugnende Christen, und zwei, drei Frauen, die die Liebe treibt, am Grabe ihres Meisters ihren Schmerz auszuweinen. Und über dem allen der Triumph der Welt, des Bösen, der rohen Gewalt und der frommen Diplomatie, über dem allen der Sieg der Mächte, die dekretiert haben, daß Gott hier unten nichts mehr zu suchen hat. Das ist die Situation des Ostermorgens. Die Wahrheit ist als Schwärmerei erwiesen, die Mauer zwischen Gott und uns, zwischen seinem Reich und unserem Regieren ist neu gedichtet (beinahe wäre sie eingestürzt, aber es ist noch einmal gelungen, dieses Unheil zu verhüten!), der Tempel ist gesichert, der Tempelreiniger ist erledigt, Gott ist isoliert, das Evangelium ist in Acht und Bann getan, woran Kaiphas und Pilatus ein gemeinsames Interesse hatten. Das ist die Nacht, in der die Frauen zum Grabe gehen, der so verheißungsvoll leuchtende Morgen, der zum Weltenmorgen werden sollte. Sie wissen noch nicht, was das für ein Licht ist, das seinen Schein übers Gewölk wirft. Aber sie werden bald vor ihm stehen. Das ist die Nacht, in die der Blitz von oben fährt, das ist das Bündnis, das widernatürliche Bündnis zwischen Kirche und Welt, das sie über dem verurteilten Jesus von Nazareth geschlossen haben, die Hohenpriester und die Herodianer, in das die Botschaft von dem anderen Bündnis einschlagen wird, von dem Bündnis zwischen Gott und diesem Erschlagenen. Und das ist die Osterfreude, an die der Heilige Geist diese beiden Frauen als die [195] ersten aus der Gemeinde der Verzweifelten heranrückt, als die vorgeschobenste Patrouille, auch hier die Schwachheit auszeichnend vor dem zerbrochenen Stolz der Männer, auch hier sein Werkzeug aus der Tiefe holend, um die zufriedene Welt nun doch aufs neue mit dem Gekreuzigten zu konfrontieren. Nein, der Stein, den sie versiegelten, ist nicht der Schlussstein dieser Geschichte geworden. Und wenn sie es bis zum Äußersten trieben, dann wird auch vom Äußersten her, vom Tode her, der Gegenangriff Gottes einsetzen gegen das Märchen, dass man ihn totschlagen könnte, „wie es denn unmöglich war“, wird – sich selbst zum Zeugnis – bald Petrus predigen (Acta 2, 24), „wie er selbst gesagt hat“, hören hier die Frauen. Er musste sterben und so auferstehen – begreifen die Jünger schließlich durch den seltsamen Lehrer, der sich ihnen auf ihrem Schmerzensgang nach Emmaus zugesellte. Und dies alles stellt hier in einem Licht, in einem sich selbst erweisenden Glanz, dass alle Zweifel schwinden; die Evidenz der Wahrheit selbst sitzt da auf diesem umgekehrten Stein, und das Grab wird nun selbst zum Zeugen, dass mit all dieser kühnen und bösen Kunst der Welt nichts, aber auch gar nichts gewonnen ist. Der Tote lebt, und im Grabe liegt nun der Tod selber. Hier ist er zu weit gegangen, es „war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen, das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen“. Mors et vita duello conflixere mirando, Dux vitae mortuus regna vivis. „Aber der tod traff nicht recht an, denn das leben war ewig“ (WA. 52, 248, 34). Und während die Grabeshüter noch stumpfer und empfindungsloser daliegen, als sie vorher stumpfsinnig ihre Wache hielten – eine Warnung übrigens für alle die, die sich dingen lasten sollten, solch ein Geschäft an einem so gefährlichen Ort fernerhin je auszuüben –, setzt eine Zwiesprache zwischen dem Engel und den beiden Frauen ein, wie sie wohl so noch nie auf Erden geführt worden ist. Und wir hören davon nur einige Bruchstücke heraus, die uns aber zeigen, wohin dieser Engel sie weist: Sie sollen sich nicht fürchten, sie sollen ihr Herz anfüllen lasten von der „großen Freude“. Hoffentlich ist der Botschaft, die vom offenen Grabe ausgeht, bis heute das anzumerken, dieses Begleitetsein von „Furcht“ (nun offenbar wieder der echten, der Gott geschuldeten Furcht) und der „großen Freude“. Diese Frauen haben etwas am Grabe gelernt, was man in keiner Schule lernen kann: sie haben den Zweifel gelernt, den Osterzweifel, der an allem zweifelt, an dem Tod und [196] an dem Triumph der Mächte, die ihren Herrn ins Grab gelegt haben, an der ganzen Welt und ihrer Nacht und ihrer Sunde und ihrer scheinbaren Endlichkeit und Todesdichte, nur an einem nicht mehr: an Jesus. Im Angesicht des offenen Grabes fallen sie ihm zu Fußen und beten ihn an.

