Die Heilung der verdorrten Hand ohne Jesu Übertretung des Sabbatgebotes in Markus 3,1-6: „Im Vollzug der aktiven Handbewegung demonstriert der Mann, dass Heilung an ihm bereits geschehen ist. Eine therapeutische Handlung Jesu ist also nicht erforderlich.“

Die Heilung der verdorrten Hand ohne Jesu Übertretung des Sabbatgebotes in Markus 3,1-6

Im Evangelium nach Markus werden in 2,1-3,6 fünf Streitgespräche Jesu mit Schriftgelehrten und Pharisäern erzählt. Ausgangspunkt ist jeweils eine anstößige Handlung bzw. Äußerung auf Seiten Jesu. Am Ende in 3,6 heißt es dann, dass die Pharisäer sich zurückziehen und mit den Anhängern des Herodes beraten, wie sie Jesus – ohne Prozess – vernichten können. Offensichtlich kann er nicht gerichtlich belangt werden. Das wird deutlich, wenn man die Heilungsgeschichte Mk 3,1-6 näher in den Blick nimmt. In den Kommentaren wird ganz selbstverständlich davon geschrieben, dass Jesus den Mann mit der verdorrten (gelähmten) Hand geheilt habe. Aber damit macht man es sich zu einfach, fehlt doch ein therapeutisches Kontaktgeschehen – man vergleiche nur die Heilung des Blinden in Mk 8,22-26 – bzw. die Anrufung Gottes im Gebet (vgl. Joh 11,41 – Auferweckung des Lazarus).

Was Jesus in dieser Heilungsgeschichte zeigt, ist seine subversive Vorgehensweise, ähnlich wie in Mk 12,13-17, wo er sich den Denar, also die Steuermünze, von seinen Gegnern zeigen lässt. In Mk 3,2 wollen die Gegner Jesus der Übertretung des Sabbatgebotes überführen, so dass sie einen Grund zur Anklage haben. Wird Jesus am Sabbat therapeutisch tätig, verstößt er gegen die Tora bzw. die Halacha. Jesus stellt in 3,4 klar, dass für ihn Gutes tun bzw. heilen auch am Sabbat Priorität hat. Aber dann nimmt er selbst keine Handlung vor, die ihm als Heilungsakt zugeschrieben werden kann. Stattdessen die Aufforderung an den Mann: „Strecke deine Hand aus!“ (V 5) Im Vollzug der aktiven Handbewegung demonstriert dieser, dass Heilung an ihm bereits geschehen ist. Eine identifizierbare therapeutische Handlung Jesu ist also nicht erforderlich. Und doch weiß jeder, dass diese Heilung durch Jesus veranlasst worden ist. Das Gute hat sich in Jesu Gegenwart ereignet, ohne dass es ihm als Sabbatübertretung angehängt werden kann. Der Plan, einen Grund zur Anklage zu erhalten, ist gescheitert. Der Zorn seiner Gegner lässt nunmehr einen Weg zur Vernichtung Jesu suchen.

Hier mein Text als pdf.

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