Vom Dienst der Christen: „Ich bin doch nicht dein Diener“ – oder doch?

„Wie könnte denn ein Mensch glücklich sein, der einem anderen dienen muss?“ heißt es beim griechischen Philosophen Platon. Das Wort „dienen“ hat keinen guten Klang. Wer dient, scheint in der Abhängigkeit von jemand anderem gehalten zu sein. Selbständig wollen wir leben, um selbst entscheiden zu können, was zu tun oder zu lassen ist. So werden in unserer Gesellschaft immer weniger Dienste erbracht. An ihre Stelle sind zu bezahlende Dienstleistungen getreten, die einem einen eigenen Verdienst verschaffen.

Provozierend müssen da Jesu Worte klingen: „Wer unter euch groß sein will, sei euer Diener.“ (Markus 10,43). Er selbst macht es beim Abendmahl vor, indem er seinen Jüngern die Füße wäscht. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.“ (Johannes 13,15) Jesus hat nicht die Wünsche seiner Jünger bedient, sondern ist diesen mit seinem Dienst, mit seiner Hingabe ganz nahegekommen, um sie heilsam zu verändern.

So beruht der Dienst der Christen nicht auf der Befehlsgewalt anderer Menschen. Ihnen zu Diensten sein heißt nicht ihnen zu Willen sein. Ich diene anderen Menschen freiwillig, weil ich ihnen Gutes widerfahren lassen möchte. Nicht unbedingt das, was der andere selbst gut findet, heißt es ihm anzudienen. Vielmehr soll das Gute aus mir selbst – wie beim Musizieren – dem anderen zugutekommen. So lässt sich das Elternsein als Dienst an den eigenen Kindern verstehen.

Um anderen Menschen zu dienen, braucht es Haltung und ein besonderes Rückgrat. Der Dienst darf einen nicht dauerhaft verbiegen. Wo ich anderen Gutes andiene, steht Jesus Christus hinter mir – mit seiner Hingabe für mich. Er richtet mich immer wieder neu auf. So komme ich mit meinem Dienst anderen Menschen nahe, ohne dass diese über mich bestimmen. Da findet sich dann die Anerkennung: „Danke, dass du mir geholfen hast. Was du getan hast, habe ich nicht von dir erwartet, aber es hat mir gutgetan.“ So kommt das Gute meines Dienstes schließlich mir selbst zugute.

Hier mein Text als pdf.

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