„Vor ein paar Tagen hörte ich in einem Vortrag über die geistige Situation der Zeit das Wort, auf dem Grunde aller heutigen Weltanschauungen liege die Überzeugung: lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Das ist das unanzweifelbare Dogma des heutigen Menschen, daß alles andere unsicher ist, aber der Tod gewiß. Dieses Dogma muß nun angezweifelt werden, ein Osterzweifel muß in das Herz kommen, ein fröhlicher und respektloser Osterzweifel, gegenüber der Herrschaft des Todes auf Erden, gegenüber der Hoffnungslosigkeit unseres Lebens, der Unabänderlichkeit des Weltlaufs, der Unbekanntheit und Ferne Gottes, den harten Gesetzen des Vergehens, der Sinnlosigkeit des Leides, der Überlegenheit der Macht über das Recht, der Unterworfenheit der Wahrheit unter die Lüge. Ein fröhlicher Zweifel, nicht aus einer optimistischen Weltanschauung heraus, die dann doch rasch erschüttert ist, sondern ein Zweifel von Gott, von der Osterwirklichkeit her“ (Gollwitzer, Jesu Tod und Auferstehung). Hören wir noch einen anderen Zeugen: „Von der grausigen Kreuzabnahme Holbeins redet in seinen Todesphantasien Ippolit in Dostojewskijs „Idiot“: ,Wenn einen solchen Leichnam (und er muß ganz bestimmt so ausgesehen haben) alle seine Jünger … die alle an ihn glaubten … gesehen haben … wie konnten sie da noch glauben, daß er auferstehen werde? Hier taucht unwillkürlich der Gedanke auf: wenn der Tod so entsetzlich ist und die Naturgesetze so mächtig, wie kann man sie bezwingen? Die Natur erscheint einem bei Betrachtung dieses Bildes wie ein riesiges, unerbittliches, stummes Tier, oder richtiger wie eine ungeheure Maschine neuester Konstruktion, die sinnlos, taub und gefühllos ein großes, unschätzbares Wesen ergriffen, zerschmettert und verschlungen hat, ein Wesen, das allein mehr wert war als die ganze Natur und alle ihre Gesetze, als die ganze Erde, die vielleicht einzig nur darum geschaffen ward, daß dieses Wesen erscheinen könnte. Durch dieses Bild manifestiert sich gleichsam der eigentliche Begriff der finsteren, rohen, sinnlos-ewigen Kraft, der alles untertan ist … Mir schien es mitunter, als sähe ich diese unsinnige Kraft, dieses taube, finstere, stumme Wesen. Ich erinnere mich, daß mir zumute war, als führte mich jemand an der Hand, mit einer Kerze vorleuchtend, zeigte mir eine ungeheure, abscheuliche Tarantel und behauptete, das sei eben jenes finstere, taube, allmächtige Wesen, und lachte über meine Entrüstung …‘

In zwei Hälften teilt sich die Menschheit, und zu einer von beiden muß jeder gehören: entweder zu denen, die an die Tarantel glauben, oder zu jenen, die glauben, daß Christus auferstanden ist … .

Ich bin die Auferstehung und das Leben,
wer an mich glaubt, der wird nimmermehr sterben.

Man glaubt entweder an den, der diese Worte sprach, oder an die Tarantel“ (Mereschkowski, Jesus der Kommende). [197]

In dieser tiefen Nacht, da hinter dem Kreuz die dunkle, böse, regungslose Tarantel aufleuchtet in allen ihren giftigen Farben, sitzt der Engel in seinem reinen Kleid, sitzt wie nach getanem Werke, und spricht zu denen, die ins Angesicht der Tarantel schauen mußten: Fürchtet euch nicht! Freuet euch! Es ist alles nicht wahr. Wahr ist, was allein wahr sein kann. Daß Jesus nicht hier unten ist. Wahr ist, daß sich die Welt mit dieser Tat übernommen hat. Wahr ist, daß die Geschichte mit Jesus Christus weitergeht, so wie sie begonnen hat, in Galiläa und von Galiäa aus. Wahr ist, daß es heißen wird: tamen vicisti, Galilaee!

III

Vielleicht ist damit der Ductus des Ganzen, der Anspruch, den unsere „Historie“ an den Prediger stellt, ein wenig aufgehellt, wir brauchen nicht „darüber“ zu predigen, „es“ predigt hier laut und hell und leuchtender als die Sonne selbst, wir werden auch etwas mitvollziehen müssen von diesem Wege hin und zurück, von dem Zweifel, mit dem sie hingingen und von dem Zweifel, mit dem sie heimkehrten. Plato, als er die Idee erkannte, kann nicht so an den Rand alles Seienden exponiert worden sein wie es diesen armen Frauen erging, die von Gott für uns alle in die Nähe dieses Feuers gerückt wurden.

Aber lesen wir nun ganz kurz den Text: Als aber der Sabbat vergangen war und der erste Wochentag anbrach, prima sabbati ist die Zählung der Wochentage; der Sonntag erinnert bis heute an den Auferstehungstag, kam Maria von Magdala und die andere Maria, das Grab zu besehen. Die Namen der Frauen wechseln, sed hoc sacris scriptoribus scimus esse usitatum, ut paucos tantum ex majore numero (vgl. Luk.) exprimant (Calvin). Die Männer versagen, die Frauen übernehmen den Zeugendienst (Evangelii praeconium), um die Apostel zu beschämen. In eo primum castigatus fuit Apostolorum torpor, qui pavore fere jacebant exanimes (Calvin). Und siehe, da entstand ein großes Erdbeben. (Ps.76, 9). Es ist das Zeichen der Epiphanie Gottes. Kreuz und Auferstehung stehen unter demselben Zeichen der tiefsten Erschütterung der Welt, den Zeichen des Endes. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat herzu und wälzte den [198] Stein ab und setzte sich darauf. „Mit dem Typus der Weihnachtsgeschichte trifft sie (diese Ostergeschichte) vollständig zusammen“ (Schlatter). Die Offenbarung und das Zeichen erwartet die Frauen. Sein Aussehen aber war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee, Hoc habitu antehoc apparuisse non leguntur coelestes nuncii; apparuere autem postea Acta 1, 10; 10, 30 (Bengel). Die Botschaft erfolgt im Zeichen des kommenden Weltgerichts. In candido etiam vestitu Angelus significat gloriam triumphantis (Hieronymus). Aus Furcht vor ihm aber erbebten die Wächter und wurden, als wären sie tot. Das ist ein anderes Bild als wir es bei der Verhöhnung des Judenkönigs erlebten. Im Gottesgericht sinken die Gottlosen zusammen, aber die Traurigen werden getröstet (Matth. 5, 4). Die einen vernehmen die Auferstehungsbotschaft, die anderen vernehmen nichts und sind jetzt schon wie tot (Ex. 33, 20). Der Engel aber hob an und sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Hier ist der Ort, wo wir das Fürchten verlernen (1. Kor. 15, 57). Ich weiß ja, ihr sucht Jesus den Gekreuzigten: Gott kennt die Herzen. Wer den Gekreuzigten sucht, findet den Auferstandenen. Er ist nicht hier, denn er wurde auferweckt (Kol. 3, 2). Das ist die Mitte, um die alles andere schwingt (1. Kor. 15, 14f.), wie er gesagt hat; es ist alles Erfüllung seiner Worte. Kommt, sehet die Stätte, wo er gelegen hat. Darum bekennen wir: begraben, am dritten Tage auferstanden von den Toten. Und gehet schnell hin und sagt seinen Jüngern: er wurde auferweckt von den Toten und siehe, er geht euch voran nach Galiläa. „Botinnen der Auferstehung sind die Frauen auch nach Luk. 24, 9; Joh. 20, 18“ (Schniewind). In Galiläa wird der erste Zusammenschluß der Jünger erfolgen, „fern von der Feindschaft Jerusalems“ (Schlatter). Dort werdet ihr ihn sehen (vgl. Joh. 21). Siehe, ich habe es euch gesagt. Der Auferstandene gebietet seiner Gemeinde ihren Weg. Und sie gingen schnell aus dem Grabe heraus mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkündigen. Nun wird diese Botschaft nicht mehr aufhören zu laufen. Aber „das Ungeheure des Wunders macht es schwer, von der Auferstehung zu reden“ (Schlatter). Und siehe, Jesus begegnete ihnen, [199] als Belohnung ihres Glaubensgehorsams, und sprach: Seid gegrüßt. Es ist unfaßlich, daß ein sterblicher Mensch vor dem Auferstandenen stand. Und doch werden auch wir seinen Friedensgruß einmal hören. Der Gruß heißt wörtlich: Freuet euch! (Phil. 4, 4). Sie aber traten herzu, faßten seine Füße, es ist wirklich Jesus der Gekreuzigte, und fielen vor ihm nieder. Es ist die Anbetung des kýrios. non tibi, o quaecumque es talis anima, non tibi ille locus vilis despicabilis videatur, ubi sancta peccatrix peccata deposuit, induit sanctitatern (Bernhard serm. in cant. 3). Um Bote des Auferstandenen zu sein, muß man zuvor zu seinen Füßen gelegen haben. Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! „Das ist der erste befehl, nicht allein an die Weyber, Sonder an alle getauffte und glaubige Christen, die da glauben und wissen, Christus sey aufferstanden, Das sie sich nicht sollen förchten“ (WA. 52, 254, 14). Geht, verkündet meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen sollen, und dort werden sie mich sehen (vgl. Ps. 22, 23; Hebr. 2, 11). „Das wort nun, das der Herr seine Jünger Brüder heist, ist die rechte Absolutio … Darumb solt man solches großen trostes nit vergessen und ymmerdar an dise reiche, ewige Bruderschafft dencken und derselben uns in allen nöten und im tod selber trösten“ (WA. 52, 256 f.). Darum nennen sich die Christen Brüder. Und es ist kein gutes Zeichen, wenn wir beginnen, uns eines Namens zu schämen, den wir tragen dürfen, weil der Auferstandene sich nicht geschämt hat, uns seine Brüder zu nennen. Kein Titel ist so hoch in der Kirche wie dieser, keiner reicht so tief hinein in alles Leid und alle Not wie dieser. Keiner wird mit uns hinübergehen in die Ewigkeit als allein dieser. Denn der Auferstandene ist der „Erstgeborene unter vielen Brüdern“ (Rom. 8, 29).

Quelle: Georg Eichholz (Hrsg.), Herr, tue meine Lippen auf. Eine Predigthilfe, Bd. 3, Die neuen Evangelien, Wuppertal-Barmen: Emil Müller Verlag, 5. A., 1964, Seiten 192-199.

Hier der Text als pdf.

1 Kommentar

  1. Die Seele kennt sich
    keine Unterscheidung

    wir sind
    dem Bösen
    und dem Guten
    dazwischen

    die Seele gibt uns
    die Gabe
    bevor die linke
    Hand etwas will
    mit der rechten Hand
    das Bessere
    im Alltag zu üben

    glauben heisst vertrauen
    auf das was man nicht sehen
    nicht begreifen kann

    alles muss
    in uns
    ein Ereignis sein
    bewusst damit
    den nächsten Schritt
    zum besseren wagen

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